Franz Liszt [ˈlist] (* 22. Oktober 1811 in Raiding (auf Ungarisch Doborján), damals Königreich Ungarn, heute Republik Österreich (Burgenland); † 31. Juli 1886 in Bayreuth), war einer der prominentesten und erfolgreichsten Klaviervirtuosen des 19. Jahrhunderts.
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Franz Liszt war das einzige Kind des Verwaltungsbeamten Adam Liszt und seiner Frau Maria Anna, Tochter des Bäckermeisters Mathias Lager und dessen zweiter Frau Francisca Romana Schuhmann, aus Krems in Niederösterreich. Sein Geburtsort war Raiding (ung. Doborján), das in dieser Zeit zum Komitat Ödenburg (ung. Sopron) des ungarischen Teils der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie gehörte und unter der Herrschaft des Fürsten Nikolaus II. Esterházy stand. Raiding gehört heute zum Burgenland, das seit 1921 als jüngstes Bundesland ein Bestandteil von Österreich ist.
Der älteste Vorfahre Liszts, dessen Existenz sicher belegt werden kann, ist sein Urgroßvater Sebastian List, der in Ragendorf (ung. Rajka) lebte und am 7. Januar 1793 im Alter von 90 Jahren starb. Als frühester Quellenbeleg steht eine Eintragung im Taufregister von Ragendorf zur Verfügung, die sich auf die Geburt seiner ersten Tochter Ursula am 30. Oktober 1748 bezieht. Der Name „List“ wird als Kurzform auf den deutschen Namen „Listhart“ zurückgeführt; und da weder Sebastian Lists Geburt noch seine Heirat mit seiner ersten Frau Maria Roth in Ragendorf registriert worden ist, wird angenommen, dass er zwischen 1720 und 1748 zusammen mit anderen Ansiedlern aus Niederösterreich nach Ragendorf kam. In seiner Ehe mit Maria Roth wurden noch zwei weitere Kinder, darunter am 14. Oktober 1755 Liszts Großvater Georg Adam List, geboren. Georg Adam List hatte aus drei Ehen insgesamt 25 Kinder. Als zweiter Sohn wurde in seiner Ehe mit Barbara Schlesack am 16. Dezember 1776 Liszts Vater Adam List geboren. Am 31. Januar 1817 kam in Georg Adam Lists Ehe mit seiner dritten Frau Magdalene Richter als jüngstes Kind ein Sohn Eduard hinzu, den Franz Liszt später gelegentlich seinen Onkel oder seinen Vetter nannte und den er in der Zeit seiner Ausbildung unterstützte. Im Frühjahr 1867 ließ Liszt einen österreichischen Adelstitel, der ihm am 30. Oktober 1859 verliehen worden war, auf Eduard Liszt übertragen.
Liszts Vater hätte nach dem Wunsch seiner Mutter Priester werden sollen. Er besuchte von 1790 bis 1795 das königlich-katholische Gymnasium in Preßburg (ung. Pozsony, heute Bratislava als Hauptstadt der Slowakei) und schrieb seit dieser Zeit seinen Namen in veränderter Art als "Liszt". Seine Hauptsprache war Deutsch. Daneben beherrschte er Latein, während er in der ungarischen Sprache, die 1790 an den Gymnasien als Schulfach eingeführt worden war, stets die schlechteste Note, vergleichbar mit „ungenügend“, erhielt. Am 21. September 1795 trat er in den Franziskanerorden ein, doch wurde er am 29. Juli 1797 wegen einer „unbeständigen und veränderlichen Natur“ aus dem Klerikat entlassen. Im Winter 1797/98 studierte er in Preßburg für ein Semester Philosophie. Er wurde in dieser Zeit als „Adamus Matthäus Liszt, natio et locus natalis Germanus“, d. h. als Deutscher geführt. Seine Zeit als Franziskaner scheint später in seiner Familie zu einem geflügelten Wort geworden zu sein. Die Briefe Franz Liszts an seine Mutter aus den 1830er Jahren enthalten einige Anspielungen darauf. Wenn Liszt sich dort gelegentlich „Frater“ nannte, dann war damit ein „Frater“ mit moralischen Defekten gemeint.
Seit dem 1. Januar 1798 war Adam Liszt als Wirtschaftspraktikant auf dem Herrschaftssitz Forchtenstein (ung. Fraknó) des Fürsten Esterházy angestellt. Er wurde am 6. Juni 1800 zum Verwaltungsschreiber in Kapuvá ernannt, doch reichte er bereits am 10. August 1800 ein Gesuch um eine Versetzung ein, da er die Tätigkeit in Kapuvár in Ermangelung von ausreichenden Kenntnissen der ungarischen Sprache nicht sinnvoll ausführen konnte. Er wurde im Dezember 1800 als Rentschreiber nach Forchtenstein zurückversetzt. Im Frühjahr 1805 erhielt er eine Stelle als Amtsschreiber in Eisenstadt (ung. Kismarton), wo er sich als zuverlässiger, fleißiger Beamter erwies.
Am 3. Oktober 1808 wurde Adam Liszt auf eigenen Wunsch zum Schäferei-Rechnungsführer in Raiding ernannt. Er war dort seit dem 11. Januar 1811 mit Maria Anna Lager verheiratet, die einer alt eingesessenen Familie aus Niederösterreich entstammte. Am 22. Oktober 1811 wurde Franz Liszt geboren. In Raiding wurde fast ausschließlich nur Deutsch gesprochen, und auch der Unterricht, den der kleine Franz von dem Dorfschullehrer Johann Rohrer erhielt, wurde auf Deutsch erteilt. Ein Schulunterricht in der ungarischen Sprache wurde in Raiding erst 1835 eingeführt. Nachdem die Familie zum Ende des Jahres 1823 nach Paris gezogen war und Liszt rasch das Französische erlernte, wurde dies zu seiner Hauptsprache, in der er einen großen Teil seiner Briefe schrieb. Die deutsche Sprache beherrschte er aber auch weiterhin, wenngleich er sich für lange Zeit im schriftlichen Ausdruck in dieser Sprache unsicher fühlte. Durch Reisen, die er zunächst mit seinem Vater und später auf eigenen Füßen unternahm, kamen Kenntnisse in der englischen und in der italienischen Sprache hinzu. Seine Kenntnisse in der ungarischen Sprache blieben dagegen zufolge eigener Angaben rudimentär.
Als Ergebnis einer seit mehr als 160 Jahren mit einer für die Belange der Musikgeschichte beispiellosen Intensität betriebenen Suche nach ungarischen Vorfahren Liszts, in deren Verlauf seine Familiengeschichte bis hin zu seinen sämtlichen Urgroßeltern und deren Nachfahren durchleuchtet und in vielen Einzelheiten dokumentiert worden ist, hat sich in seiner Familie nur ein einziges Mitglied mit einem ungarischen Namen finden lassen. Es ist Christine Sándor, die seit dem 9. Januar 1787 als dessen zweite Ehefrau mit Sebastian List verheiratet war. Sebastian List hatte bereits ein Alter von mehr als 83 Jahren, und seine zweite Frau Christine ein Alter von 56 Jahren erreicht. Es kann daher nicht verwundern, dass es in dieser Ehe keine Kinder gab. Alle übrigen Mitglieder der Familie, sei es auf der Seite von Liszts Vater oder auf der Seite seiner Mutter, sind österreichische Deutsche gewesen. Man möchte danach meinen, dass entsprechend seiner Herkunft auch Franz Liszt als Deutscher anzusehen sei. In der Umgebung von Raiding gibt es Orte Deutschkreuz, Unterfrauenhaid und Lackenbach, die anzeigen, dass Liszt in einer Kolonie geboren und aufgewachsen war. Es liegen aber insbesondere seit dem Winter 1839/40 zahlreiche eigene Bekundungen Liszts hinsichtlich einer wenigstens gefühlten Zugehörigkeit zu einer ungarischen Nation vor.
Als subjektive Ursache lässt sich erkennen, dass es in der Zeit des Winters 1839/40 Vermutungen gab, wonach Liszt ein Abkömmling von einer ungarischen Adelsfamilie „Listhius“ oder „Listhi“ sei. Hinsichtlich seiner Herkunft von einer Familie „Listhius“ hat Liszt seinen Irrtum selbst erkannt. Im Zusammenhang mit seinem Ersuchen vom 25. August 1859, einen österreichischen Adelstitel zu erhalten, wurde in den Archiven nach eventuellen ungarischen Vorfahren von Adelsrang gesucht. Es wurden Personen László Listhius, Johann Listhius und Andreas List gefunden, die in den Jahren 1655, 1664 und 1719 in den ungarischen Adelsstand erhoben worden waren, doch war offensichtlich, dass sie als Vorfahren Franz Liszts nicht in Betracht kommen konnten. Liszt akzeptierte dies auch selbst, nachdem er die gefundenen Unterlagen durchgesehen hatte. Die Meinung einer Herkunft Liszts von der Familie „Listhi“ wurde noch von Lina Ramann in dem ersten Band ihres Buches „Franz Liszt als Künstler und Mensch“ (1880) vertreten. Sie schrieb in dem Zusammenhang, es würden „keine bestimmten“ Quellen existieren. In seinem Handexemplar des Buches hat Liszt das Wort „bestimmten“ unterstrichen. Dies mag aus seiner Sicht bedeutet haben, dass es andere, unbestimmte Quellen gab, nach deren Angaben er noch immer an eine Herkunft von der Familie „Listhi“ glaubte. Es hat sich aber in neuerer Zeit gezeigt, dass die Familie „Listhi“ aus Sachsen stammt. Die Familie war mit dem Tod des Grafen Johann Listhi im Jahr 1676 erloschen; und eine Verbindung mit Franz Liszt ist auch hier als ausgeschlossen anzusehen.
Bei allem Respekt vor dem Nationalstolz einiger Ungarn, die auf eine Zuordnung Liszts zu ihrer eigenen Nation bis heute nicht verzichten möchten, geht kein Weg an den Tatsachen vorbei. Ungeachtet seiner eigenen Vermutungen, die sich als Irrtümer erwiesen haben, ist Liszt hinsichtlich seiner familiären Herkunft als Österreicher oder als Deutscher anzusehen. Sein Geburtsort gehörte im Jahr 1811 in verwaltungstechnischer Hinsicht zu Ungarn, doch macht es wegen des von Liszt im Verlauf eines langen Lebens zurückgelegten weiten Wegs wenig Sinn, ihn auf den Termin seiner Geburt zu fixieren. Man tut statt dessen gut daran, wenn man sich an seinem Lebenswandel und an seinen Kompositionen orientiert. Nach diesem Maßstab ist Liszt ein europäisch internationaler Künstler gewesen. Eine ungarische Färbung in einigen seiner Werke, die nicht geleugnet zu werden braucht, ist eine einzelne Farbe, neben der es viele andere gab.
Die vorherrschende Farbe in den Werken Liszts war nach dem Eindruck Béla Bartóks Französisch. Zoltán Kodály, in einem Brief an Zoltán Gárdonyi vom 24. November 1929, billigte den ungarischen Werken Liszts im Vergleich mit seinen Hauptwerken nur einen ziemlich nebensächlichen Platz am Rande zu. Es sei auch fraglich, ob Liszts Versuch, einen ungarischen Musikstil zu schaffen, einer inneren Notwendigkeit, oder nicht vielmehr einem Einfühlungsvermögen, vergleichbar mit seinen italienischen Transkriptionen, zu verdanken sei. Die Persönlichkeit Liszts sei ohne Berücksichtigung seiner fundamentalen französischen Bildung schwerlich zu erfassen. Liszt selbst schrieb 1838 in einem Baccalaureus-Brief an Lambert Massart:
In der für die Entwicklung seiner Persönlichkeit besonders wichtigen und prägenden Zeit seiner Jugend sah Liszt insoweit nicht Ungarn, sondern Frankreich als seine Heimat an. Dem entspricht, dass er im Frühjahr 1838 bei seinem Debüt als erwachsener Künstler in Wien als Repräsentant der französischen Romantik galt.
Adam Liszt wollte selbst Musiker werden. Er spielte Cello, Violine, Klavier und Gitarre; zudem hatte er als Gymnasiast und als Student in Preßburg bei Franz Paul Riegler Unterricht in Komposition und Instrumentation genommen. Aus Gründen seiner wirtschaftlichen Situation hatte er an eine Fortsetzung seiner musikalischen Studien aber nicht denken können. In der Zeit seiner Tätigkeit in Forchtenstein kam er mit der fürstlichen Kapelle in Eisenstadt in Kontakt, die 1795 von dem Fürsten Esterházy neu eingerichtet worden war und bis 1804 von Joseph Haydn geleitet wurde. Adam Liszt war in dem Orchester zuweilen als zweiter Cellist beteiligt. Auf diese Weise lernte er neben Haydn auch Johann Nepomuk Hummel kennen, der 1804 - 1811 Kapellmeister war. Am 13. September 1807 spielte die Kapelle unter der Leitung von Ludwig van Beethoven dessen Messe in C-Dur, sodass Adam Liszt wohl auch diesen wenigstens als Persönlichkeit erlebte. Adam Liszt erteilte seinem Sohn Franz Klavierunterricht, nachdem sich musikalische Interessen und Anlagen zeigten.
Am 4. August 1819 wendete sich Adam Liszt in einem Schreiben an den Fürsten Esterházy mit der Bitte, nach Wien versetzt zu werden, um dort seinem Sohn eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Der Fürst lehnte dies am 12. August 1819 ab, da in Wien keine geeignete Stelle zur Verfügung stand. Er gab dem kleinen Liszt aber im September 1819 Gelegenheit, sich in seinem Schloss in Eisenstadt vor einigen Gästen hören zu lassen. Am 13. April 1820 kam Adam Liszt ein weiteres Mal auf seinen Vorschlag zur Versetzung nach Wien zurück. Für den Fall, dass die Versetzung nicht möglich sei, bat er für die Zeit eines Jahres um unbezahlten Urlaub und um eine finanzielle Unterstützung für die mit dem Unterricht seines Sohnes in Wien verbundenen Kosten. Der Fürst genehmigte den Urlaub und einen einmaligen Ausbildungsbetrag von 200 Gulden. Der Geldbetrag war aber im Vergleich mit den von Adam Liszt in seinem Schreiben vom 4. August 1819 veranschlagten jährlichen Kosten von 1.300 - 1.500 Gulden viel zu gering. Adam Liszt teilte deshalb in einem Schreiben vom 10. Juli 1820 mit, dass er den Urlaub auf unbestimmte Zeit vertagen müsse.
