Glasschneider

Handelsüblicher Glasschneider mit sechs Schneiderädchen
Handelsüblicher Glasschneider mit sechs Schneiderädchen

Ein Glasschneider ist ein Werkzeug zum Trennen von Glas.

Die Bezeichnung Glasschneider ist missverständlich, denn ein Glasschneider schneidet das Glas nicht im eigentlichen Sinne. Durch Anritzen der Oberfläche werden gezielt Spannungen im Glas erzeugt, entlang des Schnitts bricht das Glas auf kontrollierten Druck, Zug oder Biegebelastung.

Neben dem in diesem Artikel beschriebenen handgeführten Glasschneidern gibt es auch maschinengeführte Glasschneider für den industriellen Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Einteilung

Glasschneider gibt es in sehr unterschiedlichen Ausführungen und Preisklassen und für verschiedene Anwendungen, Schnitte sowie für unterschiedliche Glasdicken.

Aufbau

Ölgeführter Glasschneider mit drehbarem Kopf und Spezialgriff, Griff etwa zur Hälfte mit Schneideöl gefüllt
Ölgeführter Glasschneider mit drehbarem Kopf und Spezialgriff, Griff etwa zur Hälfte mit Schneideöl gefüllt

Handgeführte Glasschneider setzen sich aus folgenden Teilen zusammen

Schneidewerkzeug
Diamant bzw. Stahlrädchen. Je dicker das zu schneidende Glas ist, desto größer muss der Schneidewinkel sein. Der Schneidewinkel ist der Winkel, in dem die Flanken des Schneiderädchens zusammen laufen.
Tabelle: Empfohlene Schneidwinkel für verschiedene Glasdicken
Glasdicke Schneidewinkel   Glasdicke Schneidewinkel
2 – 3 mm 120° 6 – 12 mm 150°
2 – 4 mm 127° 6 – 15 mm 155°
2 – 6 mm 135° 10 – 19 mm 158°
4 – 8 mm 140° 19 – 25 mm 160°
6 – 10 mm 145° 19 – 25 mm 165°
Schneidekopf
Dieser hält das Schneidewerkzeug und dient zur Kraftübertragung zwischen Griff und Schneidewerkzeug. Der Schneidekopf ist entweder fest mit dem Griff verbunden oder drehbar gelagert. Bei ölgeführten Glassschneidern leitet er das Schneideöl vom Griff zum Rädchen.
Griff
Unterschiedliche Griffformen ermöglichen unterschiedliche Griffe beim Führen des Glasschneiders, wie Bleistiftgriff, Griff zwischen Zeige- und Mittelfinger oder Faustgriff. Bei ölgeführten Glasschneidern dient der Griff zusätzlich zur Aufnahme des Schneideöls und leitet dieses über einen Docht zum Schneidekopf weiter.

Anwendung

Das Glasschneiden selbst erfolgt in mehreren Arbeitsschritten.

