Die sogenannte Fritzens-Sanzeno-Kultur ist eine eigenständige, rätische Kultur, die im Bereich der Alpen in der La-Tène-Zeit existierte. Ihre Bewohner wurden während der römischen Feldzüge im Jahre 15 v. Chr. vollkommen ausgelöscht, oder ihre Reste, wie die Genaunen, Breonen und Anaunen nachhaltig romanisiert. In Südtirol und dem Trentino folgt die Fritzens-Sanzeno-Kultur auf die späten Stufen der Laugen-Melaun-Kultur in Nordtirol auf die ausgehende Urnenfelderkultur.
Die Fritzens-Sanzeno-Kultur wurde im Jahr 1917 vom Gemeindearzt, Dr. Medizinalrat Karl Stainer, der kleinen Gemeinde Wattens entdeckt: Er hielt kleine Steine, die er auf einem Hügel namens "Himmelreich" fand, für Artefakte, die sich später als Naturprodukte herausstellten. Später jedoch entdeckte er in Fritzens tatsächlich vorgeschichtliche Spuren.
Im Jahr 1924 auf der 88. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte, stellte er seine Funde aus; diese blieben jedoch unbeachtet. Dennoch veröffentlichte er seine Beobachteungen in den "Fundberichten aus Österreich" (I, S. 136, 192; II. S. 47, 102, 177, 187; III (1948), S. 154.). Gero von Merhart wurde schließlich auf die Fundstücke, vor allem aber auch die Keramik von Fritzens aufmerksam und bezeichnete sie als "Fritzner Typus". B. Frei sprach 1955 erstmals von einem "Horizont der Fritzener- und Sanzeno-Keramik", den er stratigraphisch von älteren "Melauner Horizonten" absetzen konnte.
Diese Keramik hat die Beobachtung der Archäologen in Bezug auf die Fritzens-Sanzeno-Kultur wie kein anderer Fund beeinflusst. Obwohl die Fritzens-Sanzeno-Kultur sich in Sachen Handwerk, Begräbnisriten und Religion sehr von ihren Nachbarn, namentlich den Etruskern im Süden und den Kelten weiter nördlich beeinflussen ließ, brachte sie eine Reihe eigener Gegenstände hervor, die für sie typisch sind. Zu diesen zählen die Reihe der "Krebsschwanzfibeln" und der "Helmkopffibeln", eine besondere Abart des "Negauer Helms" und ihr eigenes Alphabet, das man auf Grabstelen bewundern kann und dem keltischen Alphabet sehr ähnlich ist.
Zu den wichtigsten Ausgrabungen der Fritzens-Sanzeno-Kultur gehören der Nonsberg bei San Zeno, das Gräberfeld von Kundl. Als Export wurde die typische Keramik der Fritzens-Sanzeno-Kultur auch im Oppidum von Manching gefunden.