Gesunder Menschenverstand

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Der gesunde Menschenverstand (österreichisch auch Hausverstand) bezeichnet eine allgemein akzeptierte Mehrheitsmeinung sowie die Art des Denkens, nach dem ein Individuum eine Meinung/Einstellung hat. Als Begründung gilt in der Regel vernünftiges Denken.

Aufgrund von unterschiedlichen Erfahrungen, Sichtweisen und moralischen Werten ist bei verschiedenen Menschen auch mit unterschiedlichem gesundem Menschenverstand zu rechnen. Einen absoluten gesunden Menschenverstand gibt es nicht. Auch kann der gesunde Menschenverstand sich irren. Er unterscheidet sich von Konsens. Der auch oft im deutschen verwendete Begriff common sense kann deshalb nicht in jedem Fall synonym zum gesunden Menschenverstand verwendet werden, da mit ihm zumeist nur ein vorherrschender gesellschaftlicher Konsens, ein Gemeinsinn, bezeichnet wird und keine der Entscheidungsfindung dienende Denkungsart. Dennoch ist der common sense eine wichtige Handlungsdirektive, eine Art intuitives und unreflektiertes Bewusstsein von gut und böse, richtig und falsch, vergleichbar mit einem religiösen Wahrheitsbild. Salopp gesagt, bezeichnet er die Dinge, in denen wir uns alle einig sind, ohne dass wir auf die Idee kämen, darüber nachzudenken. Ein solcher Konsens muss dabei nicht zwingend unvernünftig sein, er ist nur so hoch konventionalisiert, dass er nicht mehr auf seine Vernünftigkeit geprüft wird. Ähnlich hierzu wird bei Antonio Gramsci der Alltagsverstand erwähnt (der bezeichnenderweise auch häufig mit common sense ins Englische übersetzt wird). Leicht populistisch benennt er ihn auch die „Folklore Der Philosophie“. In dieser werden bestimmte Weltanschauungen „unkritisch“, „zufällig und unzusammenhängend“ zusammengesetzt, sie beinhalten „Elemente des Höhlenmenschen und Prinzipien der modernsten und fortgeschrittensten Wissenschaft, engstirnig regionale Vorurteile aller vergangenen historischen Phasen und Intuitionen einer zukünftigen Philosophie“. „Fundamentalster und charakteristischster Zug“ des Alltagsverstandes ist „inkonsequente Konzeption [...], analog der sozialen und kulturellen Position der Massen, deren Philosophie er ist.“ Man könnte also sagen, dass sich der Alltagsverstand aus zufälligen Versatzstücken des Gemeinsinns ergibt und diesen gleichzeitig prägt, in dem er auf ihn ebenso absichtslos zurückwirkt. Im Gegensatz zu all dem führt der gesunde Menschenverstand einen reflektierenden Denkprozess aus, der sich aber wiederum am Common Sense orientiert, außerdem beinhaltet der Menschenverstand die subjektiven und willkürlichen Weltanschauungen, die Gramsci beschreibt. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist der bewusste, wenn auch nie endgültige Einsatz der Vernunft.

Aufgrund der Definitions-Schwierigkeit wird der common sense mit Vorliebe als Gegenargument benutzt, wenn eine Person meint, dass etwas definitiv dem gesundem Menschenverstand widerspreche.

Als Bestandteil der öffentlichen Meinung ist der common sense nicht statisch, sondern wandelt sich. Beispiele für common sense in der Bundesrepublik Anfang des 21. Jahrhunderts:

  • „Alle sollten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben.“
  • „Gesetze gelten für alle.“
  • Frieden ist dem Krieg vorzuziehen.“


Eine andere Art der Entscheidungsfindung ist „aus dem Bauch heraus“ (siehe Intuition). Zum Unterschied zwischen Menschenverstand und Mehrheitmeinung siehe etwa auch Gesundes Volksempfinden.

Inhaltsverzeichnis

Thomas Paine

Common Sense war der Titel eines Pamphlets, das Thomas Paine am 10. Januar 1776, während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges veröffentlichte. Frei von jeglichen gefühlsmäßigen Bindungen an Großbritannien legte Paine dar, dass es Aufgabe Amerikas sei, die Unabhängigkeit zu erringen und ein neues, demokratisches Regierungssystem einzuführen, das sich auf die Prinzipien der Menschenrechte gründete. „Common Sense“ hatte einen beispiellosen Erfolg. Es bewirkte einen völligen Meinungsumschwung und revolutionierte die amerikanische Bevölkerung. „Common Sense“ beeinflusste entscheidend die von Jefferson verfasste, am 4. Juli 1776 unterzeichnete Unabhängigkeitserklärung. Paine war der erste der vorschlug, die neue Nation „Vereinigte Staaten von Amerika“ zu nennen.

Thomas Reid (17101796) gilt als Begründer der schottischen Common Sense-Philosophie, die im 19. Jahrhundert die Theologie des nordamerikanischen Protestantismus nachhaltig prägte. Quelle1

Zitat

„Der gesunde Menschenverstand ist die Summe der Vorurteile, die man bis zu seinem 18. Lebensjahr angesammelt hat.“

Albert Einstein

„Der Glaube an Vorurteile gilt in der Welt als gesunder Menschenverstand.“

Claude Adrien Helvétius

„Nur wer gesunden Menschenverstand hat, wird verrückt.“

Stanislaw Jerzy Lec

Common Sense - Ein interdisziplinärer Begriff

Er lässt sich in Politikwissenschaft, Philosophie, Wirtschaftswissenschaft, Psychologie, Informatik, Kommunikationswissenschaft, und Religion antreffen.

Politikwissenschaften / Philosophie / Religion

In manchen deutschen Texten der Politikwissenschaft ist Common Sense eher im Sinne von „Gemeinsinn“ als „Gesunder Menschenverstand“ zu verstehen.

Künstliche Intelligenz / Kommunikationswissenschaft / Informatik / Psychologie

Wirtschaftswissenschaft

Justiz und Verwaltung

In den englischsprachigen Ländern, vor allem in den USA, wirkt das Prinzip des common sense in der Gesellschaft und vor allem auch der Justiz, wo die Geschworenen meist Einwohner des Gerichtsstandortes sind. Das Verfahren ist heftig umstritten: Während die Gegner eines solchen Geschworenensystems kritisieren, dass das Gericht mit mangelndem juristischen Sachverstand entscheidet und nur der Befriedigung eines subjektiven und kollektiven Gerechtigkeitsgefühls dient, führen Befürworter des Geschworenensystems an, die Bürger könnten so direkt an Entscheidungen einer Staatsgewalt teilhaben, wo sonst nicht mehr nachvollziehbar Betriebsblindheit vorliege.

Auch die Vorschriften und Gesetze, die Behörden in vielen Ländern zu befolgen haben, sind von einer tiefen Skepsis gegenüber offiziellen Entscheidungen geprägt, die dem gesunden Menschenverstand widersprechen.

Beispiele, die dem gesunden Menschenverstand in der Justiz widersprechen, ergeben sich aus dem Justizspiegel mit fortgesetzten Kolumnen in der Zeitschrift für die Anwaltspraxis (ZAP) Münster von Dr. Egon Schneider, ISBN 3-927935-11-5

Siehe auch

Weblinks

Quelle:
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