Im Oktober 1820 trat der kleine Liszt in Ödenburg in einem Konzert des geigespielenden Wunderkinds Zsigmond Praun auf. Er spielte das Klavierkonzert in Es-Dur von Ferdinand Ries und eine Improvisation. Nachdem das Konzert erfolgreich verlaufen war, organisierte Adam Liszt im November 1820 in Preßburg für seinen Sohn ein eigenes Konzert. In Preßburg war nach einer Pause von 13 Jahren erstmals wieder der ungarische Reichstag zusammengekommen, so dass Adam Liszt auf Aufmerksamkeit in Kreisen des versammelten Adels hoffen konnte. Das Konzert fand am 26. November 1820 im Palast des Grafen Michael Esterházy statt. In der „Städtischen Preßburger Zeitung“ vom 28. November 1820 hieß es darauf in einem Bericht:
Als Ertrag des Konzerts erhielt Adam Liszt von einer Gruppe der anwesenden Adeligen die Zusage, für eine Dauer von sechs Jahren ein Stipendium von jährlich 6oo Gulden zu bezahlen, um dem talentierten Knaben ein Studium im Ausland zu ermöglichen. Auch mit diesem Betrag waren die zu erwartenden Kosten bei weitem nicht gedeckt. Es vergingen anderthalb Jahre, bis Adam Liszt sich am 6. März 1822 erneut an den Fürsten wendete und um Genehmigung zum Antritt des einjährigen Urlaubs bat. Nachdem er die Zustimmung erhalten hatte, verkaufte er das Mobiliar und das Vieh, das er in Raiding besaß. Am 8. Mai 1822 reiste die Familie Liszt nach Wien, wo der kleine Franz Klavierunterricht bei Carl Czerny und Unterricht in Komposition bei Antonio Salieri erhielt. Aus Briefen Adam Liszts vom 12. Juli 1822 und Salieris vom 25. August 1822 an den Fürsten Esterházy ist bekannt, dass der Familie bis dahin kaum noch Geld übrig geblieben war.
Über den Klavierunterricht bei Czerny liegen Schilderungen in Quellen vor, die von Liszt selbst autorisiert und verbreitet worden sind. Hierzu gehören die Broschüre „Franz Liszt“ von Ludwig Rellstab (1842) und die Liszt-Biografie von Gustav Schilling (1844), die auf einer Titelseite als einzige von Liszt selbst autorisierte Biografie ausgewiesen und vor der Veröffentlichung von Liszt kritisch durchgesehen worden ist. Aus späterer Zeit kommt ein von Liszt in dem Jahr 1881 vor der Veröffentlichung korrigierter Artikel des französischen Lexikons Biographie des Contemporains hinzu. Danach hatte Czerny zuerst einige der leichteren Sonaten Muzio Clementis vorgenommen, die sein Schüler ohne Mühe spielen konnte. Der kleine Liszt konnte sich aber nicht damit abfinden, dass er Einzelheiten des Vortrags ausarbeiten musste. Zudem ergaben sich Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf den Fingersatz. Um dem Unterricht Czernys zu entgehen, schrieb Liszt schließlich unsinnige Fingersätze in die Noten hinein. Gegenüber seinem Vater behauptete er dann, dass Czerny offensichtlich nichts von dem Klavierspiel verstand. Es kam zu einer Aussprache zwischen Adam Liszt und Czerny und wohl auch zu einer energischen Aussprache zwischen Vater und Sohn, worauf der Unterricht eine Fortsetzung fand.
Schon bald nach seiner Ankunft in Wien ließ Liszt sich in privaten Kreisen hören. In einem Konzert im Landesständischen Theater spielte er am 1. Dezember 1822 Hummels Klavierkonzert in a-Moll sowie eine Improvisation über eine Arie aus der Oper "Zelmira" von Rossini und das "Andante" (gemeint ist wohl das "Allegretto") aus Beethovens 7. Sinfonie. Am 13. April 1823 gab er im kleinen Redoutensaal jenes Konzert, an dessen Ende er nach der Legende einen Weihekuss Beethovens erhalten haben soll. Als Alternative wird von einigen Autoren eine Veröffentlichung von Liszts Schülerin Ilka Horowitz-Barnay aus dem Jahr 1898 favorisiert, die sich auf eine Erzählung Liszts aus dem Jahr 1875 berief. Liszt soll davon erzählt haben, dass er damals vor seinem Konzert Beethoven in dessen Wohnung besuchte und bei der Gelegenheit einen Kuss auf die Stirn erhielt.
Wird zum Vergleich das von Liszt autorisierte Buch von Schilling herangezogen, so hatte Liszt zufolge eigener Angaben bei dem Besuch bei Beethoven nicht gewagt, auch nur ein einziges Wort zu sprechen. Beethoven hatte ihn nicht "gehätschelt und liebkost", sondern ihn mit einem strengen Gesichtsausdruck wortlos angesehen. Auch in dem Konzert erhielt Liszt keinen Weihekuss, vielmehr sah Beethoven ihm stumm aus einer Entfernung zu. Sollte dies so zu verstehen sein, dass Liszt glaubte, er habe Beethoven unter den Anwesenden erblickt, dann hatte er sich höchstwahrscheinlich geirrt. Es kann heute als sicher gelten, dass Beethoven das Konzert nicht besuchte. Der Besuch Liszts bei Beethoven wird durch einen Eintrag in Beethovens Konversationsheft bezeugt, doch geht aus dem Zusammenhang hervor, dass der Besuch nicht mehr als nur eine kurze Unterbrechung eines Gesprächs zwischen Beethoven und Anton Schindler über Beethovens Bruder war. Nach den bisher bekannt gewordenen Quellen sieht alles danach aus, dass die Legende von dem Weihekuss ein Fantasiegebilde gewesen ist.
Entsprechend der Vereinbarung, die Adam Liszt mit dem Fürsten Esterházy getroffen hatte, kehrte die Familie Ende April 1823 nach Ungarn zurück. Liszt gab am 1., 19. und 24. Mai 1823 Konzerte in Pest. Am Ende des Konzerts vom 19. Mai spielte er einige Stücke aus einer gedruckten Sammlung ungarischer Tänze von Csermák, Lavotta und Bihari sowie den Rákóczi-Marsch. Ende Mai reiste die Familie wieder nach Wien, wo Liszt noch für einige Monate Unterricht bei Czerny und Salieri erhielt.
Über den Fortgang des Unterrichts sind nur geringe Einzelheiten bekannt. Liszt schrieb später im Rückblick in einem Brief vom 17. März 1857 an seinen eigenen Schüler Dionys Pruckner, Czerny habe ausschließlich nur Werke Beethovens gespielt. Werden dagegen die Konzertprogramme des kleinen Liszt durchgesehen, so sind dort in der Hauptsache nur die Klavierkonzerte in a-Moll und h-Moll von Hummel sowie brillante Variationen von Czerny und von Moscheles zu finden. Da nicht anzunehmen ist, dass Czerny seinen Schüler ohne Vorbereitung öffentlich auftreten ließ, werden es diese Stücke gewesen sein, die Liszt bei Czerny studierte. In der nachfolgenden Zeit wird in Briefen Czernys an Adam Liszt kein einziges Werk Beethovens erwähnt. Czerny schickte statt dessen eigene Kompositionen und empfahl, dass der kleine Liszt diese spielen sollte.
Hinsichtlich des Kompositionsunterrichts bei Salieri liegt als einzige sichere Quelle nur sein Brief vom 25. August 1822 an den Fürsten Esterházy vor. Salieri hatte bis dahin Gesangsübungen sowie eine Einführung in den Generalbass und in das Lesen von Partituren vorgenommen. Eine Einführung in die Komposition sollte erst später beginnen. Um in dieser Hinsicht zu einem soliden Fundament zu gelangen, reichte die Zeit, die der kleine Liszt noch bei Salieri verbrachte, aber nicht aus. Da der kleine Liszt schon bald daran gewöhnt war, von seinen Verehrern in Wien mit Mozart und Beethoven auf eine Stufe gestellt zu werden, mag er auch kein einfach zu unterrichtender Schüler gewesen sein. Entsprechende Andeutungen sind in dem Buch von Schilling zu finden. Czerny hat später in seinen Lebenserinnerungen den frühzeitigen Abbruch des Unterrichts beklagt und auf ein einseitiges Streben Adam Liszts nach einem Geldgewinn zurückgeführt.
Im April 1823 hatte Adam Liszt sich um eine Verlängerung seines Urlaubs um weitere zwei Jahre bemüht, doch hatte der Fürst Esterházy dies abgelehnt. Adam Liszt, der mit seinem Sohn nach Paris und London reisen wollte, hatte deshalb seinen Dienst quittiert. Am 20. September 1823 verließ die Familie Liszt Wien. Nach Zwischenaufenthalten mit Konzerten in München, Augsburg, Stuttgart und Straßburg traf die Familie Liszt am 11. Dezember 1823 in Paris ein. Mit der Begründung, dass er kein Franzose sei, blieb es Franz Liszt jedoch verwehrt, am Pariser Konservatorium zu studieren. Vater und Sohn wurden von dem Konservatoriumsdirektor Luigi Cherubini abschlägig beschieden.
Für die weitere Vervollkommnung seines Klavierspiels war Franz Liszt danach auf das strenge Regiment seines Vaters verwiesen. Er übte mit dem Metronom Skalen und Etüden und musste täglich zwölf Fugen Johann Sebastian Bachs spielen und in alle Tonarten transponieren. Daneben erhielt er Kompositionsunterricht bei Ferdinando Paer und Antonín Reicha. Nach privaten Auftritten in höchsten Gesellschaftskeisen und Konzerten am 7. März und 12. April 1824 im Italienischen Theater stieg Liszt in Paris als „petit Listz“ oder „petit Litz“ rasch zu einer Berühmtheit auf. Er wurde in Rezensionen zum wiedergeborenen Mozart ernannt. In Konzerten in England, das er zusammen mit seinem Vater in den Jahren 1824, 1825 und 1827 besuchte, war er als „Master Liszt“ bekannt. Die Einnahmen flossen in Strömen, so dass Adam Liszt trotz hoher Lebenshaltungskosten in Paris einen Geldbetrag in einer Größenordnung von 60.000 Francs in Anleihen seines früheren Arbeitgebers, des Fürsten Esterházy, zur Existenzsicherung anlegen konnte. Diese Rücklage ist bis zum Tod von Liszts Mutter im Jahr 1866 unangetastet geblieben.
Die veröffentlichten Kompositionen des Wunderkindes, neben einem Beitrag zu den Variationen von 50 Komponisten über einen Walzer Diabellis in der Hauptsache Variationen op.1 über ein eigenes Thema, Variationen op.2 über ein Thema von Rossini, ein Impromptu op.3 über Themen von Rossini und Spontini, zwei Allegri di bravura op.4 und 12 Etüden op.6 sind in dem Stil der brillanten Wiener Schule gehalten, mit dem auch seine späteren Virtuosenkollegen Sigismund Thalberg und Theodor Döhler begannen. Liszt hat sich an dem Stil seines Lehrers Czerny orientiert, der ihm in großer Fülle eigene Kompositionen zukommen ließ. Die Opuszahl 5, die frei geblieben ist, war wohl für die Oper Don Sanche ou le Château d’amour bestimmt, die Liszt mit etwas Hilfestellung seines Lehrers Ferdinando Paer komponierte. Die Oper wurde am 17. Oktober 1825 unter der Leitung von Rodolphe Kreutzer in Paris uraufgeführt, doch war die Aufführung ein Misserfolg, so dass die Oper schon bald von dem Spielplan verschwand.
Zahlreiche weitere Kompositionen des Wunderkindes, deren Existenz durch Angaben in Briefen Adam Liszts und anderen Quellen bekannt geworden ist, darunter Klaviersonaten, Klavierkonzerte und Werke in kammermusikalischen Gattungen, sind verschollen. Einige Zeitgenossen vermuteten, dass Liszt den Misserfolg seiner Oper nicht hatte verwinden können, so dass er aus diesem Grund bei der Veröffentlichung von Kompositionen Zurückhaltung walten ließ. Aus der Sicht der Öffentlichkeit war Liszt ein mit überragend brillanter Klaviertechnik ausgestatteter frühreifer Pianist und geschickter Improvisator, jedoch kein ernstzunehmender Komponist. In dieser Hinsicht ist ein Brief Aloyis Schmitts an seinen Schüler Ferdinand Hiller informativ. Hiller war im Oktober 1828 in Paris eingetroffen. Nachdem er sich dort eingelebt und Liszt kennengelernt hatte, schilderte er seine Eindrücke in einem Brief an Schmitt, der in seiner Antwort vom 22. März 1829 schrieb:
Aus der Veröffentlichung der Etüden op.6 ergab sich allerdings eine Folge, die erst viel später sichtbar geworden ist. Zufolge einer Notiz Robert Schumanns von 1829 hatte er früher seinem Vater Klavierstücke, darunter ein Allegro in c-Moll von Liszt, vorgespielt. Mit dem Allegro in c-Moll, von Schumann „Opus I“ genannt, ist höchstwahrscheinlich die 8. Nummer der Etüden op.6 gemeint, an der Schumann Gefallen fand. Dementsprechend hob er in einer Rezension, die im Oktober 1839 in der Neuen Zeitschrift für Musik erschien, die vor langer Zeit entstandenen Etüden des Wunderkinds im Vergleich mit den jüngst bei Haslinger in Wien erschienenen Grandes Etudes als beneidenswertere Kompositionen hervor.
Liszt selbst hat seine Karriere als Wunderkind im Rückblick stets und ausschließlich nur mit Worten stärkster Skepsis kommentiert. Mit der unter dem Einfluss seines Vaters bei zum Teil brutalen Erziehungsmethoden erzwungenen Konzentration auf die Rolle eines frühreifen Virtuosen hatte er zwar ein Fundament für eine überragende Klaviertechnik und einen berühmten Namen erlangt, doch ging dies mit einem starken Mangel in der Entwicklung seiner Allgemeinbildung einher. Dies wurde ihm in der Zeit um 1830 auch selbst bewusst, und er bemühte sich darum, ein subjektiv gefühltes Bildungsdefizit mit einer zunächst wahllosen Lektüre von Büchern auszugleichen. Am Ende seines Lebens hat Liszt viele Tausende von Büchern hinterlassen; und aus seinen handschriftlichen Anmerkungen geht hervor, dass er die Bücher nicht nur besessen, sondern auch gelesen hat. Er ist auf diese Weise im Verlauf der Zeit zu einem umfassend gebildeten Menschen geworden. Von den Werken aus seiner Zeit als Wunderkind hatte er sich bis dahin distanziert. Auf eine Anfrage Lina Ramanns, was aus der Ouvertüre zu seiner Oper Don Sanche geworden sei, antwortete Liszt, es sei nichts daraus geworden, weil nichts daran gewesen sei. Für junge und alte Komponisten sei es noch immer das beste, wenn die Manuskripte verloren gehen.
