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| Wappen | Karte | ||
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| Basisdaten | |||
| Fläche: | 2,488 km² | ||
| Einwohner: | 15.863 | ||
| Bevölkerungsdichte: | 6.375 Einwohner/km² | ||
| Postleitzahlen: | 60439 | ||
| Vorwahlen: | 069 | ||
| Gliederung | |||
| Ortsbezirk: | 8 – Nord-West | ||
| Stadtbezirke: |
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| Website | |||
Heddernheim ist ein Stadtteil von Frankfurt am Main im nordwestlichen Teil der Stadt. Bekannt ist der Stadtteil als ehemalige römische Munizipalstadt Nida, Hauptort der Civitas Taunensium, und als Fastnachtshochburg. Der Umzug am Fastnachtsdienstag durch Heddernheim (frankfurterisch: „Klaa Paris“) und Alt-Heddernheim zieht jährlich mehr als 100.000 Besucher an.
Inhaltsverzeichnis |
Heddernheim liegt im Ortsbezirk 8 (Frankfurt-Nord-West) am rechten Ufer eines Niddabogens. Die Bebauung geht in die nördlich und westlich angrenzenden Stadtteile Niederursel und Praunheim über. Auf der gegenüberliegenden, linken Niddaseite grenzt der Stadtteil Eschersheim an. Weiter südlich befindet sich auf der linken Niddaseite der Volkspark Niddatal, der teils zum Stadtteil Ginnheim, teils zu Praunheim und Hausen gehört.
Der mit knapp 250 Hektar relativ kleine Stadtteil verfügt über eine überdurchschnittlich hohe Bevölkerungsdichte. Dabei teilt sich die Dichte in etwa gleich auf die beiden Stadtbezirke auf. Im östlichen, flächenmäßig kleineren Stadtbezirk befindet sich der gründerzeitlich geprägte alte Ortskern mit der ehemaligen Hauptstraße Alt-Heddernheim und der Heddernheimer Landstraße, während im westlichen Stadtbezirk die May-Siedlung „Römerstadt“ und das Nordwestzentrum liegen.
Am westlichen Ortsrand von Heddernheim befindet sich ein bedeutender Einzelhandelsstandort: das 1968 eröffnete Nordwestzentrum, das inzwischen größte Einkaufszentrum Deutschlands. Der Stadtteil ist ferner Standort der Müllverbrennungsanlage Nordwest, einer der modernsten Anlagen Europas. Weithin sichtbar ist deren Schornstein, der mit einem riesigen Drachenmotiv, dem größten Graffiti der Welt, verziert ist.
Südlich der U-Bahn-Station Sandelmühle befand sich lange Zeit ein Werk der VDO, das im Verlauf der 1990er-Jahre infolge mehrfacher Umstrukturierungen seiner Eigentümer in kleinere Einheiten zerlegt wurde. Auf dem ehemaligen VDO-Gelände betreibt heute die Diehl Stiftung ein Werk der Diehl Aerospace. Dieses Werksgelände und die ihm benachbarte Hochdeponie für Verhüttungsrückstände sind die letzten sichtbaren Erinnerungen an eine einst blühende Heddernheimer Industrielandschaft.
Der wichtigste Industriezweig war bis 1980 im Nordosten des Stadtteils die Metallverarbeitung auf dem Gelände rund um den heutigen Hundertwasser-Kindergarten. Bereits im 17. Jahrhundert hatte es dort, angetrieben durch das auch im Sommer stets reichlich fließende Wasser des gefällereichen Urselbachs, einen Kupferhammer gegeben, die so genannte Kaltmühle. Unterhalb der Kaltmühle, in Höhe der heutigen Siedlung Brühlfeld, lag ferner die Sandelmühle, in der Dachpappe und Packpapier hergestellt wurden. "Später kamen von dort qualitativ hervorragende Druckfarben. Das Heddernheimer Produkt errang unter dem Namen 'Frankfurter Schwärze' Weltruf." [1] Beide Mühlen gingen 1852 in den Besitz der Gebrüder Hesse aus Olpe über. Ab 1853 entstand dann ein moderner Industriebetrieb mit großen Werkshallen und internationaler Bedeutung, die Heddernheimer Kupferwerke vormals F. A. Hesse Söhne AG, die zuletzt – bis zu ihrer Schließung – Teil der Vereinigten Deutschen Metallwerke (VDM) waren. Produziert wurden unter anderem Kupferkabel. 1904 ging auf dem Gelände der Sandelmühle eine Gasanstalt in Betrieb, deren Hochbehälter erst Anfang der 1970er-Jahre demontiert wurde. Ab 1908 wurde von der VDM als einem der ersten deutschen Werke auch Leichtmetall verarbeitet. An diese Industriegeschichte erinnern heute noch die Straßennamen An der Sandelmühle, Kaltmühle, Kaltmühlstraße, Kupferhammer und Hessestraße.
