Die Flagge Osttimors entspricht der Flagge, die die Freiheitsbewegung FRETILIN einsetzte, als sie am 28. November 1975 die Demokratische Republik Timor-Leste ausrief.
Die Grundfläche ist rot. Ein gelbes Dreieck verbindet die Ecken der Flagge an der Mastseite (Liek) mit der Mitte der Flagge. Auf dem gelben liegt ein schwarzes Dreieck, das mit seiner Spitze ein Viertel in die Flagge hineinreicht. In dessen Zentrum liegt ein fünfzackiger weißer Stern, von dem eine Spitze in die obere Ecke an der Mastseite zeigt. Die Größe des Sterns entspricht einem Drittel der Breite der Flagge.
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Mit der Verfassung der Demokratische Republik Timor-Leste vom 28. November 1975 wurde die Flagge erstmals offiziell angenommen. Der Symbolik dieser Flagge wurde folgende Bedeutung zugesprochen:
Heute werden sowohl die Farben, als auch deren Bedeutung in der neuen Verfassung der Demokratischen Republik Timor-Leste von 2002 (Teil I, Abschnitt 15) angegeben:
Bis zur Unabhängigkeit von Portugal verwendete die Kolonie Portugiesisch-Timor nur die Flagge Portugals. Bereits 1961 verwendete eine kleine, linksorientierte, timoresische Widerstandsbewegung – das Bureau de Luta pela Libertação de Timor (BLLT) – eine Flagge mit den Elementen der heutigen Nationalflagge. Sie bestand aus einer gelbumrandeten schwarzen Scheibe mit einem fünfzackigen weißen Stern, auf rotem Tuch. Später gründete sie eine kurzlebige Exilregierung in Jakarta mit dem Namen Vereinigte Republik von Timor, wofür dieselbe Flagge verwendet wurde.
Im Jahre 1967 gab es Vorschläge für eigene Flaggen für die einzelnen portugiesischen Kolonien, bei denen auf die Flagge Portugals unten rechts das Wappen der Kolonie hinzugefügt wurde. Die Vorschläge wurden aber nie umgesetzt.
Nach der Nelkenrevolution in Portugal wurden auch in Portugiesisch-Timor Parteien zugelassen. Die dominierende, linksorientierte Partei Osttimors, die Frente Revolucionária de Timor-Leste Independente (FRETILIN) benutzte in ihrer Parteiflagge die gleichen Farben und den weißen Stern auf schwarzen Grund wie das BLLT. Abgesehen davon, dass beide Organisationen linksgerichtet waren, gibt es zwischen ihnen aber keine Verbindungen. In wie weit die Flagge als Vorbild diente oder einfach nur allgemein übliche sozialistische Symbole, wie fünfzackiger Stern und die Farbe Rot auf der Flagge Verwendung fanden, ist nicht geklärt. Basierend auf der Flagge der FRETILIN entwarf der Legende nach der Widerstandskämpfer Natalino Leitão die heutige Nationalflagge schnell in der Nacht vor Ausrufung der Unabhängigkeit von Portugal am 28. November 1975. Die beginnende Besetzung des Landes durch Indonesien hatte die FRETILIN in Zugzwang gebracht. Heutzutage ist der 28. November der Nationalfeiertag Osttimors, an dem offizielle Gebäude beflaggt werden. Nur neun Tage nach der Unabhängigkeitserklärung begann die offizielle Invasion Osttimors durch Indonesien. Natalino Leitão kam dabei ums Leben.
Politisch wurde Indonesien durch die USA und Australien unterstützt. Aufgrund der linken Orientierung der FRETILIN befürchtete man ein zweites Kuba. In wie weit die rote Grundfarbe und die gewisse Ähnlichkeit des Flaggendesigns zur Flagge Kubas diese Vermutung unterstützen ist strittig. Auch ob die Flagge Kubas oder die Flagge Mosambiks Vorbild für Leitãos Dreiecks-Entwurf war, kann nur vermutet werden. Zumindest gab und gibt es in Osttimor Sympathien für Kuba und insbesondere für Ernesto Che Guevara. Zu Mosambik und dessen Regierungspartei FRELIMO hatte die FRETILIN schon damals enge Beziehungen.