Während eines Erholungsaufenthalts in Boulogne-sur-Mer erkrankte Adam Liszt an starkem Fieber, worauf er am 28. August 1827 verstarb. Der knapp sechzehnjährige Liszt war plötzlich auf sich allein gestellt. Er kehrte nach Paris zurück, wo er zusammen mit seiner Mutter eine kleine Wohnung bezog und zum Bestreiten des Lebensunterhalts Klavier- und Kompositionsunterricht erteilte. In dieser Zeit verliebte er sich in seine Klavierschülerin Caroline de Saint Criq, die aus adeligem Hause stammte. Nach der traditionell überlieferten Vorstellung von dem Hergang hatte die Mutter des Mädchens gegen eine Verbindung nichts einzuwenden, doch legte nach ihrem Tod am 1. Juli 1828 der Vater wegen des unüberbrückbaren Standesunterschieds sein Veto ein. Eine andere Version wird in der Liszt-Biographie von Gustav Schilling mitgeteilt. Die folgende Schilderung, die sich auf Caroline de Saint Criq bezieht, ist von Liszt unkorrigiert geblieben.
Übernimmt man diese Version, so möchte man meinen, dass die junge Dame sich von Liszt ein anderes Verhalten gewünscht haben wird. Dem entspricht die von Liszt selbst im Jahr 1834 im Rückblick gegebenen Charakterisierung: „Je n’ai été qu’un enfant, presqu’imbécible pour Caroline“. Liszt hätte sich insoweit nach seiner eigenen Einschätzung wie ein Idiot benommen, indem er das Mädchen ohne hinreichenden Grund sitzen ließ. Die treibende Kraft mag hierbei mit vermeintlich guten Ratschlägen seine Mutter gewesen sein.
Liszt scheint sich danach von Teilen der Gesellschaft zurückgezogen zu haben, worauf am 23. Oktober 1828 im Corsaire eine Todesanzeige mit einem knappen Nachruf erschien. Die Anzeige wurde aber bereits am 26. Oktober 1828 von einer Madame Alix in einer Gegegendarstellung dementiert. Es ist dort zu erfahren, dass Liszt, der an der von Madame Alix geleiteten Mädchenschule als Klavierlehrer angestellt war, sich bei bester Gesundheit befand. Aus einem Brief Liszts an seinen früheren Lehrer Czerny vom 23. Dezember 1828 ist bekannt, dass er für den 25. Dezember ein Konzert angekündigt hatte, dessen Programm neben einer Improvisation Liszts am Ende des ersten Teils und mehreren Darbietungen von Sängern und Instrumentalisten das Klavierkonzert in Es-Dur von Beethoven (entsprechend dem zeitgenössischen Sprachgebrauch wohl nur den ersten Satz) sowie im zweiten Teil Variationen Czernys über eine Melodie aus der Oper Il Pirata von Bellini und ein Duo von Mayseder enthalten sollte. Das Konzert musste abgesagt werden, weil Liszt die Masern bekam. Am 22. März 1829 war Liszt in den Salons Pape an einer zwölfhändigen Bearbeitung der Zauberflöten-Ouvertüre sowie am 1. April, am 7. April, am 11. April und am 11. Juni 1829 an weiteren Konzerten beteiligt, so dass von einem unbekannten Aufenthaltsort oder einer lang andauernden Krankheit in dieser Zeit keine Rede sein kann.
Während Caroline de Saint Criq in der Liszt-Literatur traditionell nach dem Bild einer rührende Heiligengestalt gezeichnet wird, stellt man sich Jeanne Frédérique Athénais de Saint-Hippolyte, Comtesse de Benoist de la Prunarède, genannt Adèle de la Prunarède, als Gegenpol vor. Bei einem Besuch Liszts bei der Comtesse auf ihrem Schloss Marlioz in Savoyen soll sich das Problem ergeben haben, dass wegen eines starken Schneefalls die Bergstraßen unpassierbar waren. Liszt konnte deshalb nicht entkommen, so dass ihm nicht anderes übrig blieb, als die Zeit eines ganzen Winters in den Armen der Comtesse zu verbringen. Auch hier ist die traditionelle Überlieferung mit Skepsis anzusehen.
Von Liszt liegt aus dem Jahr 1834 die rückblickende Bemerkung vor, er habe sich gegenüber der Comtesse wie ein feiger, erbärmlicher Hasenfuß benommen. Aus verstreuten Angaben in anderen Quellen geht hervor, dass er im Verlauf des Jahres 1830 Charlotte Laborie kennenlernte, deren Mutter mit starkem Engagement eine Heirat in die Wege leiten wollte. Es wurde deshalb im Winter 1830/31 eine gemeinsame Reise Charlottes mit Liszt in die Schweiz arrangiert. In Genf trafen Liszt und Charlotte mit der Comtesse de la Prunarède zusammen. Aus einem Brief Liszts an seine Mutter ist bekannt, dass die Reisegesellschaft am 9. Januar 1831 in Schloss Marlioz eingetroffen war. Die Bergstraßen, die bis dahin passierbar gewesen waren, blieben es auch weiterhin. Anfang Februar 1831 befand Liszt sich zusammen mit Charlotte wieder in Genf. Er schrieb von dort einen Brief an seine Schülerin Euphémie Didier und kündigte seine baldige Rückkehr an.
Soweit sich aus Andeutungen Liszts in seinen Briefen ein Vorgang erkennen lässt, hatte die Comtesse de la Prunarède ihn auf Schloss Marlioz verführt. Seine Reisebegleiterin Charlotte hatte darauf in einem Brief ihren Vater in Kenntnis gesetzt, der sich auf den Weg in die Schweiz begab, um seine Tochter abzuholen. Hiervon hatte Liszt erfahren; und dies war der Grund für die übereilte Abreise von Schloss Marlioz gewesen. In Genf trafen Liszt und Charlotte mit ihrem Vater zusammen, worauf man gemeinsam die Rückreise nach Paris antrat. Zwei Monate später kehrte Liszt noch einmal nach Genf zurück, um sich von der Comtesse de la Prunarède loszusagen. Im Spätsommer 1831 verlobte er sich auf Drängen seiner Mutter mit Euphémie Didier, doch löste er die Verlobung im Oktober 1831 von seiner Seite auf. Als er dann im März 1832 wieder mit Charlotte Laborie zusammentraf, versprach er in feierlichen Schwüren, künftig auf eine Reise nach Genf zu verzichten. Aus dem ganzen Komplex haben sich in der nachfolgenden Zeit noch vielfältige Probleme für Liszt ergeben. Er ist später noch einige Male, so am 2. Juli 1835 in der Schweiz und im Sommer 1839 in Italien, mit Adèle de la Prunarède zusammengetroffen.
Am 17. Oktober 1831, nachdem Liszt den von seiner Mutter angeregten Plan einer Heirat mit Euphémie Didier aufgegeben hatte, begann er mit der Skizze einer Melodie, die er später in die Introduktion seiner Clochette-Fantasie übernahm. Auf der betreffenden Seite seines Skizzenbuchs sind neben den Noten verschiedene Textfragmente enthalten. Hierzu gehört der Satz: „Voila que tout cela est passé, mon enfance est plus." ("Nachdem all dies geschehen ist, ist meine Kindheit vorbei.") In seiner subjektiven Empfindung hatte Liszt demnach am Ende seines 21. Lebensjahres ein Stadium erreicht, in dem alles, was mit seiner früheren Persönlichkeit als Wunderkind eventuell noch zusammenhing, endgültig gestorben war.
Bis zum Ende des Jahres 1831 lag von Liszt neben seinen früheren Werken als Wunderkind nur ein einziges veröffentlichtes Klavierstück vor. Es war die 1829 erschienene Fantasie über ein Tiroler-Lied aus der Oper "La fiancée" ("Die Braut") von Daniel Francois Auber, die Liszt mit einer neuen Opus-Zahl 1 versah. Er hatte sich offenbar vorgenommen, sich mit einer neuen Reihe von Werken zu profilieren. In der Zeit der Revolution vom Juli 1830 begann er mit der Komposition einer "Revolutions-Sinfonie", aus deren erstem Satz viel später die Sinfonische Dichtung Héroide funèbre hervorgegangen ist. Daneben enthält das von ihm seit 1829 benutzte Skizzenbuch bis zum Frühjahr 1832 nichts, was über einen Ansatz im Umfang weniger Takte hinausgekommen war. Mitte Januar 1832 wurde von der Fraktion des Père Enfantin der Saint-Simonisten, für deren Lehre sich Liszt seit 1831 begeisterte, ein Flugblatt an alle Künstler verteilt. Sie sollten sich für die Ziele der Saint-Simonisten verwenden; und es sollte dabei eine bessere Musik als die Musik von Beethoven und Rossini entstehen.
Zu dem Aufruf der Saint-Simonisten kamen Eindrücke hinzu, die Liszt am 20. April 1832 in einem Konzert Paganinis erhielt. Er besuchte außerdem Vorträge von Francois Joseph Fétis über künftige Weiterentwicklungen der Musik. Dabei ging es um die von Fétis geprägten Begriffsbildungen „Omnitonie“ und „Omnirhythmik“, auf deren Wichtigkeit für sein kompositorisches Schaffen Liszt in einem Brief an Fétis vom 17. September 1859 selbst hingewiesen hat. Im Winter 1831/32 hatte Liszt auch Frédéric Chopin und Felix Mendelssohn Bartholdy kennengelernt. Sie hatten sich in ihren Kompositionen im Vergleich mit allem, was bis dahin von Liszt vorlag, als weit überlegen gezeigt. Es mag daher ein Ehrgeiz Liszts entstanden sein, es ihnen wenigstens gleichzutun. In der Zeit eines Aufenthalts im Mai bis Juli 1832 in Ecoutebœuf in der Nähe von Rouen komponierte er eine noch unvollständige Frühversion seiner Clochette-Fantasie. Liszts Briefe an seine Schülerin Valerie Boissier lassen auch erkennen, dass er mit weiteren Kompositionsprojekten beschäftigt war. Bis zum Ende des Jahres fertigte er in der Gestalt von freien Variationen eine Bearbeitung von Franz Schuberts Lied "Die Rose" an. Die Bearbeitung war für ein Album bestimmt, das gegen Ende 1832 erschien. In dieser Zeit kam es durch Zufall zu einer ersten Begegnung Liszts mit der Gräfin Marie d'Agoult.
Marie d'Agoult entstammte von der Seite ihrer Mutter einer deutschen Bankiersfamilie aus Frankfurt a. M. Ihr Vater war in Genf geboren und hatte in der Zeit Napoleons eine militärische Laufbahn in Frankreich eingeschlagen. Bei einem Aufenthalt in Frankfurt hatte er Marie d'Agoults Mutter kennengelernt. Marie d'Agoult wurde am 30. Dezember 1805 geboren, doch war es üblich, den 31. Dezember als ihren Geburtstag anzusehen. In ihrer Kindheit und Jugend hatte sie eine anspruchsvolle musikalische Ausbildung erhalten. Sie spielte als hoch talentierte und fortgeschrittene Amateurin Klavier und hatte auch selbst Musikstücke, darunter ein Lied "Die Loreley" nach dem Gedicht Heinrich Heines, komponiert. Mit ihrer Alt-Stimme sang sie Lieder von Beethoven und von Schubert. Eines ihrer Lieblingsstücke war der "Erlkönig", den später Liszt in ihrem Vortrag hörte. Am 16. Mai 1827 hatte sie den französischen Offizier Charles d'Agoult geheiratet, und kein Geringerer als der König von Frankreich hatte sich als Trauzeuge zur Verfügung gestellt. Aus der Ehe mit Charles d'Agoult gingen zwei Töchter Louise und Claire hervor. Louise zog sich im Oktober 1834 ein Gehirnfieber zu, an dessen Folgen sie im Dezember 1834 verstarb.
Im Winter 1831/32 hatte Marie d'Agoult zusammen mit ihrem Ehemann und ihren beiden Töchtern eine Reise nach Genf unternommen. Es war dort im Frühjahr 1832 zu einer Ehekrise und zu einer gesundheitlichen Krise Marie d'Agoults mit Gedanken an Selbstmord gekommen. Sie wurde in einem Genfer Sanatorium behandelt, während ihr Ehemann zusammen mit den beiden Töchtern die Rückreise nach Paris antrat. Nach ihrer eigenen Rückkehr fiel es Marie d'Agoult schwer, sich in den üblichen Gesellschaftsverkehr wieder einzufinden. Sie besuchte am 9. Dezember 1832 ein Konzert von Hector Berlioz, in dem die Symphonie fantastique sowie erstmals die Fortsetzung Lélio ou le Retour à la Vie, d. h. "Die Rückkehr zum Leben", zu hören war. Liszt, der die Symphonie fantastique bereits seit ihrer ersten Aufführung am 5. Dezember 1830 und seit dieser Zeit auch Belioz kannte, hörte bei der Aufführung am 9. Dezember 1832 ebenfalls zu. Zum Ende des Jahres 1832 kaufte Marie d'Agoult das Landgut Croissy in der Nähe von Paris. Als ihre Bekanntschaft mit Liszt sich zu entwickeln begann, lud sie ihn nach Croissy ein. Er lernte dort ihre Töchter kennen, von denen er den Spitznamen "Bon Vieux" erhielt. Liszt selbst nannte sich in seinen frühen Briefen an Marie d'Agoult "Thoughtful", was "Der Gedankenvolle" oder auf Italienisch "Il Penseroso" heißt. In einer späteren Phase ihres Zusammenlebens gaben Liszt und Marie d'Agoult sich den fiktiven Namen "Zyi". Dies soll nach einer Vermutung Luciano Chiapparis "Kinder des Zeus" oder "Götterkinder" bedeuten.
