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Granulation (Goldschmiedekunst)

Die Granulation ist eine antike Goldschmiedetechnik, bei der kleinste Goldkügelchen zu einem Ornament gelegt und dann auf einem Goldgrund so aufgeschweißt werden, daß sie nur an ihren jeweiligen Berührungspunkten miteinander verbunden sind. Licht und Schatten erzeugen so eine stark plastische Wirkung. Weltberühmt sind die Etruskischen Granulationen.

Geschichte der Wiederentdeckung

Der in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts lebende römische Goldschmied Augusto Castellani widmete seine Arbeit hauptsächlich der Wiederentdeckung der verschollen gegangenen antiken Technik der Granulation, die bis ins frühe Mittelalter in der Europäischen Goldschmiedekunst Anwendung fand. Er verwendete bei seinen Arbeiten ein pulverisiertes Lot, mit dem er die sandartigen Kügelchen auf dem Untergrund befestigte. Durch die Kapillarkraft zog sich jedoch das flüssige Lot in die Zwischenräume der aneinander liegenden Kugeln und verschmolz sie so zu einer hermetischen Fläche.

1918 veröffentlichte Marc Rosenberg sein Buch zur Technischen Grundlage der "Geschichte der Goldschmiedekunst" und regte damit u.a. eine neue, breite Suche nach der Technik des Granulierens an. Chemische Untersuchungen an antiken Schmuckstücken zeigten, dass das Grundmetall sowie die Kugeln jeweils den gleichen Feingehalt hatten. Rosenberg schloss daraus das die Verbindung durch eine Art "chemisches Lot" zustande kommt. Er ging davon aus, dass beim Schmelzen und Nachglühen der Kugeln in Holzkohlenstaub diese sich mit Goldkarbid überzogen und damit der Schmelzpunkt um ca. 160°C herab gesetzt wurde, was ein aufschweißen auf das Trägermetall ermöglichen würde.

Einer der ersten war um 1920 Johann Michael Wilm in München, der Granulationen fertigte die auf technischer Ebene den Vergleich mit ihren antiken Vorbildern stand hielten. Elisabeth Treskow begann um 1930 in Essen-Margarethenhöhe mit der Fertigung von Granulationen auf hohem gestalterischem Niveau.

Technik

Zur Herstellung der Kugeln werden feine Goldschnipsel und Holzkohlenstaub lagenweise in einem Schamottetigel geschichtet und nach dem Schmelzen in Wasser ausgespült. Es entstehen perfekt-runde Goldkugeln. Die Kugeln werden mit einem, mit Speichel angefeuchteten Pinsel gemäß der Vorzeichnung auf den zu granulierenden Grund aufgetragen. Das im Speichel vorhandene Mozein verbrennt, als organische Substanz, beim Aufschmelzen zu Kohlenstoff, wodurch der Schmelzpunkt des Goldes herabsetzt wird. Allerdings ist die Voraussetzung für das Gelingen hierbei ein Gold mit einem Feingehalt von mindestens 900/°°°.

Niedrigere Legierungen wie beispielsweise 14,04 ct. = 585/°°° werden mit Kupfersalzen granuliert. Kupfersulfat, Kupferoxid, Kupferchlorit oder Kupferhydroxid sind gleichermaßen für die Granulation geeignet. Sie werden mit stark verdünntem organischem Leim (Hautleim, Fischleim etc.) angerührt. Beim Schmelzen wird das Kupfersalz in metallisches Kupfer umgewandelt das sich mit dem Gold legiert und so ein chemisches Lot bildet das die Haftung der Kugeln ermöglicht. Der Leim verbrennt dabei zu Kohlenstoff der die Reduktion des Kupfersalzes in metallisches Kupfer ermöglicht.

Solche Legierungen können auch mit Hilfe von verdünntem Fluoron, einem handelsüblichen Flussmitel zum Hartlöten von Schwermetallen, oder Tragant granuliert werden. Dabei entsteht eine wesentlich glattere Oberfläche als beim granulieren mit Kupfersulfat. Diese eigentliche Art des Granulierens ist besonders im Ruhrgebiet noch bekannt.

Sammlungen

Eine Vielzahl an antiken Schmuckstücken mit Granulationen ist in den Staatliche Antikensammlungen, Abt. IV, in München ausgestellt.

Die Privat-Sammlung von Elisabeth Treskow, die sowohl antiken Schmuck wie auch Arbeiten von eigener Hand umfasst enthält eine Reihe außerordentlicher Granulationen. Sie vermachte sie dem Museum für angewandte Kunst, Köln wo der größte Teil in der permanenten Ausstellung zu sehen ist.

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