Gesellschaftslehre (GL) ist ein Unterrichtsfach in Nordrhein-Westfalen und Hessen, das an den Sekundarstufen I der Gesamtschulen unterrichtet wird und Inhalte der traditionellen Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde umfasst.
Der Anspruch des Faches ist der der Integration und zwar in doppelter Hinsicht. Zum einen werden die Wissensgebiete der traditionellen Fächer integriert und ergänzt um weitere Inhalte, die in den traditionellen Fachlehrplänen nicht enthalten waren, wie Sozialpsychologie, Rechtswissenschaft, Sozialmedizin und Wirtschaftswissenschaft. Zum anderen werden alle Schüler einer Klasse im Gesamtverband unterrichtet, d.h. es wird in diesem Fach nicht nach Leistung oder sozialer Herkunft separiert.
Insbesondere in Hessen löste die Struktur des Faches auf konservativer Seite starke Empörung aus, so dass es verschiedene Versuche gab, das Fach zu reformieren. (So gab es an hessischen Gesamtschulen zeitweise ähnliche Fächer mit dem Namen GK Gesellschaftskunde oder GM Gemeinschaftskunde).
In der Förderstufe (Klassen 5-6) wird das Fach so unterrichtet, dass ein epochal gegliederter Überblick über die Entwicklung der Welt gegeben wird. In dieser Phase heißt das Fach auch mancherorts Weltkunde.
In der Sekundarstufe I (Klassen 7-10) wird das Fach mit durchschnittlich 5 Stunden pro Woche vom Klassenlehrer unterrichtet, d.h. der GL-Lehrer ist immer auch für die Schülerlaufbahnberatung, die pädagogische Betreuung, sowie Information und Organisation des Klassengeschehens zuständig.
Ein typischer Fachlehrplan für GL (Beispiel von der Ernst-Reuter-Schule in Frankfurt am Main) sah in Hessen im Jahre 1971 folgendermaßen aus:
7. Schuljahr: Primäre Sozialbereiche
8. Schuljahr: Verhaltenssteuerung und Politik
9. Schuljahr: Politische Ökonomie
10. Schuljahr: Internationale Beziehungen und Systeme
Im Erdkundeunterricht wird über den Kohleabbau gesprochen.