Friedrich Karl Joseph Reichsfreiherr von Erthal (* 3. Januar 1719 in Lohr am Main, † 25. Juli 1802 in Aschaffenburg) war der letzte Kurfürst und Erzbischof des alten Mainz. In seine Amtszeit fällt der Beginn des Untergangs des alten Kurstaates und des Erzbistums Mainz. Sein jüngerer Bruder Franz Ludwig von Erthal war Fürstbischof von Würzburg und Bamberg.
Erthals Vorgänger, Erzbischof Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim, hatte Ideen der Aufklärung in seine Amtszeit eingebracht und war daher im Volk ungeheuer populär gewesen. Nach seinem Tod war das Mainzer Domkapitel in zwei Lager gespalten: Der eine Teil repräsentierte die Reformaufgeschlossenheit der Aufklärung, der weitaus größere andere Teil stand für die sofortige Restauration.
Direkt nach dem Tod des Erzbischofs Emerich Joseph erfolgten die ersten Maßnahmen, in den Lehr- und Klosteranstalten des Erzbistums die Aufklärung zurückzudrängen. Damit beauftragt war auch der Domkustos Friedrich Karl Joseph von Erthal. Dieser wurde am 18. Juli 1774 zum neuen Erzbischof gewählt, was die Bürger befürchten ließ, die Aufklärung falle nun wieder in sich zusammen. Erthal, wenig später auch zum Bischof von Worms gewählt, hob aufklärungsfeindliche Personen auf wichtige Posten, z.B. auf den Stuhl des Präfekten für das Schulwesen. Somit verhinderte er die Aufnahme aufklärerischer Lehrer an die Schulen.
Reichspolitisch hatten sich sowohl der Nuntius des Papstes, als auch Kaiser Joseph II. ausgerechnet, dass Erthal eine Verbesserung der Beziehungen bringen würde. Doch dies trat nicht ein. In seinem Bestreben, als Reichserzkanzler selbst eine wichtige Rolle in der Reichspolitik zu spielen, ging er bald auf Distanz zum Kaiser, dessen dynastische Interessen dem Königswahlfürsten nicht gefallen konnten. Am 18. Oktober 1785 schloss er sich gar dem fast ausschließlich protestantischen preußischen Fürstenbund an. Doch die großen konfessionellen Gegensätze innerhalb des Bundes und die auf eigene Interessen bedachte Politik Preußens (Machtkampf mit Österreich, Dualismus) machten dieses Vorgehen des Kurfürsten zu einer wenig weitsichtigen Entscheidung.
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Auch im Domkapitel verlor der Erzbischof zunehmend an Rückhalt. Wie sich nämlich schon bald nach der Wahl herausstellte, war mit Erthal keineswegs das Ende der Aufklärung gekommen. Schon im Dezember 1774 setzte er eine Kommission zur Reform des Landschulwesens ein, die von reformatorischen und gemäßigt aufklärerischen Kräften dominiert war. 1777 kehrte Erthal zur modernen Verwaltung seines Vorgängers zurück und förderte das Armen-, Spital- und Fürsorgewesen. Auch Kirchen- und Universitätspolitik orientierten sich an einer gemäßigten (also nicht radikal rationalistischen) Aufklärung. Zugunsten der Universität, deren Rektor er von 1757 bis 1763 gewesen war, löste er kaum noch bestehende Klöster auf und verwendete deren Vermögen für den Bestand der finanziell gebeutelten Einrichtung. Der daraus entstandene Fond besteht bis heute fort.
Spätestens seit 1781 war die Politik Erthals vollends von der Aufklärung geprägt. Er ließ die Universitäten von Mainz und Erfurt nach neuen Ideen reformieren und ließ ein Gesangbuch in deutscher Sprache herausgeben. Politisch versuchte Erthal, die Stellung der Metropoliten zu stärken und eine Annäherung an die Protestanten zu ermöglichen. Fernziel sollte eine katholische deutsche Nationalkirche sein. Solche Erwägungen waren jedoch in der damaligen Zeit nicht durchzusetzen. Die meisten Bischöfe fürchteten den Ausbau der Metropolitangewalt, Bischöfe, die sich hiermit anfreunden konnten, waren Gegner einer Annäherung an den Protestantismus.
Als Erthal erkannte, dass seine Ziele nicht durchsetzbar waren, verlor er bald das Interesse an der Reichspolitik. Er und der am 5. Juni 1787 zum Koadjutor (mit dem Recht der Nachfolge) gewählte Karl Theodor von Dalberg starteten zwar noch einige Initiativen, doch die Wucht der nun beginnenden Ereignisse drängten diese sämtlich in den Hintergrund. Im Angesicht der Französischen Revolution standen die alten Strukturen unmittelbar vor ihrem Untergang.
1792 erreichte die Revolution Mainz. Im selben Jahr war Kaiser Leopold II. (1790-1792) gestorben. Erthal krönte seinen Nachfolger Franz II., den letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches in Frankfurt am Main zum König. Anschließend fand in der Mainzer Favorite, der Sommerresidenz der Mainzer Erzbischöfe, der letzte Fürstentag des Reiches statt. Kurz zuvor hatte das Reich dem revolutionären Frankreich den Krieg erklärt. Erthal schloss sich dem Bündnis trotz Warnungen an und leitete damit den Untergang des seit 782 bestehenden Erzbistums und seines Kurstaates ein.
Die Franzosen fielen ins Reich ein; am 22. Oktober 1792 kapitulierte Mainz, Residenz- und Festungsstadt des mächtigsten Kurfürsten des Reiches, kampflos. Der Erzbischof und das Domkapitel verließen die Stadt. Es brach bis zum Juli 1793 die Zeit der kurzlebigen, chaotischen Mainzer Republik an, die als erste Demokratie auf deutschem Boden gilt.