In seinen Gesprächen mit Marie d'Agoult erzählte Liszt davon, dass die Rolle als brillanter Pianist, die er bei seinen Auftritten in den Salons vornehmer Gesellschaftskreise und in Konzerten spielen musste, nur ein wenig bedeutender äußerlicher Anteil seiner Persönlichkeit sei. Während er diese Rolle widerwärtig und lästig fand, sei er nach dem Maßstab seines wertvolleren inneren Wesens zur Komposition von unsterblichen Meisterwerken bestimmt. Er fand damit bei Marie d'Agoult ein offenes Ohr, da sie gegenüber den Gepflogenheiten der zeitgenössischen Gesellschaft schon selbst zu einer skeptischen Anschauung gekommen war. Gegenüber dem Applaus, den Liszt in seinen Konzerten erhielt, blieb sie vollständig kalt. Er interessierte sie nicht, und Liszt versicherte, dass es ihm genauso erging. Als Erinnerung an solche Gespräche mit Marie d'Agoult komponierte Liszt im Mai 1833 das Einzelstück Harmonies poétiques et religieuses, dessen Manuskript er ihr gab.
Mit seinem Versuch, Marie d'Agoult von der Lehre der Saint-Simonisten zu überzeugen, wonach der Umstand ihrer Ehe mit Charles d'Agoult nicht nur als ein bloß formaler Vorgang, sondern sogar gewissermaßen als unmoralisch anzusehen sei, fand Lizst allerdings zuerst keine Resonanz. Marie d'Agoult gab ihm zu verstehen, dass er "abscheuliche Lehren hege", und brach im September 1833 den Kontakt mit ihm ab. Es bedurfte starker Anstrengungen Liszts, bis er gegen Ende November 1833 einen neuen Anknüpfungspunkt fand. Er mietete im Winter 1833/34 eine eigene Wohnung, die er "Ratzenloch" nannte. In dem "Ratzenloch" erhielt er Besuche Marie d'Agoults, die zur Wahrung eines Inkognito als "Comte de la B..." in einer Uniform ihres Ehemanns erschien. Entgegen dem äußeren Anschein kann aber wenigstens bis dahin von der stürmischen Entwicklung einer glücklichen Liebesbeziehung keine Rede sein. Liszt hat noch im Juli 1834 in einem seiner Briefe Marie d'Agoult als eine Frau charakterisiert, die er begehre und der er nachlaufen müsse, ohne sie jemals zu erlangen.
Neben dem Einfluss der Lehren der Saint-Simonisten kam seit dem April 1834 eine Bekanntschaft Liszts mit dem Abbé Felicité de Lamennais hinzu. Liszt las dessen Buch "Paroles d'un Croyant", von dem er begeistert war. Er besuchte den Abbé in der Zeit von Mitte September bis Mitte Oktober 1834 in dessen Kolonie La Chênaie in der Normandie. Felicité de Lamennais ist für Liszt zu einem väterlichen Freund und Vorbild geworden. Sein Einfluss auf Liszt reicht bis weit in spätere Zeiten hinein.
In der Zeit vom Frühjahr 1834 bis zum Winter 1834/35 war Liszt als Komponist produktiv, wenn auch kein einziges der in dieser Zeit entstandenen Werke Eingang in das allgemeine Konzertrepertoire gefunden hat. Die Clochette-Fantasie wurde in ihrer veröffentlichten Gestalt fertiggestellt, doch war ein öffentlicher Vortrag durch Liszt am 5. November 1834 in einem Konzert von Berlioz ein katastrophaler Misserfolg. Es entstanden außerdem ein Duo für Klavier und Violine über eine Mazurka Chopins und ein vierhändiges Konzertstück über Mendelssohns "Lieder ohne Worte". Liszt hat das Konzertstück am 9. April 1835 zusammen mit seiner Schülerin Herminie Vial in einem Wohltätigkeitskonzert gespielt, doch wurde das Werk von den Zeitgenossen als unverständliche, fantastische Exzentrizität abgelehnt. Die von Liszt 1833 angefertigte und im November 1834 veröffentlichte Klavierpartitur der Symphonie fantastique wurde hinsichtlich seiner Leistung als Bearbeiter anerkannt, und Liszt hat einige Male die Sätze Le Bal und Marche du supplice in Konzerten gespielt. An eine Wiederbelebung im Konzertrepertoire wird aber kaum zu denken sein.
In der Zeit des Aufenthalts in La Chênaie entstand eine Fantasie für Klavier und Orchester über zwei Melodien aus Belioz' Lélio, und auch hiermit konnte Liszt nur geringe Resonanz bei den Zeitgenossen finden. Im Winter 1834/35 war er mit weiteren Kompositionen für Klavier und Orchester beschäftigt. Hierzu gehörte neben der sogenannten "Malédiction" und einer Frühversion seines späteren Klavierkonzerts in Es-Dur, mit deren Komposition Liszt bereits 1832 begann, ein "Psaume instrumental" nach der gregorianischen Melodie De profundis, dessen autographe Titelseite eine Widmung an den Abbé de Lamennais enthält. Liszt hatte sich vorgenommen, den Abbé im Juli 1835 ein weiteres Mal in La Chênaie zu besuchen. Er wollte den "Psaume instrumental" bis dahin fertigstellen und mitbringen. Hierzu kam es aber nicht mehr, weil sich in dem Privatleben Liszts eine Veränderung ergab, die ihn zu einer radikalen Neuorientierung zwang.
Marie d'Agoult, mit der Liszt im Verlauf des Jahres 1834 und auch noch danach Höhen und Tiefen erlebte, bemerkte Anfang Mai 1835, dass sie schwanger war. Sie fasste deshalb den Entschluss, ihren Ehemann zu verlassen und fortan mit Liszt zusammenzuleben. Nach einem Zusammentreffen mit Marie d'Agoults Mutter in Basel und einer nachfolgenden Reise von sechs Wochen durch verschiedene Ortschaften in der Schweiz traf das Paar am 19. Juli 1835 in Genf ein, wo am 18. Dezember 1835 die gemeinsame Tochter Blandine geboren wurde. Um sich zu vergewissern, dass er der Vater sei, blätterte Liszt in seinem Terminkalender um neun Monate zurück. Damit hängt es zusammen, dass der 18. März 1835 eine besondere Markierung erhielt. Liszt hatte gesehen, dass er an diesem Tag neben verschiedenen anderen Aktivitäten mit Marie d'Agoult zusammengekommen war. Er erkannte deshalb Blandine als seine Tochter an. Um zu verhindern, dass entsprechend der zeitgenössischen Rechtssituation das Kind als Tochter Charles d'Agoults galt, wurde bei der Anmeldung bei den Genfer Behörden als Name der Mutter der fiktive Name Chaterine Adélaide Méran angegeben.
In dem Jahr 1834 war mit Beteiligung Liszts in dem Verlag Maurice Schlesingers in Paris die Zeitschrift Gazette musicale gegründet worden. Sie wurde im November 1835 mit der zuvor von Edouard Fétis, dem Sohn von Francois Joseph Fétis, redigierten Revue musicale unter dem Namen Revue et Gazette musicale zusammengelegt. Liszt, dessen Name im Impressum erschien, hatte im Jahr 1834 einem Beitrag über künftige Kirchenmusik geschrieben. Er nahm den Beitrag dann als Fragment in seine Artikelserie "De la situation des artistes et de leur condition dans la société" ("Zur gesellschaftlichen Stellung der Künstler") auf.
Die drei ersten Artikel wurden am 3. Mai, 10. Mai und 17. Mai 1835 veröffentlicht, als Liszt sich noch in Paris befand. In der Zeit seines Aufenthalts in Basel erhielten die Abonnenten der Gazette musicale zusammen mit der Ausgabe vom 7. Juni 1835 als Beilage sein Klavierstück Harmonies poétiques et religieuses, und in der Ausgabe vom 14. Juni 1835 war eine skizzierte Biografie Liszts von seinem Freund Joseph d'Ortigue enthalten. In der Revue musicale vom 28. Juni 1835 wurde in einer Notiz mitgeteilt, dass es Liszts Absicht sei, für eine Zeit von drei Jahren die Schweiz, Italien und Sizilien sowie eventuell Spanien zu bereisen, um neue Eindrücke für die Fortentwicklung seiner künstlerischen Persönlichkeit zu gewinnen. Die Artikelserie wurde dann mit Beiträgen Liszts in der Gazette musicale vom 26. Juli und 30. August 1835 fortgesetzt. Bis zum Abdruck von Liszts letztem Artikel in der Gazette musicale vom 25. Oktober 1835 legte die Redaktion eine Pause ein. In der Zwischenzeit hatte ein "Germanus Lepic" zur Entgegnung auf die Artikel Liszts zwei Artikel "De l’éducation des musiciens" ("Zur Ausbildung der Musiker") und "De la éducation des compositeurs de musique" ("Zur Ausbildung der Komponisten") geschrieben. Liszt ließ in der Revue et Gazette musicale vom 15. November 1835 eine Widerentgegnung und danach noch weitere Beiträge folgen. Die Pariser Leser der Zeitschriften waren über aktuelle Absichten Liszts und seine künstlerische Einstellung gründlich informiert.
In seinem Fragment über künftige Kirchenmusik und in seiner Artikelserie hatte Liszt Standpunkte eingenommen, die ihm aus seiner Bekanntschaft mit dem Abbé de Lamennais und den Lehren der Saint-Simonisten geläufig geworden waren. Er lehnte gewisse Dogmen der katholischen Kirche ab und ließ in der Art eines kritischen Rundumschlags verschiedene Komponenten des zeitgenössischen Musiklebens in Paris in einem bedenklichen Licht erscheinen. In der biografischen Skizze d'Ortigues war davon zu erfahren, dass Liszts glühende Begeisterung der Musik Beethovens galt. Komponisten, die zum Zweck des Gelderwerbs beliebte Opernmelodien zu Instrumentalstücken bearbeiteten, wurden von Liszt in dem vierten Artikel seiner Serie mit Hohn und Spott bedacht. Dies hatte mit seinem praktischen Tun insoweit übereingestimmt, als er bis zum Ende des Winters 1834/35 tatsächlich Stücke komponierte, die den in der Artikelserie dargelegten Idealen entsprachen. Auch die Veröffentlichung des Klavierstücks Harmonies poétiques et religieuses ließ sich in diesem Zusammenhang verstehen. Dass Liszt mit solchen Kompositionen keine Resonanz beim breiten Publikum fand, war von vornherein nicht anders zu erwarten gewesen. In einem Vorwort zu dem Klavierstück gab er selbst an, dass sein Streben nicht dem Beifall einer großen Menge galt.
Seit dem Beginn seines Aufenthalts in Genf komponierte Liszt allerdings Werke in ganz anderem Stil. Es entstanden Fantasien über Melodien aus den Opern "Die Jüdin" von Jacques Fromental Halevy und "Die Puritaner" von Vincenzo Bellini, die in der ersten Hälfte des Jahres mit großem Erfolg in Paris aufgeführt worden waren. Als "Drei Salonstücke" kamen eine Fantasie über eine Arie aus der Oper "Niobe" von Giovanni Pacini, eine "Romantische Fantasie" über zwei Schweizer Melodien und ein Rondo über ein Lied von Manuel Garcia hinzu. Nachdem Liszt in dem vierten Artikel seiner Serie keinen Zweifel daran gelassen hatte, dass für einen Künstler mit ernsthaften Zielen das Komponieren von Tanzmusik als Gipfel der Zumutung anzusehen sei, entstand in Genf ein bravouröser Walzer. Liszt komponierte außerdem zwei Fantasien über Melodien Rossinis aus dessen Soirées musicales, einer Sammlung von acht Arietten und vier Duetten, die im Sommer 1835 erschienen war und beim Publikum begeisterten Anklang gefunden hatte. Als Beitrag zu einem Album "Die Schweizerischen Alpenklänge", das von dem Verleger Knop in Basel herausgegeben wurde, entstanden mit dem Titel "Trois airs suisses" noch drei weitere Stücke nach Melodien aus der Schweiz. Liszt hatte als Komponist eine Richtung eingeschlagen, die von ihm in seiner Artikelserie mit starkem Engagement verworfen worden war.
Der Widerspruch, der sich damit verband, war Liszt auch selbst bewusst. Um sich gegenüber seinen Freunde in Paris zu rechtfertigen, kündigte er im November 1835 in einem Brief an Ferdinand Hiller an, es werde demnächst eine Reihe von Werken in einem populären Stil erscheinen. Liszt bat gleichzeitig darum, die Werke nicht pauschal zu verwerfen. Er habe sich gegenüber den Verlegern, die solche Musik verlangten, nur auf geringe Zugeständnisse einlassen müssen. Auch werde er bis zum Frühjahr 1837 Werke von dauerhafter Gültigkeit komponieren. Es sollten ein Zyklus von 24 Großen Etüden und ein Zyklus "Marie" von sechs lyrischen Klavierstücken entstehen. Das Einzelstück Harmonies poétiques et religieuses sollte mit fünf oder sechs neuen Stücken zu einem Zyklus erweitert werden. Liszts bisher noch ungläubigen Freunden würden damit die Augen geöffnet werden.
Die Ursache für den Stil der aktuellen Kompositionen Liszts lag darin, dass er dringend auf den Erwerb von Geld angewiesen war. Er hatte an dem im Herbst 1835 gegründeten Konservatorium in Genf eine Stelle als Klavierprofessor angenommen. Um ungebunden zu sein, nahm er die Stelle aber nur ehrenamtlich an. Er hatte bereits am 27. Juni 1835 in Hospenthal in einem Brief an George Sand geschrieben, dass er sich nicht länger als bis zum Frühjahr 1836 in Genf aufhalten werde. Marie d'Agoult war zwar vermögend, doch konnte sie nach zeitgenössischer Rechtsordnung nur mit dem Einverständnis ihres Ehemanns über einen wesentlichen Teil ihres Geldes verfügen. Von der Seite ihrer Mutter, die dem Zusammenleben mit Liszt ablehnend gegenüberstand, hatte sie keine Unterstützung zu erwarten. Der Erwerb von Geld blieb danach weitgehend Liszt überlassen. Er zog eine Konzerttournee durch die französische Provinz in Erwägung, doch musste er mit Rücksichtnahme auf Marie d'Agoult von diesem Plan Abstand nehmen. Von Kompositionen in dem ambitionierten Stil, für den Liszt sich in seiner Artikelserie verwendet hatte, waren keine nennenswerten Geldeinnahmen zu erwarten. Liszt fertigte deshalb als Kompromiss brillante Klavierstücke an. Dabei nahm er sich entsprechend seiner Angabe in dem Brief an Hiller vor, als "ligne intérieure", d. h. als innere Leitlinie, an seinen Idealen festzuhalten, wenn er sie auch im Moment nicht verwirklichen konnte.
