Die Grün-Alternative Liste (Kurzbezeichnung GAL) ist eine politische Gruppierung in Hamburg. Während die meisten Grünen Alternativen Listen in Deutschland nicht Teil der Partei Bündnis 90/Die Grünen sind, gilt in Hamburg die Besonderheit, dass die dortige GAL seit 1984 zugleich der Hamburger Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen ist.
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Erste grüne Formationen entstanden in Hamburg 1978. Zum einen gründete sich im März die vom Kommunistischen Bund (KB) initiierte und organisatorisch (nicht jedoch programmatisch) dominierte Bunten Liste - Wehrt Euch, in welcher auch viele parteilose Aktive aus der Anti-Atomkraft-Bewegung und anderen Neuen sozialen Bewegungen, ehemalige SPD-Mitglieder um Holger Strohm (welcher Spitzenkandidat wurde), die (in der Hamburger Linken unbedeutende) maoistische KPD und unabhängige Linke mitarbeiteten. Daneben entstand ein Hamburger Ableger der Grünen Liste Umweltschutz (GLU), welcher sich vor allem wertkonservative und „bürgerliche“ Umweltschützer anschlossen. Zu einer Zusammenarbeit von Bunter Liste und GLU anlässlich der bevorstehenden Wahl kam es nicht, weil die Bunte Liste jede Zusammenarbeit mit der GLU ablehnte, da deren Vorstand auch Mitglieder der neurechten, strasserianischen Solidaristischen Volksbewegung (SVB) angehörten. Bei den Bürgerschaftswahlen erreichte die Bunte Liste 3,5 % und die GLU 1,0 % der Stimmen, die Bunte Liste zog mit zwei Abgeordneten, darunter der späteren Bürgerschaftsabgeordneten Christina Kukielka, in die Bezirksversammlung von Hamburg-Eimsbüttel ein. Die Bunte Liste als Organisation zerfiel 1979/80 auf Grund der Auseinandersetzungen im KB, welche zur Abspaltung der Gruppe Z führten.[1]
Der erste Landesverband der Grünen in Hamburg entstand 1979 und wurde von Mitgliedern der Gruppe Z dominiert; allerdings trat ihm auch die kleine Gruppe Hamburger Mitglieder der Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher (AUD) bei. Im Herbst 1981 bildete sich in der Hansestadt auch eine sozialistisch orientierte Alternative Liste, in der sich weitere Teile der KBs, unabhängige Linke sowie viele Menschen aus Bürgerinitiativen zusammentaten. Auch die ca. 650 Mitglieder zählende AL wurde von (ex-)KB-Mitgliedern dominiert. Im Hinblick auf die im Juni 1982 bevorstehenden Hamburger Bürgerschaftswahlen begannen ziemlich schnell Verhandlungen zwischen den ca. 500 Mitglieder umfassenden Grünen und der AL, die in der Aufstellung einer gemeinsamen Liste kulminierten[2]. Zu einer getrennten Kandidatur von Grünen und AL kam es lediglich im Bezirk Wandsbek[3].
Bei der Bürgerschaftswahl im Juni 1982 errang die GAL 7,7 % und zog mit 9 Abgeordneten, von denen Thomas Ebermann und Thea Bock in der Öffentlichkeit am bekanntesten waren, in das Landesparlament ein. Es begann die Zeit der so genannten Hamburger Verhältnisse, das bedeutet, dass außer einer großen Koalition rechnerisch nur eine rot-grüne Zusammenarbeit möglich war.
Es kam zu Gesprächen mit der SPD über die Tolerierung eines SPD-Senates durch die GAL, die von der SPD allerdings nach dem Sturz des aus Hamburg stammenden Kanzlers Schmidt abgebrochen wurden. Seitens der GAL wurden die Tolerierungsgespräche mit dem Ziel geführt, die SPD als prinzipienlose Partei darzustellen und für die Öffentlichkeit die Widersprüche zwischen Handeln und Programmatik der SPD deutlich zu machen[4]. Die SPD setzte auf Neuwahlen und erreichte dort auch die absolute Mehrheit. Die GAL verlor leicht und erreichte 6,8 % und 8 Mandate.
1984 löste sich die Alternative Liste nach dem Rückzug der meisten in ihr aktiven KB-Mitglieder in den von nun an den Namen Grün-Alternative Liste führenden Hamburger Landesverband der Grünen auf[5].
Zur Bürgerschaftswahl im November 1986 trat die GAL mit einer reinen Frauenliste an und verbesserte sich auf 10,4 % bzw. 13 Mandate. Wie 1982 gab es nur die Alternativen rot-grüne Zusammenarbeit oder große Koalition, und wie 1982 kam es zu fruchtlosen Verhandlungen, an deren Ende Neuwahlen standen. Diesmal kreideten die Wähler das Scheitern hauptsächlich der GAL an, die bei den Wahlen im Mai 1987 auf 7,0 %, bzw. 8 Mandate abrutschte. Die SPD konnte zusammen mit der FDP, die den Wiedereinzug in die Bürgerschaft schaffte, eine Koalition bilden.
