Ein Flugzeugträger ist ein Kriegsschiff, auf dem Militärflugzeuge starten und landen können.
Flugzeugträger werden innerhalb einer Trägerkampfgruppe eingesetzt, die aus verschiedenen Kriegsschiffen besteht. Mit ihrer Hilfe kann eine Nation weltweit militärische Stärke demonstrieren, unabhängig vom Vorhandensein von Stützpunkten im Konfliktgebiet. Große Flugzeugträger mit einer Verdrängung von über 75.000 ts werden in Trivialliteratur und -medien manchmal „Supercarrier“ genannt.
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Flugzeugträger sind die größten Schiffe, die von der Marine eingesetzt werden. Die Träger der US-amerikanischen Nimitz-Klasse, die von zwei Atomreaktoren und vier Dampfturbinen angetrieben werden, haben bis zu 6.300 Mann Besatzung und kosten 5 Milliarden US-Dollar; die monatlichen Betriebskosten eines Flugzeugträgers dieser Größe betragen ca. 13 Mio. Dollar (ohne Personalkosten).
Lediglich neun Länder der Welt besitzen Flugzeugträger (siehe Liste der Flugzeugträger): Frankreich, Indien, Russland, Spanien, Brasilien, Italien, Thailand, Großbritannien und die Vereinigten Staaten. Das chinesische Tourismusunternehmen Chong Lot hat 2002 den ehemaligen sowjetischen, nicht fertiggestellten Flugzeugträger Varyag von der Ukraine gekauft, offiziell um daraus ein schwimmendes Spielcasino zu bauen. Bis heute ist allerdings dieser Umbau noch nicht getätigt worden und das Unternehmen verschwand von der Bildfläche. Kritiker glauben, dass der Flugzeugträger sowieso von Anfang an nur als Studienobjekt und Vorlage für ein eigenes Militärprogramm dienen sollte, das Schiff ist heute auch in Besitz der chinesischen Kriegsmarine. Unter dem Namen Shi Lang soll er in Zukunft von der Marine der Volksbefreiungsarmee als Schulschiff in Dienst gestellt werden. Die größten und meisten Flugzeugträger gehören zur Flotte der United States Navy. Die Träger aller anderen Länder sind deutlich kleiner als die der US Navy. Lediglich Großbritannien plant aktuell den Bau von zwei neuen, den amerikanischen beinahe ebenbürtigen, Flugzeugträgern der Queen-Elizabeth-Klasse. Frankreich hat inzwischen Interesse an diesem Projekt bekundet und denkt über eine Beteiligung nach. Eine definitive Entscheidung liegt jedoch noch nicht vor.
Die US Navy hat auch mehrere amphibische Angriffsschiffe im Dienst, so genannte Amphibious Assault Ships. Diese kleineren, vielseitig einsetzbaren Flugzeugträger dienen dem Transport von etwa 3.000 Mann Besatzung des US Marine Corps sowie zusätzlichem militärischen Gerät wie zum Beispiel Landungsbooten. Neben Hubschraubern können auch senkrechtstartende Kampfflugzeuge auf dem Flugdeck stationiert werden. Großbritannien und Frankreich verfügen ebenfalls über solche Schiffe.
Der Rumpf eines typischen Flugzeugträgers der US Navy (Nimitz-Klasse) ist knapp 333 m lang und hat einen Tiefgang von bis zu 12 m, während die britischen Träger mit bis zu 210 m Länge ein gutes Drittel kleiner sind. Er besteht aus Stahl mit einer Dicke von mehreren Zentimetern, unter der Wasserlinie besteht der Rumpf als Schutz vor Beschädigung sogar aus einer Doppelhülle. Stabilität und Sicherheit wird durch die Einteilung in Schotten (quer) und Decks (horizontal) erreicht. Über der Wasserlinie wird der Rumpf, um das Flugdeck zu tragen, immer breiter und bietet dadurch auch mehr Raum für Hangars und andere Räume. Ein Deck unter dem Flugdeck befinden sich die bis zu drei Stockwerke hohen Hangars, in denen die Flugzeuge untergebracht sind und gewartet werden. Diese werden über bis zu vier Aufzüge, welche sich seitlich am oder direkt im Rumpf befinden, zum Flugdeck gebracht. Weitere drei Decks unter den Hangars befinden sich die Maschinenräume.
