Gorch Fock (1958)

Schiffsdaten
Schiffstyp Drei-Mast-Stahl-Bark
Schiffsklasse Segelschulschiff Klasse 441A
GL + 100 A 4 (E)
Kiellegung: 24. Februar 1958
Stapellauf (Schiffstaufe): 23. August 1958
Indienststellung: abgeliefert: 17. Dezember 1958
Zugeteilte PT-Nummer: A60 (wird nicht sichtbar geführt)
Bauwerft: Blohm + Voss in Hamburg
Baunummer: 804
Besatzung: 269 Personen: Kommandant, 9 Offiziere, Arzt, Meteorologe, 36 Unteroffiziere, 21 Mannschaften, 150 - 200 Offiziers- und Unteroffiziersanwärter
Baukosten: 8,5 Millionen DM
Geschätzter Wert (2007): 50,0 Mio. EUR
Technische Daten
Vermessung: 3.181 BRT
2.534 NRT
Deplacement: ca. 2.006 t
Länge: CWL: 81,26 m
über alles: 89,4 m
Breite: 12 m
Tiefgang: 5,25 m
Höhe Mast über Wasser: Vor- und Großtopp über CWL 45,30 m, Besantopp 40 m
Segelfläche: 2037 m²
Größte Rahlänge: Fock- u. Großrah 24 m, Bugspriet 9,6 m, Besanbaum 16,4 m
Maschinenanlage: Deutz-MWM-Diesel BV6M628
Anzahl der Schrauben: 1 Verstellpropeller Ø 2,50 m
Wellenumdrehungen: 500 U/min
Leistung: 1.240 kW (1.690 PS)
Höchstgeschwindigkeit: Motor: max 12,00 kn, Segel: max 18,20 kn
Fahrbereich: ca. 1.100 sm bei 10,00 kn
Brennstoffvorrat: max. 55 cbm Dieselöl
Verbleib
im Dienst

Gorch Fock ist der Name zweier weitgehend baugleicher Schiffe. Sie wurden nach dem Schriftsteller Gorch Fock benannt. Dieser Artikel behandelt das 1958 gebaute, zweite Segelschulschiff dieses Namens. Einen Artikel über das ältere Schiff gibt es unter "Gorch Fock (1933)".

Zur Unterscheidung beider Schiffe werden im folgenden die angehängten Nummern "(1)" für das ältere und "(2)" für das jüngere Schiff benutzt; sie gehören nicht zum Schiffsnamen, sondern dienen hier nur zur Unterscheidung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Für die neu entstandene Bundesmarine wurde 1958 das Segelschulschiff Gorch Fock (2) in Dienst gestellt, das bis heute in dieser Funktion in der Deutschen Marine dient. Wie schon die Gorch Fock (1) der Reichsmarine wurde sie bei Blohm + Voss gebaut. Das Schiff untersteht der Marineschule Mürwik, Heimathafen ist Kiel.

Die Gorch Fock (2) ist nach den gleichen Plänen gebaut wie die nachfolgenden Schwesterschiffe der ersten Gorch Fock, die etwas größer ausfielen. Allerdings wurden nach dem Untergang der Pamir 1957 die Sicherheitsstandards deutlich verbessert. Alle angehenden längerdienenden (SaZ 12) Offiziere der Deutschen Marine werden hier ausgebildet, ebenso die Unteroffiziere des sogenannten "seemännischen Dienstes" (Verwendungsreihe 11). Dabei dient "der weiße Schwan der Ostsee" während der langen Fahrten in alle Teile der Welt als "Botschafter" für die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Marine. Sie war beispielsweise das erste deutsche Kriegsschiff – und somit der erste Truppenteil der Bundeswehr – das 1974 Danzig in Polen, ein Land des damaligen Warschauer Pakts, besuchte.

Das Bild der Gorch Fock (2) zierte die Rückseite des 10-DM-Scheins von 1963, der in vielen Millionen Exemplaren in Umlauf war. Damit dürfte die Gorch Fock (2) eines der am häufigsten abgebildeten Segelschiffe der Welt sein.

