Höhlentauchen
Das Höhlentauchen ist eine besonders interessante, aber mit erhöhten Risiken verbundene Variante des Tauchsports. Für Wissenschaftler ist es jedoch eine notwendige Voraussetzung zur sinnvollen Speläologie (Höhlenforschung).
Beim Höhlentauchen unterscheidet man zwischen dem „Cavern-Tauchen“ und dem „Cave-Tauchen“:
- Beim Cavern-Tauchen dringt man innerhalb der Tageslichtzone in eine Höhle oder Grotte ein. Man hat den Ausgang immer in Sichtweite.
- Beim Cave-Tauchen werden große Höhlensysteme betaucht und erforscht. Dabei dringen die Taucher bis zu mehreren Kilometern tief in eine Höhle ein.
Voraussetzungen
Während Cavern-Tauchen auch von Sporttauchern relativ sicher durchgeführt werden kann, braucht man für Full-Cave-Tauchgänge fernab vom Tageslicht und dem nächsten Ausgang hohe Redundanz bei den überlebenswichtigen Teilen der Ausrüstung und spezielle Tauchfertigkeiten. Diese kann man sich in besonderen Höhlentauchkursen aneignen. Da das Betauchen von Höhlen meist genehmigungspflichtig und mit nicht unerheblichen Gefahren verbunden ist, sollte man auf eine autodidaktische Herangehensweise verzichten. Grundsätzlich wird die Höhlentauchausbildung häufig wie folgt unterschieden:
- Cavern Diver: Der Taucher erlernt das Betauchen der ersten Höhlenkammer und verlässt in keinem Fall die Tageslichtzone (bereits oben beschrieben). Diese Art des Höhlentauchens ist bei normalen Sporttauchern beliebt.
- Intro Cave Diver: Es erfolgt eine Einführung in das weitere Eindringen in Höhlen. Die Tageslichtzone wird hier bereits verlassen. Die Tauchtiefe ist auf 30 Meter begrenzt. Die verbrauchte Luftmenge darf 1/6 des mitgeführten Atemgasvorrats nicht übersteigen. Weiter ist der Weg linear zu suchen, d. h. keine Abzweigungen, Hin- und Rückweg sind identisch.
- Basic Cave Diver: Wie Intro Cave, wobei zwei Abzweigungen erlaubt sind. Zudem wird in die Grundlagen des Dekompressionstauchens eingewiesen.
- Full Cave Diver: Wie der Name sagt, kann sich der Taucher nun innerhalb der Regeln des Höhlentauchens in der Höhle „frei“ bewegen.
Probleme und besondere Risiken
- Druckausgleich: Natürliche Höhlen verlaufen selten in einer Ebene und linear, so dass immer wieder Auf- und Abstiege vollzogen werden. Unterschiedliche Tauchtiefen bedeuten aber auch unterschiedliche Druckverhältnisse (0 m = 1 bar, 10 m = 2 bar, 20 m = 3 bar usw.), die durch den Taucher ausgeglichen werden müssen.
- Orientierungsverlust: Der Flossenschlag des Tauchers kann Sediment am Höhlenboden aufwirbeln. Ferner kommt es vor, dass die Blasen der Ausatemluft Partikel von der Höhlendecke lösen, die dann zu Boden sinken. Diese Schwebstoffe können relativ schnell zu extrem schlechten Sichtverhältnissen führen. Daher wird der Weg zum Ausgang durch eine Führungsleine markiert, die in der Höhle entweder bereits gespannt wurde oder die der Taucher beim Vordringen von einer Rolle abspult. Verliert er dann den Kontakt zu dieser Führungsleine oder verlässt er sie, ist die Gefahr sich zu verirren sehr hoch. Ein tödlicher Ausgang des Tauchgangs ist dann fast vorprogrammiert.