Für die Zeitgenossen, die sich nur an dem sichtbaren Verhalten Liszts orientieren konnten, muss ein anderer Eindruck entstanden sein. Er spielte am 18. Mai 1836 in einer Matinee in den Salons Erard in Paris seine Fantasien über "Die Jüdin" und "Die Puritaner" sowie die erste der beiden Fantasien über Rossinis Soirées musicales. Bei einem zweiten Auftritt in den Salons Erard am 28. Mai 1836 spielte er seinen Bravour-Walzer, einen Teil der "Romantischen Fantasie" und ein weiteres Mal die erste der beiden Fantasien über die Soirées musicales. In einem Aufsatz "Listz", der in der Revue et Gazette musicale vom 12. Juni 1836 erschien, schrieb darauf Berlioz, Liszt sei mit den in den Salons Erard gespielten Werken in eine feierliche neue Phase eingetreten, in der sein wirkliches Wesen als Künstler zum Vorschein kam. Auch von anderen Zeitgenossen wurde anerkennend registriert, dass im Vergleich mit seinen früheren Werken mehr Ordnung in die Kompositionen Liszts hineingekommen war. Bei dieser Sichtweise war er nach einer Phase der Verwirrung endlich zur Besinnung gekommen.
Die Zeitgenossen erhielten eine Bestätigung ihrer Meinung in einem Baccalaureus-Brief Liszts, der in der Revue et Gazette musicale vom 12. Februar 1837 erschien. Liszt gab dort an, es sei bei der Kritik, die er von vielen Seiten erhielt, sein erster Gedanke gewesen, die Werke, mit denen er Anstoß erregte, ins Feuer zu werfen. Als Grabrede für die Werke fügte er hinzu, er habe sich in der Zeit, in der er sie schrieb, nach einer langen Krankheit in dem Zustand einer fiebrigen Erregung befunden, und dies sei die Ursache für die musikalische Gestalt der Werke gewesen. Liszt kam auf die betreffenden Werke danach nicht wieder zurück, so dass er sie nach allem Anschein zurückgenommen und widerrufen hatte.
Der Name Sigismund Thalbergs ist wegen einer Rivalität, die mit seinem ersten Auftritt in Paris im November 1835 begann und im Frühjahr 1837 eskalierte, bis heute mit dem Namen Liszts verknüpft. Die subjektive Wichtigkeit der Rivalität für Liszt geht aus seinem Verhalten hervor, mit dem er im Oktober 1880 auf den Erhalt von Druckfahnen des ersten Bandes von Lina Ramanns Liszt-Biografie reagierte. Er versah spontan zwei Bögen, d. h. 16 Seiten, mit Korrekturen, und in diesen Bögen ist gerade dasjenige Kapitel enthalten, in dem es um seine frühere Rivalität mit Thalberg geht.
Thalberg hatte sich nach seiner Ankunft in Paris zuerst am 16. November 1835 in einem Privatkonzert des österreichischen Botschaftssekretärs Graf Rudolph Apponyi hören lassen. Nach weiteren Auftritten in privaten Zirkeln breiteten sich Gerüchte aus, dass er ein pianistisches non plus ultra sei. Am 24. Januar 1835, in dem ersten Konservatoriumskonzert der Saison, trat er mit dem Vortrag seiner Grande fantaisie op.22 erstmals vor großem Publikum auf. Sein Debüt wurde in der Revue et Gazette musicale von Berlioz enthusiastisch rezensiert. Am 2. April 1836 war Thalberg an einem Konzert bei dem Klavierhändler Fournier beteiligt, und am 16. April gab er im Italienischen Theater sein erstes eigenes Pariser Konzert. Im Ergebnis wurde er in dem Urteil des Publikums, der Kritik und prominentester Künstler als hervorragender Komponist und führender Pianist seiner Zeit anerkannt. Nachdem er für sein Konzert im Italienischen Theater einen Geldbetrag von 10.000 Francs eingenommen hatte, konnte er es sich auf seiner nachfolgenden Reise über Brüssel nach London leisten, mit Transportkosten von 6.000 Francs einen Konzertflügel von Erard mitzuführen, den er in Paris als Geschenk erhielt.
Liszt hatte am 6. April 1836 ein Konzert in Genf gegeben, doch muss der finanzielle Ertrag enttäuschend gewesen sein, weil das Publikum ausblieb. Noch im April 1836 reiste Liszt nach Lyon, wo er ebenfalls Konzerte gab. Er erzielte dort Einkünfte in einer Höhe von ungefähr 500 Francs pro Konzert. Liszt hatte bereits in Genf von dem Debüt Thalbergs erfahren. In Lyon erhielt er einen Brief des Grafen Apponyi, der in begeisterten Worten von Thalberg schrieb. Liszt hatte in Lyon außerdem das Café de la Perle entdeckt, wo es in großer Auswahl aktuelle Zeitschriften gab. Er dürfte spätestens dort in einem Bericht in Le Ménestrel vom 13. März 1836 den folgenden Kommentar gelesen haben.
Aus Briefen an Marie d'Agoult geht hervor, dass Liszt sich in Lyon wie der nach Elba verbannte Napoleon zu fühlen begann. Er zog eine Reise nach Paris in Erwägung und malte sich aus, dass er ein Konzert Thalbergs besuchen, diesen gönnerisch loben und auf solche Weise die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich selbst zurücklenken würde. Nach einigem Zögern trat er die Reise jedoch erst an, nachdem Thalberg bereits Paris verlassen hatte. In Paris, wo Liszt sich seit dem 13. Mai 1836 für eine Zeit von drei Wochen aufhielt, erfuhr er weitere Einzelheiten von Thalbergs Debüt. Nachdem er am 6. Juni 1836 wieder in Genf eingetroffen war, ist in seinem Terminkalender unter dem Datum des 7. Juni 1836 von neuen Plänen zu erfahren. Die neuen Pläne erhielten bis Anfang Oktober 1836 eine konkrete Gestalt. Zufolge einer Notiz vom 1. Oktober 1836 wollte Liszt für jeweils sechs Monate des Jahres Konzertreisen unternehmen. Er hätte seine Geldprobleme gelöst, indem er dem von Thalberg gegebenen Beispiel folgte. Spätestens bis zum Januar 1837 wurden die neuen Pläne Liszts aber wieder aufgegeben.
Am 13. Oktober 1836 verließen Liszt und Marie d'Agoult Genf. Sie trafen am 16. Oktober 1836 in Paris ein und mieteten ein Appartement im Hôtel de France. Gegen Ende Dezember 1836 entstand eine Rezension von Klavierwerken Thalbergs, die in der Revue et Gazette musicale vom 8. Januar 1837 erschien. Die Redaktion hatte eine Anmerkung hinzugefügt, in der sie sich von dem Inhalt der Rezension distanzierte. Der Hauptgegenstand der Rezension, die Grande fantaisie op.22, mit deren Vortrag Thalberg bei seinem Debüt vom 24. Januar 1836 erfolgreich gewesen war, wurde als angeblich unbedeutend und vollständig inhaltslos in Grund und Boden verrissen. Nach der Darstellung Liszts ging der von Thalberg erzielte Erfolg nur auf Propaganda zurück.
Thalberg traf Anfang Februar 1837 in Paris ein, wo er am 4. Februar 1837 ein Konzert Liszts besuchte. Am 16. Februar besuchte Liszt ein von dem Konservatoriumsprofessor Zimmermann veranstaltetes Konzert, in dem mit zwei Solonummern, einer Fantasie über Melodien aus Meyerbeers Oper "Die Hugenotten" und einer Fantasie über zwei englische Nationallieder, Thalberg zu hören war. Die Pariser Zeitgenossen hatten erwartet, dass Liszt seinen Virtuosenkollegen als österreichischen Landsmann begrüßen würde und es damit zu einer Versöhnung kam. Statt dessen gingen von Liszt nur Aggressionen aus.
Wird die Rivalität als Konkurrenz zweier rivalisierender Klaviervirtuosen angesehen, so war in der Saison 1836/37 zuerst Liszt in wenigstens sieben öffentlichen Konzerten zu hören gewesen, bevor Thalberg am 12. März 1837 zu einem eigenen Konzert im Pariser Konservatorium Gelegenheit fand. Das Mengenverhältnis der Konzertauftritte beider Künstler sah im Fortgang entsprechend aus. In einem Wohltätigkeitskonzert am 31. März 1837 waren beide Künstler nacheinander zu hören. Obgleich Liszt darauf verfiel, mit dem Verteilen von Freikarten den Erfolg eigener Konzerte herbeizuzwingen und er zudem befreundete Kritiker um wohlwollende Rezensionen bat, war es nach eigenen Angaben im Alter auf seiner Seite bei einer sehr kleinen Zahl von Anhängern geblieben, während Thalberg trotz der viel geringeren Zahl seiner Konzertauftritte erfolgreicher gewesen war.
Im Frühjahr 1837 war auch Liszts früherer Lehrer Czerny nach Paris gereist. In seinen Lebenserinnerungen schrieb er später, das Klavierspiel Liszts sei damals bei aller ungeheuren Bravour ziemlich wüst und verworren gewesen. Liszt habe in seinem Leben wie in seiner Kunst eine falsche Richtung eingeschlagen. In zeitgenössischen Rezensionen wurde anerkannt, dass es Liszt als Pianist gelungen sei, einige seiner früheren Fehler und Exzentrizitäten abzulegen, doch wurde noch immer eine klangliche Sensibilität seines Anschlags vermisst. Liszt erhielt deshalb den Rat, sich an Thalberg ein Beispiel zu nehmen. Im Alter hat Liszt selbst sein Klavierspiel in der Zeit seiner Rivalität mit Thalberg ein "wüstes Tohuwabohu von Gefühlen" genannt und eine eigene Niederlage zugegeben.
In den Folgejahren trafen Liszt und Thalberg noch bei einigen weiteren Gelegenheiten zusammen. Thalberg, der gegenüber Liszt das Verhalten einer wohlwollenden Höflichkeit beibehielt, ging neuen Konfrontationen aus dem Weg, indem er sich in der Gegenwart Liszts nicht mehr mit seinem Klavierspiel hören ließ. Es gelang ihm, sein eigenes Ansehen im Vergleich mit dem Ansehen Liszts beständig zu steigern. So wurde er im Frühjahr 1840 in Paris in der Rezension eines Konzerts, das von Liszt gegeben worden war, als Cäsar, Octavian oder Napoleon des Klavierspiels gerühmt. Während die Kompositionen Liszts in zeitgenössischen Rezensionen verrissen wurden, erhielt Thalberg für seine Kompositionen lobende Rezensionen in Superlativen. Liszt hat bis in die 1840er Jahre hinein in privaten Briefen in einem Tonfall polemischer Ablehnung über Thalberg gesprochen. Seine Kompositionen lassen dagegen erkennen, dass er bereits im Sommer 1837 damit begann, Setzweisen seines Rivalen zu übernehmen. In späterer Zeit reicht der Einfluss Thalbergs bis in Liszts Klaviersonate in h-Moll hinein.
Übernahmen Liszts aus Klavierwerken Thalbergs sind bereits den Zeitgenossen aufgefallen. Francois Joseph Fétis, mit dem Liszt im April und Mai 1837 in eine öffentlich geführt Debatte über den künstlerischen Rang Thalbergs verwickelt gewesen war und mit dem er sich im Februar 1841 in Brüssel versöhnte, schrieb in einem Aufsatz Etudes d’exécution transcendante, der in der Revue et Gazette musicale vom 9. Mai 1841 erschien, Liszt habe nach einer Zeit der Krise einen eigenen Stil gefunden, indem er Setzweisen Thalbergs übernahm und sich gleichzeitig an die Vorträge über „Omnitonalitä“ erinnerte, die Fétis im Jahr 1832 hielt. Liszt hat dieser Deutung in einem Brief an Fétis vom 17. Mai 1841 sowie in Briefen an andere Bekannte zugestimmt. Im Zusammenhang mit der Entstehung seiner Fantasie über Melodien aus Bellinis "Norma" erzählte Liszt im Alter mit etwas Übertreibung, er habe seinerzeit alles bei Thalberg abgeschrieben.
Nach dem Ende der Pariser Konzertsaison des Winters 1836/37 hielten Liszt und Marie d'Agoult sich seit Anfang Mai 1837 für einen längeren Besuch bei George Sand in Nohant auf. Liszt war als Komponist im Vergleich mit seiner Ankündigung vom November 1835 in einen Rückstand geraten. Er hatte zwar bis zum Ende des Jahre 1836 noch eine Fantasie über Melodien aus Meyerbeers Oper "Die Hugenotten" komponiert, doch war von den angekündigten Meisterwerken, den 24 Etüden, dem lyrischen Zyklus "Marie" und den neuen Stücken für den Zyklus Harmonies poétiques et religieuses, die im Frühjahr 1837 hätten vorliegen sollen, noch keine einzige Note geschrieben. In Nohant fertigte Liszt Klavierpartituren der 5., 6. und 7. Sinfonie Beethovens und - auf Verlangen des Pariser Verlegers Richault - Transkriptionen, d. h. Klavierbearbeitungen, von sieben Liedern Franz Schuberts an. Liszt dachte in einer Pause zwischen zwei Zigarren außerdem über seine künftigen Meisterwerke nach.
Am 24. Juli 1837 brachen Liszt und Marie d'Agoult zu einer Reise auf, die über Lyon zuerst nach Genf und dann nach Italien führte. Unter dem Eindruck eines Arbeiteraufstandes in Lyon komponierte Liszt Ende Juli oder Anfang August 1837 nach einer Melodie der Saint-Simonisten das Klavierstück "Lyon", das viel später mit einer Widmung an den Abbé de Lamennais erschien. Mitte August 1837 trafen Liszt und Marie d'Agoult in Italien ein. Sie ließen sich zunächst in Como und seit dem 6. September am Comersee in Bellagio nieder. Nachdem Ende Oktober auf den Bergen der erste Schnee gefallen war, kehrten sie Anfang November nach Como zurück. Liszt hatte sich zuvor bei Ricordi in Mailand vorgestellt und war am 3. September 1837 in einem von Ricordi veranstalteten Konzert aufgetreten. Auch im November 1837 und danach hielt Liszt sich häufig in Mailand auf. Er gab dort am 10. Dezember 1837 sowie am 18. Februar und 15. März 1838 eigene Konzerte. Seit dem 29. Januar 1838 lebten Liszt und Marie d'Agoult vollständig in Mailand.
