Die Feinstrukturkonstante α ist eine dimensionslose physikalische Konstante, die die Stärke der elektromagnetischen Wechselwirkung angibt. Sie wurde 1916 von Arnold Sommerfeld zur Beschreibung der Aufspaltung (Feinstruktur) von Spektrallinien im Spektrum des Wasserstoffatoms eingeführt, daher wird sie oft auch Sommerfeldkonstante oder Sommerfeldsche Feinstrukturkonstante genannt.
Die Feinstrukturkonstante ist die elektromagnetische Kopplungskonstante, das heißt sie beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Austauschteilchen der elektromagnetischen Wechselwirkung, ein Photon, an ein elektrisch geladenes Elementarteilchen, zum Beispiel ein Elektron, koppelt. Damit bestimmt die Feinstrukturkonstante die Rate für physikalische Prozesse wie die Lichtemission und die Stärke der abstoßenden oder anziehenden Kräfte zwischen elektrisch geladenen Teilchen.
Der Wert der Feinstrukturkonstanten beträgt:
Dabei ist e die Elementarladung,
die Diracsche Konstante, c die Lichtgeschwindigkeit und ε0 die Vakuumpermittivität.
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Direkt kann die elektromagnetische Wechselwirkung nur mit der Gravitation verglichen werden, da beide Kräfte dem gleichen Abstandsgesetz gehorchen. Genauer gesagt nimmt bei beiden Wechselwirkungen die Stärke der Kraft mit dem Quadrat des Abstandes ab.[2]
Drückt man die durch die Gravitationskonstante angegebene Stärke der Gravitation zwischen zwei Protonen, also schwereren Elementarteilchen (im Vergleich z.B. zu Elektronen), in einer wie die Feinstrukturkonstante dimensionslosen Zahl aus, so erhält man einen Wert von
.Vergleicht man diesen Wert mit der Feinstrukturkonstanten, die die Stärke der elektrischen Abstoßung zwischen beiden angibt, so sieht man, dass die Gravitation etwa 1036 mal schwächer ist als die elektromagnetische Wechselwirkung.
Die Starke Wechselwirkung hat eine 'laufende Kopplungskonstante'. Der Vergleichswert für die Kraft zwischen zwei Nukleonen im Atomkern ist
.Vergleicht man die Zerfallsraten aus starken und schwachen Zerfällen, so erhält man für die Schwache Kraft eine Kopplungskonstante von
.Die Frage, ob die Feinstrukturkonstante zeitlich variiert oder seit dem Urknall unverändert ist, ist von beträchtlichem theoretischem Interesse.
Experimente und Messungen hierzu werden auf ganz unterschiedlichen Zeitskalen durchgeführt[3][4]:
Wie bereits erwähnt, hat die Feinstrukturkonstante einen großen Einfluss auf fast jegliches physikalisches Phänomen. Unser Universum wäre nicht dasselbe, wenn die Konstante schon nur einen winzigen Bruchteil (etwa 10-59) größer oder kleiner ausgefallen wäre.[8] Dabei kann angenommen werden, dass in fast keinem der Fälle ein Universum entstanden wäre, das Leben hätte hervorbringen können. (Siehe dazu auch: Anthropisches Prinzip und Feinabstimmung der Naturkonstanten)
It has been a mystery ever since it was discovered more than fifty years ago, and all good theoretical physicists put this number up on their wall and worry about it. (Seit sie vor über fünfzig Jahren entdeckt wurde, ist sie ein Mysterium, und alle guten theoretischen Physiker hängen diese Zahl an der Wand auf und machen sich Sorgen über sie.) Richard P. Feynman, QED - The strange theory of light and matter, Princeton University Press 1985, p. 129