Um möglichst viel Platz für das Flugdeck zur Verfügung zu haben, sind die Kommandobrücke, alle Antennen und Radaranlagen auf der sog. Insel, der einzigen Erhöhung an Deck (meistens an Steuerbordseite), untergebracht.
Flugzeugträger gibt es in zwei grundlegenden Konfigurationen: Die meisten besitzen ein flaches Deck als Start- und Landefläche für Flugzeuge. Ein Dampfkatapult beschleunigt das Flugzeug, das seinen Start durch vollen Schub unterstützt, in zwei Sekunden auf Startgeschwindigkeit. Um auf dem Träger zu landen, muss ein Flugzeug mit seinem Fanghaken eines von mehreren auf dem Deck ausliegenden Stahlseilen treffen. Es wird dabei innerhalb von 100 Metern zum Stehen gebracht. Bei großen Flugzeugträgern ist das Flugdeck versetzt; dadurch haben die Flugzeuge mehr Platz. Für diese Art der Flugoperationen werden spezielle trägergestützte Flugzeuge benötigt, die für diese Belastungen ausgelegt sind. Das Prinzip wird als Conventional Take-Off and Landing (CTOL) bezeichnet.
Der zweite Ansatz, von vielen Marinen – wie der Briten, Italiener, Spanier, Inder und Russen – ist eine Art „Sprungschanze“ an einem Ende des Decks, ein so genannter Ski-Jump, die dem Flugzeug beim Start hilft. Diese Schiffe werden als STOVL-Flugzeugträger (Short Take-Off and Vertical Landing) bezeichnet. Das Prinzip wurde Ende der 1970er Jahre von der britischen Royal Navy entwickelt, um eine kostengünstigere und kleinere Art von Flugzeugträgern zu bauen. Nachdem sich dieses Prinzip im Falklandkrieg bewährte, begannen auch andere Nationen dem britischen Beispiel zu folgen. Dies funktioniert jedoch nur mit senkrecht startenden Jets wie der britischen Hawker Siddeley Harrier, die fast ohne Vorwärtsbewegung starten und landen können, oder mit Flugzeugen der russischen Marine, welche über sehr starke Triebwerke verfügen. Katapulte entfallen somit – bei Senkrechtstartern dann auch die Fangseile für die Landung.
In beiden Fällen läuft das Schiff während Start- oder Landeoperationen mit bis zu 35 kn (64 km/h) gegen den Wind, um die notwendige Geschwindigkeit des Flugzeugs relativ zum Grund herabzusetzen.
Die modernen US-Träger sowie die französische Charles de Gaulle beziehen die Energie für ihre Dampfturbinen aus mehreren (meist zwei) Druckwasserreaktoren, wodurch sie eine sehr große Leistung und Reichweite haben. Alle anderen Flugzeugträger werden konventionell mit Kesseln oder Gasturbinen angetrieben. Mit bis zu vier Schrauben erreichen sie eine Geschwindigkeit von über 30 Knoten.
Im Gegensatz zu Fregatten oder Zerstörern gibt es international keine einheitliche Kennung für Flugzeugträger. Die Flugzeugträger der US Navy werden traditionell mit CV gekennzeichnet. Da die genaue Herkunft des V unklar ist, wird vermutet, dass CV entweder für Cruiser Volplane (von franz. vol plané „Gleitflug“) oder Cruiser Aviation steht, was sich sinngemäß mit Flugdeckkreuzer übersetzen lässt. Die häufig verwendete Bezeichnung Carrier Vessel hingegen ist nicht korrekt, wird so aber selbst im militärischen Sprachgebrauch oft verwendet. Atomgetriebene Flugzeugträger tragen zudem den Zusatz N für Nuclear. Die Kennung der meisten US-Flugzeugträger ist daher heute CVN. Die einzige Ausnahme ist der ältere konventionelle Träger USS Kitty Hawk.
