Färberwaid

Färberwaid
Färberwaid (Isatis tinctoria)
Färberwaid (Isatis tinctoria)
Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütengewächse
(Brassicaceae)
Gattung: Waid (Isatis)
Art: Färberwaid
Wissenschaftlicher Name
Isatis tinctoria
L.

Der Färberwaid (Isatis tinctoria) oder Deutsche Indigo ist eine zweijährige Pflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).

Beim Färberwaid handelt es sich in der freien Natur um einen Neubürger, der jedoch vor der Entdeckung Amerikas 1492 eingebürgert wurde (Archäophyt). Die ursprüngliche Heimat der Pflanze ist Westasien, sie wird in Europa allerdings schon lange kultiviert.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Im ersten Jahr wächst ihr eine Blattrosette mit ca. 30 cm langen behaarten Blättern. Im zweiten Jahr wachsen dann bis zu 2 m hohe Blütenstände mit gelben, rapsähnlichen Blüten, die später blaue Nüsse ausbilden.

Verbreitung

Der Färberwaid ist verwildert und wächst heute hauptsächlich in Europa. Als Standorte werden trockene Hänge, Felsen und trockene Ruderalstellen bevorzugt. Als Untergrund verlangt die Art stets Kalkböden.

Systematik

Neben der Nominatform wird unterschieden:

  • Isatis tinctoria subsp. koelzii (Rech.f.) Jafri: (Pflanze und Früchte kleiner, Afghanistan, Pakistan)

Verwendung

Die Blätter enthalten das farblose Glykosid Indican, das enzymatisch in Zucker und Indoxyl gespalten und zu Indigo oxidiert wird (Fermentation). Die vollständige Umwandlung nach einem Färbevorgang nimmt etliche Stunden in Anspruch. Die Behauptung, hiervon leite sich der Ausdruck Blau machen ab, ist nur eine von mehreren ungesicherten Vermutungen (siehe hierzu den Artikel Blauer Montag).

Die Pflanze wird seit dem Altertum kultiviert (Färberpflanze). In Deutschland wird der Färberwaid seit dem 9. Jahrhundert, hauptsächlich in Thüringen angebaut. Zu seiner Verarbeitung waren Waidmühlen erforderlich. Färberwaid war etwa bis ins 16. Jh. sehr wichtig für die Herstellung von blauem Leinen. Er wurde dann durch die Einfuhr von echtem Indigo aus dem tropischen Schmetterlingsblütler Indigofera tinctoria zurückgedrängt. Wegen des Holzschutzeffektes (gehemmtes Pilzwachstum) eignet sich die aus Färberwaid gewonnene blaue Farbe auch zum Streichen von Türen, Deckenbalken und Kircheninnenräumen.

Aus den Wurzeln der Färberwaidpflanze wird der Waidbitterlikör hergestellt. Außerdem wird die Färberwaidwurzel (Isatidis Radix) als traditionelles chinesisches Heilmittel zur Bekämpfung von Grippeinfektionen (aber auch Masern, Mumps) verwendet (chines. Bezeichnung: Banlangen). Banlangen ist vor allem während der SARS-Epidemie in China sehr gefragt gewesen; das Medikament war binnen kurzer Zeit ausverkauft, obwohl eine Wirkung gegen Viren nie nachgewiesen werden konnte.

Seit der synthetischen Herstellung von Indigo im Jahr 1880 ist der natürliche Indigo vom Markt verschwunden. Allerdings gab es nach dem Mauerfall vor allem in Thüringen wieder eine große Nachfrage nach der blauen Farbe aus Färberwaid, um Kirchen und andere Gebäude originalgetreu restaurieren zu können.

Literatur

Fischer, F. (1997): Das blaue Wunder Waid. Wiederentdeckung einer alten Nutz- und Kulturpflanze. 91 Seiten, vgs Verlagsgesellschaft, Köln.

Weblinks

Commons
Commons: Isatis tinctoria – Bilder, Videos und Audiodateien
Quelle:
Artikel Färberwaid aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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