Ein Flugboot, gelegentlich auch Verkehrsflugschiff genannt, ist ein wasserlandungsfähiges großes Flugzeug, dessen Rumpf schwimmfähig ist. Dadurch unterscheidet es sich von anderen wasserlandungsfähigen Flugzeugen mit meist starr montierten Landegestellen. Flugboote, die auch ein Landfahrwerk haben, nennt man ein Amphibienflugzeug. Schon Leonardo da Vinci hatte einen Entwurf zu einer solchen Konstruktion geliefert.
In den Anfangsjahren des interkontinentalen Flugverkehrs wurden Flugboote eingesetzt, da Non-Stop-Flüge mit der damaligen Technik nicht möglich waren. Sie konnten im Meer zwischenlanden, an Tankschiffen nachtanken und so die Gesamtstrecke etappenweise überwinden. Diese Art der Luftfahrzeuge sind seit den 1930er Jahren nicht mehr gebräuchlich.
Seinerzeit war in Deutschland keine Pilotenlizenz, sondern ein Kapitänspatent für die Seefahrt zum Führen der Flugboote erforderlich.
Solche Flugboote boten einige Vorteile:
In der Praxis zeigten sich aber verschiedene Probleme:
Es gab aber auch positive Überraschungen. Der Bodeneffekt beispielsweise erlaubt dem Flugzeug – in geringer Höhe über der Oberfläche fliegend – eine viel größere Reichweite. Es wurden sogar sogenannte Bodeneffektfahrzeuge gebaut (auch genannt "Ekranoplan"), die sich diesen Effekt zunutze machen.
Mit dem Einsetzen des Passagierverkehrs machte man sich Gedanken, wie die zukünftigen großen Passagierflugzeuge starten und landen sollten. Da zu der Zeit Auftriebshilfen, Lande- und Fowlerklappen noch Zukunftsmusik waren, errechneten die Konstrukteure für diese Flugzeuge immens lange Start- und Landestrecken; Landestrecken, die damals auf Land nicht realisierbar erschienen. Da lag es nahe, auf das Wasser auszuweichen. Sikorsky und die PanAm tat es sehr erfolgreich auf den pazifischen Strecken (San Francisco – Honolulu – Wake – Manila – Hongkong); die Deutschen, Franzosen und Italiener auf den Südamerika-Routen. Die Briten bevorzugten hingegen Landflugzeuge, um das Empire luftverkehrstechnisch zu erschließen.
Im Ersten Weltkrieg kamen Flugboote bereits 1915 zum Einsatz, etwa die Lohner-Flugboote oder die Grigorowitsch M-5.
Das führte sogar dazu, dass zu dem renommiertesten Geschwindigkeitsrennen der 1920er und 1930er Jahre, dem Schneider-Cup, nur Schwimmerflugzeuge und Flugboote zugelassen waren, die eine (relativ strenge) maritime Tauglichkeitsprüfung bestehen mussten. Die 1919 eingesetzte Curtiss NC war das erste Flugboot, das den Atlantik Nonstop überquerte.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden Flugboote zur Küsten- und Seeüberwachung, U-Boot-Bekämpfung und vor allem zu Seenotrettung eingesetzt. In vielerlei Hinsicht konnte man diese Zeit als den Höhepunkt der Flugbootentwicklung bezeichnen – Dornier, Blohm & Voss, Short und die Glenn L. Martin Company bauten bis dato die größten und leistungsfähigsten Flugboote. Sogar Howard Hughes versuchte sich an einer Konstruktion (Hughes H-4).
Noch nach dem Zweiten Weltkrieg bauten einige britische Flugzeugkonstrukteure extrem große Flugboote wie die Saunders-Roe Saro Princess, die über zehn Turboprop-Triebwerke verfügte und ein Fluggewicht von 156 t besaß – eines der größten Wasserflugzeuge, das je gebaut wurde. Mehr als doppelt so groß war die P.192 mit 24 Strahltriebwerken und Platz für 1.000 Passagiere auf fünf Flugdecks. Es war fertig konstruiert, ist jedoch nie realisiert worden. Die große Zeit der Flugboote waren die 1920er und 1930er Jahre, vor allem geprägt durch die Konstruktionen von Claude Dornier mit dem berühmten Dornier-Wal.
Auch heute gibt es noch die großen Flugboote – die riesige Martin Mars löscht in Kanada Waldbrände und die Catalina dient vielen maritimen Forschungseinrichtungen. Die Canadair CL-415 ist ein erfolgreiches, weltweit eingesetztes Wasserlöschflugzeug, das speziell für diesen Zweck entwickelt wurde.
Aktuell werden Flugboote von Shin Meiwa in Japan und von Berijew in Russland entwickelt oder gefertigt.
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