In Bellagio setzte Liszt zur Komposition der im November 1835 angekündigten Meisterwerke an. Mit dem Arbeitstitel "Préludes" ("Improvisationen") waren bis zum 22. Oktober 1837, seinem 26. Geburtstag, 12 Grandes Etudes fertiggestellt, von denen die meisten durch starke Überarbeitung mit einer Vergrößerung ins Riesenhafte aus seinen früheren Etüden op.6 hervorgegangen sind. Sie erschienen im März 1839 in einer Ausgabe Maurice Schlesingers in zwei Heften in Paris. In Anzeigen in der Revue et Gazette musicale wurde der Anschein hergestellt, es würden zwei Hefte mit weiteren 12 Etüden folgen. Dies hätte mit der Ankündigung Liszts vom November 1835 übereingestimmt, doch blieb der Zyklus auch künftig als ein unvollständiger Torso liegen.
Neben der Komposition der Grandes Etudes fasste Liszt den Plan, in jährlichen Abständen ein Album mit eigenen Kompositionen herauszugeben. Solche Alben waren in den zurückliegenden Jahren in Paris in Mode gekommen, und auch Liszts Rivale Thalberg schloss sich zum Ende des Jahres 1837 diesem Brauch mit einem eigenen Album an. Das Album Liszts erhielt den Titel "Album d'un voyageur". Es sollte Bearbeitungen volkstümlicher Melodien und Tänze aus den von Liszt bereisten Ländern sowie als subjektive Komponente Klavierstücke "Impressions et poésies" enthalten, die Stimmungen und Empfindungen Liszts auf verschiedenen Stationen seiner Reise entsprachen. Das Klavierstück "Lyon" wurde als erste Nummer in die "Impressions et poésies" aufgenommen. Es mögen auch noch einige weitere Stücke schon früher entstanden sein. Bis zum Ende des Jahres 1837 lag ein Zyklus vor, in dem in mehreren Stationen die Reise eines lyrischen Ichs über Lyon nach Genf geschildert wird.
In einem Vorwort zu dem "Album d'un voyageur", das ebenfalls im Herbst 1837 entstand, versicherte Liszt ein weiteres Mal, dass sein künstlerisches Streben nicht dem Beifall einer großen Menge galt. Dabei war ihm bewusst, dass die Ankündigung mit Problemen verbunden war. Nach dem schlechten Eindruck, den die bis zum Ende des Winters 1834/35 entstandenen Werke beim Publikum hinterlassen hatten, war der merkantile Wert Liszts als Komponist auf einen Tiefstand gesunken. Es war deshalb selbst bei der Veröffentlichung der in Genf komponierten brillanten Werke zu Schwierigkeiten und Verzögerungen gekommen. Die Jüdin-Fantasie hatte Liszt im Selbstverlag herausgebracht. Er erhielt alle Exemplare zugestellt, um sie dann an Freunde und Bekannte als Gratisgaben zu verteilen. Im Herbst 1837 machte Liszt sich klar, dass seine Position in Verhandlungen mit Verlegern sich noch weiter verschlechtern musste, wenn er neue Werke anbot, zu deren ästhetischer Grundlage die konsequente Verneinung einer kommerziellen Verwertbarkeit gehörte.
Der Ansatz Liszts zur Lösung des Problems bestand darin, mit Werken in populärem Stil einen Ausgleich zu schaffen. Er fertigte deshalb in Bellagio neben der Komposition der Grandes Etudes und einzelner Stücke der "Impressions et poésies" Transkriptionen der Soirées musicales von Rossini an. Hatte er in Genf einem Bravour-Walzer komponiert, so entstand im Herbst 1837 ein "Galop chromatique". In Verhandlungen mit Verlegern wollte Liszt sich um vertragliche Vereinbarungen bemühen, wonach für die Zeit von einigen Jahren die Gesamtheit seiner Kompositionen zu übernehmen war. Mit Werken in populärem Stil als Köder sollte eine Veröffentlichung der ambitionierten Werke gesichert sein.
Liszt wendete sich an den Verleger Haslinger in Wien sowie über Ignaz Moscheles als Mittelsmann an den Verleger Mori in London. Moscheles teilte in seiner Antwort mit, dass das Musikaliengeschäft in England schwierig sei. Er würde es deshalb für das beste halten, wenn Liszt eine Reise nach London unternahm, um seine Kompositionen in eigenen Konzerten vorzustellen. Nicht anders fiel die Reaktion Haslingers aus. Liszt erhielt den Rat, er müsse zuerst nach Wien kommen und sich dort in Konzerten hören lassen. Im Oktober 1837 erhielt Liszt zudem einen Brief Czernys, der ihm ebenfalls dringend zur Aufnahme einer Konzerttätigkeit riet.
Eine Reise nach Wien mit Konzerten hätte lediglich die Zeit einiger Wochen in Anspruch genommen. Liszt war auch grundsätzlich bereit, und bis Ende Dezember 1837 wurde in Wien täglich seine Ankunft erwartet. Er konnte die Reise aber nicht antreten, weil Marie d'Agoult, die er nicht alleine zurücklassen konnte, hochschwanger war. Am 24. Dezember 1837 wurde in Como die gemeinsame Tochter Cosima geboren. Als weiteres Hindernis kam hinzu, dass Liszt in Genf seine Tochter Blandine der Obhut eines Pastors Demelleyer übergeben hatte. Es hatte sich gezeigt, dass Blandine mehrfach erkrankt und schlecht behandelt worden war. Liszt nahm sich deshalb vor, im April 1838 nach Genf zu reisen und seine Tochter abzuholen. Anfang April 1838, Liszt hielt sich zusammen mit Marie d'Agoult inzwischen in Venedig auf, nahm er jedoch die Nachricht von einer Hochwasserkatastrophe in Ungarn zum Anlass zu einer Reise nach Wien. Er gab dort Konzerte, wobei er die mit Marie d'Agoult vereinbarte Zeit seines Aufenthalts in Wien von zwei Wochen um ein Vielfaches überzog.
Hatte Liszt in Gesprächen mit Marie d'Agoult früher versichert, dass die Rolle, die er in Konzerten spielen musste, ihm widerwärtig und lästig sei, so zeigte sich in seinen Briefen aus Wien, dass er sich in seinen Konzerten wie ein Fisch in frischem Wasser fühlte. Zwar legte er auf Resonanz beim breiten Publikum angeblich keinen Wert und der Applaus bedeutete ihm gar nichts, doch schilderte er in seinen Briefen mit großer Begeisterung den Beifall, den er von dem Publikum in Wien erhielt. Während er sich über die Fürstin Metternich mokierte, die sich in Wien nach dem Gang seiner Geschäfte erkundigte, war das Geld, das er in Konzerten verdiente, zu einem besonders wichtigen Thema in seinen Briefen geworden. Er verkehrte nur in den vornehmsten Gesellschaftskreisen, wurde von vielen Seiten umschwärmt, und selbst sein Rivale Thalberg, den er in Wien traf, hatte ihn mit wohlwollenden Worten gelobt.
Aus der Korrespondenz Marie d'Agoults mit Ferdinand Hiller geht hervor, dass sie die Briefe Liszts mit Staunen las. Sie erkrankte dann für einige Wochen und erholte sich erst im Mai. Von einer Rückkehr Liszts war noch immer nichts zu bemerken, und die Abstände zwischen seinen Briefen wurden immer länger. Marie d'Agoult wendete sich schließlich einem anderen Liebhaber, einem Grafen Emilio Malazzoni, zu. Als Liszt Anfang Juni 1838 nach Venedig zurückgekehrt war und von der Affäre Marie d'Agoults erfuhr, schlug er ihr vor, es mit einer Liebesbeziehung mit Malazzoni zu versuchen. Die Affäre zog sich dann noch bis weit in den Juli 1838 hinein hin.
Liszt und Marie d'Agoult waren im Juni 1838 von Venedig nach Genua gereist. Sie besuchten kurz nach ihrer Ankunft in Genua eine Vorstellung von Donizettis Oper Lucia di Lammermoor. Die Oper bot sich wegen einiger Parallelen zur realen Situation zur persönlichen Identifizierung an. In einem autobiografischen Manuskript, das sich auf diese Zeit bezieht, der sogenannten "Episode de Venice", hat Marie d'Agoult sich deshalb den Namen "Lucie" gegeben. In Genua erhielt Liszt von ihr mit dem Datum des 25. Juni 1838 einen Abschiedsbrief. Nach einigen allgemein gehaltenen Formulierungen, sie sei von ihm zwar stark, aber nicht glücklich geliebt worden, hieß es in dem Brief, Liszt habe neue Interessen und Ziele gefunden. Der damit verbundenen Fortentwicklung seiner Fähigkeiten dürfe man sich nicht entgegenstellen. Auch Malazzoni hielt sich in Genua auf. Nachdem er am 10. Juli 1838 Genua verlassen hatte und nach Mailand gereist war, folgten Liszt und Marie d'Agoult ihm am 14. Juli 1838 nach.
In Mailand sah Liszt sich starken Anfeindungen in der Presse ausgesetzt. Es war in der Revue et Gazette musicale vom 27. Mai 1838 und in einer italienischen Übersetzung in der Zeitschrift La Moda vom 12. Juli 1838 sein Baccalaureus-Brief über die Mailänder Scala erschienen. In dem Baccalaureus-Brief wurde mit scharfen Worten ein niedriger Bildungsstand des italienischen Publikums kritisiert. Die Italiener würden sich für nichts anderes als nur für die Musik von italienischen Komponisten wie Bellini und Donizetti interessieren, während die Musik von deutschen Komponisten wie Mozart und Beethoven vollständig unbekannt geblieben sei. Als Reaktion hatte sich in Mailand eine Opposition gegen Liszt formiert. In einem ironischen Beitrag des Figaro vom 21. Juli 1838 wurde der Kritik Liszts an dem niedrigen Bildungsstand des italienischen Publikums voll und ganz zugestimmt. Nicht anders war es schließlich zu erklären, dass ein Künstler wie Liszt mit Konzerten in Mailand erfolgreich gewesen war. Im Corriere dei teatri vom 18. Juli 1838 hieß es:
Am 23. Juli 1838 verließen Liszt und Marie d'Agoult Mailand. Nach einem Zwischenaufenthalt in Como trafen sie am 25. Juli 1838 in Lugano ein, wo mit Selbstvorwürfen und Depressionen auf beiden Seiten ein Aufarbeiten der aktuellen Situation begann. Zum Ende des Monats August kehrten Liszt und Marie d'Agoult nach Como zurück. Von dort reiste Liszt nach Mailand, weil er im September 1838 an den Feierlichkeiten zum Anlass der Krönung des österreichischen Kaisers Ferdinand zum König der Lombardei teilnehmen und bei der Gelegenheit einige Konzerte geben wollte. Im Anschluß daran wollte er zusammen mit Marie d'Agoult entlang der Donau bis nach Konstantinopel reisen. Er konnte damit hoffen, in seinem Privatleben zu neuer Stabilität zu gelangen, und gleichzeitig ein Versprechen einlösen, das Ende Mai 1838 bei seiner Abreise von Wien von ihm gegeben worden war. Er wollte nach dem Abschluss der Feierlichkeiten in Mailand wieder in Wien und dann auch in Ungarn konzertieren.
Als Liszt Ende August 1838 nach Mailand kam, war die Situation noch unvermindert angespannt. Ein für den 8. September geplantes Wohltätigkeitskonzert ließ sich nicht zustande bringen, und auch für den neuen Termin am 10. September gaben sich Liszts Gegner alle Mühe, seinen Auftritt zu verhindern. Als das Konzert dann dennoch stattfand, wurde es von dem Publikum weitgehend boykottiert. Liszt hat danach niemals wieder in Mailand konzertiert.
Im September 1838 zeigte sich auch, dass der Plan der Reise entlang der Donau bis nach Konstantinopel nicht auszuführen war. Dies hing zum einen damit zusammen, dass Marie d'Agoults Kammermädchen für eine Zeit von sechs Wochen schwer erkrankte. Zum anderen hatte der Pastor Demelleyer, in dessen Obhut Liszt seine Tochter Blandine in Genf zurückgelassen hatte, die Herausgabe des Kindes verweigert. Marie d'Agoult wendete sich schließlich an Adolphe Pictet, den sie früher in Genf kennenlernte. Nach der Vermittelung Pictets traf Blandine in der Begleitung ihrer Amme am 5. Januar 1839 in Mailand und am 15. Januar 1839 in Florenz bei ihren Eltern ein.
Liszt hatte am 11. Januar 1839 aus Wien eine Einladung zu neuen Konzerten erhalten. Um ihn zu locken, wurde angedeutet, es könne ihm der Titel eines Kammervirtuosen verliehen werden. Dem Tagebuch Marie d'Agoults ist zu entnehmen, dass Liszt mit Entrüstung reagierte. Er sei in seinem Alter nicht an Ehrungen interessiert, statt dessen möge man ihm eine sinnvolle Beschäftigung geben. Drei Tage später eröffnete er allerdings als neuen Plan, dass er jährlich für eine Zeit von vier Monaten Geschäften nachgehen, d. h. Konzerte geben wollte. Es zeigte sich auch, dass er bereits bis weit in das Jahr 1840 hinein mit den Konzertdirektionen verschiedener Städte auf Verpflichtungen eingegangen war.
Für die Zeit zwischen dem 16. Januar und dem 12. Juni 1839 sind aus dem Tagebuch Marie d'Agoults alle Seiten herausgerissen, so dass von dort keine Informationen zur Verfügung stehen. Eine Notiz Liszts vom Februar 1839 gibt mit den Namen der Städte Bologna, Florenz, Pisa und Rom lediglich Stationen der Reise an. Aus Andeutungen in anderen Quellen geht hervor, dass es in der Zeit, für die es in dem Tagebuch an Informationen fehlt, zwischen Liszt und Marie d'Agoult beständige starke Streitigkeiten gab. Die Geburt des gemeinsamen Sohnes Daniel am 9. Mai 1839 in Rom wurde von beiden Eltern als unwillkommen angesehen. Erst in der zweiten Jahreshälfte, Liszt und Marie d'Agoult hatten am 12. Juni 1839 Rom verlassen und in Lucca die Villa Massimiliana bezogen, wurde der Zustand eines vorläufigen Friedens erreicht. Zum Datum des 14. Juli 1839 heißt es in einer Notiz Marie d'Agoults in ihrem Tagebuch: "Premier jour d'amour depuis longtemps." ("Erster Tag der Liebe, seit langer Zeit.")
