Genrich Grigorjewitsch Jagoda (russ. Ге́нрих Григо́рьевич Яго́да, wiss. Transliteration Genrikh Grigor'evič Jagoda; * 1891 in Rybinsk; † um den 15. März 1938) war der Chef der sowjetischen Geheimpolizei NKWD von 1934 bis 1936, die unter seiner Leitung aus der Zusammenlegung der Geheimpolizei OGPU mit dem bisherigen Volkskommissariat des Inneren NKWD gebildet wurde.
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Genrich Grigorjewitsch Jagoda war der Sohn eines jüdischen Druckers aus Polen, der erst vor kurzem nach Russland gezogen war und auch gefälschte Dokumente für russische Revolutionäre herstellte. Jagoda begann vor der Oktoberrevolution in Nischni Nowgorod eine Lehre als Apotheker und war dort Mitglied einer anarchistischen Gruppe. Als er für diese Sprengstoff besorgen wollte, wurde er verhaftet und für zwei Jahre nach Sibirien verbannt, jedoch bereits 1913 amnestiert. Danach ging er nach St. Petersburg und arbeitete dort als Versicherungsangestellter in den Putilow-Werken. 1915 wurde er in die russische Armee eingezogen und nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil, wobei er sich eine Verwundung zuzog.
1917 kehrte er nach der Februarrevolution nach St. Petersburg zurück, trat den Bolschewiki bei (später wurde sein Beitrittsdatum auf 1907 zurückdatiert) und beteiligte sich an der Oktoberrevolution. Der einflussreiche Revolutionär Swerdlow wurde zu seinem Förderer und empfahl ihn für die Arbeit in der Tscheka und der Obersten Militärinspektion, wo er erste Kontakte zu Lenin und Stalin schloss. Jagoda wurde unter Felix Dserschinski Mitglied dieser Geheimpolizei. Er stieg schnell in der Hierarchie auf und war 1923 bereits nach Wjatscheslaw Menschinski zweiter stellvertretender Vorsitzender der mittlerweile in OGPU umbenannten Organisation. Nach dem Tod Dserschinskis im Juli 1926 wurde er stellvertretender OGPU-Vorsitzender.
Als Menschinski Ende der 1920er Jahre schwer erkrankte, war Jagoda de facto Leiter der OGPU. Jagoda, der sich für Literatur interessierte, half Stalin, den Schriftsteller Maxim Gorki aus dem italienischen Exil zurückzuholen. Dies wiederum ermöglichte ihm und der OGPU, die verbliebenden Schriftsteller in der Sowjetunion besser zu kontrollieren, welche nun ganz auf Linie mit der Parteiführung waren.
Jagoda förderte in immensem Maße den Aufbau des sowjetischen Straflagersystems GULAG, welches für alle mögliche Bauvorhaben herangezogen wurde. Von 1930 bis 1932 war er für die Leitung des Baues des Weißmeer-Ostsee-Kanals verantwortlich und von 1933 bis 1934 in derselben Position am Bau des Moskau-Wolga-Kanals beteiligt. Hierbei starben aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen insgesamt mehrere Tausend Häftlinge. Für seine Leistungen beim Bau des Weißmeer-Ostsee-Kanals erhielt er den Leninorden. Er gehörte zusammen mit Maxim Gorki zu den Koautoren eines Buches über den Kanalbau, in dem die Arbeiten erheblich beschönigt dargestellt wurden.
Er war auch an der Zwangskollektivierung und der als Entkulakisierung bezeichneten Vernichtung der wohlhabenderen Landbevölkerung als Klasse ab 1929 beteiligt und saß nach dem 22. Oktober 1932 in einer „Kommission zur Beschleunigung des Steuereinzugs“. 1931 verlor er einen Machtkampf gegen andere OGPU-Vorsitzende und wurde zum zweiten Stellvertreter Menschinskis degradiert.
Im Juli 1934 wurde Jagoda zwei Monate nach dem Tod Menschinskis zum Chef der OGPU, die er bald darauf dem NKWD angliederte. Nach der Ermordung Sergej Kirows, eines engen Vertrauten Stalins, im Dezember 1934 war er in der Anfangsphase der stalinistischen Säuberungen für die Untersuchung des Mordfalls Kirow und die Verhaftung und Anklage von Lew Kamenew und Grigori Sinowjew als Exponenten der „Verschwörung der linken Opposition“ verantwortlich. Möglicherweise könnte Jagoda selbst in den Mord an Kirow im Auftrag Stalins verwickelt gewesen sein, dies ist in der aktuellen historischen Forschung jedoch umstritten.
Er war für die Durchführung des ersten der Moskauer Schauprozesse verantwortlich, der vom 19. bis 24. August 1936 dauerte und der mit der Hinrichtung Kamenews und Sinowjews endete. Die Durchführung des Prozesses war jedoch so stümperhaft und die in der Öffentlichkeit verbreiteten Beschuldigungen so leicht als gefälscht erkennbar, das dies das Missfallen Stalins an dem in der Tat recht unintelligenten Jagoda erregte. Nach der Ermordung Kirows nahm der Druck auf Jagoda zu, Verschwörungen innerhalb von Partei und Gesellschaft aufzudecken. Dieser teilte offenbar nicht vollständig die wahnwitzigen Vermutungen, dass große Teile der Partei von Oppositionellen und Antikommunisten durchsetzt seien.
Jagoda wurde am 6. September 1936 durch Nikolai Jeschow ersetzt, der ihm schon während des Prozesses als Assistent zur Seite gestellt worden war und während dieser Zeit belastendes Material gegen ihn gesammelt hatte. Im März 1937 wurde Jagoda verhaftet, anschließend auch NKWD-Mitarbeiter, die ihm nahegestanden hatten. Nachdem er monatelang unter Anleitung seines Nachfolgers Jeschow brutal gefoltert wurde, gehörte er zu den Hauptangeklagten des dritten Moskauer Schauprozesses vom 2. bis 13. März 1938. Er unterschied sich von seinen Mitangeklagten dahingehend, dass er von diesen abgesondert gefangengehalten wurde. Zusätzlich beschuldigte man ihn, seinen Vorgänger Menschinski sowie Maxim Gorki vergiftet zu haben. Auch die Vollstreckung des gegen ihn verhängten Todesurteils erfolgte getrennt von den anderen Angeklagten, weshalb weder der 15. März sicher als sein Todesdatum gelten kann, noch der Ort bekannt ist, an dem er beerdigt wurde.