Frauen in der Philosophie

Philosophinnen waren und sind in der Philosophie unterrepräsentiert.

Inhaltsverzeichnis

Repräsentanz von Philosophinnen

Auch wenn in der Vergangenheit der Philosophie Frauen unterrepräsentiert waren, "das braucht ja nicht eine männliche Beschäftigung zu bleiben" (Hannah Arendt 1964 in einem Interview mit Günther Gauss).

Tatsächlich hat es in der Geschichte der Philosophie stets auch Frauen gegeben, die sich mit dieser Disziplin beschäftigten. Die öffentliche Präsentation von Forschungsergebnissen, das Lehren und Lernen an Universitäten war für Frauen im patriarchalischen Umfeld von jeher sehr schwierig. Ein Umstand, der sich erst seit dem 19. Jahrhundert nach und nach änderte. Auf diesem Hintergrund beruht manche philosophische Erkenntnis, die später Männern zugeschrieben wurde - etwa die Monadenlehre von Leibniz - auf weiblichen Quellen. Dies nachgewiesen zu haben, ist das Verdienst der deutschen Philosophin und Sachbuchautorin Marit Rullmann. Sie legte 1993 und 1995 in zwei Bänden erstmals im europäischen Raum Porträts berühmter und vor allem zahlreicher nicht oder kaum bekannter Philosophinnen bzw. Denkerinnen vor. Rullmanns Standardwerk führte zur Publikation weiterer ähnlicher Bücher und einer bis heute andauernden Renaissance der vergessenen Philosophinnen.

In dem Roman Die Philosophin schildert Peter Prange die Geschichte der im 18. Jahrhundert lebenden Philosophin Sophie Volland, sie wurde lediglich bekannt als Geliebte des Philosophen Diderot.

In Deutschland durfte das erste Mal 1901 eine Frau als Philosophin promovieren. Helene Stöcker durfte aktiv, und nicht nur als Zuhörerin, wie es sonst Frauen gestattet wurde, studieren. Da es keine Möglichkeit für sie gab, bei einem Philosophieprofessor zu promovieren, musste sie sich auf ein kulturästhetisches Thema einlassen, das ihr vorgegeben wurde.

Die Philosophin als das Andere

Wie andere feministische Philosophinnen vertritt Marit Rullmann die Position, dass ein gravierender Unterschied in der Philosophie von Männer und Frauen darin besteht, dass Philosophinnen bislang stets ihre Geschlechtszugehörigkeit mitdachten, was sich in der Regel in ihrer Philosophie niederschlug, während Philosophen in der Regel nicht explizit in ihrer Philosophie auf ihre Geschlechtszugehörigkeit eingehen mussten (Androzentrismus).

Die Frau als das Andere

Annegret Stopczyk hat mit ihrer Zitatesammlung Muse, Mutter,Megäre Was Philosophen über Frauen denken nachgewiesen, dass die meisten der dort zitierten männlichen Philosophen der Überzeugung anhingen, das männliche Geschlecht sei in besonderer Weise zum abstrakten Denken prädestiniert.

Liste bekannter Philosophinnen


siehe auch: Zeittafel zur Philosophiegeschichte, Liste der zeitgenössischen Philosophen

siehe auch

Literatur

Philosophinnen/Philosophen unter sich

  • "Freiheit ist das höchste Gut", 2500 Zitate von Philosophinnen aus neun Jahrhunderten hg. von Stefan Knischek, eFeFVerlag, Wettingen, 2002, ISBN 3-905561-44-1
  • Lebensweisheiten berühmter Philosophen. 4000 Zitate von Aristoteles bis Wittgenstein hg. von Stefan Knischek, Humboldt, 2005, ISBN 978-3-89994-069-5

Lexika

  • Ethel M. Kersey: Women Philosophers. A Bio-Critical Source Book New York 1989 ISBN 0313257205
  • Ursula I. Meyer (Hrsg.): Die Welt der Philosophin
Teil 1: Antike und Mittelalter ISBN 3-928089-09-9
Teil 2: Renaissance und frühe Neuzeit ISBN 3-928089-13-7
Teil 3: Aufklärung und revolutionärer Aufbruch ISBN 3-928089-18-8
Teil 4: Moderne Zeiten. Das 20. Jahrhundert ISBN 3-928089-21-8
  • Ursula I. Meyer, Heidemarie Bennent-Vahle (Hrsg.): Philosophinnen-Lexikon. Reclam, Leipzig 1997, ISBN 3-379-01584-9
  • Regine Munz (Hrsg.): Philosophinnen des 20. Jahrhunderts. WBG, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-16494-6
  • Marit Rullmann (Hrsg.): Philosophinnen
1. Von der Antike bis zur Aufklärung. Zürich, Dortmund, 1993, ISBN 3-905493-44-6
2. Von der Romantik bis zur Moderne. Zürich, Dortmund, 1995, ISBN 3-905493-74-8
  • Mary Ellen Waithe (Hrsg.): A History of Women Philosophers
Volume I: Ancient Women Philosophers, 600 B.C.-500 A.D. ISBN 9024733685
Volume II: Medieval, Renaissance and Enlightenment Women Philosophers, 500-1600 ISBN 9024735726
Volume III: Modern Women Philosophers, 1600 - 1900 1991 ISBN 0792309308

Monographien

  • Adriana Cavarero: Platons Töchter: Frauengestalten der antiken Philosophie. Rotbuch, Hamburg 1997, ISBN 3-88022-443-9 (Rotbuch-Taschenbuch 1075)
  • Ruth Hagengruber (Hg.): Klassische philosophische Texte von Frauen. Dtv, München 1998, ISBN 3-423-30652-1 (dtv 30652)
  • Ingrid Straube: Die Quellen der Philosophie sind weiblich: vom Einfluss weiser Frauen auf die Anfänge der Philosophie. Ein-Fach, Aachen 2001, ISBN 3-928089-29-3 (Philosophinnen 11)
  • Annegret Stopczyk: Nein danke, ich denke selber. Philosophieren aus weiblicher Sicht. Aufbau, Berlin 2000, ISBN 3-7466-8046-8

Zum Problem der Sicht männlicher Philosophen

  • Annegret Stopczyk (Hg.): Muse, Mutter, Megäre: was Philosophen über Frauen denken. Aufbau, Berlin 1997, ISBN 3-7466-1278-0 (AtV 1278)
  • Friedhelm Moser: "Alles am Weibe ist ein Rätsel ...": der philosophische Blick auf die Frau. Eichborn, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-8218-3446-3
  • Ursula I. Meyer: Das Bild der Frau in der Philosophie. Ein-Fach, Aachen 1999, ISBN 3-928089-25-0 (Philosophinnen 8)
  • Friedrich Wilhelm Korff: Der Philosoph und die Frau: zur Geschichte einer Mesalliance. Reclam, Leipzig 2000, ISBN 3-379-01691-8 (RUB 1691)

Zeitschriften

  • Die Philosophin. Forum für feministische Theorie und Philosophie, Tübingen 1990 ISSN 0936-7586 [1]

Weblinks

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