Nach dem Abriss der VDM-Werksanlagen erwies sich das gesamte ehemalige VDM-Gelände als hochgradig mit Giftstoffen kontaminiert, vor allem mit Metallrückständen, Dioxinen und Kohlenwasserstoffen. Seit Ende der 1990er-Jahre wurde daher der gesamte Erdboden örtlich bis zu zehn Metern tief abgetragen und durch unbelastete Erde ersetzt. Das verunreinigte Erdreich wurde auf einer bereits seit dem 19. Jahrhundert von den Kupferwerken genutzten Hochdeponie endgelagert, die gegen einsickerndes Regenwasser mit Lehmschichten abgedichtet wurde. Ferner wird seither das gesamte Grundwasser in diesem Gelände abgepumpt und mit Hilfe von Aktivkohlefiltern gereinigt.
Die ehemaligen Hauptstraßen des Stadtteils Alt-Heddernheim und Heddernheimer Landstraße verloren nach dem Zweiten Weltkrieg stark an Bedeutung und wurden durch Umgehungsstraßen ersetzt. Als größtes Projekt ist der Bau der Rosa-Luxemburg-Straße im Westen des Stadtteils zu nennen. Ein weiterer neuer Straßenzug entstand als Durchgangsstraße aus dem Ausbau der Dillenburger Straße und dem Neubau der Maybachbrücke als Ergänzung zur alten Heddernheimer Niddabrücke.
Heddernheim ist sehr gut an das städtische U-Bahn- und Omnibusnetz angebunden. Trotz seiner geringen Fläche verfügt der Stadtteil über sechs U-Bahn-Stationen (Heddernheim, Zeilweg, Sandelmühle, Heddernheimer Landstraße, Nordwestzentrum und Römerstadt). Diese Tatsache hat ihren Ursprung in der früheren Bedeutung des Stadtteils als Knotenpunkt der so genannten „Taunusbahnen“, zweier Überlandstraßenbahnen nach Bad Homburg und Oberursel, mit den städtischen Straßenbahnen, die von der Frankfurter Lokalbahn betrieben wurden. Durch den U-Bahn-Bau in den 1960ern entstand ein dritter Streckenast, der mit Tunnel- und Hochbahnabschnitten vollständig nach U-Bahn-Kriterien ausgebaut wurde, um die benachbarte Nordweststadt anzubinden.
Des weiteren existieren fünf Stadtbuslinien (26 nach Eschersheim, 29 nach Nieder-Erlenbach, 60 und 72 nach Rödelheim, 73 zum Westbahnhof und 71 innerhalb der Nordweststadt) und eine Regionalbuslinie (872 nach Kronberg im Taunus), die ab den U-Bahn-Stationen Nordwestzentrum und Heddernheim verkehren. Die Linie 60 bildete während der Kriegszeit bis in die 1960er eine Besonderheit, weil sie als Oberleitungsbus verkehrte. Für Besucher des Frankfurter Nachtlebens fährt ein Nachtbus (Linie N3 ab Konstablerwache) nach Heddernheim und Retour.
Auf den bereits vorhandenen U-Bahn-Trassen sowie einer Neubaustrecke parallel zum Niederurseler Hang, die das Nordwestzentrum auf direktem Wege mit Bonames verbinden würde, sollen nach Planungen der Stadt Frankfurt zwei weitere Linien Heddernheim mit der neuen Siedlung Riedberg verbinden. Ebenfalls geplant ist die nordöstliche Endstation der Regionaltangente West im Nordwestzentrum.
Zahlreiche Werkzeugfunde aus der jüngeren Steinzeit (Neolithikum) belegen, dass die Siedlungsgeschichte von Heddernheim mindestens bis in die Zeit vor 4000 bis 6000 Jahren zurück reicht. [2] Auf dem fruchtbaren Lössboden des Niddahanges, der während der Eiszeiten von Norden her über den Taunuskamm hinweg angeweht worden war, bebaute eine einheitliche Bevölkerung die Ackerfluren. Fundstücke aus dieser Bandkeramischen Kultur werden noch immer nach dem Pflügen der Felder entdeckt. In der Gemarkung Praunheim, in der Nähe des heutigen Nordwest-Krankenhauses, wurde vor dem Zweiten Weltkrieg sogar ein großes neolithisches Dorf ausgegraben, das mindestens 500 Meter lang und 200 Meter breit war. Der Begründer der Heddernheimer Lokalforschung, Georg Wolff, nach dem auch eine kleine Straße in Heddernheim benannt ist, hat neben seinen Studien zur römischen Geschichte auch diese vorgeschichtliche Zeit erforscht.