Die gemeinsame Reise ging mit Aufenthalten in San Rossore im September und in Pisa und Florenz im Oktober 1839 ihrem Ende entgegen. Liszt und Marie d'Agoult hatten sich bis dahin als neuen Plan darauf geeinigt, dass Liszt, beginnend mit dem Winter 1839/40, für eine Zeit von anderthalb Jahren Konzerte geben und damit Kapital erwirtschaften würde. Danach würden beide nach Italien zurückkehren, um sich dort niederzulassen. Liszt wollte dann mit der Komposition von Opern und anderen repräsentativen Werken beginnen. Seine eigene Standortbestimmung sah im Sommer 1839 folgendermaßen aus.
Im Zuge des problematischen Verlaufs des Aufenthalts in Italien hatte Liszt einen Teil seines Elans als Komponist verloren. Anstelle von originalen Werken waren in großer Fülle vor allem Klavierbearbeitungen fremder Musik entstanden. Neben den Transkriptionen der Soirées musicales von Rossini gehören hierzu weitere Transkriptionen von Liedern Franz Schuberts, aber auch die Paganini-Etüden in ihrer ersten Version. Erst im Jahr 1839 wendete sich Liszt wieder eigenständigen Kompositionen zu. Es wurden drei Klavierkonzerte fertiggestellt, Frühversionen der späteren Konzerte in Es-Dur und A-Dur sowie ein weiteres Konzert in Es-Dur, dessen Themen Liszt seinen Werken als Wunderkind entnahm. Von den Konzerten erfuhr die Öffentlichkeit nichts, weil Liszt sie niemals spielte. Im September 1839 komponierte er ein "Dante-Fragment", eine Frühversion in zwei Sätzen der späteren "Fantasia quasi Sonata (Prolegomènes zu Dantes göttlicher Comödie)", der Dante-Sonate. Wird dieses Stück als musikalische Zusammenfassung der zurückliegenden beiden Jahre angesehen, dann war in der subjektiven Wahrnehmung Liszts sein Aufenthalt in Italien eine Reise durch verschiedene Regionen der Hölle gewesen.
Entsprechend dem in Italien gefassten Plan konzertierte Liszt seit dem November 1839 in Triest, in Wien, in Pest, in Prag, in Leipzig und Dresden, in Paris, in London, im Rheinland, in Hamburg, in der britischen Provinz, in Belgien, wieder in Paris und in London, bis zum Mai/Juni 1841 die gesetzte Frist von anderthalb Jahren abgelaufen war. Bei allem äußeren Anschein von sensationellen Erfolgen stellten sich die von Liszt unternommenen Aktivitäten jedoch mit Hinblick auf das erwirtschaftete Kapital als Fehlschlag heraus. Liszt hatte im Winter 1840/41 im Zusammenhang mit seiner Tournee in der britischen Provinz einen riesigen Geldverlust erlitten, den er nicht aufholen konnte. Im Sommer 1841, in der Zeit eines Urlaubsaufenthalts auf der Rheininsel Nonnenwerth, überredete er deshalb Marie d'Agoult, einer Verlängerung seiner Konzerttätigkeit um zwei Jahre zuzustimmen.
Parallel zu seiner Virtuosentätigkeit war Liszt darum bemüht, eine Anstellung als Dirigent zu finden. In Ungarn, wo er Ende Dezember 1839 in der Art eines Nationalhelden empfangen und bis in den Januar 1840 hinein gefeiert worden war, schienen die Aussichten besonders günstig zu sein. Um seine Befähigung unter Beweis zu stellen, hatte er bei einigen Gelegenheiten in Pest dirigiert. In einem Brief an den ungarischen Grafen Thaddäus Amadé vom 4. September 1840 zählte er in einem ersten Teil die von ihm seit seinem Aufenthalt in Pest erzielten Konzerterfolge auf. Er fuhr dann fort:
Bis zum Frühjahr 1841 zeigte sich aber, dass Liszt weder in Wien oder in Pest noch an irgendeinem anderen Ort eine Stelle als Dirigent erhielt. Es sah alles danach aus, dass er nur als populärer Virtuose willkommen war. Eine Stelle als Klavierprofessor in Brüssel, die ihm von Fétis angeboten worden war, nahm er nicht an, weil er darauf hoffte, dass sich im Fortgang seiner Reisen doch noch eine bessere Alternative bot. Im November 1841 las er in einer Zeitung, dass er von dem Direktor einer reisenden Operngesellschaft aus Mainz, die er im Frühjahr 1841 in London getroffen hatte, für die nächste Saison als Dirigent engagiert worden sei, doch war dies eine Fehlinformation. Die Position des Kammerkapellmeisters in Wien wurde 1842 an Donizetti vergeben.
Die ambitionierten Kompositionsprojekte, mit denen Liszt in Italien begann, wurden im Verlauf des Jahres 1841 zur Seite gelegt. Es waren im November 1837 in einer Ausgabe Ricordis die knapp zwei Jahre zuvor in Genf komponierten "Trois airs suisses" als erster Jahrgang des "Album d'un voyageur" erschienen. Die "Impressions et poésies" hätten im November oder im Dezember 1838 als Fortsetzung folgen sollen, doch kam eine Ausgabe in dieser Zeit nicht zustande. Als zweiter Jahrgang des "Album d'un voyageur" erschienen im November 1840 in einer Pariser Ausgabe die "Fleurs mélodiques des Alpes", neun Klavierstücke nach Schweizer Liedern, die bis zum 1. September 1838 in Lugano, Como und Mailand entstanden waren.
Hinsichtlich der "Impressions et poésies" hatte Liszt im Oktober 1840, in der Zeit eines gemeinsamen Aufenthalts mit Marie d'Agoult in Fontainebleau, neue Pläne gefasst. Die Stücke erschienen im Juni 1841 in einer Ausgabe des Pariser Verlegers Richault als erster Jahrgang der "Années de Pèlerinage". Für dieses Album wurde ein italienischer zweiter Jahrgang angekündigt. Ein dritter Jahrgang sollte sich auf Deutschland beziehen, d. h. auf das Rheinland, das Liszt und Marie d'Agoult im Somer 1840 bereisten. Die geplante Fortsetzung der "Années de Pèlerinage" wurde aber erst mehr als zehn Jahre später wenigstens teilweise realisiert.
Im Verlauf des Jahres 1841 hätte auch der bereits im November 1835 angkündigte Zyklus Harmonies poétiques et religieuses erscheinen sollen. Liszt hatte im Oktober 1840 in Fontainebleau mit neuen Skizzen begonnen. Er hatte zudem von Jean Francois Antoine Bovy eine Medaille herstellen lassen, die sein Protrait und einen Hinweis auf die Grandes Etudes, die Années de Pèlerinage und die Harmonies poétiques et religieuses als seine Hauptwerke enthielt. Diese Pläne wurden jedoch in der Zeit des Aufenthalts auf der Insel Nonnenwerth eingestellt. Im Herbst 1841 begann Liszt statt dessen mit der Komposition von Liedern. Es entstanden zuerst das Lied "Die Loreley" und zum Ende des Jahres 1841 das Liebeslied "Oh, quand je dors", die Liszt beide für Marie d'Agoult komponierte.
Liszt und Marie d'Agoult verließen die Insel Nonnenwerth am 1. November 1841. Marie d'Agoult kehrte nach Paris zurück, und Liszt reiste über Zwischenstationen zu Konzerten nach Berlin. In der Zeit seines Aufenthalts in Berlin lernte er die Schauspielerin Charlotte von Hagn kennen, mit der sich eine Liebesbeziehung entspann. Er konzertierte im April und Mai 1842 in St. Petersburg und kehrte im Juni 1842 über Hamburg und Lübeck nach Paris zurück. In Paris gab er am 30. Juni 1842 ein Konzert zugunsten der Operngesellschaft aus Mainz, die er ein Jahr zuvor in London getroffen hatte. Die Gesellschaft gastierte in diesem Jahr in Paris, doch hatte der Direktor Schumann hohe Schulden gemacht. Er wurde in Paris in Schuldhaft genommen, und die Einnahmen der Operngesellschaft wurden konfisziert. Den Mitgliedern war danach kaum Geld zum Kauf von Lebensmitteln und zum Antritt der Heimreise übrig geblieben.
Bereits im Vorfeld von Liszts Konzert hatte ein Rumoren wegen angeblicher deutsch nationaler Demonstrationen in der Zeit seines Aufenthalts in Berlin eingesetzt. Es war die Zeit einer politischen Krise, in der es um die Zugehörigkeit der Rheinufer zu Frankreich oder zu Deutschland ging. In dem Konzert am 30. Juni 1842 wurde Liszts "Rheinweinlied" mit deutschem Text aufgeführt. Es hieß dort im Refrain, dass der Rhein deutsch bleiben muss. Da dies als Provokation angesehen wurde, schloss sich bis in den Oktober 1842 hinein eine Kampagne gegen Liszt in der französischen Presse an. Liszt hatte sich gleichzeitig Feinde in Preußen gemacht. Dies hing damit zusammen, dass der Dichter des von Liszt in dem "Rheinweinlied" vertonten Textes Georg Herwegh war. Herwegh war 1842 nach einer Audienz beim preußischen König als Repräsentant der deutschen Arbeiterbewegung des Landes verwiesen worden. Liszts "Rheinweinlied" wurde deshalb auch in Preußen als unerwünschtes Politikum angesehen.
Am 17. und am 20. Juli 1842 trat Liszt in Konzerten in Lüttich sowie am 26. Juli 1842 in einem Konzert in Brüssel auf. Anfang September 1842 folgte er einer Einladung nach Köln. Es wurde in der Anwesenheit des preußischen Königs der Grundstein zur Fertigstellung des Kölner Domes gelegt. Liszt gab am 13. September 1842 in Köln ein Konzert. Am gleichen Tag besuchte er in einer Audienz in Koblenz den Fürsten Metternich. Er kehrte dann nach Paris zurück und fand eine Einladung zu Konzerten in Weimar vor, wo er 20. Oktober 1842 erwartet wurde.
Liszt brach am 15. Oktober 1842 in Paris auf, um zuerst in Weimar und dann ein weiteres Mal in Berlin und in Russland zu konzertieren. In Weimar wurde er mit einem Dekret vom 2. November 1842 des Großherzogs Carl Friedrich zum Hofkapellmeister in außerordentlichen Diensten ernannt. Hatte er mit Hinblick auf seine berufliche Laufbahn insoweit einen Fortschritt erzielt, so stand ihm in seinem Privatleben eine Niederlage bevor. Marie d'Agoult erfuhr im Oktober 1842 von Bekannten aus dem Rheinland, Liszt habe sich, entgegen seinen Beteuerungen, einen Monat zuvor in Koblenz oder in Köln mit Charlotte von Hagn getroffen. Bei seiner Ankunft in Frankfurt a. M. am 11. November 1842 fand er einen Brief Marie d'Agoults vor, den er als sofortiges Ende der Zweierbeziehung verstand. Er versuchte, zu vemitteln, und bot an, seine Reisetätigkeit - wie zuvor geplant - im Sommer des Jahres 1843 zu beenden. In der Zeit seines Aufenthalts in Berlin im Winter 1842/43 führte er mit Charlotte von Hagn einen Bruch herbei. Als er dann Anfang Juli 1843 auf der Insel Nonnenwerth wieder mit Marie d'Agoult zusammentraf, waren die Verhältnisse aber bereits in solcher Art angespannt, dass an eine Fortsetzung der Beziehung kaum noch zu denken war.
Im Frühjahr 1844 kam es in Paris zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Liszt und Marie d'Agoult. Es ging darum, in welcher Art die Zukunft der gemeinsamen Kinder geregelt werden sollte. Im Ergebnis verzichtete Liszt auf alle Rechte an seinen beiden Töchtern, deren Erziehung vollständig Marie d'Agoult überlassen blieb. Liszt übernahm außerdem die Pflicht zur Zahlung hoher Alimente. Um die Zahlungen sicherzustellen, war vorgesehen, dass Liszt weitere Konzerte gab, damit in hinreichender Höhe Kapital zusammenkam. Das Kapital sollte bei einer Bank - Liszt wählte die Bank Rothschild - in mündelsicheren Wertpapieren angelegt werden. Die frühere Beziehung mit Liszt war damit aus der Sicht Marie d'Agoults ein abgeschlossenes Kapitel ihrer Biografie.
In der subjektiven Sicht Liszts stellte die Situation sich anders dar. Er war im Mai 1844 in Paris erkrankt und hatte im Fieber gesprochen. Sein Diener hatte deshalb Marie d'Agoult geholt. Um ihn im Moment zu beruhigen, hatte Marie d'Agoult ihm die Hoffnung auf ein künftiges Wiedersehen gelassen. Während sie sich dabei vornahm, auch weiterhin einen möglichst großen Abstand von ihm zu halten, hatte Liszt ihren Worten entnommen, dass es trotz allem, was vorgefallen war, die Möglichkeit einer Versöhnung gab. In einem Brief an Lambert Massart vom 6. März 1845 schrieb er deshalb:
Entgegen aller äußeren Wahrscheinlichkeit und bei allen Aggressionen, die es in der nachfolgenden Zeit auf beiden Seiten noch gab, hat Liszt bis weit in das Jahr 1847 hinein an dieser Sicht der Dinge festgehalten.
Nachdem Liszt im Sommer 1844 in der französischen Provinz konzertierte, hielt er sich im Winter 1844/45 in Spanien und Portugal auf. Marie d'Agoult kam in dieser Zeit auf die im Frühjahr 1844 mit ihm vereinbarten Rechte zurück. Sie wollte ihre Tochter Cosima, die damals wegen einer akuten Erkrankung bei Liszts Mutter geblieben war, zu sich nehmen. In diesem Zusammenhang bot sie an, zur Erneuerung der Möbel in der Wohnung Anna Liszts einen Betrag von 10.000 Francs zu bezahlen. Anna Liszt nahm das Geld nicht an und verweigerte die Herausgabe des Kindes. Marie d'Agoult verhandelte darauf mit Lambert Massart, der von Liszt als Stellvertreter eingesetzt worden war. Sie wendete sich auch an den Abbé de Lamennais, der sich in dem Interesse der Kinder auf ihre Seite stellte. Es wurde dabei über Einzelheiten von Liszts Verhalten in der Zeit seines Zusammenlebens mit Marie d'Agoult gesprochen.