Die Flugzeugträger der britischen Royal Navy tragen hingegen die Kennung R. Diese Bezeichnung wurde von den meisten Nationen übernommen. Während des Zweiten Weltkriegs bezeichnete die Royal Navy Flugzeugträger die im Atlantik stationiert waren mit D, jene im Pazifik mit R. Um die Kennungen zu vereinheitlichen wurden später alle Flugzeugträger mit R bezeichnet, da D nur noch für Zerstörer verwendet wurde. Die genaue Bedeutung der Abkürzung R ist heute nicht mehr genau nachvollziehbar. Sie hat aber wahrscheinlich ihren Ursprung im alten Kennungssystem der Royal Navy, dessen Buchstaben sich auf die Heimatbasis der Schiffe bezogen (D = Devonport, R = Rosyth).
Eine Ausnahme bildet Italien, das seine Flugzeugträger offiziell als Kreuzer deklariert und mit einem einfachen C kennzeichnet.
Hauptartikel: Carrier Vessel Battle Group
Flugzeugträger operieren nie alleine, sondern in Begleitung verschiedener Begleitschiffe, die für Schutz und Versorgung sowie zusätzliches Offensivpotential sorgen. Diese Begleitflotte setzt sich in der Regel aus Kreuzern, Zerstörern und Fregatten zusammen, die den Verband gegen Bedrohungen aus der Luft, andere Seeeinheiten oder U-Boote schützen. Zusätzlich werden U-Boote zur Aufklärung und U-Jagd eingesetzt. Versorgungsschiffe und Tanker erweitern den Aktionsradius der Trägergruppe um ein Vielfaches. Außerdem können diese Schiffe natürlich zusätzliche Offensivkapazität bereitstellen, zum Beispiel Marschflugkörper. Ältere sowjetische Flugzeugträger verfügten ihrerseits über eine so starke Eigenbewaffnung, so dass sie nicht auf den Schutz weiterer Begleitschiffe angewiesen waren.
Hauptartikel: Geschichte der Flugzeugträger
Der US-Amerikaner Eugene B. Ely war der erste, der am 14. November 1910 von einer am Bug der USS Birmingham angebrachten Plattform mit einem Curtiss-Doppeldecker startete. Schon zwei Monate später, am 18. Januar 1911, landete er mit seiner Maschine auf der USS Pennsylvania, die extra dafür mit einer hölzernen Plattform ausgerüstet worden war. Nach einem kurzen Aufenthalt an Bord flog er wieder zurück an Land.
Der erste richtige Flugzeugträger der Welt war die britische HMS Ark Royal, die 1915 in Dienst gestellt wurde. Das Schiff war bereits im Ersten Weltkrieg im Einsatz und führte mit ihren Flugzeugen Bombardements auf türkische Stellungen durch. Die US Navy folgte einige Zeit später mit dem umgebauten Kohlenfrachter Jupiter (AC-3). Er erhielt nach dem Umbau den Namen Langley und die Kennung CV-1.
Im Jahr 1931 stattete die Royal Navy die HMS Courageous als ersten Flugzeugträger mit einer „richtigen“ Fangseilanlage aus.
Der erste und bisher einzige deutsche Flugzeugträger Graf Zeppelin wurde 1938 zu Wasser gelassen und kam nie zum Einsatz.
Im Zweiten Weltkrieg spielten Flugzeugträger am Pazifischen Kriegsschauplatz eine erste äußerst wichtige Rolle. Im Atlantik setzte die US Navy Dutzende von kleinen Geleitträgern zur U-Bootjagd ein.
Bei dem Angriff auf Pearl Harbor 1941 setzten die Japaner Sturzkampfbomber ein, die von sechs Flugzeugträgern (Kaga, Akagi, Soryu, Hiryu, Shokaku und Zuikaku) starteten. Die Amerikaner setzten in der Schlacht im Korallenmeer im Mai 1942 und der Schlacht um Midway im Juni 1942 trägergestützte Flugzeuge ein, um die japanische Flotte zu bekämpfen.
