GIMP

GIMP
Screenshot
Basisdaten
Entwickler: Das GIMP-Team
Aktuelle Version: 2.2.17
(13. Juli 2007)
Betriebssystem: Linux, Mac OS X, Windows, u. v. m.
Kategorie: Grafikbearbeitung|Grafikmanipulation
Lizenz: GPL
Deutschsprachig: ja
Website: gimp.org

GIMP (GNU Image Manipulation Program, ursprünglich: General Image Manipulation Program[1]) ist ein Bildbearbeitungsprogramm, das als Freie Software unter der GNU General Public License (GPL) veröffentlicht wird.

Der Schwerpunkt der Software liegt insgesamt eher bei der intensiven Bearbeitung einzelner Bilder, wofür vielfältige Effekte zur Verfügung stehen. GIMP ist neben Linux, OpenOffice.org und Mozilla Firefox eines der bekanntesten Open-Source-Programme.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

„Wilber“, das Gimp-Maskottchen
„Wilber“, das Gimp-Maskottchen

Die erste öffentliche Testversion von Gimp wurde von Peter Mattis am 21. November 1995 auf der Liste comp.os.linux.development.apps angekündigt [2]. Zusammen mit seinem Kommilitonen Spencer Kimball hatte er das Programm als Studienarbeit entwickelt. Die erste Betaversion wurde für Linux (1.2.13), Solaris (2.4), HP/UX (9.05) und IRIX bereitgestellt. Die erste offizielle Version 0.54 erschien im Januar 1996.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war GIMP ein funktionales Programm, das u.a. mit einem Plugin-System, beliebigem Rückgängigmachen und Wiederholen, »intelligenter« Schere, Dithering, Unterstützung von Farben mit 8, 15, 16 und 24 Bit, Zoom und Verschieben in Echtzeit, simultaner Bearbeitung mehrerer Bilder, Unterstützung der Formate GIF, JPEG, PNG, TIFF und XPM sowie vielen Auswahl- und Bearbeitungswerkzeugen aufwarten konnte. Das Programm galt jedoch anfänglich als fehlerbehaftet und absturzfreudig. Zudem verwendete es das damals noch proprietäre Motif-Toolkit für die Bedienoberfläche. Deshalb konnte es von vielen Benutzern nur als statisch gelinktes Binärpaket verwendet werden.

Als Peter Mattis von Motif auf eine freie Lösung umsteigen wollte, entwickelte er sein eigenes Toolkit: GIMP-Toolkit, das inzwischen als GTK+ und offenes Projekt längst ein Eigenleben führt, auch wenn es immer noch GIMP-Toolkit heißt. Damit konnte GIMP völlig ohne Motif-Aufrufe umgesetzt werden und es war auch relativ einfach, das Programm auf andere Systeme zu portieren.

GIMP erlangte vor allem unter Linux eine große Verbreitung und etablierte sich im Laufe der Zeit als Platzhirsch für digitale Bildbearbeitung unter Linux. Bis heute haben viele weitere Entwickler zu diesem Produkt beigetragen. Neue GIMP-Versionen werden zur Zeit von Sven Neumann veröffentlicht.

Versionen

Die Version 1.0 von Gimp wurde am 5. Juni 1998 veröffentlicht. Die bedeutendsten Neuerungen waren ein neues API und eine Prozedurendatenbank, welche es ermöglichten GIMP mittels einfacher Skripte zu erweitern. Mit Skript-Fu konnten nun Abläufe automatisiert werden. Zusätzlich verfügte die Applikation über eine neue, kachelbasierte Speicherverwaltung, mit welcher das Laden von großen Bilddateien kein Problem mehr darstellte. Außerdem wurde mit dieser Version das GIMP eigene Dateiformat XCF eingeführt.

Am 25. Dezember 2000 gaben die Programmierer die Version 1.2 von GIMP frei.[3] Die Neuerungen gegenüber der stabilen Variante 1.0 hielten sich in Grenzen. Neben Fehlerbereinigungen wurde vor allem die Benutzeroberfläche überarbeitet.

Nach einer langen Pause zwischen den Veröffentlichungen wurde am 24. März 2004 schließlich GIMP 2.0 mit vielen Verbesserungen freigegeben.[4] Die wichtigsten Änderungen waren die strikte Trennung von Programmlogik und Benutzungsoberfläche sowie eine einfache CMYK-Umsetzung. Damit verfügte GIMP erstmals, wenn auch nur eingeschränkt und in einfachem Umfang, über eine Druckvorstufe. Weiterhin wurden die Menüs überarbeitet und die Übersichtlichkeit verbessert. In jedem Bildfenster befand sich jetzt eine Menüleiste. An neuen Funktionen bot das Programm bessere Pfad- und Text-Werkzeuge. Es beinhaltete jetzt auch Import- und Exportfunktionen für SVG.

