Friedrich-Schiller-Universität Jena

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Gründung 1558
Stadt Jena
Bundesland Thüringen
Staat Deutschland
Leitung Prof. Dr. Klaus Dicke
Studenten 20.934 (WS 2006/07)
Mitarbeiter 6175 (2004)
Website www.uni-jena.de
Liste deutscher Hochschulen

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena („alma mater jenensis“, gelegentlich auch „Salana“) liegt in der thüringischen Stadt Jena in Deutschland und hat nach Stand des Wintersemesters 2005 etwa 20.500 Studenten und 340 Professoren. Ihr Rektor ist der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Dicke. Der 317. Rektor der Universität löste am 1. September 2004 den Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Karl-Ulrich Meyn ab. Kanzler der Universität ist zur Zeit Dr. Klaus Bartholmé.

Inhaltsverzeichnis

Gliederung

Universitätshauptgebäude, Innenhof mit Cafeteria
Universitätshauptgebäude, Innenhof mit Cafeteria
Neugebaute Mensa im Zentrum von Jena. Im Hintergrund das ehemalige Unigebäude - jetzt JenTower
Neugebaute Mensa im Zentrum von Jena. Im Hintergrund das ehemalige Unigebäude - jetzt JenTower
Urburschenschaftsdenkmal vor dem Universitätshauptgebäude
Urburschenschaftsdenkmal vor dem Universitätshauptgebäude

Die Universität hat zehn Fakultäten und etliche Institute.

Theologische Fakultät

Rechtswissenschaftliche Fakultät

  • Institut für Rechtstaatssachenforschung zum Deutschen und Europäischen Unternehmensrecht
  • Abbe-Institut für Stiftungswesen
  • Institut für Notarrecht

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Philosophische Fakultät

  • Institut für Philosophie
  • Historisches Institut
  • Institut für Germanistische Literaturwissenschaft
  • Institut für Germanistische Sprachwissenschaft
  • Institut für Auslandsgermanistik/Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
  • Ur- und Frühgeschichte
  • Kunsthistorisches Seminar und Kustodie
  • Indogermanistik
  • Institut für Altertumswissenschaften
  • Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients/Bereich für Orientalistische Sprachwissenschaft
  • Institut für Anglistik/Amerikanistik
  • Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
  • Institut für Slawistik
  • Institut für Romanistik
  • Institut für Fremdsprachen
  • Bereich Medienwissenschaft
  • Südosteuropastudien
  • Religionswissenschaft
  • Bereich Volkskunde/Kulturgeschichte
  • Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena

Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften

  • Institut für Psychologie
  • Institut für Erziehungswissenschaft
  • Institut für Sportwissenschaft
  • Institut für Politikwissenschaft
  • Institut für Soziologie
  • Bereich Medienwissenschaft
  • Bereich Ethik in den Wissenschaften/Ethikzentrum

Fakultät für Mathematik und Informatik

Physikalisch-Astronomische Fakultät

Chemisch-Geowissenschaftliche Fakultät

Biologisch-Pharmazeutische Fakultät

  • Institut für Allgemeine Botanik und Pflanzenphysiologie
  • Institut für Spezielle Botanik mit Botanischen Garten Jena
  • Institut für Allgemeine Zoologie und Tierphysiologie
  • Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum
  • Institut für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaften und Technik
  • Institut für Mikrobiologie
  • Institut für Ökologie
  • Institut für Biochemie und Biophysik
  • Institut für Ernährungswissenschaften
  • Institut für Pharmazie

Medizinische Fakultät

Geschichte

Friedrich Schiller, nach ihm wurde die Universität Jena benannt
Friedrich Schiller, nach ihm wurde die Universität Jena benannt

1547 entwickelte der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, der sich in den Fängen von Kaiser Karl V. befand, den Plan, eine Universität in Jena aufzubauen, nachdem ihm die Kurwürde genommen worden war und damit einhergehend die Universität Wittenberg an den bisherigen Herzog von Sachsen, Moritz von Sachsen, verloren ging. Dieser Plan wurde von seinen drei Söhnen ausgeführt. Nachdem Kaiser Ferdinand I. seine Zustimmung gegeben hatte, wurde der 1548 gegründeten Hohe Schule am 2. Februar 1558 die Rechte einer Universität verliehen. Das Jahr 1558 gilt als das offizielle Gründungsjahr der Universität. Mit der Existenz einer Universität sollte die Ausbildung von Juristen, Lehrern und besonders Geistlichen Augsburgischen Bekenntnisses in eigener, ernestinischer, Hand sichergestellt werden.

