Als Flachgrab werden im archäologischen Sprachgebrauch Bestattungen bezeichnet, die sich oberirdisch (z. B. durch Hügel) nicht abzeichnen. Flachgräber können in Form einfacher Erdgräber auftreten, aber auch mit hölzernen oder steinernen Merkmalen, wie Boden- oder Seitenplatten versehen sein. Sie sind zwar grundsätzlich nicht an eine bestimmte Bestattungsform (Brand- oder Körpergrab) gebunden, aber im engeren Sinne versteht man darunter einfache Körpergräber in mehr oder weniger stark eingetieften Erdgruben. Die anderen Bestattungsformen haben u. U. spezielle Namen (z. B. Brandschüttung).
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Einfache Flachgräber sind selten. Von zahlreichen zufällig als Lesefunde aufgesammelten Gefäßresten und Äxten wird angenommen, daß sie als Grabbeigaben in den Boden kamen und bei der Auffindung der Grabcharakter nicht erkannt worden sei, weil die Skelettreste bereits vergangen waren. Viele Flachgräber bestehen aus Gruben ohne erkennbare Einbauten. Feldsteine und Granitplatten geben den einzigen Hinweis auf ihre Form, wenn die eventuell einmal vorhandenen Holzreste vergangen sind. Sie deuten nicht immer auf größere Holzkammern. Unter einem Erdhügel bei Steinkimmen (Kreis Oldenburg) fand sich eine lange, muldenförmige Steinpackung ohne Spuren einer größeren Grabgrube.
Öfter als megalithische Anlagen legten die Träger der Trichterbecherkultur Flachgräber an. Sie finden sich auch unter oder neben den Hügeln der Megalithanlagen oder Grabhügeln. Viele wurden auch in der Nachbarschaft von Megalithanlagen entdeckt. Falls sie separat liegen, werden sie nur zufällig erkannt, da sie oberflächlich nicht gekennzeichnet sind. Ein solches seltenes Grab wurde 2001 in Wendorf (Kreis Güstrow) gefunden. Es barg drei Tote (zwei in Hockstellung) und tiefstichverzierte Keramik. Die Bauart ist auch innerhalb desselben Komplexes in Form und Größe uneinheitlich. Nachzuweisen sind
In Himmelpforten wurden auf einer Fläche von 16 x 18 m sechs Flachgräber nachgewiesen. Unklare Befunde deuten auf weitere drei. Hinweise auf Steingräber in dieser Gegend fehlen.
Nördlich eines Steingrabes lagen die Flachgräber. Streufunde von Tiefstichkeramik auf der Ackerfläche deuten auf weitere unerkannte Grabstellen hin.
Grab A von Issendorf und die Gräber I + III von Himmelpforten deuten auf unverfüllte holzverkleidete Grabkammern hin. Bodenpflaster fand man in den Hünenbetten mit und ohne Kammer. Erstere enthalten oft nur eine Megalithkammer, obwohl die Hügellänge für mehrere bestimmt zu sein scheint. Bei der Untersuchung der Hünenbetten in Horneburg und Bliedersdorf, Landkreis Stade, kamen Steinpflaster zutage, die denen der Flachgräber ähnlich waren. Auf ihnen haben sich offensichtlich Bestattungen befunden.
Eine Steinpackung fand sich auch neben dem Megalithgrab unter dem Rundhügel des Grabes l von Horneburg. Sie wurde wie einige Issendorfer Gräber, an einem Ende durch eine senkrecht gestellte Steinplatte begrenzt. Solche „Grabsteine“ sind auch in Flachgräbern von Sievern, Landkreis Cuxhaven und Zeijen in den Niederlanden beobachtet worden. In einem Bericht aus dem Jahre 1846 verweist Carl von Estorff auf sechs Skelettgräber über einem Steinpflaster, das innerhalb des Hünenbettes neben der Steinkammer lag. Bei Grabungen in der Oldendorfer Totenstatt, (Landkreis Lüneburg), kamen in den Hünenbetten Holzkammergräber zutage. Diese Beispiele lassen sich durch Funde (z. B. bei den Megalithanlagen von Hagestad) in Schweden und anderswo vermehren.
Neben der (vor mehr als 100 Jahren zerstörten) Megalithanlage fand sich eine Grube mit einer Steinsetzung. Ein Rollsteinpflaster war nach Art der Pflaster in Großsteingräbern von Granitgrus bedeckt. Die Bodenpflasterung war mittels Granitplatten und Rollsteine bis zu einer Höhe von 40 cm mauerartig umgeben. Diese Mauerung ist 3,85 m lang und 1,20 m breit und an den Enden gerundet. Das Grab enthielt vier querschneidige Pfeilspitzen, zwei Feuersteinbeile und zwei Tongefäße unterschiedlicher Zeitstellung. Die Tongefäße und die ungewöhnliche Länge der Steinsetzung deuten auf eine zeitgleich erfolgte Doppelbestattung, wobei die Toten (von denen sich allerdings keine Spuren fanden) in Längsrichtung hintereinander gelegt worden sein können. Für diese Steinsetzung gibt es in Dänemark Gegenstücke.
Aufgrund der Keramik gehört die Grabanlage in dieselbe Zeit wie der Dolmen von Haaßel (Landkreis Uelzen). Der Hügel des Steingrabes überdeckt mehr als die Hälfte des Erdgrabes. Als er aufgeschüttet wurde, war das Erdgrab oberirdisch vielleicht nicht mehr zu erkennen. Es war auch noch von einer jüngeren Grube überlagert, in der Keramikscherben (evtl. Ausräumungen des Steingrabs) sekundär deponiert waren. Da kein größerer Abstand zwischen der Errichtung von Erdgrab und Megalithanlage bestehen kann, ist eine Friedhofstradition anzunehmen, die mit dem Erdgrab begann. Ein Teil der Erdgräber stammt aus der Zeit der älteren Ganggräber und gehört an den Anfang des Mittelneolithikums. In dieser Phase bestanden also Megalithanlagen, Holzkammergräber und Erdgräber (jeweils mit Bodenpflasterung) nebeneinander. Betrachtet man die Inventare, wie die qualitativ hochwertigen Tongefäße aus dem Grab A von Issendorf oder den goldenen Ring aus Himmelpforten, so zeigen sich keine sozialen Unterschiede zwischen den Toten in Megalithanlagen und Erdgräbern.