Der Begriff „Handwerkerehre“ ist eine Form des Ehrenkodex und steht für Zuverlässigkeit, Vertrauen, Qualität und Ausbildungssicherung, sowie auch für Werte wie Fleiß, Beständigkeit, Hingabe und Treue innerhalb der Ausübung eines Handwerks. Spezielle Formen sind die Maurerehre, die Tischlerehre, die Steinmetzehre und so weiter.
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Nach Werner Danckert (1963) verlangten die Zünfte (ständische Körperschaft von Handwerkern) moralische Makellosigkeit als Aufnahmebedingung, denn diese galt als erste Voraussetzung für Ehre und Achtbarkeit, was eine Voraussetzung für die berufliche, also die Handwerkerehre darstellt. Seinen Lehrbrief gewonnen zu haben bedeutete auch, dass der Meister vor dem versammelten Gewerk bekundete, der Lehrling habe sich redlich, fromm und treu sowie gottesfürchtig und ehrliebend gezeigt. [1] [2] [3]
Der Begriff der „Ehrbarkeit“ ist im traditionellen Handwerk weit verbreitet, man spricht auch vom „ehrbaren Handwerk“, und dem „ehrbaren Meister und Gesellen“. Innerhalb der traditionellen Gesellenorganisationen wird alles, was zur offiziellen Ausstattung gehört, weitgehend mit dem Titel „ehrbar“ bedacht. Die farblich zu unterscheidende, typische Schlips der jeweiligen Schächte (siehe Schacht (Vereinigung)) trägt sogar direkt den Titel „Ehrbarkeit“ (siehe Ehrbarkeit (Handwerker)). [4] Das große Bedürfnis, sich als „ehrbar“ oder „rechtschaffen“ dazustellen, entstammt der Notwendigkeit für den Handwerker, in der Öffentlichkeit als „ehrbar“ wahrgenommen zu werden. Zum einen ist es bei der Arbeit oft notwendig, in den persönlichen Bereich des Kunden einzudringen und dieser muss dazu dem Handwerker ein Mindestmaß an Vertrauen entgegen bringen können. Zum anderen ist es für den Kunden oft nicht unmittelbar ersichtlich, ob die Arbeit korrekt durchgeführt wurde, und es bedarf eines Vertrauensverhältnisses, dass der Kunde dem Handwerker die oft beträchtlichen Zahlungsbeträge aushändigt.
Auch für den reisenden Gesellen war (und ist) es ein beachtlicher Vorteil, in der Öffentlichkeit als „ehrbar“ wahrgenommen zu werden, da er als Reisender oft auf Hilfe angewiesen ist. Aus diesem Grund achten traditionell reisende Handwerker bis heute noch darauf, daß keiner von ihrer Gruppe z.B. mit Schulden abreist. Stellt sich doch immer wieder die Situation, in einer anderen Stadt Arbeit aufzunehmen und für Logis und Essen erst einmal nicht bezahlen zu können. Werden die reisenden Gesellen als ehrlich und zuverlässig wahrgenommen, stellt es für die Wirtsleute und Logisgeber (Heutzutage z.B. oft Wohngemeinschaften) kein Problem dar, sich darauf einzulassen. Denn sie haben die Erfahrung gemacht, daß spätestens bei der Abreise des betreffenden Gesellen alles bezahlt ist.
Über seine eigene gute Arbeit kann der Handwerker sein Selbstbewusstsein und Selbstwert entwickeln. Auf diese Weise identifiziert er sich mit seiner Arbeit und indem er seiner Arbeit treu ist, ist er auch sich selbst treu.
Zur Wahrung der Qualität der handwerklichen Arbeit kannten die meisten handwerklichen Zünfte die sogenannte „Schau“, für die Überwachung und Prüfung der handwerklichen Produkte. Auf der Grundlage bestimmter Qualitätsmerkmale für den jeweiligen Arbeitsbereich wurde sie von bestellten Schaumeistern oder Altmeistern durchgeführt. Im Hinblick auf die Qualitätswahrung enthielten die Zunftordnungen z.B. Verbote zur betrügerischen Verwendung minderwertiger Materialien. [5]
Unter dem Einfluss von zeitalter- und kulturbedingten Lebensumständen hat die Ehre des Handwerksberufes, sowie die Handwerkerkultur und das Handwerkerselbstverständnis einen Wandel durchlaufen. [6]
Möglicherweise stellt sich innerhalb des Konkurrenzkampfes der heutigen Zeit die Frage, ob die Qualität der ausgeführten Arbeit in einen Bezug zum Ausbildungsstand zu setzen sei. Ein fachlich höher qualifizierter Handwerker könnte einen höheren Preis für seine Arbeit verlangen, das ermöglichte ihm, seine Arbeit mit Sorgfalt und entsprechend seiner Handwerkerehre zu leisten, weil er dann ausreichend Zeit dafür hätte. [7]
Fredmund Malik (2007) führt diese Sichtweise weiter aus und definiert klare Regeln zum Handwerkmanagement. Er schreibt der Gestaltung von Teamarbeit, dem Treffen von Personalentscheidungen, und z.B. dem Erfassen einer Gehaltsstruktur großes Gewicht zu. Dieses Instrumentarium sei nötig um der Handwerkerehre gerecht zu werden, dem Kunden Professionalität zu liefern, und werde z.B. in einem BWL-Studium nicht vermittelt. [8] [9]