Gimp 2.2 wurde am 20. Dezember 2004 veröffentlicht.[5] Die wichtigste Änderung der neuen Version stellte eine verbesserte Benutzeroberfläche dar. So verfügten zahlreiche Werkzeuge von Gimp über eine Vorschaufunktion. Während GIMP 2.0 noch für Drehungen und Verzerrungen nur ein Gitter verwendete, um Aktionen des Benutzers zu visualisieren, drehte und verzerrte GIMP 2.2 den gewählten Bereich simultan. Ferner wurde eine Vielzahl von Dialogen an die GNOME Human Interface Guides angeglichen. Zu den GUI-Verbesserungen gehörte auch eine bessere Zusammenarbeit mit anderen Applikationen.

Varianten

GIMP für Linux

GIMP stellt immer noch in vielen Bereichen unter Linux die Standardsoftware für Retusche und Bildkomposition dar. Die Applikation ist den meisten Linux-Distributionen beigefügt. Testwillige können GIMP darüber hinaus recht einfach selbst übersetzen.

GIMP für Windows

GIMP für Windows ist eine Portierung von GIMP für die Microsoft-Windows-Plattform. Das Projekt wurde von dem finnischen Programmierer Tor »tml« Lillqvist 1997 initiiert.[6] Während die Portierung anfänglich der Originalversion funktionell hinterher hing, erreichte GIMP für Windows mittlerweile eine stabile Basis. Die Applikation wird zusammen mit einem Installer ausgeliefert und kann einfach auf jedem unterstützten Windows-System installiert werden. [7]

Ein Problem von GIMP unter Windows stellt bisweilen die große Anzahl an Fenstern dar, was unter Unix-Desktops wegen der Arbeitsflächenaufteilung meist nicht weiter schlimm ist. Bedingt durch die Tatsache, dass GIMP für jedes Tool oder Farbpalette ein eigenes Fenster öffnet, können während der Arbeit die Applikationsleiste oder das Alt-Tab-Menü schnell unübersichtlich werden. Abhilfe schafft das Gimp-Plugin  »BackgroundWindow«, das alle Gimp-Formulare als MDI-Fenster in einem einzigen Programm-Fenster starten lässt.

Gimp.app für Mac OS X

Gimp.app stellt eine Portierung von GIMP für die Mac OS X-Plattform dar. Die Applikation kommt als ein separates DMG-Paket daher und setzt, wie auch die Linux- und Windows-Version, auf GTK auf. Ferner wird auch Apples X11 benötigt. Gepflegt wird Gimp.app von Aaron Voisine. Jedoch hat es seit der Veröffentlichung von Version 2.2.11 im April 2006 kein weiteres Update gegeben, sodass die Entwicklung möglicherweise eingestellt wurde.

GIMPShop

2005 stellte Scott Moshella eine modifizierte Version von GIMP, GIMPShop, vor. Die Anpassungen von Moschella beruhten auf einer von Aaron Voisine veröffentlichten Anpassung von Gimp auf MacOS X. Der Autor veränderte die Struktur der Menüs, Boxen und Fenster so, dass sie der von Photoshop glich. Ferner veränderte Moschella die Benennung der Menüs. Die aktuelle Version von Gimpshop trägt die Nummer 2.2.8.

Seashore für Mac OS X

Während die Portierungen von GIMP die GTK+-Bibliothek nutzen, will Seashore eine GIMP-basierende Cocoa-Applikation erstellen. Wie das Original, steht auch Seashore unter der GNU General Public License. Die Applikation nutzt das XCF-Format zum Speichern und Laden von Bildern und kann auch weitere Formate handhaben.

Der Funktionsumfang von Seashore ist gegenüber GIMP eingeschränkt. Seashore implementiert nur einen Bruchteil der Funktionen, die Gimp.app für Mac OS X anbietet. Ziel der Entwicklung ist es allerdings nicht alle Funktionen von GIMP zu vereinen, sondern eine leicht zu bedienende native MAC OS X-Applikation für Retusche und Bildkomposition zu erstellen.

CinePaint

CinePaint (ehemals Film Gimp) ist eine professionelle Grafikbearbeitungs-Software für Filme. Wie auch GIMP steht auch CinePaint unter der GNU General Public License. Gegenüber GIMP ermöglicht CinePaint die Bearbeitung ganzer Bilderserien in einem Vorgang. Ferner unterstützt die Applikation Farbtiefen von 8/16 und 32 Bit (HDR) pro Farbkanal. Durch das integrierte Color Management können CMYK- und CIE*Lab-Bilder angezeigt und korrigiert werden. Mit Version 0.20 ist es möglich, HDR-Bilder aus normalen Belichtungsreihen berechnen zu lassen. Es wird regelmäßig für Kinofilme verwendet, unter anderem die Harry Potter-Reihe.