Bereits in römischer Zeit war das Gebiet von Heddernheim wegen seiner Nähe zur Nidda besiedelt. In den Jahren 83/84 n. Chr. (unter Kaiser Domitian) drangen die Römer von Höchst und Nied kommend die Nidda aufwärts in die Wetterau vor. Sie gründeten, angelehnt an den keltischen Flussnamen den neuen Standort eines Militärlagers für Auxiliartruppen unter dem Namen NIDA an einem Niddabogen. Schnell wuchs der Ort zu einer zivilen Siedlung (Munizipalstadt) heran, dem Hauptort der Civitas Taunensium. Die Civitas Taunensium war ein Kreis/Bezirk der römischen Provinz Germania Superior („Obergermanien“) und NIDA ein Wirtschaftszentrum im Handel mit den Germanen: Sklaven- und Weinhandel, aber auch der Bau des obergermanischen Limes sind hier zu nennen. Bekannt wurde NIDA durch seine hervorragenden Töpferwaren (Terra Sigillata, „Wetterauer Ware“), die ansonsten in dieser Qualität nördlich der Alpen nicht hergestellt wurden.
Aus Frankfurt-Nied wurden Ziegel und Öllampen, aber auch Terra Sigillata mit Lastkähnen entlang der Nidda zum kleinen Hafen von NIDA gebracht, der unterhalb der heutigen Hadrianstraße angelegt worden war. Von hier wurde die Ware entweder für den Limesbau im Taunus oder zur Versorgung der Civitas weitertransportiert. Ein Forum, Thermen, das Praetorium, mehrere Tempel, ein Amphitheater und eine Arena gehörten ebenfalls zum Stadtbild. Auch ein Triumphbogen hat wahrscheinlich existiert. Kunsthistorisch bedeutsam ist ein erhalten gebliebenes, farbiges Steinbild aus dem so genannten Mithräum, einem Heiligtum des indoiranischen Gottes Mithras; das Original befindet sich heute im Museum Wiesbaden, eine Kopie im Archäologischen Museum Frankfurt. In beiden Museen sind auch weitere Fundstücke aus NIDA ausgestellt, in Frankfurt beispielsweise die Jupitersäulen.
Im 3. Jahrhundert erhielt NIDA eine eigene Stadtmauer; das Baumaterial (Basaltsteine) wurde in den Steinbrüchen des heutigen Bockenheim abgebaut, woran dort noch die Basaltstraße erinnert. Die römische Epoche dauerte von 83 bis um 260, als die Römer von den Germanen (Alamannen) verdrängt wurden. Viele Denkmäler aus römischer Zeit wurden entweder zerstört – im späteren Heddernheim wurden die römischen Ruinen von NIDA abgetragen und als Material für den dortigen Hausbau verwendet – oder gelangten in der Zeit, als das Gelände zum Herzogtum Nassau gehörte, in die Sammlung Nassauischer Altertümer, die im Museum Wiesbaden verwahrt wird. Eine römische Türschwelle ist heute noch am Eckhaus Wenzelweg/In der Römerstadt sichtbar, da sie als Abstandshalter zum Schutz der Hausecke vor abbiegenden Fuhrwerken in den Fuß des Gebäudes integriert wurde. Ein römischer Töpferofen wurde nahe dem Nordwestzentrum am Heddernheimer Steg an der Böschung zur Rosa-Luxemburg-Straße restauriert. Ferner hat sich noch ein kleiner Rest des Walles der Ostumwehrung von NIDA vor dem Haus "Am Forum" Nr. 29 erhalten sowie ein Brunnen am Fußweg unterhalb der Ringmauer. Außerdem erinnern zahlreiche Straßennamen an die römische Vergangenheit des heutigen Frankfurter Stadtteils.
Im Jahr 802 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt: als Phetterenheim in der Schenkung eines gewissen Berenger an das Kloster Lorsch. [3] Die Endung -heim deutet auf fränkischen Ursprung; die Franken hatten das Rhein-Main-Gebiet im 6. Jahrhundert erobert. Häuser, Höfe und Mauern wurden aus den Steinen des verfallenen römischen Nida errichtet.
Die von den Franken gegründeten Ortschaften erhielten häufig den Namen des vom fränkischen König belehnten Grundherrn, der oftmals ein verdienter Heerführer war. So war Rödelheim das Heim des Radilo und Bommersheim das Heim des Botmar. Heddernheim könnte vom damals gebräuchlichen Namen Heim des Hetter (oder Heiter) abgeleitet sein, wofür es allerdings keine urkundlichen Belege gibt.
