Der heilige Gregor von Tours (* 30. November 538 oder 539 in Riom bei Clermont-Ferrand, † 17. November 594 in Tours) war Bischof von Tours, Kirchengeschichtler und Historiker. Seine berühmte "Geschichte der Franken" stellt ein wichtiges Zeugnis für die Übergangszeit zwischen der Spätantike und dem Frühmittelalter dar.
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Gregor wurde als Georgius Florentius Gregorius in eine vornehme gallo-römische Familie der Auvergne geboren. Sein Vater Florentius und sein Großvater Georgius waren weströmische Senatoren, und sein Onkel Gallus Bischof von Clermont - in spätrömischer Zeit hatten viele Aristokraten kirchliche Ämter übernommen. Mütterlicherseits war er auf einer Seite verwandt mit den Bischöfen Sacerdos und Nicetius (französisch: Nizier) von Lyon, und auf der andern mit den Bischöfen Tetricus und Gregorius von Langres. Von dem letzteren erhielt er seinen dritten Vornamen.
Sein Vater starb jung, und Gregor wurde erst von seiner Mutter in der Nähe von Cavaillon und dann von seinem Onkel Gallus († 551) sowie dem Archidiakon und späteren Bischof Avitus in Clermont erzogen. Eine weitere Ausbildung erhielt er von seinem Onkel Nicetius in Lyon (Lugdunum), wohin er 563 geschickt wurde. Während seiner Jugend hatte er verschiedene Krankheiten. Eine Pilgerfahrt zum Grab des heiligen Martin im Jahre 562 oder 563 heilte ihn angeblich von einer dieser Krankheiten, woraufhin er gelobte, die Kirchenlaufbahn einzuschlagen.
Kurz darauf wurde er zum Diakon ordiniert und der Basilika von Saint-Julien in Brioude zugewiesen. Er lebte dort, bis er 573 als Nachfolger seines mütterlichen Vetters Eufronius zum Bischof von Tours gewählt wurde, vermutlich auf Veranlassung der Königin Brunichild und des Königs Sigibert I. von Austrasien.
Als Bischof von Tours war Gregor für einen der wichtigsten Bischofssitze von Gallien verantwortlich. Während seines Episkopats war Gregor oft mit den Streitigkeiten der fränkischen Könige konfrontiert, die er ohne zu zögern geißelte. Insbesondere bot er dem König Chilperich I. und dann der Königin Fredegunde die Stirn, die er für die Ermordung des Bischofs Praetextatus verantwortlich machte.
Er starb in Tours, vermutlich am 17. November 594, und wird in Tours und Clermont als Heiliger verehrt.
Eine Vita des heiligen Gregor wurde im 9. Jahrhundert vom Abt Odo von Cluny verfasst.
Unter den Autoren der Antike, die Gregor zitiert, finden sich Vergil, Sallust und Plinius, teilweise in Werken, die heute verloren sind. Die Nutzung diverser klassischer Autoren ist typisch für einen spätantiken Autor. Theologisch argumentiert Gregor sowohl gegen die Juden als auch gegen die Arianer; auch andere Religionen - wie der Zoroastrismus - werden negativ bewertet.
Das Hauptwerk von Gregor von Tours wird gewöhnlich als Geschichte der Franken bezeichnet. Es hat in verschiedenen Manuskripten des Mittelalters überdauert, in verschiedenen Versionen die mehr oder weniger dem Original entsprechen.
Tatsächlich handelt es sich um eine christliche Universalgeschichte, die ursprünglich als "Decem Libri Historiarum" betitelt war. Ihre Absicht war es, die Geschichte der Gesamtkirche in einer eschatologischen christlichen Sicht darzustellen, von der Erschaffung der Welt bis zu den fränkischen Königen 572. Beigefügt ist eine Sammlung von Lebensgeschichten gallischer Heiliger unter dem Namen "Buch der Wunder", das nach 570 entstanden ist.
Das Werk als ganzes hat einen erbaulichen Charakter. Fünf der zehn Bücher und das Buch der Wunder befassen sich mit dem merowingischen Gallien, das Gregor kannte. Das Buch der Wunder zeichnet ein eher düsteres Bild mit der Betonung auf den schrecklichen Konsequenzen der Handlungen gewisser Könige im Gegensatz zu ihren christlichen Ahnen, angefangen mit Chlodwig I..
Aufgrund seines zentralen Themas wurde das Werk umbenannt in Geschichte der Franken (Historia Francorum) oder Taten der Franken (Gesta Francorum) oder, noch einfacher Chroniken (Chronicae). Auf jeden Fall macht es aus Gregor den Vater einer "Nationalgeschichte" der Franken, den wichtigsten Historiker der Merowinger und die Hauptquelle über die Merowingerzeit.
Sprachgeschichtlich interessant ist das Latein, in dem das Werk verfasst ist. In der Einleitung entschuldigt sich Gregor für seine "ungebildete Sprache". Tatsächlich finden sich, gemessen am klassischen Latein, überaus viele Fehler bzw. Abweichungen besonders im Bereich der Kasus-Lehre. Darin spiegelt sich der Übergang zwischen Latein und den romanischen Sprachen: Latein ist für Gregor zwar noch keine zu erlernende Fremdsprache, andererseits doch schon nicht mehr identisch mit der Umgangssprache seiner Zeit. Einige Gelehrte sind der Ansicht, der klassisch gebildete Gregor habe sich bewusst darum bemüht, einen Mittelweg zwischen dem klassischen Latein und der von fränkischen Dialekten beeinflussten Volkssprache seiner Zeit zu finden.
In den folgenden Jahrhunderten wurde die Geschichte der Franken von unbekannten Autoren weitergeführt, die als Fredegar und Pseudo-Fredegar bekannt sind. Der erste Druck des Buches entstand 1561 in Paris.
Weitere Werke, die Gregor von Tours zugeschrieben werden sind:
Die folgenden Werke sind verlorengegangen:
Sein Gedenktag ist der 17. November.
| Wikisource: Gregorius Turonensis – Quellentexte (lat.) |
| Vorgänger Eufronius |
Bischof von Tours 573-594 |
Nachfolger Pelage I. |