Liszt hatte bis dahin gehofft, dass es bezüglich gewisser Problembereiche seiner Lebensführung bei einem Stillschweigen blieb. In der aktuellen Situation bemühte er sich darum, Marie d'Agoult von seinen Kindern fernzuhalten. Aus Furcht vor einem öffentlichen Skandal lehnte er eine von Marie d'Agoult vorgeschlagene Aussprache in Paris in der Gegenwart von einigen gemeinsamen Bekannten ab. Er wendete sich in Marseille an einen Rechtsanwalt, bei dem er für seine Position Unterstützung fand. Marie d'Agoult beauftragte einen eigenen Anwalt in Paris, der sie in ihrer Auffassung bestärkte. Anfang Juni 1845 verzichtete Marie d'Agoult auf ihre Ansprüche an den Kindern, weil Liszt ein Erscheinen in Paris verweigerte und bei einem Rechtsstreit eine Ausweitung des Skandals zu befürchten war. Nach seinem eigenen Wunsch lag die alleinige Verantwortung für das materielle Wohlergehen der Kinder auch weiterhin bei Liszt. An den im Frühjahr 1844 mit Marie d'Agoult vereinbarten Alimentenzahlungen änderte sich nichts.
Im August 1845 verlor Liszt im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zur Enthüllung eines Beethoven-Denkmals in Bonn einen großen Teil des zuvor in Konzerten erwirtschafteten Kapitals. Er war zugleich an einem gesundheitlichen Tiefpunkt angelangt. Wegen einer starken Gelbsucht wurde ihm von seinen Ärzten jede Anstrengung untersagt. In der Begleitung der Tänzerin Lola Montez, die bereits an dem Beethoven-Fest in Bonn teilgenommen hatte, hielt er sich in der zweiten Augusthälfte und in dem größten Teil des Septembers 1845 zu einer Kur in Baden-Baden auf. Seit dem 29. September 1845 gab er in Stuttgart und in Darmstadt einige Konzerte. Am 15. und am 17. Oktober 1845 schlossen sich Konzerte in Heidelburg und in Freiburg i. B. sowie danach bis zum 30. Dezember Konzerte in Colmar, Nancy, Châlons, Reims, Nantes und Angers an.
In einem Brief an seine Mutter aus Freiburg hatte Liszt angekündigt, dass am 22. Oktober, seinem Geburtstag, seine Ankunft für einen kurzen Aufenthalt in Paris zu erwarten sei. Der Zweck des Aufenthalts lag darin, dass Liszt im Januar 1846 in Paris die Kantate aufführen wollte, die er für den Anlass der Enthüllung des Beethoven-Denkmals komponiert hatte, und die am 13. August 1845 unter seiner Leitung in Bonn aufgeführt worden war. Aus einem Brief Jules Janins an seine Ehefrau vom 25. Oktober 1845 geht hervor, dass Liszt am Vortag morgens in Paris eingetroffen war. Er hatte noch am gleichen Tag Janin besucht und ihn um eine Übersetzung der Kantate in das Französische gebeten.
Am 7. Januar 1846 traf Liszt ein weiteres Mal für einen kurzen Aufenthalt in Paris ein. Es wurde am 13. Januar 1846 im Rahmen einer Soiree Janins seine Kantate aufgeführt. Eine Rezension in der Revue et Gazette musicale vom 18. Januar 1846 ist von ironischen Kommentaren und Anspielungen durchsetzt, so dass sich von dem Verlauf der Soiree kein zuverlässiges Bild gewinnen lässt. Dagegen geht aus einem Brief Liszts an Janin vom Mai 1846 hervor, dass die Aufführung der Kantate ein Misserfolg gewesen war. Eine von Liszt gewünschte Aufführung im Italienischen Theater war nicht zustande gekommen. Liszt hoffte aber darauf, dass ihm eine künftige Revanche gelang. Er wollte nach dem Drama Sardanapal von Lord Byron eine italienische Oper komponieren. Von denselben Personen, die ihn wegen seiner Kantate ausgepfiffen hatten, würde er dann begeistert gefeiert werden.
Im Januar 1846 hatte Liszt nach einem spontanen Entschluss auch Marie d'Agoult besucht. Damit hängt es zusammen, dass seine Korrespondenz mit Marie d'Agoult seit dieser Zeit eine Fortsetzung erhielt. Kurze Zeit nach der Soiree Janins verließ Liszt Paris, weil er zu Konzerten in Lille, Douai und Valenciennes in Nordfrankreich erwartet wurde. Bis zu seinem nächsten Besuch in Paris im Oktober 1853 sollten knapp acht Jahre vergehen.
Nachdem Liszt von Paris abgereist war, erschien in der Revue Indépendante vom 25. Januar 1846 die erste Folge von Marie d’Agoults Roman Nélida, in dem in verschlüsselter Form problematische Aspekte der Zeit ihres Zusammenlebens mit Liszt geschildert werden. Marie d'Agoult hatte nach ihrer Rückkehr von der Insel Nonnenwerth am 3. November 1843 mit der Niederschrift begonnen und den Roman im Verlauf des Jahres 1844 fertiggestellt. Seit dem Dezember 1844 hatten mehrere ihrer gemeinsamen Bekannten mit Liszt, darunter Alfred de Vigny und der Abbé de Lamennais, das Manuskript gelesen. Bis zum 10. März 1846 lag der Roman als Zeitschriftenfassung vollständig vor. Im April 1846 wurde eine Ausgabe als Buch hergestellt, von dem die Redaktionen der wichtigsten Zeitschriften Exemplare erhielten. Das Erscheinen der Buchausgabe wurde im Journal de la libraire vom 8. August 1846 angezeigt.
In dem Buch war ohne Name eines Verfassers nur der Titel Nélida angegeben, doch war mit deutlichen biografischen Bezügen dafür gesorgt, dass an der Identität der Hauptcharaktere Guermann Regnier und Nélida de la Theiellaye mit Liszt und Marie d'Agoult kein Zweifel bestand. Der Roman wurde von den Zeitgenossen auch in diesem Sinn aufgefasst. Liszt wurde infolgedessen mit Guerman Regnier identifiziert, einem Maler mit amoralischer Lebensanschauung, der in Deutschland bei einem Großherzog in T... angestellt ist und dort als kreativer Künstler versagt.
Liszt las die erste Folge des Romans am 2. Februar 1846 in Gent. Er reiste dann über Frankfurt a. M. nach Weimar, wo er weitere Folgen kennenlernte. Als die letzte Folge erschien, befand er sich in Wien, wo er seit dem 1. März 1846 konzertierte. Er kam in Briefen an Marie d'Agoult mehrfach auf den Roman zurück. Dabei nahm er den Standpunkt ein, dass für ihn nicht die geringste Kränkung entstanden sei. Zwar würden seine sämtlichen Bekannten annehmen, er selbst sei mit dem Maler Guerman Regnier gemeint, doch könne er dies nicht verstehen, und es mache ihm auch nichts aus. In dem Roman werde schließlich nur ein fiktiver Name ohne Angabe einer Adresse genannt.
Liszt zeigte sich aber darum bemüht, den in dem Roman enthaltenen Vorwurf eines kreativen Versagens zu entkräften, indem er im Verlauf der Jahre 1846 und 1847 in großer Fülle neue Werke erscheinen ließ. Zwar waren die meisten dieser Werke Transkriptionen fremder Musik, doch kündigte Liszt an, dass mit einem Umfang von 200 Seiten demnächst die Veröffentlichung seines Zyklus Harmonies poétiques et religieuses zu erwarten sei. Er wollte auch die im Jahr 1839 in Italien fertiggestellten drei Klavierkonzerte in eine endgültige Fassung bringen. Es kam die Oper Sardanapal hinzu, die im Frühjahr 1847 in Wien aufgeführt werden sollte.
Ein Vergleich dieser Ankündigungen mit der Wirklichkeit zeigt allerdings, dass die Situation Liszts in den Jahren 1846 und 1847 der Situation der Romangestalt Guerman Regnier in T... nur zu genau entsprach. Mit seinen Transkriptionen, die er einem Brief an Marie d'Agoult vom 8. Oktober 1846 selbst als "menu fretin", d. h. als "unbedeutenden Schund" bezeichnete, konnte er zwar Geld, aber kaum Ansehen als Komponist erwerben. Der Zyklus Harmonies poétiques et religieuses hätte nach der Ankündigung Liszts in seinem Brief an Ferdinand Hiller vom November 1835 im Frühjahr 1837 vorliegen sollen. Im Frühjahr 1846 befand sich Liszt daher bereits um neun Jahre im Verzug, und es sollten weitere sieben Jahre bis zu einer Veröffentlichung vergehen. Von den Klavierkonzerten, die er niemals spielte, war der Öffentlichkeit nicht einmal der Umstand ihrer Existenz bekannt. Die Oper Sardanapal, deren Premiere Liszt seit mehreren Jahren angekündigt hatte, wurde nicht fertiggestellt. Dies lag zum Teil daran, dass es bei der Beschaffung des Librettos Schwierigkeiten und Verzögerungen gab, doch muss aus der Sicht der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden sein, dass Liszt bei der Ausführung der Komposition versagte. Er war nach allem äußeren Anschein ein publikumswirksamer Virtuose und geschickter Arrangeur. Hinsichtlich seiner ernsthaften Werke hatte sich dagegen mit großer Regelmäßigkeit gezeigt, dass es bei uneingelösten Ankündigungen blieb.
Ein anderes Ziel Liszts, die Sicherstellung des Lebensunterhalts seiner Kinder und seiner Mutter, wurde im August 1846 erreicht. Er hatte seit dem 1. März 1846 in Wien, Pest, Prag und anderen Orten in der Umgebung mit einem immensen Arbeitseinsatz Konzerte gegeben und Geld nach Paris geschickt. Seine Mutter schrieb in einem Brief vom 5. September 1846, mit den aktuell erreichten jährlichen Kapitalerträgen von 7.060 Francs seien die anfallenden Kosten gedeckt. Bis in das Frühjahr 1847 hinein schickte Liszt noch weiteres Geld, so dass bis zum Juni 1847 die jährlichen Kapitalerträge zu einer Summe von 9.011 Francs angewachsen waren.
Mit diesen Erträgen konnten die mit Marie d'Agoult vereinbarten Alimentenzahlungen und die übrigen Kosten, die sich mit dem Lebensunterhalt der Angehörigen Liszts in Paris verbanden, bestritten werden. Die Zahlen lassen aber ein anderes Problem erkennen, auf das Anna Liszt in ihrem Brief vom 5. September 1846 auch zu sprechen kam.
Anna Liszt hatte das von ihrem Sohn geschickte Geld in Wertpapieren mit jährlichen Zinsen von 4% und 5% angelegt. Es war demnach bis zum Juni 1847 ein Kapital zusammengekommen, das in einer Größenordnung zwischen 180.000 Francs und 225.000 Francs veranschlagt werden kann. Ein solcher Betrag war für einen Spitzenvirtuosen, der seit mehr als neun Jahren in Konzerten tätig gewesen war, sehr gering. Bei seinem Debüt als erwachsener Künstler in Wien hatte Liszt im Frühjahr 1838 in einem einzigen Konzert etwa 3.500 Francs verdient. Seine Einnahmen waren später noch gestiegen, so dass keine neun Jahre erforderlich waren, um ein Kapital von 225.000 Francs zusammenzubringen. Er hatte offenbar den größten Teil des in seinen Konzerten verdienten Geldes für momentane Bedürfnisse ausgegeben und ein Leben in Saus und Braus geführt. Ende März und Anfang April 1846 hatte er in Wien täglich Bankette für Freunde und Bekannte gegeben. Es war dadurch in einer Zeit von zwei Wochen bis zu seiner Abreise nach Prag eine Rechnung von mehr als 1.000 Gulden zustandegekommen, die er nicht bezahlen konnte, ohne sich Geld zu leihen. In seiner Antwort auf den Brief seiner Mutter vom 5. September 1846 schrieb er aber, er könne an seinen Lebensgewohnheiten nichts mehr ändern.
Damit Liszt seinen gewohnten Lebensstil beibehalten konnte, reichte sein Gehalt als Hofkapellmeister in außerordentlichen Diensten bei weitem nicht aus. Das in Konzerten bereits erwirtschaftete Kapital nützte ihm für seine eigene Lebensführung nichts, weil es in der Bank Rothschild zur Deckung seiner Unterhaltszahlungen angelegt bleiben musste. Liszt stand danach vor der Wahl, seinen Lebensstil drastisch zu verändern oder auf unabsehbare Zeit weiterhin Konzerte zu geben. Soweit aus seiner Antwort auf die Ermahnung seiner Mutter und aus seinem Verhalten ein Schluss gezogen werden kann, fiel bis weit in das Jahr 1847 hinein seine Entscheidung zugunsten der zweiten Alternative aus, wenn sich dies auch mit einem Verzicht auf einen Fortgang seiner Laufbahn als Komponist anspruchsvoller Werke verband. In seinen Konzerten konnte er sich ästhetische Skrupel kaum noch leisten. Um Geld in dem für seine Bedürfnisse ausreichenden Umfang zu verdienen, musste er sich an dem Geschmack eines durchschnittlichen Publikums orientieren. Er hatte damit von seinem Ausgangspunkt in den frühen 1830er Jahren den größtmöglichen Abstand erreicht. Im Rückblick auf diese Phase seiner Biografie hat er sich später in seinem Buch über Chopin als einen Künstler bezeichnet, der seine Begeisterung erstickt und sein Ideal mit den Füßen tritt.
Zur Lösung seiner Geldprobleme gab es für Liszt eine Möglichkeit, die eine Veränderung seiner privaten Situation betraf. Er sprach diese Möglichkeit in einem Brief an die Fürstin Christina Belgiojoso vom 2. April 1846 selbst an.
Es sollte noch etwas Zeit vergehen, bis Liszt eine Dame nach seinen Wünschen fand. Nach seine