Das Gesundheitssystem oder Gesundheitswesen eines Landes umfasst alle Personen, Organisationen, Einrichtungen, Regelungen und Prozesse, deren Aufgabe die Förderung und Erhaltung der Gesundheit bzw. die Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen ist. In Österreich wird hierfür auch der Begriff Sanitätswesen verwendet.
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Die fünf Hauptziele des Gesundheitswesens sind:
Ein zentrales politisches Steuerungsinstrument des Gesundheitswesens ist das Finanzierungssystem. Hiernach lassen sich die Gesundheitssysteme der OECD-Länder in drei Typen einteilen:
Mischformen dieser Typen sind häufig. In vielen Ländern hat der Anteil der öffentlichen Ausgaben an den gesamten Gesundheitsausgaben abgenommen.
Rangfolge nach Kosten des Gesundheitswesens, 2005, in % des BIP
Sämtliche Länder haben Kostendämpfungsmassnahmen. In allen oben genannten Ländern steigen die Kosten stärker als das jeweilige Bruttoinlandsprodukt. So stiegen nach den OECD Gesundheitsdaten 2006 die Gesundheitsausgaben in jedem Land außer Finnland zwischen 1990 und 2004 stärker als die Wirtschaftskraft. 1970 betrugen sie im Durchschnitt 5 %, stiegen 1990 auf 7 %, und stiegen zwischen 2003 und 2004 von 8,8 % auf 8,9 %. Die US-Gesundheitskosten stiegen in den letzten fünf Jahren um 87 Prozent und sind die teursten weltweit, nachdem sie von 4 % 1940 auf 7 % 1970 und 14 % 1993 stiegen. Es wird für das Jahr 2016 erwartet, dass sie auf 19,6 % steigen.
Rangfolge nach Kosten in kaufkraftbereinigten US-Dollar pro Kopf (2005)
Die Kommerzialisierung der Medizin und die Kostenentwicklung haben überall zu einer Dominanz der ökonomischen Perspektive geführt. Dagegen steht die Qualität von Gesundheitssystemen auch wegen der schwierigeren Beurteilung im Hintergrund. Beispielsweise deutet ein hoher Anteil an Kranken in der Bevölkerung nicht automatisch auf eine schlechte medizinische Versorgung hin. Ganz im Gegenteil: Ein Diabetiker würde in einem Land mit schlechter medizinischer Versorgung bald sterben und damit aus der Krankenstatistik verschwinden. In einem Land mit guter medizinischer Versorgung dagegen könnte er noch lange ein relativ normales Leben führen, wird in der Statistik aber als Kranker geführt.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte in ihrem Weltgesundheitsbericht 2000 (http://www.who.int/whr/2000/en/) eine Rangordnung der Gesundheitssysteme ihrer 191 Mitgliedsländer aufgestellt. Die Methodik dieses Rankings ist jedoch wissenschaftlich umstritten. Indikatoren waren das Gesundheitsniveau einer Bevölkerung, die Verteilung des Gesundheitsniveaus in einer Bevölkerung, das Eingehen auf die Erwartungen der Bevölkerung und der Patienten, die Patientensouveränität und -zufriedenheit, die Zugänglichkeit für alle und die Fairness der Finanzierung.
Danach ergab sich folgende Rangfolge:
Das Gesundheitssystem in Deutschland baut auf staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen und auf Personen auf. Im internationalen Vergleich verfügt Deutschland über eine überdurchschnittlich große Zahl an Ärzten, Fachärzten, Psychotherapeuten, Zahnärzten, Sozialpädagogen, Pflegepersonen und Krankenhausbetten. Dazu kommen Angehörige anderer Heilberufe, Apotheker und ihr Personal. Etwa jeder 10. Beschäftigte (4,2 der 39 Millionen Erwerbtstätigen) arbeitet in der gesamten Gesundheitswirtschaft.