GIMP Portable

GIMP Portable stellt eine veränderte Variante von GIMP für Windows dar, die direkt von einem mobilen Medium wie einem USB-Stick oder einer Speicherkarte gestartet werden kann. Neben einer Windows-Version gibt es auch eine Portable Gimp.app für Mac OS X.

Geplante Funktionen

Für zukünftige Versionen von GIMP sind u. a. folgende Ergänzungen geplant:

Automatisierte Bildbearbeitung durch Skripte

Nahezu alle Vorgänge in GIMP können durch sogenannte GIMP-Skripte automatisiert werden. Diese Art von Programmen kann durch den eingebauten Scheme-Interpreter (SIOD, SchemeInOneDefun) sowie über eine externe Anbindung von Perl, Python oder Tcl verarbeitet werden. Die Unterstützung von in Ruby geschrieben GIMP-Skripten befindet sich noch in einem experimentellen Stadium. Die Erstellung der Makros kann daher mit den oben genannten Programmiersprachen erfolgen, entsprechende Schnittstellen/Bindings sind vorhanden. Auf diese Weise erstellte Skripte und Plugins für GIMP können interaktiv sowie im Batch-Modus ausgeführt werden, d. h. ohne Interaktion eines Benutzers. Wiederkehrende (auch komplexe) Bildbearbeitungsvorgänge können so automatisiert werden. Grafiken für eine Webseite können beispielsweise direkt über CGI-Skripte erzeugt werden, man kann bei einer großen Anzahl an Bilddateien eine Farbkorrektur vornehmen und das Bildformat ändern, die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Hinweise zur Verwendung solcher Skripte finden sich im GIMP-Wikibook.

Unterschiede zu Adobe Photoshop

GIMP ist das meisteingesetzte freie, aber Photoshop dagegen das meisteingesetzte kommerzielle Grafikprogramm. Daher lohnt sich ein Vergleich zwischen den beiden Konkurrenten in der Lizenz:

Nachteile gegenüber Photoshop

  • GIMP unterstützt zwar Ebenen und Masken, jedoch keine Einstellungsebenen, Füllebenen oder Ebenensätze.
  • Ebenenstile für z. B. dynamische Schlagschatten werden nicht unterstützt.
  • In GIMP existieren viele Funktionen nur destruktiv, die Adobe Photoshop auch nicht-destruktiv unterstützt.
  • GIMP verfügt nur über eine experimentelle CMYK-Unterstützung, welche der von Adobe Photoshop unterlegen ist.
  • GIMP hat mit LCMS nur ein limitiertes Farbverwaltungssystem und stellt keine farbverbindlichen Vollton- oder Schmuckfarben dar.
  • Während GIMP nur eine Farbtiefe von maximal 8 bit pro Kanal unterstützt, kann Adobe Photoshop Bilder mit 16 bit pro Kanal verlustfrei importieren und bearbeiten.
  • Gerade bei größeren Bildern kommen GIMPs Performanceprobleme sehr stark zum Tragen
  • Die Standard-Version von GIMP kann keine HDR-Bilder erstellen

Vorteile gegenüber Photoshop

  • GIMP ist freie Software im Sinne der GPL. Der Quellcode kann dazu verwendet werden, die oben genannten Nachteile auszubessern. (Doch Photoshop besitzt ebenfalls die Möglichkeit, erweitert zu werden.)
  • GIMP ist kostenlos, Photoshop dagegen relativ teuer.

Unterstützte Dateiformate

GIMP kann folgende Dateiformate öffnen und speichern: [9]

Folgende Formate können von GIMP importiert, jedoch nicht exportiert werden:

  • Adobe PDF-Dateien (.pdf)
  • RAW-Dateien verschiedener Hersteller

Zudem kann GIMP die Resultate in folgenden Formaten exportieren, diese jedoch nicht öffnen:

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Wikibooks
Wikibooks: GIMP – Lern- und Lehrmaterialien
Commons
Commons: GIMP – Bilder, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. The GIMP v0.54 – General Image Manipulation Program im Usenet, 12.02.1996
  2. ANNOUNCE: The GIMP, 21.11.1995
  3. GIMP 1.2 erschienenPro-Linux.de, 25.12.2000
  4. GIMP in neuer Generation erschienenPro-Linux.de, 24.03.2004
  5. Gimp 2.2 freigegebenPro-Linux.de, 20.12.2004
  6. Tor "tml" Lillqvist. Gefunden am November 20 2005.
  7. GIMP-Windows-Installer.
  8. Raphaël Quinet: Add support for 16 bits per channel im gnome-Bugzilla, 13.03.2002
  9. Unterstützte Formate – gimphelp.org
Quelle:
Artikel GIMP aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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