Nach Aufteilung des nunmehrigen Herzogtums Sachsen infolge von Erbteilungen (Ernestinische Herzogtümer) fungierten die einzelnen Linien gemeinsam als Nutritoren der Hochschule, die als Landesuniversität fungierte. Ein vom Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach ernannter Kurator überwachte ab 1819 als Regierungsbevollmächtigter alle wichtigen Angelegenheiten der Universität und informierte die Ministerien der Erhalterstaaten. Dies waren nach 1826 Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Gotha und Sachsen-Meiningen. Neben den Zuwendungen der Erhalter finanzierte sich die Universität durch die Ausübung von Herrschaftsrechten über die, zwischen Jena und Weimar gelegene, Stadt Apolda und später insbesondere aus beträchtlichen Zuwendungen der Carl-Zeiss-Stiftung.

Lässt man die Jahre nach 1900 außer Betracht, so zeigte sich ein Höhepunkt der Studentenzahlen im 18. Jahrhundert, als der Ruf der Universität unter Carl August, dem Herrscher Goethes (1787-1806), Lehrende wie Johann Gottlieb Fichte, Georg Hegel, Friedrich Schelling, Friedrich von Schlegel und Friedrich Schiller nach Jena zog.

Die Universität entwickelte sich zu einem Vorreiter des politischen Radikalismus unter den deutschen Universitäten. Stärker als an jeder anderen Universität war in Jena das Gedankentum, welches man häufig unter dem Begriff des studentischen Lebens - nämlich das Duellieren (vgl. auch Mensur (Studentenverbindung) und das Streben nach Freiheit - zusammenfasst, verbreitet. Das Ende des 18. und der Anfang des 19. Jahrhunderts brachten die Gründung neuer Universitäten und die Verdächtigungen verschiedener Regierungen gegenüber den in Jena bekundeten demokratischen Ideen. Jena gilt als Gründungsort der ersten deutschen Burschenschaft.

1934 wurde die Universität zu Ehren Friedrich Schillers nach diesem benannt. Der Vorschlag für die Benennung der Universität kam von dem Thüringer NS-Gauleiter Fritz Sauckel. Im Dritten Reich hatten überzeugte Nationalsozialisten wie der Rasseforscher Karl Astel das Rektorat der Universität inne. Wichtiges Ereignis für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zeit war die Untersuchung der Vorwürfe gegen den Kinderarzt Jussuf Ibrahim. Eine Senatskommission stellte die Beteiligung des Arztes an den "Euthanasie"-Morden an geistig oder körperlich behinderten Kindern fest.

Nach kurzer Schließung nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Universität 15. Oktober 1945 ihren Betrieb als erste Hochschule in der Sowjetischen Besatzungszone unter dem Rektorat Friedrich Zuckers wieder auf.

Neben dem Neubau der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek gelten die Sternwarte und der botanische Garten als Aushängeschilder der Universität; der Karzer mit Graffiti des Schweizer Karikaturisten Martin Disteli ist leider nicht öffentlich zugänglich. Jena gilt als führend in den Fächern Biologie, Physik und Psychologie und verfügt über ein gut ausgestattetes Universitätsklinikum.

Im 20. Jahrhundert wurde die Universität durch die Kooperation mit den Zeiss-Werken gefördert.

Die Universität Jena entwickelte sich jedoch auch zu einer Massenuniversität. Gab es 1905 noch 1.100 Studenten und 112 Hochschullehrer, so hat sich diese Zahl seither mehr als verfünfzehnfacht. Die Landesuniversität ist die älteste Hochschule Thüringens sowie die einzige Volluniversität des Freistaats. Zusammen mit der Universität Leipzig und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bildet Friedrich-Schiller-Universität den Mitteldeutschen Universitätsverbund (Mitteldeutscher Universitätsverbund). Die Hochschule gehört zu den Universitäten der Coimbra-Gruppe.

Bauten der Universität

Das Universitätshauptgebäude (UHG) wurde 1908 durch den Architekten Theodor Fischer in den Grundformen des niedergelegten Großherzoglichen Schlosses errichtet, mit den Fakultätsfiguren von Adolf Brütt und reicher Kunstausstattung u.a. der Auszug der Deutschen Studenten in den Freiheitskrieg 1813 von Ferdinand Hodler und Griechenland und die Vertreibung der Türken von der Athenischen Burg von Charles Crodel (1925).