Daneben sind am Gesundheitswesen beteiligt: der Staat (Bund, Länder, Landkreise und Gemeinden), die Krankenversicherungen, die Unfall-, Pflege- und Rentenversicherung, die Kassenärztlichen Vereinigungen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer und ihre Verbände, weitere im Gesundheitswesen tätige Interessenverbände und nicht zuletzt die Patienten, z. T. vertreten durch Patientenverbände und Selbsthilfeorganisationen.
Das Versorgungsangebot wird abgesehen von staatlichen Krankenhäusern weitgehend privat erbracht. Es dominieren freie Berufe wie Ärzte und Apotheker sowie private Großunternehmen (z. B. in der pharmazeutischen oder medizintechnischen Industrie). Krankenhäuser werden häufig in gemeinnütziger Trägerschaft geführt, jedoch zunehmend privatisiert. Der Staat beteiligt sich als Leistungserbringer nur nachrangig, in Form von Gesundheitsämtern, kommunalen Krankenhäusern oder Hochschulkliniken.
Im internationalen Vergleich einzigartig ist die weitgehende Trennung in ambulante und stationäre Versorgung.
Das Gesundheitssystem wird überwiegend durch Versicherungsbeiträge finanziert, die (mit einigen Ausnahmen) paritätisch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgebracht werden. Das Paritätsprinzip wird jedoch zunehmend ausgehöhlt (siehe hierzu: Gesundheitsreform). Knapp 90 % der Bevölkerung sind in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert. Die Beiträge orientieren sich an der Höhe des jeweiligen Einkommens. Familienmitglieder sind unter bestimmten Bedingungen beitragsfrei mitversichert. Der Leistungsanspruch ist unabhängig von der Höhe der gezahlten Beiträge, allerdings begrenzt auf Leistungen, die notwendig, ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind.
Etwa 9 % sind privat krankenversichert. Hier richten sich die Prämien nach dem vereinbarten Leistungsumfang, dem allgemeinen Gesundheitszustand, dem Geschlecht und dem Eintrittsalter. 2,3 % sind anderweitig versichert (z. B. Bundeswehrangehörige, Zivildienstleistende, Sozialhilfeempfänger). Nur ca. 0,1 bis 0,3 % sind ohne Krankenversicherungsschutz.
Nach den Versicherungsleistungen machen Eigenbeteiligungen oder Zuzahlungen von Patienten einen wachsenden Anteil an der Finanzierung des Gesundheitssystems aus. In einigen Bereichen werden Zuschüsse oder Kostenbeteiligungen durch den Staat oder durch gemeinnützige Organisationen erbracht.
Daneben hat sich ein erheblicher privater Gesundheitsmarkt für "IGeL" ("Individuelle Gesundheitsleistungen"), Fitness, Wellness, Anti-Aging, Schönheitsoperationen, Kosmetik, Medikamente, alternative Heilverfahren und esoterische Praktiken entwickelt.
siehe: Gesundheitsreform, Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen
Stationär:
Ambulant:
Direkt oder indirekt sind im Gesundheitswesen in Deutschland rund 4,26 Millionen Menschen beschäftigt (Stand 2005). Dies entspricht rund 10,3% aller Erwerbstätigen.
Gesamtausgaben: 234 Milliarden Euro, d.h. rund 2.700,- Euro pro Person (Frauen 3.160, Männer 2.240 Euro).
Die höchsten Ausgaben entfielen auf:
Die Menschen ab 65 Jahren (derzeit ca. 17 % der Bevölkerung) verursachten knapp 43 % der Gesamtausgaben. (Quelle: Studie des Statistischen Bundesamtes "Krankheitskosten in Deutschland im Jahr 2002")
In Großbritannien darf ein durch Therapie gewonnenes Lebensjahr des Patienten das Gesundheitssystem maximal 45.000 Euro kosten.[1]
siehe: Gesundheitssystem in Österreich
siehe: Gesundheitssystem in der Schweiz
siehe: Gesundheitsreform in den Niederlanden