- Atemgasversorgung: Höhlentaucher tauchen in der Regel nach der 1/6-Regel, d. h. ein Sechstel des mitgeführten Atemgases für den Weg in die Höhle, ein Sechstel zum Verlassen der Höhle. Vier Sechstel bilden die Reserve, um auch bei Problemen und daraus resultierendem erhöhten Gasverbrauch den Weg zurück sicher bewältigen zu können. Im Notfall muss die Reserve auch noch für den Buddy reichen.
- Psychische Stabilität: Grundsätzlich sollen Taucher mit Problemen, die unter Wasser auftreten, auch unter Wasser begegnen: Der Notaufstieg zur Oberfläche ist wegen der Gefahr der Dekompressionskrankheit und des Lungenrisses in aller Regel nur der letzte Ausweg. Höhlentauchern jedoch ist der Weg zur Wasseroberfläche von vornherein durch die Höhlendecke verwehrt. Insoweit ist bei dieser Sportart eine hohe psychische Stabilität und Besonnenheit von besonders großer Wichtigkeit, um bei unvorhergesehenen Ereignissen zu vermeiden, dass der Taucher durch aufkommende Panik sich und seinen Buddy in Lebensgefahr bringt.
- Verletzungsgefahr: Das Tauchen in einer Höhle mit vorspringenden Felsen, Tropfsteinen und anderen Hindernissen birgt besonders große Gefahren des Anstoßens und folglich äußerer Verletzungen. Schürfwunden wird durch den ohnehin obligatorischen Taucheranzug vorgebeugt; der Kopf wird durch einen Helm geschützt.
- Gaseinschlüsse: In wassergefüllten Höhlen sind zuweilen auch Gaseinschlüsse zu finden. Hier sollte der Taucher grundsätzlich der Versuchung widerstehen, das Gasgemisch in der Blase einzuatmen, da keine Gewähr dafür besteht, dass es sich um atembare Luft handelt, die ausreichend Sauerstoff enthält und frei von giftigen Gasen ist.
Besonderheiten der Ausrüstung
Die Aufzählung der besonderen Gefahren enthält bereits Hinweise, inwiefern die Ausrüstung der Höhlentaucher von derjenigen unterscheidet, die „konventionelle“ Sporttaucher verwenden:
- Der mitgeführte Luftvorrat ist größer; er übersteigt den eines Sporttauchers um ein Mehrfaches, da wegen der schon beschriebenen Sicherheitsregel anderenfalls kaum nennenswerte Grundzeit verbliebe. Um bei Ausfall eines Lungenautomaten einen sicheren Rückweg zu gewährleisten, müssen weitere Lungenautomaten unabhängig davon funktionieren können.
- Insbesondere in Höhlen, in denen Grundwasser strömt herrschen empfindlich niedrige Wassertemperaturen. Dann muss der Taucheranzug besonders gut warmhalten. EIn Trockentauchanzug sorgt zudem für ein redundantes Auftriebssystem.
- Wegen des fehlenden Tageslichts ist es erforderlich, Kunstlicht mitzuführen. Um bei Ausfall einer Lampe nicht völliger Dunkelheit hilf- und orientierungslos ausgeliefert zu sein, ist hier mehrfache Redundanz unerlässlich.
- Die Führungsleine muss so markiert sein, dass die Richtung zum Ausgang von Taucher jederzeit gefunden werden kann. Zu diesem Zweck dienen Pfeile, die in das Seil eingebunden werden können. Insbesondere wenn der Taucher kurzzeitig die Orientierung verloren hat, ist es wichtig, dass er anhand der Markierung feststellen kann, ob er sich in Richtung Ausgang oder nach dem Höhleninneren hinbewegt.
- Von manchen Höhlentauchern wird zudem, in Anlehnung an das Befahren von Trockenhöhlen, ein Helm verwendet. Dieser ähnelt in etwa dem eines Bergsteigers und wird zudem dazu verwendet, die Beleuchtung (ähnlich der Grubenlampe eines Bergmanns) zu tragen.
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