Grotesk (Schrift)

Die Grotesk, auch Serifenlose (Sans Serif) Linear-Antiqua, ist eine aus der Antiqua abgeleitete Schriftart, bei der die Strichstärke der Buchstaben (nahezu) gleichmäßig ist und die keine Serifen besitzt.

Die Bezeichnung Grotesk ist in der Fachwelt sehr geläufig, kann jedoch als problematisch angesehen werden, da die Schrift nichts mit der eigentlichen Bedeutung des Wortes zu tun hat. „Grotesk“ bezeichnet eigentlich etwas erheblich von der Form abweichendes, etwas Verzerrtes. Das trifft auf den Schrifttyp jedoch nicht zu, er ist nur abstrakt. Grotesk-Schriften weisen einfach geformte Glyphen auf und finden daher heute vor allem Anwendung in der Werbung, Typografie für Bildschirme und für Beschilderungssysteme.

Im englischen Sprachraum ist die Bezeichnung Lineale geläufig, in Frankreich Linéales, in Holland Linearen und in Italien Lineari.

Inhaltsverzeichnis

Klassifikation

Nach Hans Peter Willberg und Indra Kupferschmid

Hans Peter Willberg und Indra Kupferschmid unterscheiden folgende Arten der Grotesk:

Schriftbeispiel für die Schriftart Gill Sans
Schriftbeispiel für die Schriftart Gill Sans
Schriftbeispiel für die Schriftart Helvetica
Schriftbeispiel für die Schriftart Helvetica
Schriftbeispiel für die Schriftart Franklin Gothic
Schriftbeispiel für die Schriftart Franklin Gothic
Schriftbeispiel für die Schriftart Futura
Schriftbeispiel für die Schriftart Futura

Nach Wolfgang Beinert

Nach der Matrix Beinert von Wolfgang Beinert wird die Grotesk (Sans Serif) in der Hauptgruppe 3 der Schriftgattung Antiqua in folgende Nebengruppen gegliedert:

  • Ältere Grotesk (Neo-Grotesque)
  • Amerikanische Grotesk (Grotesque)
  • Jüngere Grotesk (Humanist)
  • Konstruierte Grotesk (Geometric)

Geschichte

Die Grotesk entstand, wie die Egyptienne, Anfang des 19. Jahrhunderts in England als Antwort auf den gestiegenen Bedarf an auffälligen Werbeschriften. 1803 zeigte Robert Thorne zum ersten Mal eine Sans Serif. Die erste Grotesk wurde 1816 von William Caslon IV, dem Urgroßenkel des Schriftgießers William Caslon, veröffentlicht.[1] Groteskschriften wurden ab 1832 als plakative Anzeigenschriften in England sehr beliebt. Hundert Jahre später erlebten sie mit dem Bauhaus, Tschicholds „Neuer Typographie“ (sie ist „die einzige, die unserer Zeit gemäß ist“) und der Futura von Paul Renner ihren endgültigen Durchbruch. Zunächst waren die Formen dieser Schrift sehr kräftig, genau so wie wir sie noch heute kennen. Inzwischen aber werden viele Varianten angeboten, von den superleichten über kräftige und halbfette Formen zu den extrafetten. Als Beispiel wäre die Helvetica-Schrift zu nennen, von der es heutzutage über vierzig Versionen gibt. Die älteste Form der Serifenlosen Antiqua ist die Akzidenz-Grotesk, die noch einige mehr Versionen aufzuweisen hat. Von der Akzidenz-Grotesk wurde Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die erste, wenn auch kleine Schriftfamilie geliefert, nachdem zuvor die Serifenlose Antiqua nur als Auszeichnungsschrift Bedeutung hatte. Um 1920 entstanden linear-konstruktive Formen wie die Futura, die noch heute existiert. Weitere Formen entstanden dann mit der Entwicklung des Fotosatzes. Heutzutage ist das vielfältige Angebot an Groteskschriften unübersehbar, was auf die Bedeutung dieser Schriften hinweist.

Merkmale

Auf den ersten Blick haben die Schriften der Serifenlosen Antiqua eine einheitliche Strichstärke. Das scheint aber nur so, eigentlich unterscheiden sich die Strichstärken, um ein optisch gleichmäßiges Bild zu erhalten. Dieses wird sehr deutlich bei den Übergängen an den Rundungen und bei den neueren Schnitten. Die Schrift namens Gill Sans (entwickelt von Eric Gill) ist sehr charakterisiert durch die Form des a und g. Im deutschen Sprachraum wurden diesen beiden Buchstaben nicht angenommen, weswegen eine üblichere Form geschaffen wurde, um diese Schrift besser zu vertreiben.

Literatur

Quellen

  • Karl Vöhringer: Druckschriften kennenlernen unterscheiden anwenden, Verlag Forum und Technik, Stuttgart 1989.

Weblinks

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