Herausgeber der berühmten deutschen Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ (KHM), volkstümlich „Grimms Märchen“ genannt, waren Jacob Ludwig Carl Grimm und sein rund ein Jahr jüngerer Bruder Wilhelm Karl Grimm, bekannt als die „Gebrüder Grimm“.
1803 hatten die beiden Brüder in der Marburger Universität die Romantiker Clemens Brentano und Achim von Arnim kennengelernt, welche bei ihnen das Interesse für alte Hausmärchen weckten.
Jacob und Wilhelm Grimm begannen in Kassel in ihrem bürgerlichen Umfeld, das vielfach hugenottisch geprägt war, mündlich überlieferte Märchen zu sammeln und zu bearbeiten; diese Bearbeitungen erkennt man durch einen Vergleich etwa bestimmter Märchen in der ersten Ausgabe von 1812/15 und in der Ausgabe letzter Hand von 1857.
Die Texte wurden von Auflage zu Auflage überarbeitet, teilweise verniedlicht und mit christlicher Moral unterfüttert. Die Grimms reagierten damit auf Kritik, die Märchen seien nicht kindgerecht. Um dem zeitgemäßen Geschmack des vorwiegend bürgerlichen Publikums entgegen zu kommen, wurden auch bestimmte Details geändert. Aus der Mutter in Hänsel und Gretel wurde eine Stiefmutter, denn ihr Verhalten, die Kinder zu verstoßen, war mit dem damaligen Mutterbild des Bürgertums nicht zu vereinbaren. Auch direkte sexuelle Anspielungen und/oder Bezüge wurden verändert beziehungsweise weggelassen. Wilhelm Grimm, der die KHM seit der zweiten Auflage 1819 fast ausschließlich allein bearbeitete, ergänzte die Texte auch durch zahlreiche Redensarten und bildhafte Formeln.
Durch Dorothea Viehmann und die Familien Hassenpflug und Wild (eine Tochter der Familie Wild wurde später die Frau Wilhelms) flossen einige ursprünglich französische Märchen in die Sammlung ein. Um ein Märchenbuch mit rein deutschen Märchen zu haben, wurden jene Märchen, die aus Frankreich in den deutschen Sprachraum gelangten, wie etwa Der gestiefelte Kater oder Blaubart, nach der ersten Ausgabe wieder entfernt. Dies geschah allerdings nicht konsequent, denn den Grimms war durchaus bekannt, dass zum Beispiel auch für Rotkäppchen eine französische Version existierte (dort ohne Happy-End).
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Am 20. Dezember 1812 erschien der erste Band der „Kinder- und Hausmärchen“, in dem die Brüder Grimm ihre bis dahin gesammelten Märchen veröffentlichten, 1815 folgte der zweite. Der Verkauf, vor allem des zweiten Bandes, verlief schleppend, weshalb es zu Unstimmigkeiten zwischen den Grimms und ihrem Verleger Reimer kam. 1819 kam eine zweite Auflage beider Bände heraus, die als die wichtigste in der Editionsgeschichte angesehen wird. Eine Vielzahl von Texten wurde darin neu aufgenommen, darunter einige, die für uns heute zum Grundbestand der KHM zählen (Die Bremer Stadtmusikanten, Hans im Glück, Tischlein deck dich), zahlreiche Texte der ersten Auflage wurden grundlegend bearbeitet. Die Grimms reagierten so auf Kritik von Freunden und Rezensenten. Die Auflage von 1819 wurde auch zur Grundlage für die ersten Übersetzungen (u.a. ins Englische) und für die "Kleine Ausgabe", die 1825 erschien und den Siegeszug der KHM eigentlich erst einleitete. Für die "Kleine Ausgabe" wählten die Grimms 50 Märchen aus. Sie ist die erste deutsche Ausgabe der KHM, die mit Illustrationen (7 Kupferstichen) im Text herauskam, was von vielen Kritikern (u.a. von Achim von Arnim) zuvor als unabdingbar für einen Bucherfolg angesehen worden war. Eine dritte Auflage der "Großen Ausgabe" erschien 1837, die vierte 1840, die fünfte 1843, die sechste 1850, die siebte und gleichzeitig die Auflage letzter Hand kam 1857 heraus. Ihr ganzes Philologenleben lang feilten die Grimms (ab der zweiten Auflage fast ausschließlich Wilhelm) an den Texten, tauschten ganze Märchen aus, nahmen neue auf, verschmolzen mehrere Textfassungen oder fügten Redensarten und Sprichwörter ein. Deshalb gleicht keine Auflage in ihrem Textbestand der anderen. Von der "Kleinen Ausgabe" erschienen zu Lebzeiten der Grimms zehn Auflagen (1825, 1833, 1836, 1839, 1841, 1843, 1844, 1850, 1853, 1858). Auch hier wurden Veränderungen vorgenommen, die Textfassung ging in der Regel auf die jeweils zuvor erschienene große Ausgabe zurück.
