Gyula Horn [ˈɟulɒ ˈhorn] (* 5. Juli 1932 in Budapest) ist ein ungarischer Politiker. Er war 1989/1990 Außenminister und von 1994 bis 1998 Ministerpräsident Ungarns.
International bekannt wurde Gyula Horn 1989 durch die Öffnung des Eisernen Vorhangs: Am 18. April hatte Ungarn begonnen die Grenzzäune zu Österreich abzubauen. Am 27. Juni durchschnitt Horn bei Sopron gemeinsam mit seinem österreichischen Amtskollegen Alois Mock den Grenzzaun in einem symbolischen Akt. Im ungarischen Fernsehen verkündete er am 10. September, dass Ungarn den vielen DDR-Bürgern, die sich im Land aufhielten, die Ausreise gestatten werde. Damit trug er entscheidend zum Fall der Berliner Mauer am 9. November bei.
Nach einer Mechanikerlehre bei den ungarischen Siemenswerken studierte er von 1949 bis 1954 an der Hochschule für Finanzen in Rostow (Sowjetunion). Danach bekleidete er bis 1959 verschiedene Posten im ungarischen Finanzministerium.
1956 beteiligte sich Horn als Mitglied der „Steppjackenbrigade“ (ung. pufajkások) an der Verfolgung Aufständischer des Ungarischen Volksaufstandes. Die Steppjackenbrigade wurde als Mittel eingesetzt, um die Säuberungswellen nach dem Aufstand durchzuführen.
1959 wechselte er in den diplomatischen Dienst des Außenministeriums, wo er von 1969 bis 1982 Mitarbeiter, ab 1974 stellvertretender Leiter der Abteilung für auswärtige Angelegenheiten beim ZK der MSZMP (Magyar Szocialista Munkáspárt) war. 1982 stieg er zum Leiter dieser Abteilung auf und wurde 1985 Staatssekretär des Äußeren.
1989 schließlich wurde er im Kabinett von Ministerpräsident Miklós Németh Außenminister Ungarns. 1990, nach dessen Abwahl, wurde er Abgeordneter im ungarischen Parlament und Parteivorsitzender der Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP). Von 1994 bis 1998 war er dann ungarischer Ministerpräsident.
Im Jahre 1990 erhielt er den Karlspreis der Stadt Aachen, 1992 den Humanitären Preis der deutschen Freimaurer. Im Oktober 2005 wurde Gyula Horn erster Träger des Memminger Freiheitspreises, verliehen von der Stadt Memmingen.
In Wertheim am Main (Baden-Württemberg) gibt es seit 2001 eine nach ihm benannte Straße, was bemerkenswert ist, da in Deutschland nur selten Straßen nach lebenden Personen benannt werden.
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