Die Ausbreitung des Christentums von Mainz aus bis in die Wetterau hatte sich bereits im 7. und zu Beginn des 8. Jahrhunderts vollzogen; die Missionstätigkeit des Bonifatius hatte diesen Prozess im heutigen Hessen zu einem vorläufigen Abschluss gebracht. "Tief beeindruckt von der neuen Lehre machten die Franken aus ihrem erworbenen reichen Landbesitz großartige Schenkungen an die damals gegründeten Klöster, z. B. an Lorsch und Fulda." [4] Diesem Umstand ist die urkundliche Ersterwähnung Heddernheims und vieler anderer Gemeinden zu verdanken.
Die nächste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes stammt bereits aus dem 12. Jahrhundert: 1132 kaufte Erzbischof Adalbert von Mainz von den Freien Gottfried vom Bruch und Schwiegersohn die Investitur der Kirche in Praunheim mit den zugehörigen Zehnten von Heddernheim, Niederursel und Hausen (Hetterenheim, Urselo, Husun); kirchlich und steuerrechtlich gehörte Heddernheim damals also zu Praunheim. Rechte und Besitz schenkte der Erzbischof dem Mainzer Domkapitel, das damit zugleich die Gerichtsbarkeit über Heddernheim erwarb.
Mit den 1132 erworbenen Rechten belehnte das Mainzer Domkapitel die Herren von Praunheim, ein im 12. und 13. Jahrhundert einflussreiches Rittergeschlecht, die als Reichsministeriale (als einflussreiche Beamte des Reiches) an der Spitze der Königspfalz in Frankfurt standen und zu den ersten urkundlich fassbaren Frankfurter Reichsschultheißen gehörten. Ihr Stammsitz war die Klettenburg in Praunheim. Viele Mitglieder dieser Familie gehörten dem Mainzer Domkapitel an oder waren Geistliche an den übrigen Mainzer Kirchen. Die Erben der Herren von Praunheim blieben bis zur Aufhebung der geistlichen Güter zu Anfang des 19. Jahrhunderts im Besitz des Lehens Heddernheim.
Aus einer Urkunde des Jahres 1278 geht hervor, dass Heddernheim zur Grafschaft Eppstein gehörte: Das Dorf hatte also als „Eigentümer“ den Domprobst zu Mainz (der das Dorf als Lehen vergeben hatte) und als Landesherrn die Grafen von Eppstein, die allerdings im 13. Jahrhundert auch mehrere Mainzer Erzbischöfe stellten. Diese Doppelherrschaft führte, wie aus einer Urkunde des Jahres 1508 hervorgeht, dazu, dass es in Heddernheim neben dem „Dorfgericht“ der Herren von Praunheim noch das „Vogteigericht“ der Eppsteiner Vögte gab. Eine Folge der Zugehörigkeit zu den Grafen von Eppstein war, dass in Heddernheim und den ebenfalls zu Eppstein gehörigen Nachbarorten Weißkirchen und Oberursel in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Reformation im Sinne Martin Luthers eingeführt wurde. Praunheim, mit dem Heddernheim aufgrund des Lehens der Herren von Praunheim eng verbunden war, besaß in dieser Zeit soger zwei Landesherren: die Grafen von Solms und die Grafen von Hanau, wobei Graf Friedrich Magnus von Solms 1544 in Praunheim die Reformation einführte.
Mitte der 16. Jahrhunderts starb das Haus Eppstein aus, wodurch die Grafschaft 1581 an das katholische Erzstift Mainz fiel. Der Mainzer Erzbischof versuchte in den folgenden Jahren, in seinen neu erworbenen Besitztümer den katholischen Ritus wieder einzuführen, was ihm im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts in Weißkirchen und Oberursel auch gelang. Auch alle anderen Orte der Grafschaft Eppstein wurden im Zuge der Gegenreformation wieder zum päpstlichen Glauben gezwungen, freilich mit einer Ausnahme: Heddernheim. Das ist verwunderlich, weil nicht nur der Mainzer Landesherr katholisch war, sondern auch die Herren von Riedt, denen die Lehensrechte 1618 zugefallen waren. "Der Grund ist nicht bekannt, wird aber mit der alten Abhängigkeit von der Praunheimer Mutterkirche zusammenhängen." [5] Offenbar akzeptierte die lokale katholische Obrigkeit, dass Heddernheim, das zwar seit 1512 über eine kleine Kapelle, aber über keine eigenständige Pfarrei verfügte und dessen Kinder im lutherischen Praunheim religiös unterwiesen wurden, kirchlich zu Praunheim und damit ebenfalls zum lutherischen Bekenntnis gehörte.