Die Kasseler Handexemplare der „Kinder- und Hausmärchen“ mit den wertvollen handschriftlichen Einträgen der Grimms wurden 2005 von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt. Sie befinden sich im Besitz der Universitätsbibliothek Kassel.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Verkauf der Märchen der Gebrüder Grimm in der Britischen Besatzungszone bis 1948 verboten. Diese galten für die Briten auch als ein Beweis für die vermeintliche Grausamkeit der Deutschen (im Krieg zuvor).
Aktuell auf dem Buchmarkt gibt es zahlreiche Ausgaben der Grimm-Märchen: Bildbände für Kinder, fast immer in einer Auswahl und in mehr oder weniger treuen Textversionen. Die von Nikolaus Heidelbach herausgegebene und illustrierte Ausgabe (Weinheim/Basel 1995 u.ö) vermerkt hinter jedem Text die Auflage aus der das Märchen stammt, die von Günter Jürgensmeier herausgegebene Edition (Düsseldorf 2007) bietet den Text der Ausgabe letzter Hand von 1857.
Wissenschaftlichen Ansprüchen genügen zur Zeit vor allem zwei Texteditionen: Die von Heinz Rölleke (Frankfurt 1985), die den vollständigen Text der dritten Auflage von 1837 bietet, mit einer informativen Edtionsgeschichte der Grimm-Märchen, sehr knappen Einzelkommentaren, einer Auswahl der originalen Grimm-Anmerkungen und den Märchentexten der anderen Auflagen. Diese Edition gibt es inzwischen auch in einer wohlfeilen Ausgabe. Eine zweite wichtige Edition ist die von Hans-Jörg Uther (Hildesheim/Zürich/New York 2004): Sie bietet neben einer kurzen Editiongeschichte einen kompletten Reprint der wichtigen zweiten Auflage der Grimm-Märchen von 1819 und umfasst auch den dritten 1822 erschienenen Band mit den forschungsgeschichtlich bedeutenden Anmerkungen der Grimms.
Obwohl Grimms Märchen zu den bekanntesten Werken der deutschen Literatur gehören, sind die Originaltexte der Märchen den meisten unbekannt, so dass Vieles, was diesbezüglich an Allgemeinwissen vorherrscht, tatsächlich nicht in der grimmschen Märchensammlung belegt ist. Einige bekannte Vorurteile:
Aktuell auf dem Buchmarkt gibt es zahlreiche Ausgaben der KHM für Kinder, fast immer in einer Auswahl und in mehr oder weniger treuen Textversionen. Die von Nikolaus Heidelbach herausgegebene und illustrierte Ausgabe (Weinheim/Basel 1995 u.ö) vermerkt hinter jedem Text die Auflage aus der das Märchen stammt, die von Günter Jürgensmeier herausgegebene Edition (Düsseldorf 2007) bietet den Text der Ausgabe letzter Hand von 1857.
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