Eine Besonderheit sind heute die weit über das gesamte Stadtgebiet verteilten Gebäude der Universität, was vor allem auf Entwicklungen nach dem zweiten Weltkrieg zurück geht, als viele Lehrstühle in enteignete Villen, einem umgebauten Gerichtsgebäude sowie zahlreiche Bürgerhäuser angesiedelt wurden, die heute noch oft in Wohngegenden liegen. Diese Besonderheit macht die Universität allgegenwärtig und mit der städtebaulichen Architektur verflochten. Daneben entstanden nach dem Krieg mehrere Viertel, in dem eigene Universitätsbauten für die Fakultäten angelegt wurden. Nach der politischen Wende erfolgten umfangreiche Neubauten und Restaurierungen, wobei an dem Konzept der weit gestreuten Ansiedlung fest gehalten wurde. Ein eigentliches Hauptgebäude, in dem der überwiegende Teil der Studenten aller Fakultäten Lesungen besuchen kann, gibt es nicht.

Bekannte Studenten und weitere bekannte Lehrende

Studenten

Lehrende


siehe auch: Kategorie:Hochschullehrer (Jena)

Rektoren

Forschung

Die Friedrich-Schiller-Universität hat als einzige im gesamten Bundesgebiet einen Lehrstuhl für Gravitationstheorie und ist zentral am Sonderforschungsbereich/Transregio 7 'Gravitationswellenastronomie' beteiligt. Zudem ist die FSU an folgenden Sonderforschungsbereichen beteiligt:

  • SFB 630 "Erkennung, Gewinnung und funktionale Analyse von Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten"
  • SFB/TR 18 "Relativistische Laser-Plasma-Dynamik"
  • SFB 604 "Multifunktionelle Signalproteine"
  • SFB 580 "Gesellschaftliche Entwicklung nach dem Systemumbruch. Diskontinuität, Tradition und *Strukturenbildung"
  • SFB 482 "Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800"
  • SFB 436 "Metallvermittelte Reaktionen nach dem Vorbild der Natur" (ausgelaufen)

2006 konnte das "Jena Center - Geschichte des 20. Jahrhunderts“ eröffnet werden.

Museen und Sammlungen

Campus und Studentenleben

Studentengemeinden

In Jena sind eine Evangelische und die Katholische Studentengemeinde „Petrus Canisius“ angesiedelt.

Studentenverbindungen

In Jena haben Studentenverbindungen im allgemeinen und Burschenschaften im besonderen eine lange Tradition. Denn hier in Jena konstituierte sich im Jahre 1815 die Urburschenschaft. Von mehr als 30 Verbindungen vor dem 2. Weltkrieg sind heute noch 13 aktiv, darunter zwei Penalverbindungen. Heute aktive Studentenverbindungen:

Literatur

  • Uwe Hoßfeld, Tobias Kaiser und Heinz Mestrup (Hrsg.): Hochschule im Sozialismus. Studien zur Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena (1945-1990). 2 Bde. (Köln u.a. 2007), ISBN 978-3-412-34505-1
  • Michael Eckardt: Gesamtbibliographie der "Wissenschaftlichen Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena" (GS-Reihe) 1951-1990. (Jena 2006). ISBN 3-935850-39-5.
  • Uwe Hoßfeld, Jürgen John, Oliver Lehmuth und Rüdiger Stutz (Hrsg.): "Im Dienst an Volk und Vaterland". Die Jenaer Universität in der NS-Zeit (Köln u.a. 2005).
  • Uwe Hoßfeld, Jürgen John, Oliver Lehmuth und Rüdiger Stutz (Hrsg.), "Kämpferische Wissenschaft". Studien zur Universität Jena im Nationalsozialismus (Köln u.a. 2003), ISBN 978-3-412-04102-1.
  • (Angelika Geyer Hrsg.:) Verena Paul-Zinserling: Die Terrakotten der Sammlung Antiker Kleinkunst der Friedrich-Schiller-Universität Jena. (Jena 2002) ISBN 3-931743-41-1
  • Kremer, Hans-Georg: Zur Geschichte des Sports an der Universität Jena. Materialien, Geschichten, Bilder. (Bucha bei Jena 2002). ISBN 3-936455-07-4
  • Helmut G. Walther (Hrsg.): Aufbrüche. 450 Jahre Hohe Schule Jena (Jena 1998).
  • Pester, Thomas (1996): Im Schutze der Minerva. Kleine illustrierte Geschichte der Universität Jena. Jena (Schriftenreihe zur Stadt-, Universitäts- und Studentengeschichte Jenas; 7).
  • Jena soll leben. Beiträge zum historischen Studentenleben an der Universität Jena. Jena 1991 (Jenaer Reden und Schriften). ISBN 3-86-007-057-6
  • Günter Steiger: "Ich würde doch nach Jena gehn". Geschichte und Geschichten, Bilder, Denkmale und Dokumente aus vier Jahrhunderten Universität Jena. Vierte, durchgesehene und erweiterte Auflage. (Weimar 1989). ISBN 3-7400-0057-0

Weblinks

Quelle:
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