Die steinerne Kapelle war St. Michael gewidmet und stand im Bereich der heutigen öffentlichen Parkanlage zwischen der Straße Alt Heddernheim und der Nidda. Um die Michaeliskapelle herum befand sich der Kirchhof für die Katholiken Heddernheims; die Herren von Praunheim wurden in der Kapelle bestattet, die Lutheraner in Praunheim. Noch für 1721 ist durch eine Zeugenaussage abgesichert, dass der Kirchhof tatsächlich ein Totenacker war: Ein Junker von Merlau hatte seinerzeit die Kirchhofstür nach den Niedwiesen zumauern lassen, weil Schweine durch diese Tür in den Kirchhof eingedrungen seien und die Gebeine der Toten ausgegraben hätten.
Die Toleranz der Lehensnehmer gegenüber den Lutheranern dürfte aber auch ein Ausdruck des Widerstands gegen den Landesherrn gewesen sein, der auf vielen Gebieten die althergebrachten Rechte der Lehensnehmer an sich zu ziehen versuchte. Schon die Herren von Praunheim hatten nach der Einführung der Reformation in direkter Konfrontation zum Landesherrn (seit 1581 der katholische Erzbischof von Mainz) Glaubensflüchtlinge aus Frankreich aufgenommen, in Heddernheim angesiedelt und ihnen die Michaeliskapelle zur Verfügung gestellt. Auch Juden wurde in Heddernheim Schutz gewährt: „Vom hohen Erzstift aus Vilbel vertriebene Juden und allerlei Gesindel ohne richtige Papiere“ habe Philipp Wolf von Praunheim († 1618) „indifferente“ aufgenommen, beschwerte sich der Mainzer Landesherr. [6] Zugleich forderte er, künftig nur "Untertanen katholischer Religion, mit ehrlichem Namen und aufrichtigem Handel und Wandel nunmehro anzunehmen," was Philipp Wolf jedoch ignorierte und sich im Gegenteil sogar weigerte, den Neuaufgenommenen den Huldigungseid auf den Landesherrn abzuverlangen.
1584 ließ Philipp Wolf von Praunheim am westlichen Ortsrand Burg und Hofgut Philippseck auf den Fundamenten einer römischen Villa erbauen, woran heute noch in Praunheim die Straße Am alten Schloss erinnert. Dieser Straßenname greift allerdings nur einen alten, gleich lautenden Flurnamen auf; das Schloss selbst stand im Bereich der heutigen Straße An der Ringmauer, ungefähr dort, wo unterhalb der Siedlungsgärten noch die Reste eines runden Brunnens aus der Römerzeit zu sehen sind. Das Schloss war, wie 1927/28 Ausgrabungen zeigten, ein stattlicher und ummauerter Gebäudekomplex mit angegliederten Gärten und einer Obstplantage, dessen mächtiger Ostturm bis ins 18. Jahrhundert hinein teilweise erhalten geblieben und in dieser Zeit „Heidenturm“ genannt worden war. Nach Praunheim hin existierte ein Westturm, unmittelbar neben der alten Römerstraße, die – nach den Befunden der Ausgrabung – im 16. Jahrhundert noch teilweise benutzbar gewesen sein dürfte. Nahe der Burg wurden auch die Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und die aus Vilbel vertriebenen Juden angesiedelt. Die jüdische Gemeinde von Heddernheim besaß einen eigenen Friedhof – an gleicher Stelle, an der er bis heute existiert.
Anfang des 17. Jahrhunderts spitzten sich dann aber die Gegensätze zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union derart zu, dass es im gesamten Reichsgebiet zu Kämpfen kam, in deren Folge ganze Landstriche entvölkert wurden (Dreißigjähriger Krieg). Auch Heddernheim wurde ein Opfer dieser Kämpfe: 1631 wurde das Dorf von schwedischen Truppen niedergebrannt, da es als „mainzischer Ort“ galt. Auch das neue Schloss Philippseck mit der zugehörigen Mühle an der Nidda (vermutlich am heutigen Bubeloch gelegen) sowie die Michaeliskapelle wurden zerstört. Die Dorfbewohner waren vermutlich ins nahe Frankfurt geflüchtet oder getötet worden, denn Philipp Wilhelm von Riedt berichtet in einem Schreiben, dass von den Familien, die nach dem Krieg in Heddernheim wohnten, keine einzige vor dem Krieg dort ansässig gewesen sei.