Bis 1999 wurde Osttimor von Indonesien als Provinz regiert, während es international als „abhängiges Territorium unter portugiesischer Verwaltung“ galt. Die vorhergehende Unabhängigkeitserklärung war nur von wenigen Staaten anerkannt worden. Von der Besatzung wurde die Flagge Indonesiens verwendet, während die Befreiungsbewegung Conselho Nacional de Resistência Timorense (CNRT) eine eigene blau-weiß-grüne-schwarze Flagge verwendete. Das Design wurde weitgehend von der Flagge der FALINTIL übernommen, dem militärischen Arm des osttimoresischen Widerstands, der aus der Parteiarmee der FRETILIN hervorgegangen war. Einzige Änderungen waren die Aufnahme des schwarzen Schriftzuges „CNRT“ auf dem weißen Streifen und die Änderung der Symbole im Schild. Bei den FALINTIL fanden sich hier ein gelber, fünfzackiger Stern, zwei traditionelle Schwerter (Suriks) und ein Kaibauk, ein traditionelles, timoresisches Herrschaftssymbol. Der CNRT verwendete statt des Kaibauks nun einen Speer und zwei Pfeile, der Stern war nun weiß. Der Schild in der Flagge des CNRT findet sich heute in leicht veränderter Form mit den selben Elementen im Wappen Osttimors. Auch die Verteidigungskräfte Osttimors, in denen die FALINTIL aufgingen, verwenden heute die Speer-und-Pfeile-Version auf ihren Uniformen.
Als die Vereinten Nationen 1999 die Kontrolle in Osttimor übernahmen, verwendete sie die Flagge der Vereinten Nationen. Es begann eine Diskussion welche Flagge ein zukünftiges, unabhängiges Osttimor verwenden sollte. Schon beim ersten osttimoresischen Nationalkonvent vom 23. bis 27. April 1998 in Peniche (Portugal) entschieden sich die Delegierten der timoresischen Parteien für die Flagge des CNRT als vorläufige Flagge Osttimors. Im Referendum über die Unabhängigkeit 1999 hatte die UNO auf die Wahlzettel entsprechend zur Entscheidungshilfe die indonesische Flagge für einen Verbleib bei Indonesien und die Flagge des CNRT für die Unabhängigkeit abgebildet.
Bei den Olympischen Spielen von Sydney im Jahr 2000 nahmen vier osttimoresische Athleten als Independent Olympic Athletes unter der Olympischen Flagge teil, da Osttimor noch nicht unabhängig war und es auch kein Nationales Olympisches Komitee gab.
Allerdings fand die Flagge des CNRT nicht die Unterstützung der Bevölkerung. Auf Demonstrationen in und außerhalb Osttimors wurden fast nur die alte Flagge von 1975 und die FRETILIN-Flagge gezeigt. So griff man letztlich auf die Flagge von 1975 zurück. Ein weiterer Grund dürfte die überwältigende Mehrheit der FRETILIN im neuen Parlament gewesen sein. Aber auch die Partido Socialista de Timor PST hatte die rot-gelb-schwarze Flagge gefordert. Die Flagge wurde am 20. Mai 2000 offiziell wiedereingeführt, als um Mitternacht die Flagge der Vereinten Nationen eingeholt und statt dessen die Flagge Osttimors gehißt wurde.
Heute fordert die Bewegung für Nationale Einheit (MUN), die aus der Organisation Colimau 2000 hervorgegangen ist, die Änderung der Nationalflagge, da die jetzige Flagge ein Symbol der FRETILIN sei. Die großen Parteien und die Bevölkerung folgen dieser Forderung bisher nicht.
