Gebrauchswert

Der Begriff Gebrauchswert bezeichnet in der klassischen Ökonomie (vgl. Adam Smith, David Ricardo), insbesondere dann in der Theorie von Karl Marx, den Nutzen oder die "Nützlichkeit", die eine Ware für ihren Besitzer hat. Das Gegenstück ist der Wert einer Ware, der sich in ihrem Tauschwert (wieviel von einer anderen Ware kann damit eingetauscht werden) ausdrückt. Der Wert (im Unterschied zum Gebrauchswert) einer Ware muss dabei gesondert erklärt werden, klassisch durch die Arbeitswerttheorie.

Inhaltsverzeichnis

Beispiele

Der Gebrauchswert eines Stuhles beispielsweise besteht darin, dass man auf ihm sitzen, der Gebrauchswert eines Tisches darin, dass man auf ihm Dinge abstellen kann und schließlich besteht der Gebrauchswert eines Panzers in seinem militärischen Nutzen.

Weitere Bestimmungen

Grundsätzlich können nicht nur Waren, sondern viele andere Dinge auch einen Gebrauchswert haben, wie z. B. Luft. Auch Arbeitsprodukte, die in einer Familie hergestellt werden, wie zum Beispiel Mittagessen, haben einen Gebrauchswert, aber keinen Tauschwert. Sie werden nicht auf Märkten gehandelt, sind daher keine Waren. Aus ökonomischer Sicht sind die Gebrauchswerte von Waren von besonderem Interesse und die Beziehung des Gebrauchswerts einer Ware zum Wert/Tauschwert einer Ware.

Der Gebrauchswert einer Ware ist, siehe Beispiele, eng an die konkreten physischen Eigenschaften des jeweiligen Gebrauchsgegenstandes gebunden und hängt stark von den subjektiven Bedürfnissen der Menschen ab. Da Menschen immer Bedürfnisse haben, gibt es auch immer Gebrauchswerte, die diese Bedürfnisse befriedigen sollen. Die Gebrauchswerte selbst können aber geschichtlichem Wandel unterliegen. Im Gegensatz zum Tauschwert setzen Gebrauchswerte aber keine Märkte voraus.

In Marktwirtschaften gilt, dass für den Käufer einer Ware sich der Gebrauchswert aus deren Verfügbarkeit und Nützlichkeit ergibt. Für den Verkäufer einer Ware A steht deren Tauschwert im Mittelpunkt, also in wieviele andere Waren B, C oder D, die einen Gebrauchswert für den Verkäufer der Ware A haben, kann die Ware A eingetauscht werden. Genau umgekehrt für die Verkäufer der Waren B, C oder D, die sich für die Tauschwerte ihrer jeweiligen Waren interessieren, aber für den Gebrauchswert der Ware A.

Der Wert/Tauschwert einer Ware hängt quantitativ nicht vom Gebrauchswert ab, dies wird auch als Wertparadoxon bezeichnet. Damit soll ausgedrückt werden, dass beispielsweise Brot einen hohen Gebrauchswert hat aber (oft) einen niedrigen (Tausch-)Wert, während man über den Gebrauchswert von Diamantencolliers streiten kann, ihr Tauschwert ist aber sehr groß.

Nur Waren, die einen Gebrauchswert haben, können auch einen Tauschwert haben. Der Gebrauchswert ist Voraussetzung für den Tauschwert. In diesem Sinne sind die Gebrauchswerte Träger der Tauschwerte. Ist der Tauschwert einer Ware für potentielle Käufer aus welchen Gründen auch immer zu hoch, dann können diese den Gebrauchswert nicht für sich in Anspruch nehmen.

Abgrenzung zur Nutzentheorie

In der heutigen Ökonomie wird weniger vom Gebrauchswert als vielmehr vom Nutzen der Waren gesprochen, Grundlage hierfür ist die Nutzentheorie. Dem Nutzen steht dann der Preis der Waren gegenüber, der etwa über die Produktionskosten erklärt werden kann. Das Zusammenwirken von nachfrageseitigen subjektiven Faktoren wie Nutzen und angebotsseitigen Faktoren wie Kosten (das ist sozusagen die "Wert"-Seite) wird in der Mikroökonomie erklärt.

Die Nutzentheorie geht dabei davon aus, dass alle Waren einen Nutzen haben (der sich von Individuum zu Individuum unterscheiden kann), der als eindimensionale Größe gedacht wird, die ordinal, vielleicht sogar kardinal messbar ist. Bezüglich ihres Nutzens unterscheiden sich die Waren also nicht qualitativ.

Im Gegensatz dazu behauptet Marx, der sich dabei auf Aristoteles beruft [1], die qualitative Verschiedenheit der Gebrauchswerte. Infolgedessen versucht Marx die Tatsache, dass alle Waren einen Preis haben, dass ihnen also etwas "Gleiches" zugrunde liegen muss, nicht über die Gebrauchswertseite, sondern in seiner Arbeitswerttheorie vom Wert her zu erklären.

"Zwieschlächtigkeit" der Waren

Die Tatsache, dass Waren sowohl einen Gebrauchs- als auch einen Tauschwert (Wert) haben, wird auch als Doppelcharakter der Waren bezeichnet. Marx selbst spricht von der Ware als "ein Zweischlächtiges, Gebrauchswert und Tauschwert". [2]

Es gibt auch einige Verschränkungen zwischen Gebrauchswert und Tauschwert. Der Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft, die von den Lohnarbeitern an die Kapitalisten verkauft wird, besteht für den Kapitalisten darin, dass Arbeitskraft im Produktionsprozess Waren schafft, die einen bestimmten Wert - einschließlich eines Mehrwerts - haben. Dieser Wert muss realisiert werden, indem die Waren gegen Geld eingetauscht werden - "Tauschwert". Der Gebrauchswert von Geld schließlich besteht darin, allgemein anerkannter Tauschwert zu sein.

Quellen

  1. Das Kapital Band I, "Die Äquivalentform"
  2. Das Kapital Band I, MEW 23, S. 56

Weblinks

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