In den Ruinen der Höfe siedelten sich jedoch nach 1650 neue Bewohner an; belegt sind Zugezogene aus Praunheim und Limburg. Obwohl Heddernheim weiterhin zur lutherischen Praunheimer Mutterkirche gehörte, ist für 1699 belegt, dass die katholische Religion nunmehr in Heddernheim „praevalieret“ (vorherrscht). Betreut wurden die Gläubigen nach 1650 durch den Pfarrer von Weißkirchen, was vom Pfarrer von Praunheim als „ein tätlicher Angriff“ auf dessen Rechte gebrandmarkt wurde. [7] Dieser Streit, in dem es auch um die Gebühren für Taufen und Leichenpredigten ging (also um die Besoldung der Pfarrer), eskalierte bis hin zu Tätlichkeiten gegen Weißkirchener Priester, die auf Weisung des Grafen von Solms (dem Praunheim gehörte, der aber gegen Heddernheim keinerlei offizielle rechtliche Ansprüche hatte) am Überschreiten der Grenze zu Heddernheim gehindert wurden. Im Jahr 1700 wurde schließlich der Pfarrer von Praunheim nach Mainz in Kurfürstliche Schloss geladen, wo ihm (über den Kopf der lutherischen Grafen von Solms hinweg) alle Rechte an der Filial Heddernheim abgenommen und diese der Pfarrkirche von Weißkirchen zugesprochen wurden.
Hierdurch wurden die konfessionellen Auseinandersetzungen unter den Heddernheimer Einwohnern jedoch noch verschärft, da Mainz „allen Heddernheimern einen katholischen Schulmeister obtruieret“ habe und die evangelische Gemeinde nun alle katholischen Feiertage begehen müsse; der einzige „Schulunterricht“, den es damals in den kleineren Dörfern gab, wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein von den Ortsgeistlichen selbst oder unter deren Aufsicht gegeben. Ein „Spezialbefehl“ des Kurmainzer Oberamtmanns hatte ausdrücklich verboten, Heddernheimer Kinder in den lutherischen Untrericht nach Praunheim zu schicken. 1704 wurde den Heddernheimer Lutheranern dann zwar wieder erlaubt, den Gottesdienst in einem Nachbarort zu besuchen: In der Zwischenzeit hatten jedoch die religiös und finanziell motivierten Auseinandersetzungen, die durch den Streit zwischen althergebrachten Lehensnehmern und immer einflussreicher werdenden Landesherren verschärft worden waren, dazu geführt, dass nur noch zwei oder drei katholische Familien in Heddernheim ansässig waren.
Als die männliche Linie der Herren von Praunheim, genannt nach ihrem Wohnsitz Praunheim-Klettenburg, mit dem Tod des letzten männlichen Erbes, Philipp Wolf, im Jahr 1618 ausstarb, kam Heddernheim durch weibliche Erbfolge an die katholischen Herren von Riedt. Ab 1720 war dies Philipp Wilhelm von Riedt († 1764), ehemals Obrist eines Dragonerregiments, danach im Dienst des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz, wo er General und Gouverneur der Stadt und der Festung Mainz wurde.
Noch im Jahr seines Lehensempfangs erließ Herr von Riedt in Heddernheim eine „Generalverordnung“, in der er als neuer Gerichtsherr für beide Konfessionen genaue Anweisungen für den Besuch auswärtiger Kirchen und für die religiöse Unterrichtung der Kinder vorgab. Festgelegt wurde u.a. auch, dass die Kinder nicht länger – wenn überhaupt – in Praunheim unterrichtet werden sollten (den „Spezialbefehl“ von 1700 hatten die Einwohner offenbar ignoriert), sondern künftig von einem in Heddernheim ansässigen Lehrer; in Urkunden aus dem 1726 wird ein erster Schulmeister namens Pfengstendorff erwähnt, der seinen Unterhalt vom Schulgeld der unterrichteten Kinder bestritt. Im Prinzip führte Herr von Riedt zugleich die Schulpflicht ein, denn den Eltern wurde auferlegt, auch dann Schulgeld zu zahlen, wenn ihre Kinder der Schule ferngehalten würden. Beschwerden aus Praunheim wegen des dort entfallenden Schulgelds aus Heddernheim wurden vom neuen Lehensnehmer ebenso ignoriert wie die Klagen der Heddernheimer Lutheraner, dass ihre Kinder nun im Ort von einem katholischen Lehrer unterwiesen wurden.
