Germania Inferior („Niedergermanien“) war eine römische Provinz, westlich des Rheins gelegen. Sie umfasste Teile der heutigen Niederlande, des nordwestlichen Deutschlands und ganz Belgien und wurde im Jahr 89 n. Chr. eingerichtet; vorher (seit Augustus) gab es einen entsprechenden Heeresbezirk, der verwaltungstechnisch ursprünglich zu Gallien gehörte. Die Hauptstadt der Provinz war Colonia Claudia Ara Agrippinensium (das heutige Köln).
Das römische Heer in der Provinz nannte sich Exercitus Germaniae Inferioris (etwa „Streitkräfte Niedergermaniens“ und auf Inschriften abgekürzt zu EXGERINF) und bestand aus mehreren (bis zu vier) Legionen und Auxiliartruppen.
Germania Inferior war die nördliche Nachbarprovinz von Obergermanien.
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Zu ersten Begegnungen zwischen römischen Truppen und gallischen beziehungsweise germanischen Stämmen im Gebiet der späteren Provinz kam es um 50 v. Chr. während des Gallienfeldzuges von Gaius Iulius Caesar.
Eine dauernde römische Militärpräsenz begann mit den Feldzügen des Drusus ab 12 v. Chr. Nachdem die Feldzüge im rechtsrheinischen Germanien, zuletzt unter Führung des Germanicus, eingestellt wurden, blieben vier Legionen in festen Lagern stationiert.
Im Jahr 69 wurde Germania Inferior vom Aufstand der Bataver erschüttert. Dabei wurde unter anderem das Legionslager Castra Vetera in der Nähe des heutigen Xantens vernichtet. Auch in der Folgezeit kam es zu Überfällen germanischer Stämme auf römische Militärlager und zivile Siedlungen in Germania inferior. So wurde die damals zweitwichtigste Stadt der Provinz, die Siedlung Colonia Ulpia Traiana (ebenfalls nahe dem heutigen Xanten), im Jahr 275 durch Germanen zu weiten Teilen zerstört, so wie auch das Kastell Castra Vetera II, das als Ersatz für das zerstörte Castra Vetera I errichtet worden war, vernichtet wurde. Um 400 brach die Provinz unter dem Ansturm germanischer Stämme im Zuge der Völkerwanderung zusammen.