Vorbereitungen des Arbeitsplatzes
Die Arbeitsfläche muss die richtige Festigkeit haben. Im Hobbybereich hat sich ist eine glatte, feste Unterlage mit mehreren Lagen einer alten Tageszeitung darüber oder eine Filzmatte bewährt. Kleidung: Schutzbrille, glatte Kleidung, geschlossene Schuhe, lange Haare zurückbinden. Bei stark splitternden Arbeiten ist es ratsam, einen Kittel zu tragen.
Vorbereiten des Glases
Das Glas wird von Verschmutzungen befreit und sollte im Idealfall Zimmertemperatur haben. Bei freihandgeführten Schnitten empfiehlt es sich, den auszuführenden Schnitt und evtl. erforderliche Hilfsschnitte vorher mit einem wasserfesten Stift auf das Glas aufzuzeichnen oder eine Schablone unter das Glas legen. Bei schwierigen Freihandschnitten an großen Scheiben empfiehlt es sich, den Schnitt zuerst "trocken" auszuführen, um zu klären, ob der Schnitt ohne Absetzen des Glasschneiders ausgeführt werden kann. Gegebenenfalls die Scheibe auf der Arbeitsfläche neu ausrichten.
Anritzen des Glases (Schneiden)
Vor dem Schneiden wird der Glasschneidekopf in Schneidöl eingetaucht oder das Glas selbst mit der Schneideflüssigkeit bestrichen. Die meisten erhältlichen Glasschneider werden in senkrechter Haltung mit möglichst gleich bleibendem Druck und gleich bleibender Geschwindigkeit über das Glas geschoben oder gezogen.
  • Glasschneider ziehen: Dies ist die gängigste Technik. Geeignet für den Linealschnitt, dabei wird der Kopf des Schneiders an einem Lineal oder Winkel entlang gezogen, um einen geraden Schnitt zu erhalten, oder für den Freihandschnitt, um Hilfsschnitte auszuführen und an aufgezeichneten Linien oder Schablonen entlangzuschneiden.
  • Glasschneider schieben: mit speziellen Glasschneidern/Griffen ist diese Technik für den Freihandschnitt zu empfehlen, denn sie gewährt Blick auf den Schneidekopf und die vor ihm liegende Linie.
Falls der Schnitt unterbrochen wird, soll der Glasschneider keinesfalls nochmals durch die erzeugte Fissur gezogen werden, weil das dem Glasschneider schadet.
Öffnen der Fissur, Brechen
Durch gezielten auf das Glas gebrachten Druck wird die Fissur geöffnet. Bei geraden Schnitten wird der Druck an einem der beiden Schnittenden von unten nach oben ausgeführt. In der Regel durch Unterlegen eines kleinen Hölzchen oder dem Heft(Griff) des Glasschneiders. Bei Freihandschnitten sind entsprechende Hilfsmittel wie Dreipunktzange, Laufzange, Kröselzange, Glasbrechstab, etc zu empfehlen.
Von dem weit verbreiteten Klopfen ist abzuraten. Es neigt zu starkem Splittern und führt zu unsauberen Kanten, Ausschellerungen, Absplitterungen und bei schwierigeren Arbeiten zu Verschnitt durch Glasbruch.
Nachbearbeiten der Kanten
Mit speziellen Schleifbändern und Maschinen können die Kanten fein geschliffen oder auch poliert werden. Für den Hobbybereich oder für Kunstverglasungen reicht es auch, die Kanten mit einem Abziehstein abzuziehen.

Zur Physik

Die physikalisch-chemischen Vorgänge, die beim Glasschneiden auftreten, sind noch nicht vollkommen geklärt, und es finden sich unterschiedliche Theorien darüber.

Entscheidend für den Glasbruch sind jedoch die Spannungen, die durch Entlangführen des Schneidewerkzeugs entstehen und tief ins Glas hineinreichen. Diese Spannungen können durch spezielle Verfahren sichtbar gemacht werden. Unwesentlich für den Brechvorgang ist die Schwächung des Glases durch die vom Schneider erzeugte Fissur. Erzeugt man eine änhnlich tiefe Ritze durch Einschleifen ins Glas, bricht das Glas nicht wie gewünscht an der Ritze entlang.

Mit der Zeit bauen sich die Spannungen wieder ab, der Schnitt wird "kalt". Er bricht zunehmend schwerer und nach Tagen bzw. Wochen überhaupt nicht mehr.

Die Moleküle der Schneideflüssigkeit lagern sich an die Rissspitze an und erniedrigen die Energie zum Aufbrechen der Moleküle des Glases. Dazu muss eine Schneideflüssigkeit mehrer Voraussetzungen erfüllen

  • sie sollte dünnflüssig sein
  • ihre Moleküle sollten eine möglichst hohe Bindungsenergie haben
  • ihre Moleküle sollten möglichst klein sein

Eine sehr gute Schneideflüssigkeit ist zum Beispiel Wasser. Wasser ist aber deshalb wenig geeignet, weil es die Korrosion des Schneiders fördert. Von daher finden sich im praktischen Einsatz synthetische Schneideöle.

Weblinks

als bewärtestes schneidöl bietet sich petroleum an

Quelle:
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