Am 17. September 1998 verunglückte ein Offizieranwärter an Bord der Gorch Fock tödlich.

Kommandant des Schiffes ist seit 2006 Kapitän zur See Norbert Schatz.

Galionsfigur

Wohl nur wenige Schiffe haben ihre Galionsfigur so oft gewechselt wie die Gorch Fock (2). Dabei blieb die Form der Figur, ein Albatros, bis auf Details jedoch gleich. Zuletzt ist sie sogar innerhalb eines Jahres (2002/2003) zweimal auf See verloren gegangen.

  • Der erste Albatros von 1958 riss nach wenigen Jahren ab.
  • Die Ersatzfigur (zweiter Albatros) war, wie die erste auch, aus Holz.
  • 1969 wurde die Holzfigur aus Gewichtsgründen gegen den dritten Albatros ausgetauscht, der diesmal aus Polyester war. Die alte Figur kam ins Museum.
  • Von 2000 bis 2001 wurde die Gorch Fock (2) in der Elsflether Werft überholt. Als man versuchte, die Figur abzuschrauben, brach sie ab. Der nachfolgende vierte Albatros war ebenfalls aus Polyester.
  • In der Nacht zum 11. Dezember 2002 im Ärmelkanal ging die Galionsfigur in schwerer See verloren. Der fünfte Albatros wurde von den Schiffsbildhauern Birgit und Claus Hartmann aus Schwanewede aus Eschenholz gefertigt.
  • Am 5. Dezember 2003, also ein knappes Jahr später, verlor die Gorch Fock ihre Galionsfigur etwa 100 Seemeilen westlich der französischen Küste, in der stürmischen Biskaya.
  • Der sechste Albatros ist diesmal aus Kohlefaser.

Rekord

Die Gorch Fock (2) hat auf der Heimreise von der 62. AAR (Auslandsausbildungsreise) unter dem Kommando von Kapitän z. See Horst Helmut Wind im Seegebiet Englischer Kanal/Nordsee bei Südweststurm vom 17.–18. November 1980 ein Etmal (die innerhalb von - nicht immer genau - 24 Stunden zurückgelegte Strecke) von 323 Seemeilen erzielt und konnte dabei den bis dahin bestehenden Rekord für Verdränger-Segelschiffe in diesem Seegebiet um sieben Seemeilen überbieten. Zeitweilig wurden dabei 17 kn Fahrt (über Grund) gemessen.

Quelle: Guinness Buch der Rekorde von 1982, Ullstein 1982, S. 162 f.

Bei einem Sturmtief in der Straße von Florida mit Windgeschwindigkeiten bis 70 kn wurde diese Bestmarke sogar noch überboten und das Schiff erreichte 18,2 kn. Dabei riss eines der Segel und das Schulschiff segelte heraus aus dem Tropensturm.

Quelle: Bericht vom 21.06.2007 - Ricarda Schönbrodt (Presse- und Informationszentrum Marine), auf www.marine.de

Schwesterschiffe

  • Gorch Fock (I), 1949 - 2003 Towarischtsch
  • Eagle, 1936 - 1946 Horst Wessel, Schulschiff in den USA
  • Sagres, 1938 - 1948 Albert Leo Schlageter, portugiesisches Schulschiff
  • Mircea, rumänisches Schulschiff
  • Herbert Norkus, als Hulk 1947 im Skagerrak versenkt

Bildergalerie

Literatur

  • Frank Grube, Gerhard Richter: Das große Buch der Gorch Fock. Edition Maritim, Hamburg 1998, ISBN 3-922-117-06-6
  • Rudolf Titzck u.a.: Segelschulschiff Gorch Fock. Koehler, Herford 1985 ISBN 3-7822-0375-5
  • Otmar Schäuffelen: Die letzten grossen Segelschiffe. 10. Aufl. Delius-Klasing, Bielefeld 2002, ISBN 3-7688-0483-6
  • Hans Freiherr von Stackeberg, Im Kielwasser der Gorch Fock, Koehler, Hamburg, 2000, 3. Auflage, ISBN 3-7822-0797-1

Weblinks

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