Händedesinfektion

Poly-Alcohol Hände-Antisepticum (Antiseptica chem.-pharm. Produkte GmbH)
Poly-Alcohol Hände-Antisepticum (Antiseptica chem.-pharm. Produkte GmbH)

In der Medizin versteht man unter Händedesinfektion ein Verfahren zur Verringerung der Keimzahl auf der Haut der Hände mit Hilfe von Händedesinfektionsmitteln. Ziel ist die Vermeidung der Übertragung von Krankheitserregern (insbesondere Bakterien und Viren) von einem Patienten zum nächsten und der eigene Schutz für im Gesundheitswesen beschäftigten Personen.

Inhaltsverzeichnis

Transidente Hautflora

Die Desinfektion dient der Reduzierung der transidenten Hautflora. Darunter versteht man die „vorübergehende“ hautfremde Besiedelung mit u. a. pathogenen Keimen.

Auch durch Waschen kann die transidente Hautflora weitgehend angewaschen werden das ist auch für den privaten Gebrauch ausreichend. Im Bereich der Krankenversorgung ist der Anspruch höher, daher werden hier Desinfektionsmittel notwendig.

Residente Hautflora

Die residente hauteigene Flora schützt vor krankmachenden Keimen. Idealerweise sollten Desinfektionsmittel sie nicht zerstören. Dies ist unmöglich. Deshalb gehört zur Händedesinfektion der systematische Aufbau eines Hautschutzes. Eventuell erst nach der jeweiligen Maßnahme, zu der desinfiziert werden musste.

Hygienische und chirurgische Händedesinfektion

  • Hygienische Händedesinfektion: als erstes reibt man die Hände mit einem Desinfektionsmittel ein und wäscht sie dann (hatte sie bei großflächiger Verschmutzung zuvor mit einem Tuch abgerieben).
  • chirurgische Händedesinfektion: auf die vor einer Operation zuerst mit einer desinfizierenden Seife gewaschenen, mit einem keimarmen Einmalhandtuch abgetrockneten Hände kommt dann das Desinfektionsmittel. Das soll die transiente Flora und auch die residente Flora reduzieren.

Hygienische Händedesinfektion

Die Hygienische Händedesinfektion ist die wichtigste Maßnahme zur Verhütung von Krankenhausinfektionen. Sie schützt den Patienten und auch das ärztliche und pflegerische Personal. Die Reihenfolge des Vorgehens ist strikt zu beachten.

Ignaz Semmelweis hatte sie damals mittels Chlorkalk um 1847 eingeführt. Heute sollen zugelassene, hautschonende Desinfizientien verhindern, dass die Hände bei der „normalen“ Behandlung und Pflege von Patienten im Krankenhaus Infektionserreger übertragen (Nosokomiale Infektion). Bei der Händedesinfektion mit alkoholischen Präparaten werden ca. 3 ml (2 bis 3 Hübe aus Wandspendern) in die trockene Hohlhand gegeben und verrieben. Eine Einwirkzeit von mindestens 30 Sekunden ist einzuhalten. Die Mittel wirken durch die Zerstörung der Einzeller-Hüllen.

Die Mindesteinwirkzeit von 30 Sekunden reicht für die Inaktivierung einiger resistenter Erreger (z. B. Pseudomonas) nicht aus. Bei Kontamination mit Hepatitis B-Viren sind spezielle Händedesinfektionsmittel einzusetzen, deren Wirksamkeit gegen Hepatitis B-Viren entsprechende Gutachten belegten.

Die Verteilung des Händedesinfektionsmittels unterteilt sich in sechs Schritte, die sicherstellen, dass die Fingerzwischenräume, das Mittel die Fingerkuppen und die Nagelfalze mitbenetzen. Die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels ist zu beachten. Eine Händedesinfektion dauert in der Regel mindestens dreißig Sekunden, bei einer Verwendung von 3 ml Desinfektionsmittel.

Weiter bei der Hygienischen Händedesinfektion beachten

Schmuck- und Eheringe, Armbanduhren und Armreife, Nagellack, lange Fingernägel beeinträchtigen die Wirkung der Händedesinfektion über das verringerte Eindringen in die Hautporen.

Maßgebliche Vorschriften stehen in den Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften (§ 22, § 6 UVV). Insbesondere der regelmäßige Wechsel der Präparatgruppen.

Erforderliche begleitende Maßnahmen

Erforderliche begleitende Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe sind: Distanzierung (Non-touch-Technik), Hautschutz und Hautpflege, Gewährleistung der Compliance, Vermeidung von Fehlern im Umgang mit den Desinfektionsmittelspendern, Berücksichtigung der Rechtlichen Gesichtspunkte.

Chirurgische Händedesinfektion

Die chrirurgische Händedesinfektion findet ihren Einsatz vor allen operativen Eingriffen. Ziel ist die die weitgehende Keimfreiheit. Neben dem Operateur müssen sich alle direkt am Operationstisch stehenden und arbeitenden Personen dieser Desinfektionsmassnahme unterziehen.

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Händedesinfektion im allgemeinen Alltagsleben

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Siehe auch

Literatur

zur Hygienischen Händedesinfektion

  • Bernig Th: Vergleich der Hautverträglichkeit von sechs ausgewählten alkoholischen Händedesinfektionsmitteln im klinischen Doppelblindversuch anhand der subjektiven Akzeptanz und der Bestimmung objektiver Hautparameter. Diss Med Fak Univ Greifswald 1997.
  • Klaus Koch: Kinderstube statt Logik. Hygiene-Verhalten der Ärzte untersucht. Süddt. Ztg, Dienstag, 3. April 2001, Deutschland Seite V2/15

allgemein

  • European Standard EN 1499: Chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika, Desinfizierende Händewaschung, Prüfverfahren und Anforderungen (Phase 2/Stufe 2) 1998. Hygiene&Medizin 28. Jg. 2003, Heft 4; 129-133
  • Kramer A u. a. (Hrsg.): Klinische Antiseptik. Springer, Berlin 1993

Weblinks

  • AWMF online - Empfehlungen zur Hygiene in Klinik und Praxis bei uni-duesseldorf. - The AWMF Working Group for Hygiene in Hospital & Practice. Leitlinien-Register Nr. 029/027. Entwicklungsstufe: 1 + IDA. Erstellungsdatum: Februar 2003. (Dort weitere Literatur)
Quelle:
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