Geschichte der Eisenbahn in Österreich

Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Eisenbahn in Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Die erste Dampflinie Österreichs auf der Strecke Wien-Wagram
Die erste Dampflinie Österreichs auf der Strecke Wien-Wagram

Das Kaiserreich Österreich, ein Vielvölkerstaat, umfasste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein zusammenhängendes Staatsgebiet, das sich von der Bukowina und Ostgalizien über Krakau, Wien und Prag bis zum Bodensee nach Westen erstreckte, in der Nord-Süd-Ausdehnung vom Erzgebirge im Norden Böhmens bis zum Gardasee in Südtirol und zur Adriaküste bei Triest.

Das in Personalunion mit Österreich verbundene Königreich Ungarn bleibt hierbei unberücksichtigt.

Bahnbau in Österreich-Ungarn musste zwei topografische Probleme lösen:

  • Die hohen Gebirgszüge der Alpen mussten überwunden werden und
  • große Massentransporte auf weite Entfernungen waren sicherzustellen.

Die Probleme mussten sowohl hinsichtlich der Streckentrassierung als auch der Lokomotiven angegangen werden.

Die Trassierung von Gebirgsbahnen erforderte neue Bauweisen, um die bis dahin ungewohnten Steigungen und Krümmungen zu bewältigen. Eine Pionierleistung war der Bau der Semmeringbahn. Diese ist heute als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt.

Hinsichtlich der Lokomotiven musste eine „Gebirgsmaschine“ entwickelt werden, zu deren Anforderungen insbesondere eine hohe Gängigkeit auch in engen Kurven – sei es durch Gelenkstellung, sei es durch verschiebbare Achsen – und ein Maximum an Zugkraft gehörte. Hierzu mussten die Verhältnisse von Zylinder, Raddurchmesser und Gewicht optimiert werden. Dies war sowohl in Variationen für den Güterzugverkehr als auch für Schnellzugverkehr zu entwickeln.

Hier erzielte Österreich auf dem europäischen Kontinent bahnbrechende Erfolge.

Die relativ geringe Bevölkerungsdichte, das Vorwiegen des Ackerbaues und die weiten Entfernungen im Reich bewirkten einen außerhalb der Gebirge technisch eher unaufwendigen Bahnbau und damit auch relativ geringe Reisegeschwindigkeiten und Zugdichten.

Entwicklung bis 1885

Der Bahnbau wurde sowohl vom Staat als auch von privaten Gesellschaften betrieben. Im Jahr 1854 gehörten 924 km von insgesamt 1.355 km, also 68 % der Eisenbahnstrecken dem Staat. Im folgenden Jahrzehnt machte die hohe Staatsverschuldung – nicht zuletzt infolge des verlorenen Krieges gegen Preußen – den Verkauf von „ärarischem“ Eigentum erforderlich, dazu gehörten auch fast alle Eisenbahnstrecken. Ende des Jahres 1866 gab es in Österreich nur noch 18 km Staatsbahnstrecken.

Erst ab 1874 erlaubten es die Staatsfinanzen wieder, Eisenbahnen zu bauen, zu betreiben und auch zurückzukaufen. In rund zwanzig Jahren wuchs das Netz der staatlichen Eisenbahnstrecken auf rund 7.000 km Länge. Nach der Jahrhundertwende gehörten nur noch wenige der Haupteisenbahnen privaten Gesellschaften.

Bis zum Ersten Weltkrieg

1884/1885 wurden die staatlichen Bahnen der österreichischen Reichshälfte der Doppelmonarchie nach und nach zu den k.k. Staatsbahnen zusammengefasst. Die Gesamtlänge des österreich-ungarischen Eisenbahnnetzes betrug am 1. Januar 1885 erst 21.786 km. Der Stillstand in der Entwickelung des Bahnnetzes war für den Staat seit 1880 Anlass, die Initiative zu ergreifen, Bahnen anzukaufen, auszubauen und bis dahin zum Teil noch unzusammenhängende einzelne Netzteile zu verbinden.

Zwischenkriegszeit

Ursprünglich herrschte auf den zweigleisigen Eisenbahnen in Österreich Linksverkehr. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich begann die Reichsbahn mit der Umstellung auf den Rechtsverkehr (etwa auf der Strecke über den Brennerpass). Dieses Ziel wurde aber bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und der erneuten Unabhängigkeit Österreichs nur teilweise erreicht, so dass es heute in Österreich sowohl Strecken mit Links- als auch mit Rechtsverkehr gibt.

Literatur

  • Richard Heinersdorff: Die K. und K. privilegierten Eisenbahnen 1828–1918 der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Wien, München, 1975
  • Ulrich Schefold: 150 Jahre Eisenbahn in Österreich. 1986, Südwest-Verlag München, Best-Nr.: 051995
  • Matthias Wiener: ÖBB im Wandel. 2006, Eisenbahn Journal, Sonderausgabe 1/2006, 3-89610-154-4

Siehe auch

Weitere Artikel über nationale Entwicklungen im Eisenbahnwesen:

Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text („public domain“) aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn Du den Artikel so weit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt und dies mit Quellen belegt ist, wenn der Artikel heutigen sprachlichen Anforderungen genügt und wenn er keine Wertungen enthält, die den Wikipedia-Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen.
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