Geschichte der O (franz.: Histoire d'O) ist ein 1954 erschienener erotischer Roman von Dominique Aury, die ihn unter dem Pseudonym Pauline Réage veröffentlichte. Wegen seiner detaillierten Darstellung weiblicher Unterwerfung galt das Werk lange als ein Skandalbuch. Es übte auf die Entwicklung der erotischen Literatur großen Einfluss aus[1] und ist einer der bekanntesten sadomasochistischen Romane der Welt.
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Es handelt sich um eine Unterwerfungsfantasie einer Pariser Mode-Fotografin, die sich widerstandslos von ihrem Geliebten an einen Ort bringen lässt, an dem sie gefesselt, ausgepeitscht, maskiert und gelehrt wird, jederzeit und für jeden sexuell verfügbar zu sein. Ihr Leben als Modefotografin wird jedoch von ihrem „zweiten Leben“ als sexuelles Objekt nur teilweise berührt und verändert.
Der Roman stellt die Frage nach dem Verhältnis von Liebe und Unterwerfung beziehungsweise der freiwilligen „Aufgabe des eigenen Willens“. Der Name der Heldin ist verkürzt auf den einen Buchstaben O. Es gab viele Spekulationen, was der Buchstabe bedeuten könne. Es hieß, er sei eine Abkürzung für objet (Frz.: Objekt) oder orifice (Frz.: Öffnung) oder für Odile, den Vornamen einer guten Freundin der Autorin.
Alle Vorgänge werden ohne Erzählerkommentare aus der Perspektive der Heldin geschildert, deren Innenleben so auf subtile Weise geschildert wird, ohne dass ihr Verhalten moralisch bewertet oder auch nur anhand konventioneller Maßstäbe erklärt würde. Berühmt ist eine Vergewaltigungs- und Folterszene, in der sie beim Anblick der abgenutzten Pantoffeln ihres Geliebten daran denkt, ihm bei nächster Gelegenheit neue zu beschaffen. In Sprache und Stilistik steht das Werk in der Tradition der klassischen französischen Literatur; das Buch kommt trotz der Thematik völlig ohne obszöne Wörter aus.
Susan Sontag nannte die Geschichte der O in ihrem Essay The Pornographic Imagination als ein Beispiel für die Legitimität anspruchsvoller Pornografie als eigenständiges literarisches Genre. Andrea Dworkin vertrat im Rahmen ihrer Kampagne gegen Pornografie im Allgemeinen und sadomasochistischer Literatur im Besonderen die These die Figur der O sei durch einen männlichen Autor nur dazu geschaffen worden, die Unterwerfung der Frau zu propagieren. Frederick Wyatt vertritt die These, dass die offenkundige Unverwüstlichkeit der O, ebenso wie ihre Unverletzlichkeit gegenüber allen Unbilden den Genuss der sadomasochistischen Literatur erleichtern und sieht hier eine Nähe zur Funktion der Katharsis in der klassischen griechischen Tragödie.[2]
Der biografische Anlass für die Entstehung des Romans war die Liebe Dominique Aurys zu dem zwanzig Jahre älteren Schriftsteller und Literaturkenner Jean Paulhan. Nachdem sie die Wertschätzung ihres verheirateten Partners für die ihr zu diesem Zeitpunkt unbekannten Werke des Marquis de Sade erkannte, entschloss sich Aury ein eigenes Buch zu schreiben und ihm jedes einzelne Kapitel nach dessen Vollendung zukommen zu lassen. [3] An seine Bemerkung anknüpfend, Frauen könnten keine entsprechende erotische Literatur schreiben, verfasste sie das Werk innerhalb von drei Monaten, um ihn an sich zu binden, was ihr auch gelang.
Der Roman erschien 1954 in einer Auflage von 600 Exemplaren mit einem Vorwort von Paulhan im Verlag von Jean-Jacques Pauvert, nachdem es zuvor von zwei anderen Verlagen (Gallimard und Les Deux Rives) aus Furcht vor einem öffentlichen Eklat abgelehnt worden war. Gallimard hatte bereits die gesammelten Werke de Sades verlegt und war aus diesem Grund mehrfach angeklagt worden.
