Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil (* 28. März 1783 in Rammelburg; † 4. September 1859 in Bad Warmbrunn, Kreis Hirschberg - Provinz Schlesien) war forstlicher Praktiker, Hochschullehrer und Forstwissenschaftler.
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Pfeil entstammt einer angesehenen Bürgerfamilie aus der Grafschaft Mansfeld. Wie sein Vater wollte auch er Jurist werden. Ab 1797 besuchte er das Ascherslebener Gymnasium Stephaneum. Nach dem frühem Tod seines Vaters war er 1801 jedoch gezwungen, den Besuch abzubrechen und eine praktische Tätigkeit auszuüben, da die Familie mittellos geworden war.
Aus Neigung ergriff er den Beruf des einfachen Försters und verbrachte die vorgeschriebene dreijährige Lehrzeit in Königshof (heute Königshütte) bei Elbingerode (Harz) unter seinem Lehrmeister Kersten. Dem königlich-preußischem Oberförster lag die Jagd mehr als alles andere, so dass die forstliche Ausbildung Pfeils keine großen Fortschritte machte. Seine Beobachtungsgabe wurde in dieser Zeit jedoch geschärft, was ihm im Laufe seiner Karriere sehr zu gute kam.
Nach seiner Lehrzeit verließ er Preußen und bewarb sich am Hof Fürst Carolath-Beuthens in Schlesien. Gefördert durch seine Vorgesetzten erreichte Pfeil schnell eine leitende Position. Nun begann Pfeil in einem einmaligen Kraftakt ein Selbststudium, um die bisher fehlende theoretischen Kenntnisse zu ergänzen. Innerhalb weniger Jahre eignete er sich das Wissen der gesamten damals zur Verfügung stehenden forstlichen Literatur an. Von Pfeil ging in den nächsten Jahren bis zu seinem Lebensende eine wahre Flut von Veröffentlichungen aus. Seine Gabe, Gedanken rasch, überzeugend und äußerst präzise zur Papier zu bringen, macht ihn zu einer außergewöhnlichen Erscheinung in der forstlichen Wissenschaft.
Seine Veröffentlichungswut sorgte auch dafür, dass Georg Ludwig Hartig auf ihn aufmerksam wurde. Dazu trug insbesondere sein 1816 veröffentlichtes Werk „Über die Ursachen des schlechten Zustandes der Forsten und die allein möglichen Mittel ihn zu verbessern, mit besonderer Rücksicht auf die Preußischen Staaten. Eine freimütige Untersuchung“, welches die Aufmerksamkeit der Fachleute erregte, bei.
Auf Hartigs Betreiben wurde Pfeil, der über keine akademische Ausbildung verfügte, mit 38 Jahren Direktor der Preußischen Forstakademie an der Universität Berlin, die 1830 als Höhere Forstlehranstalt nach Eberswalde verlegt und dort von Pfeil geleitet wurde. Der Aufenthalt in Berlin brachte Pfeil in Kontakt zu namhaften Wissenschaftlern seiner Zeit. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, später Rektor der Berliner Universität, verlieh ihm 1821 die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät. Mit dem Juristen Friedrich Carl von Savigny korrespondierte Pfeil über historische Fragen. Und auch Wilhelm und Alexander von Humboldt bestärkten Pfeil in seinem Bestreben nach praxisnaher Forschung.
Trotz seiner zahlreichen Veröffentlichungen (23 Bücher und 40 Jahrgänge »Kritische Blätter«) stellte Pfeil das unausgesetzte scharfe »Beobachten der Natur« über alles theoretische Wissen ("Fragt die Bäume wie sie erzogen sein wollen, sie werden Euch besser darüber belehren als es die Bücher thun."). Seine Maxime vom Einfluss des Örtlichen wurde zum Leitbild zukünftiger Förstergenerationen. Nicht mehr einfache Generalregeln, sondern die standörtliche Bedingtheit wird durch den zunehmenden Kenntnisstand Ausgangspunkt des forstlichen Handelns. Damit stand er im krassen Gegensatz zu seinem Mentor Hartig, mit dem er einen ausgedehnten Gelehrtenstreit führte.
Pfeil, der durchaus sehr selbstkritisch war, stieß mit seiner schonungslosen Kritik viele Zeitgenossen vor den Kopf. Seine Leistungen als forstlicher Praktiker, Lehrer und Wissenschaftler stehen jedoch außer Frage. Aufgrund seiner wesentlichen Beiträge zur Entwicklung der Forstwissenschaft gehört Pfeil neben Georg Ludwig Hartig, Heinrich Cotta, Johann Christian Hundeshagen, Carl Justus Heyer und Gottlob König zu den so genannten „forstlichen Klassikern“.
Pfeil, der 1859 als Geheimer Oberforstrat in den Ruhestand gegangen war, starb noch im gleichen Jahr in Warmbrunn (Schlesien).
Das wuchtige Pfeil-Denkmal beim Dambachhaus unweit des Bodetals in der Nähe von Thale ging auch in die Literatur ein: Es spielt in einer Schlüsselszene des Romans Cécile von Theodor Fontane eine Rolle. Es wurde zu seinem Andenken von seinen Schülern durch Spenden finanziert und von Prof. Mencke, einem Berliner Bildhauer, geschaffen. Die feierliche Enthüllung erfolgte 1865. Die Ortswahl erfolgte auf Grund der Tatsache, dass Pfeil diese Gegend regelmäßig zwecks Erholung und Jagd aufsuchte und in den Forsten um Thale mit den Studenten der Forstakademie praktische Übungen zur Einteilung und Bewertung der Wälder durchführte. 1825 traf er sich hier auch mit Heinrich Cotta. Seinem Wunsch, hier begraben zu werden, kam seine Familie jedoch nicht nach.
Ein weiteres Pfeil-Denkmal steht im Zentrum des Forstbotanischen Gartens in Eberswalde, wo es auch eine Pfeilstraße gibt. Eine weitere Pfeilstraße gibt es in Berlin-Niederschönhausen.
Am 1. September 2005 brachten Vertreter der deutschen und polnischen Forstwirtschaft als Höhepunkt eines Festaktes zum Gedenken Pfeils in der Garnisonskirche von Jelenia Góra (vormaliges Hirschberg) eine deutsch-polnische Gedenktafel an.
Zur Erinnerung an Pfeils Wirken wurde von 1963 bis 2006 der mit 30.000 DM/15.000 Euro dotierte Wilhelm-Leopold-Pfeil-Preis an um die Waldwirtschaft verdiente Persönlichkeiten verliehen. Die von der Alfred-Toepfer-Stiftung F.V.S. Hamburg zur Verfügung gestellte Auszeichnung wurde bis 1993 durch die Forstwissenschaftliche Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau verliehen. Ab 1994 bis zur Einstellung 2006 wurde er von der Stiftung an der Fachhochschule Eberswalde vergeben.
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