Bereits 1704 hatte der Kurfürst und Erzbischof von Mainz den Heddernheimern vorgeschrieben, einen eigenen Friedhof zu eröffnen; bis dahin waren sie auf dem Praunheimer Friedhof bestattet worden. Erst Philipp Wilhelm von Riedt setzte dieses Gebot um, indem er ein ihm gehörendes Grundstück am westlichen Ortsrand mit einer Mauer umgeben und als Friedhof für die Angehörigen beider Konfessionen durch den Priester von Weißkirchen einsegnen ließ. 1743 wurde erstmals eine reformierte Christin in Heddernheim beigesetzt, trotz zuvor bewaffnetem Protest der Heddernheimer, die sich weiterhin Praunheim zugehörig fühlten. Zudem war dem evangelisch lutherischen Pfarrer von Praunheim mit Genehmigung des Grafen von Hanau unter Androhung einer hohen Geldstrafe und dem Verlust seines Dienstes verboten worden, den evangelisch-reformierten Pfarrer von Eschersheim an der Beisetzung von Heddernheimern in Heddernheim zu hindern. [8] Dieser Friedhof wurde in jüngerer Zeit in eine Parkanlage umgewandelt, die sich in Höhe der Einmündung der Heddernheimer Kirchstraße in die Straße In der Römerstadt, gegenüber dem Bunker, befindet.
1740 ließ Philipp Wilhelm von Riedt das Neue Schloss im Ortskern von Heddernheim als Wohnsitz für seine Familie erbauen; im 18. Jahrhundert hieß die Straße Holzgasse, später dann bis zur Eingemeindung des Dorfes nach Frankfurt Langgasse und seitdem Alt Heddernheim. Der vor dem Dreißigjährigen Krieg genutzte Kirchhof, unmittelbar vor dem Neuen Schloss gelegen, wurde in einen Park einbezogen, der noch heute an gleicher Stelle existiert. In der im Schloss eingerichteten Hauskirche „Zum Heiligen Kreuz“ feierte zunächst der katholische Pfarrer von Weißkirchen für die herrschaftliche Familie, deren zahlreiche katholische Bedienstete und die wenigen ortsansässigen Katholiken die Heilige Messe. Bald darauf berief Herr von Riedt jedoch auf eigene Kosten (100 Gulden pro Jahr bei freier Kost und Unterbringung) einen eigenen Geistlichen, der ab 1746 auch der neu gegründeten katholischen Pfarrei Heddernheim vorstand. „Bei dem Bau des Schlosses war meine fürnembste Absicht dahin gerichtet, den bei schwedischen Kriegstroublen anno 1631 verstörten Katholischen Gottesdienst wiederherzustellen,“ notierte Herr von Riedt.
1764 gelangte das Gebiet, das noch immer mainzisches Lehen war, durch erneute weibliche Erbfolge an die Herren von Breidbach-Bürresheim, hohe Beamte am Hofe am Hof von Nassau. Dadurch wurde das Heddernheimer Schloss häufig Schauplatz festlicher Veranstaltungen, bei denen auch der Herzog selbst anwesend war und im Vierspänner vorzufahren pflegte. 1803 gelangten die Mainzer Hoheitsrechte im Reichsdeputationshauptschluss an das Fürstentum Nassau (ab 1806: Herzogtum Nassau, woran heute zahlreiche Straßennamen erinnern; im gleichen Jahr wurde Heddernheim „Flecken“). 1866 wurde die Gemeinde im Landkreis Frankfurt dem Staat Preußen angegliedert und schließlich ab 1910 der Stadt Frankfurt.
Der Haupttrakt des Neuen Schlosses besteht noch heute (Alt Heddernheim 30), allerdings wurde das Gebäude im Zweiten Weltkrieg durch Bomben erheblich beschädigt und das Dachgeschoss danach nicht mehr im alten Stil wiederaufgebaut.
1823 erfolgten die ersten Ausgrabungen in der antiken Römerstadt Heddernheim-Nida durch den Verein für Nassauische Altertumskunde. Eine Tafel an der Gemaa-Bumb, dem 1839 errichteten, ersten öffentlichen Gemeindebrunnen in der Ortsmitte, lässt wissen, dass die Errichtung des Brunnens Anlass zum ersten Fastnachtsumzug gewesen sein soll. Die seitlich verschieden hoch angebrachten Schwengel ermöglichten es auch Kindern ihre Eimer zu füllen.
1840 hatte Heddernheim 1.894 registrierte Einwohner. 1853 wurde am Urselbach ein moderner Kupferhammer eröffnet, aus dem später die Heddernheimer Kupferwerke hervorgingen.
Nachdem die Gemeinde 1866 mit dem nassauischen Territorium an Preußen gefallen war, wurde sie dem Landkreis Frankfurt zugeordnet und erhielt 1878 ein neues, großes (noch immer bestehendes) Schulhaus sowie 1888 Anschluss an die lokale Pferdebahn Frankfurt–Eschersheim–Heddernheim. 1882 wurde der Fastnachtsverein Heddemer Käwwern gegründet, 1889 wurde im Neuen Schloss ein Stift für alleinstehende adelige Damen eingerichtet. 1890 hatte die Gemeinde dank der zwischenzeitlich erfolgten Industrieansiedlung 3.225 registrierte Einwohner. Aufgrund der zugezogenen Ortsansässigen wurde nun auch eine evangelische Kirche errichtet, die 1898 geweihte St. Thomas-Kirche.
