Ganga (Sanskrit, f., गङ्गा, gaṅgā), der indische Name für den Fluss Ganges, ist auch der Name einer Göttin des Hinduismus.
Ganga gilt Hindus nicht nur als heilig sondern ist die lebendige Wasserform der Göttin, der Fluss selbst ist ihre Personifizierung. Mehr als alles Andere verkörpert er Reinheit, und dementsprechend dient Gangeswasser in allen Riten zur materiellen und spirituellen Reinigung. Für jede Puja, den hinduistischen Gottesdienst, ist es als "Weihwasser" unerlässlich. Gläubige Hindus haben oft einen kleinen Vorrat im Hause, selbst wenn sie vom Fluss weit entfernt leben. Millionen von Pilgern besuchen das ganze Jahr hindurch unzählige große und kleine Wallfahrtsorte entlang den Ufern; mindestens einmal im Leben möchte jeder rituell in die heiligen Fluten tauchen. Für die eigene Familie und die Nachbarn nimmt man das kostbare Nass dann in Flaschen mit nach Hause. Viele versprechen sich davon sogar Heilung, wenn sie es als "Medikament" nehmen, und manche Homöopathen brauchen es als Basis für ihre Medizin.
Trotz der extremen Verschmutzung des Flusses ist die Bedeutung als heiliger Fluss ungebrochen; viele Hindus vertrauen weiter Gangas unendlicher Reinigungskraft. Auch wenn hinsichtlich der Verschmutzung Skepsis angebracht ist - immer wieder werden sowohl chemische als auch biologischer Phänomene zitiert, die den Strom als etwas Besonderes ausweisen sollen: So soll er im Vergleich zu anderen Gewässern über eine dreifache Selbstreinigungskraft verfügen.
Die Verehrung gilt dem Wasser selbst, aber auch anthropomorphe Darstellungen sind bekannt: Dort ist die Göttin Ganga eine junge Frau deren Begleittier ein krokodilähnliches Seetier (Makara) ist.
Der Weise Kapila hatte die Söhne des Königs Sagara wegen ihrer schlechten Verhaltensweisen durch einen Glutstrahl aus seinen Augen zu Asche verbrannt. Einem Verwandten des Königs hatte Kapila anvertraut, das erlösende Totenritual für die Söhne könne nur mit Hilfe der als Milchstraße am Himmel fließenden Ganga vollzogen werden. Jedoch wurde erst drei Generationen später mit Baghiratha jemand geboren, der imstande sein sollte, Ganga vom Himmel zu holen. Er brachte Ganga an die Stelle, wo seine toten Vorfahren lagen, ihr heiliges Wasser erlöste sie.
Baghiratha gelang es nach vielen Jahren der Askese so viel innere Kraft und Verdienste anzusammeln, dass die Göttin vor ihm erschien. Sie warnte jedoch davor, sie auf die Erde zu holen: ihre herabstürzenden Wassermassen würden die Erde zerschmettern. Allein Shiva sei in der Lage, die Wasser sanft aufzufangen. Tausend Jahre trieb Bagirath am heiligen Berg Kailash Askese, bis Shiva seine Hilfe zusagte. Als die Wassermassen herabstürzten, bremste der Gott den Aufprall mit seinen Haaren und ließ den Schwall über seine langen Flechten in sieben Strömen auf die Erde laufen. Indien besitzt seitdem sieben heilige Flüsse. Die Ganga ist der heiligste dieser Flüsse und fließt im Golf von Bengalen in den Indischen Ozean. Da Bhagiratha sie nach der Legende einst zur Erde brachte, heißt Ganga auch Bhagirathi. Als Erinnerung daran gibt es jedes Jahr ein großes Pilgerfest, die Sagar-Mela.
Noch heute spielt Ganga an vielen Stellen für Hindu-Pilger eine zentrale Rolle.
Die Bedeutung der Ganga für Hindus ist im folgenden Gebet aus dem Epos Ramayana ersichtlich: