Die Geschichte des Waldes in Mitteleuropa ist in neuerer Zeit durch eine Jahrtausende währende Nutzung des Waldes durch den Menschen gekennzeichnet. Zu unterscheiden ist hier jedoch zwischen einer botanischen Naturgeschichte des Waldes in vor- und zum Teil frühhistorischer Zeit - was vor allem in das Gebiet der Naturgeschichte und der Paläontologie fällt - und der spätestens mit der Kupfersteinzeit einsetzenden Periode der intensiven Besiedelung Mitteleuropas - und damit der Nutzung des Waldes durch den Menschen, womit sich die Geschichtswissenschaften, die Kulturwissenschaften und auch die Ökologie beschäftigen.
Weiter muss berücksichtigt werden, dass der Begriff Mitteleuropa stark politisch besetzt ist und sich nicht scharf geographisch fassen lässt.
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Abgesehen von einigen wenigen Resten naturnahen Walds ist der überwiegende Teil der heutigen mitteleuropäischen Wälder entweder durch künstlich angelegte Forste oder durch mehr oder minder starke menschliche Eingriffe in seiner jetzigen Zusammensetzung entstanden. Auch der naturnahe Eindruck, den der ein oder andere Wald in Deutschland heute machen mag, sollte nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass hier kein Urwald mehr besteht. Berücksichtigt werden muss dabei, dass der Begriff "Urwald" umstritten ist: Einerseits wird darunter ein nicht forstwirtschaftlich oder touristisch genutzter, sich selbst überlassener Wald verstanden; andererseits kann "Urwald" auch einen Zustand des Waldes bezeichnen, bevor dieser jeglicher menschlicher Aktivität ausgesetzt war. Im letzteren Sinne gibt es heute generell keinen Urwald mehr.
Der Mensch hatte und hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Bäume und den Waldbestand. Die Eiszeiten hatten Mitteleuropa weitgehend entwaldet. Mit der Rückwanderung der Bäume nach dem Ende der Eiszeiten setzte auch die intensive Besiedelung der Region durch den Menschen ein. Erste intensivere Waldnutzung ist in keltischer Zeit mit der Ausbreitung der Landwirtschaft und der Metallverhüttung zu verzeichnen. Dies nahm in der römisch-germanischen Periode vor allem in den dichter besiedelten südwestlichen Teilen weiter zu.
Der Ausbreitung des Waldes durch die Wüstungen der Völkerwanderungen folgt eine Rodungsperiode im frühen und hohen Mittelalter, einhergehend mit einer größtenteils unkontrollierten Holznutzung durch Rodungen im Rahmen der Landnahme sowie der Nutzung des Waldes als Reservoir für Bau- und Brennholz. Diese Periode hat die Landschaften großer Teile Mitteleuropas bis auf den heutigen Tag geprägt und die uns vertrauten Kulturlandschaften geschaffen.
Die Kälteperiode, die so genannte Kleine Eiszeit im Spätmittelalter, die mit katastrophalen Ernteausfällen und Seuchen einher ging, führte zur Entsiedlung großer Landstriche in denen sich in der Folge Sekundärwälder ausbreiteten. Die Zerstörungen während und nach dem 30-jährigen Krieg - in weiten Teilen Deutschlands wurden die Bevölkerungszahlen von 1600 erst gegen oder nach 1800 wieder erreicht - führten ebenfalls zu einer starken Verwaldung vormals landwirtschaftlich genutzter Landstriche.
Nachdem bereits früher einzelnen Fürsten, denen große Waldstücke gehörten, sich aus wirtschaftlichen Gründen darum bemüht hatten, eine geregelte Forstwirtschaft einzuführen, entstand dieselbe, auf teilweise wissenschaftlicher Grundlage des Heinrich Cotta, ab dem frühen 19. Jahrhundert. Dabei wurde versucht, besonders ertragreiche Baumarten in Baumschulen zu ziehen und auch nicht-europäische Gehölze wurden immer wieder angesiedelt.
Brockhaus-1911: Mitteleuropa · Geschichte
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