Im Februar 1955 gewann das Buch den französischen Literaturpreis Prix des Deux Magots. Dies hielt die französischen Behörden jedoch nicht davon ab, gegen den Verleger des Werks wegen der Veröffentlichung obszönen Materials Klage einzureichen. Die Klage wurde von den zuständigen Gerichten zurückgewiesen, dennoch landete das Buch in Frankreich für mehrere Jahre auf dem Index. Der Verleger weigerte sich, den Behörden den tatsächlichen Namen der Autorin zu nennen. Aury deckte ihre jahrzehntelang nur gerüchteweise bekannte Autorenschaft erst 1994 öffentlich in einem Interview mit dem amerikanischen Magazin The New Yorker auf. Die Regiseurin Pola Rapaport schilderte 2004 in ihrer Dokumentation „The Writer of O“ die Geschichte des Geheimnisses durch eine Reihe von Interviews und Filmausschnitten.
Als eigenständige Ausgabe wurde der Roman auch in Deutschland indiziert, zuletzt im Jahr 2006. Eine seit Juli 2006 unter der Bezeichnung Bild-Erotik-Bibliothek veröffentlichte Literaturreihe der „Bild“ und der Verlagsgruppe Random House machte den Roman in einer gekürzten Edition einem breitem Publikum zugänglich. Das Werk wurde später in der Ausgabe der Bibliothek indiziert. Noch bevor die bereits 1967 und 1982 für andere Ausgaben ausgesprochene Indizierung wieder in Kraft trat, zog der Verlag das Buch vor der Entscheidung der Bundesprüfstelle zurück.
Ein Schweizer Sammler namens Nordmann erwarb 1994 das Manuskript für ca. US $100.000 (etwa 100.000€). Er vermachte seine Sammlung, die auch das Originalmanuskript der 120 Tage von Sodom beinhaltete, einer Stiftung die der Universität Genf angegliedert ist. Nach ihrer wissenschaftlichen Aufarbeitung soll die Sammlung der Forschung zur Verfügung stehen.
Seit 2000 ist das Werk in einer Edition des Charon-Verlags mit Begleittext frei erhältlich und wird in großen Auflagen verkauft.
Der französische Regisseur Henri-Georges Clouzot plante jahrelang eine filmische Umsetzung des Stoffs. Die Verfilmung Die Geschichte der O 1975 von Just Jaeckin mit Corinne Clery und Udo Kier gilt als ein Klassiker ihres Genres, auch wenn sie zunächst hinter dem Erfolg des Buches zurückblieb. Einige Handlungstränge und das Ende der literarischen Vorlage wurden sehr stark verändert.
In Großbritannien war sie durch das British Board of Film Censors bis zum Februar 2000 verboten.
Der vor allem durch seine beiden klassischen Pornofilme Deep Throat (1972) und The Devil in Miss Jones (1973) bekannte US-amerikanische Filmregisseur Gerard Damiano drehte 1975 The Story of Joanna, eine Variation des Geschichte der O-Themas. Der Film ist durch die Geschichte der O ausgesprochen stark beeinflusst. Um möglichen Lizenzforderungen aus dem Weg zu gehen, änderte Damiano den Titel und schuf eine Melange aus einem Einzelkapitel des Klassikers und Jean-Paul Sartres Geschlossener Gesellschaft.
Als Hommage an die Geschichte der O und deren anonyme Autorin produzierte der dänische Regisseur Lars von Trier 1979 einen Kurzfilm mit dem Namen Menthe – la bienheureuse.
Der Produzent des Films von 1975 Eric Rochat produzierte 1992 eine zehnteilige brasilianische Miniserie mit Claudia Cepeda in der Titelrolle.
Im Jahr 2002 führte Phil Leirness in einer modernen englischsprachigen Adaption des Stoffes Regie; er fungierte auch als Co-Autor des Drehbuchs.
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