Mittlerweile führt der neueste Träger der amerikanischen Marine die Kennung CVN-78 und wurde als Typschiff der aus dem CVN-21-Programm hervorgegangenen Nachfolgern der Nimitz-Klasse auf den Namen USS Gerald R. Ford getauft. Mit der USS Enterprise führte die US Navy im Jahr 1961 auch den ersten atomgetriebenen Flugzeugträger der Welt ein. Die Enterprise ist mit ihren 336 m Länge das längste Kriegsschiff der Welt.
Sowjetische und nachfolgend russische Trägerschiffe wurden/werden offiziell immer mit dem Begriff „Flugdeckkreuzer“ bezeichnet, da der Vertrag von Montreux (1936) die Durchfahrt von „Flugzeugträgern“ durch die Dardanellen verbietet. Um die Träger dennoch von den Werften und Häfen an der Schwarzmeerküste ins Mittelmeer und zurück verlegen zu können, musste man sich dieser Ausnahme bedienen.
Siehe auch: Liste historischer Flugzeugträger
Eine Besonderheit sind Flugzeugmutterschiffe. Da sie kein Flugdeck besitzen können sie nur Schwimmerflugzeuge oder kleine Flugboote einsetzen. Diese müssen, da sie nicht direkt auf dem Schiff landen können, auf dem Wasser niedergehen und werden anschließend mit einem Kran an Deck geholt. Der Start erfolgt dagegen in der Regel mit einem Katapult. Seit der Einführung von Hubschraubern sind solche Schiffe nicht mehr in Gebrauch.
Die Landung auf einem Träger gehört mit zu den anspruchsvollsten fliegerischen Operationen, besonders, wenn sie bei Nacht oder schlechtem Wetter durchgeführt werden soll. Der grundlegende Ablauf auf einem amerikanischen Flugzeugträger ist folgender:
Der Start ist wesentlich problemloser und erfolgt entweder über Flugzeugkatapulte oder über eine Startrampe.
Bei Flugzeugträgern der U.-S.-Navy, der französischen Marine und der brasilianischen Marine werden die Flugzeuge mittels Flugzeugkatapulten auf Startgeschwindigkeit gebracht. Um die Besatzung und wartende oder geparkte Flugzeuge auf dem Flugdeck zu schützen, wird hinter einem startenden Flugzeug ein Stück des Bodens („Gasstrahlabweiser“, engl. „Jetblast Deflector“, JBD) aufgeklappt, sodass die Abgasstrahlen nach oben abgelenkt werden. Der eigentliche Start erfolgt in nur wenigen Sekunden, in denen das Flugzeug auf Startgeschwindingkeit beschleunigt wird.
Auf den russischen, britischen, indischen und italienischen Flugzeugträgern gibt es keine Dampfkatapulte. Stattdessen gibt es ein Startdeck, das hochgebogen ist wie eine Sprungschanze. Die russischen Marineflugzeuge werden von Bremsklötzen festgehalten und die Besatzung durch Strahlabweiser wie bei den amerikanischen Flugzeugträgern geschützt. Das startende Flugzeug fährt die Triebwerke mit Nachbrenner hoch, bewegt sich aber nicht vorwärts, weil die Bremsklötze das Flugzeug zurückhalten. Erst wenn die Bremsklötze das Flugzeug loslassen, beschleunigt es und wird dadurch über die Rampe vom Schiff gestoßen, wobei die Tragflächen zur Wirkung gelangen und es zum Übergang in den Flug kommt.
Auf einem Flugzeugträger werden unterschiedliche Typen von Luftfahrzeugen eingesetzt, die in folgende Kategorien eingeteilt werden:
Die Strahlflugzeuge können wiederum in folgende Kategorien unterteilt werden:
Die Luftfahrzeuge dienen unterschiedlichsten Zwecken:
Auf dem Flugdeck sind Besatzungsmitglieder für verschiedene Zwecke tätig. Sie werden anhand ihrer farbigen Hemden, Arbeitswesten und Helme bzw. Helmbezüge nach ihren Funktionen an Deck unterschieden.
Auf Flugzeugträgern der US Navy werden folgende Farben verwendet:
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