Siehe auch: Geschichte Osttimors
Die Töne der einzelnen Farben sind in der Verfassung nicht genau definiert. Das Independence Day Celebrations Committee der United Nations Transitional Administration in East Timor (UNTAET) gab das leicht orange (PMS 123) als korrekten Gelbton an, welches meist auf offiziellen Flaggen zu finden ist. In Flaggenabbildungen in Büchern oder im Internet, aber auch bei in Osttimor gebräuchlichen Flaggen ist zudem ein helles Gelb weit verbreitet. Das Rot entspricht laut der UNTAET-Quelle dem Ton PMS 485. Auch hier gibt es in Osttimor Versionen mit einem hellen Rot. Noch dunklere Versionen tauchen nur als Flaggenabbildung auf, aber nicht als Flaggen.
Über die korrekten Proportionen der Flagge herrscht Uneinigkeit. Während die Flagge von 1975 immer das im Großteil Europas übliche Verhältnis 2:3 hatte, tauchten mit der Unabhängigkeit Osttimors Flaggen mit einem Verhältnis von 1:2 auch im offiziellen Gebrauch auf. Der Grund hierfür ist vermutlich, dass diese Flaggen in Australien hergestellt werden und hier die Proportionen 1:2 üblich sind. Eine klare einheitliche Regelung stand zunächst aus, doch das Gesetz 02/2007 über die nationalen Symbole[1] zeigt im Anhang das Bild einer Flagge mit 1:2-Verhältnis. Des weiteren führt das Gesetz im Artikel 4 die verschiedenen Formate der Flagge auf, in der die Flagge aus Stoff in öffentlichen Ämtern, Kasernen, privaten und staatlichen Schulen hängen soll. Typ 1 besteht aus einem Tuch mit einer Breite von 45 Zentimetern, Typ 2 aus einem Tuch mit 90 Zentimetern Breite, Typ 3 mit 135 Zentimetern und so weiter bis zu Typ 7 mit 315 Zentimetern Breite. Allerdings erlaubt der Artikel im Absatz 2 ausdrücklich auch kleinere und größere Flaggen, sowie solche mit dazwischen liegenden Größen, solange die Proportionen eingehalten werden.
Oft sieht man auch Flaggen, bei denen der Stern mit seiner oberen Spitze gerade nach oben zeigt. Dies war so bei der Flagge von 1975 oft der Fall. Doch die heutige Verfassung gibt klar vor, dass der Stern mit einer Spitze in die linke, obere Ecke zeigen soll, ebenso das Bild im Gesetz 02/2007.
Die Flagge Osttimors, die bei der Unabhängigkeitsfeier am 20. Mai 2002 verwendet wurde,[2] hatte trotz der klaren Vorgaben einen geraden Stern. Außerdem hatte sie ein Seitenverhältnis von 1:2 und verwendete das helle Gelb in Kombination mit dem hellen Rot.
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Im Lied Timor der kolumbianischen Sängerin Shakira, das von der Gewalt in Osttimor 1999 und der mangelnden Berichterstattung darüber in der westlichen Welt handelt, heißt es in einer Zeile „For our flag, we die or kill“ („Für unsere Flagge, sterben oder töten wir“). Offizielle Ehrungen der Flagge, wie eine eigene Flaggenhymne, nach dem Vorbild Boliviens oder eine Erwähnung in der Nationalhymne gibt es ebenso wenig, wie einen besonderen Tag der Flagge, was manche bei einer so jungen Nation als einendes Symbol zwar erwarteten, aber nicht der portugiesischen Tradition entspricht. Auch im Gesetz zu den Feiertagen in Osttimor wird keine besondere Beflaggung zu Festtagen gefordert. [3]
Für Schiffe, Militär und staatliche Institutionen gibt es keine eigenen Flaggen. Auch die Distrikte Osttimors haben keine eigenen Flaggen. Allerdings hatte Dili während der Kolonialzeit eine Gemeindeflagge, die im Design den portugiesischen Gemeindeflaggen entspricht.
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