In den darauffolgenden Jahren nahmen die innerparteilichen Grabenkämpfe zwischen den bis dahin dominierenden „Fundis“ beziehungsweise „Ökosozialisten“, mit der SPD bedingt kooperationsbereiten Linken und den „Realos“, welche sich in Hamburg als „Reformgruppe“ bezeichneten, in der GAL stetig zu. Dies kulminierte in den Jahren 1990 und 1991 in mehreren Spaltungen, unter anderem der Abspaltung des Realoflügels als Grünes Forum im Februar 1990 und dem Austritt von 6 der 8 Bürgerschaftsabgeordneten aus der GAL-Fraktion im März 1990, nachdem eine Landesmitgliederversammlung mit 90% der Anwesenden den Beschluß gefasst hatte, dass die DDR anzuerkennen und die dortige Bürgerrechtsbewegung im Rahmen „internationaler Solidarität“ zu unterstützen sei. Weiter kam es zum Übertritt einzelner Linken zur PDS (Jürgen Reents, Michael Stamm) oder zum Engagement anderer Ausgetretener in der neu gegründeten, kurzlebigen Radikalen Linken im Sommer 1990 (Thomas Ebermann, Regula Schmidt-Bott, Christian Schmidt, Rainer Trampert und etwa 40 weitere Aktivisten) sowie der Gründung einer neuen separaten Alternativen Liste durch ca. 60 weitere Linke um Tay Eich, Gabriele Gottwald und Christina Kukielka im Frühjahr 1991. Andere Linke wie Ulla Jelpke aber auch Anhänger realpolitischer Positionen wie Thea Bock (welche sich der SPD anschloss) und Adrienne Goehler hatten die GAL schon vorher verlassen.
Da bei den bevorstehenden Bürgerschaftswahlen im Juni 1991 ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde drohte, beschloss die Rest-GAL (nun von Lokalpolitikern aus den sieben Hamburgern Bezirken dominiert) im Frühjahr 1991, mit dem Grünen Forum Gespräche über die Aufstellung einer gemeinsamen Liste zu beginnen. Diese Gespräche waren erfolgreich, im April 1991 traten Grünes Forum und mehrere der Abgeordneten wieder in die GAL ein. Bei den Bürgerschaftswahlen im Juni wurden 7,2 % und 9 Sitze erreicht.
In den nächsten Jahren protestierte die GAL scharf gegen die von SPD und CDU vorgeschlagene massive Erhöhung der Diäten der Bürgerschaftsabgeordneten. Nach starken öffentlichen Protesten verzichtete die Bürgerschaft dann auch auf die Erhöhung.
Bei Neuwahlen im Herbst 1993 (ausgelöst durch eine Klage gegen rechtswidrige Verfahrensweisen der CDU bei der Aufstellung ihrer Kandidaten für die Bürgerschaftwahl 1993) verdoppelte sich die GAL auf 13,5 % bzw. 19 Sitze. Wieder gab es Verhandlungen über eine rot-grüne Koalition. Diese wurden von der GAL nach einigen Wochen mit der Begründung abgebrochen, die SPD sei nicht bereit, sich bei mehreren geplanten Großprojekten (Hafenausbau Altenwerder, Elbvertiefung, 4. Elbtunnelröhre) zu bewegen. Die SPD ging daraufhin mit Henning Voscherau als Bürgermeister eine Koalition mit der von Markus Wegner gegründeten STATT Partei ein. Auf Bezirksebene allerdings kam es Anfang 1994 in Altona zur ersten förmlichen Koalition der dort traditionell starken GAL-Fraktion (Vorsitzender: Olaf Wuttke) mit der SPD; dieses Bündnis hatte bis 1997 Bestand.
Nach weiteren Verlusten der SPD und Gewinnen der GAL (nun 13,9 % und 21 Sitze) bei den Bürgerschaftwahlen 1997 kam es dann doch zu einer rot-grünen Koalition in Hamburg. Krista Sager wurde Wissenschaftssenatorin und Zweite Bürgermeisterin.
Mitte 1999 kam es zu einer weiteren Abspaltung. Da die Grünen den Kosovo-Krieg befürworteten, verließen fünf Bürgerschafts- und zahlreiche Bezirksabgeordnete die GAL und gründeten die Wählergemeinschaft Regenbogen - Für eine neue Linke, die bei den Wahlen von 2001 und 2004 über Ergebnisse von 1,7 % (2001) bzw. 1,1 % (2004) jedoch nicht hinauskam.
Die Wahlen in September 2001 wurden dann von der rot-grünen Koalition verloren. Insbesondere die GAL erlitt herbe Verluste und rutschte auf 8,6 % bzw. 11 Sitze ab.
Bei Neuwahlen im Februar 2004 (diesmal ausgelöst durch den Kollaps des CDU-Koalitionspartners Partei Rechtsstaatlicher Offensive) erholte sich die GAL auf 12,3 % und 17 Mandate, blieb aber im Landesparlament in der Opposition. In einigen Bezirken trägt die GAL jedoch weiterhin in verschiedenen Bündnissen Regierungsverantwortung. Erneut war es die Altonaer GAL, die unter ihrer Fraktionsvorsitzenden Gesche Boehlich Neuland betrat und die erste schwarz-grüne Koalition in Hamburg einging; kurz danach kam auch im Bezirk Harburg (Fraktionsvorsitzender: Ronald Preuß) ein schwarz-grünes Bündnis zustande.
Auf Bundesebene hat die GAL zwischen Herbst 2002 und Herbst 2005 mit Krista Sager eine der beiden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Deutschen Bundestag gestellt. Zudem zog Anja Hajduk, die gleichzeitig GAL-Landesvorsitzende ist, für Hamburg in den Bundestag ein.
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