Der Krieg tobte noch einige Jahre weiter, doch war er für das Reich nicht zu gewinnen. Im Frieden von Campo Formio gestand Österreich Frankreich die Abtretung der linkrheinischen Gebiete zu, zu denen auch Mainz gehörte. Erthal residierte da schon in seiner Zweitresidenz, dem Schloss Johannisburg in Aschaffenburg. 1801 reformierte Napoleon mit Billigung des Papstes die linkrheinische Kirche. Das Erzbistum blieb zwar formal erst einmal bestehen, doch faktisch existierte nun das von Napoleon neu umschriebene Bistum Mainz mit Bischof Joseph Ludwig Colmar an der Spitze.
Erthal versuchte nun, wenigstens seinen Kurstaat zu retten, was ihm aber ebenfalls nicht gelang. Die endgültige Exekution der alten Strukturen durch den Reichsdeputationshauptschluss erlebte er jedoch nicht mehr. Am 4. Juli 1802 resignierte er von allen Ämtern und übergab sie (Kurfürst) Erzbischof Karl Theodor von Dalberg. Wenig später, am 25. Juli 1802 starb Erthal in Aschaffenburg und wurde dort in der Stiftskirche St. Peter und Alexander begraben.
| Vorgänger |
Erzbischof von Mainz 1774-1802 |
Nachfolger Karl Theodor von Dalberg |
| Vorgänger |
Bischof von Worms 1774-1802 |
Nachfolger |
Brockhaus-1809: Johann Friedrich, Graf von Struensee · Friedrich, Freiherr von Logau · Friedrich Wilhelm, Freiherr von Seydlitz · Adolph Franz Friedrich Ludw. Freiherr von Knigge · Friedrich von Dietrich · Friedrich Rudolph Freiherr von Canitz · Friedrich Eberhard von Rochow · Friedrich von Hagedorn · Friedrich Freiherr von der Trenk · Ewald Friedrich Graf von Herzberg · Friedrich von Schiller · Friedrich Wilhelm, Freiherr von Kyau · Der Graf Joseph von Puisaye · Franz Joseph, Graf von Thun · Johann Baptista Joseph Villart von Grecourt · Leopold Joseph Maria Reichsgraf von Daun · Philipp Joseph, Herzog von Orleans
Brockhaus-1837: Karl Friedrich
Brockhaus-1911: Karl Friedrich [2] · Karl-Friedrich-Verdienstorden · Friedrich Karl · Karl Friedrich
DamenConvLex-1834: Streckfuss, Adolph Friedrich Karl · Saphir, Karl Friedrich Moritz · Hardenberg, Friedrich von · Matthisson, Friedrich von · Schiller, Johann Christoph Friedrich von · Friedrich II., König von Preußen · Ammon, Friedrich von · Uechtritz, Friedrich von · Hagedorn, Friedrich von · Weber, Karl Maria von · Bonstetten, Karl Victor von · Holtei, Karl von · Linné, Karl von · Zedlitz, Joseph Christian Freiherr von · Hammer, Joseph von
Eisler-1912: Savigny, Friedrich Karl von · Thrandorff, Karl Friedrich Eusebius · Krause, Karl Christian Friedrich · Stäudlin, Karl Friedrich · Gauss, Karl Friedrich · Forberg, Friedrich Karl · Göschel, Karl Friedrich · Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph · Hardenberg, Friedrich von · Reichenbach, Karl von · Stein, Karl Heinrich von · Irwing, Karl Franz von · Dalberg, Karl Theodor von · Rokitansky, Karl von · Leonhardi, Hermann Karl von
Heiligenlexikon-1858: Karl von Isnello, B. (1)
Herder-1854: Karl Friedrich [1] · Karl Friedrich [2] · Joseph von Arimathäa
Meyers-1905: Plattner, Karl Friedrich · Gauß, Karl Friedrich · Corda, August Karl Joseph · Recklinghausen, Friedrich von · Friedrich von Hausen · Büren, Friedrich von · Steinen, Karl von den · Jan, Karl von · Miltitz, Karl von
Pagel-1901: Mettenheimer, Karl Friedrich Christian von · Runge, Karl Friedrich Ferdinand · Westphal, Karl Friedrich Otto · Kanzow, Friedrich Karl Theodor · Mosler, Karl Friedrich · Nasse, Karl Friedrich Werner · Zinn, Friedrich Karl August · Deiters, Otto Friedrich Karl · Canstatt, Karl Friedrich · Ullmann, Berthold Friedrich Karl · Doenitz, Friedrich Karl Wilhelm · Dornblüth, Friedrich Karl Johann · Eberth, Karl Joseph · Scanzoni, Friedrich Wilhelm, von Lichtenfels · Recklinghausen, Friedrich Daniel von · Frerichs, Friedrich Theodor von · Esmarch, Johann Friedrich August von · Hoelder, Hermann Friedrich von · Winckel, Franz Karl Ludwig Wilhelm von · Böhm, Edler von Böhmersheim, Karl · Elsaesser, Karl Ludwig von · Zehender, Karl Wilhelm von · Vierordt, Karl von · Mosengeil, Karl von · Siebold, Karl Theodor Ernst von · Stellwag von Carion, Karl · Lenhossek, Joseph von · Schleiss von Loewenfeld, Max Joseph
Pierer-1857: Christliche Schulen von St. Karl
Schmidt-1902: Jenisch, Karl Friedrich von · Kistner, Karl Friedrich · Bahrdt, Dr. Karl Friedrich · Cotta, Johann Friedrich Freiherr von · Canstein, Karl Hildebrand Freiherr von