1899 wurde die im Volksmund "Knochemihl" genannte Dampfbahn zwischen Frankfurt und der Hohemark eingerichtet (1910 elektrifiziert), 1904 wurde am Rande der Riedwiesen eine Gasanstalt in Betrieb genommen, die bis in die 1960er-Jahre bestand. 1905 entstanden die Eigenheime an der Nesselbuschstraße.
Am 1. April 1910 endete die Selbständigkeit der Gemeinde: Sie wurde mit 244 Hektar Land und 5.400 Einwohnern nach Frankfurt eingemeindet. Bestandteil des Eingemeindungsvertrags, der aber erst nach dem Ende des Weltkriegs umgesetzt wurde, war u. a. der Bau von öffentlich geförderten Wohnungen: In den 1920er Jahren entstand die Gartensiedlung Römerstadt, eine moderne Wohnsiedlung nach den Plänen von Ernst May. 1936 erfolgte der Ausbau der Siedlung Brühlfeld. Im September 1931 wurde durch Mitglieder des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen (RBK) der zweite Heddernheimer Fastnachtsverein, der Karneval-Club »Fidele Nassauer«, gegründet.
In der Zeit des Nationalsozialismus bestand im Stadtteil das Arbeitserziehungslager Heddernheim der Gestapo mit Außenstellen in Hundstadt und Hirzenhain. Am 23. April 1945 wurden im Zuge von Kriegsendphasenverbrechen 82 Frauen nach Hirzenhain transportiert und dort von SS erschossen. Infolge massiver Luftangriffe auf die Industrieanlagen der VDM wurden auch zahlreiche Heddernheimer Wohngebäude zerstört. Die Siedlung Römerstadt wurde 1945 von der US-Armee beschlagnahmt; die deutschen Einwohner mussten weichen, bis 1956 waren Militärangehörige einquartiert.
1954 hatte Heddernheim 10.000 Einwohner, ein Jahr später wurde am südlichen Rande der Römerstadt die Heddernheimer Realschule (heute: Geschwister-Scholl-Schule) eröffnet. Ebenfalls 1955 wurden die Dillenburger Straße und die Hessestraße als nördliche Ortsumgehung ausgebaut; der geradlinige Anschluss der dann auf vier Spuren erweiterten Dillenburger Straße an die Eschersheimer Landstraße erfolgte 1972 nach Fertigstellung der Maybachbrücke.[9]
In der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre beschloss die Stadt Frankfurt, auf dem bis dahin als Ackerland genutzten Gelände (Gebiet des römischen Nida) zwischen den Ortskernen von Heddernheim, Praunheim und Niederursel eine Großsiedlung in der Tradition der so genannten Gartenstädte der 20er-Jahre zu errichten, die Nordweststadt. Hierdurch wuchs Heddernheim bis Ende der 60er-Jahre mit dieser Trabantensiedlung und seinen beiden historischen Nachbarorten zu einem einheitlichen, großstädtischen Wohngebiet zusammen, dessen alte Gemarkungsgrenzen nirgends mehr erkennbar sind. Das Nordwestzentrum wurde beispielsweise noch vollständig auf Heddernheimer Gelände errichtet. Beim Bau der Nordweststadt wurden auch viele archäologische Werte aus der Römerzeit rücksichtslos weggebaggert und so für immer vernichtet; Hobby-Archäologen retteten einige wertvolle Stücke, z. B. das Malergrab (heute im Archäologischen Museum). Die Archäologen haben sich jetzt im Heddernheimer "Archäologischen Forum NIDA" zusammengeschlossen.
Seit den 1990er-Jahren entstanden am nordwestlichen Rand von Heddernheim weitere, große Neubausiedlungen auf dem ehemaligen, aufwändig bodensanierten VDM-Gelände (Mertonviertel und Riedwiese). Hier befindet sich, nahe der U-Bahn-Station Zeilweg direkt am Urselbach gelegen, die für Touristen sehenswerte Attraktion eines von Friedensreich Hundertwasser geplanten städtischen Kindergartens. Inzwischen hat – an diese Siedlungen in Hanglage anschließend – der Aufbau des Wohngebiets Riedberg begonnen, so dass Heddernheim in einigen Jahren selbst mit dem weiter entfernten Kalbach ein zusammenhängendes Wohngebiet bilden wird.
Der von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Kindergarten
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