Bernhard Hans Henry Scharoun (* 20. September 1893 in Bremen, aufgewachsen in Bremerhaven; † 25. November 1972 in Berlin) war ein deutscher Architekt und einer der bedeutendsten Vertreter der organischen Architektur.
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Nach dem Abitur in Bremerhaven (1912) studierte Scharoun bis 1914 Architektur an der Technischen Hochschule in Berlin (damals: „Königliche Technische Hochschule zu Berlin“), schloss dieses Studium aber nie ab. Sein erstes Interesse für Architektur zeigte er bereits während seiner Schulzeit. Mit 16 Jahren entstanden erste Entwürfe, mit 18 nahm er erstmals an einem Architektenwettbewerb für die Modernisierung einer Kirche in Bremerhaven teil. 1914 meldete er sich freiwillig zum Dienst im Ersten Weltkrieg. Paul Kruchen, sein Mentor aus Berliner Zeiten brachte ihn in einem Wiederaufbau-Programm für Ostpreußen unter, nach dem Krieg übernahm er 1919 dessen Büro als Freier Architekt in Breslau. Dort und in Insterburg (heute: Tschernjachowsk) realisierte er zahlreiche Projekte und organisierte Kunstausstellungen, wie die erste Ausstellung der expressionistischen Künstlergruppe „Die Brücke“ in Ostpreußen.
An der Breslauer Akademie für Kunst und Kunstgewerbe erhielt er 1925 eine Professur und unterrichtete bis zu deren Schließung 1932. Bereits 1919 hatte er sich dem expressionistischen Architektenkreis „Gläserne Kette“ von Bruno Taut angeschlossen, 1926 trat er der Architektenvereinigung „Der Ring“ bei. 1927 baute Scharoun ein Wohnhaus in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, und Ende der zwanziger Jahre zeichnete er für den Bebauungsplan der Großsiedlung Siemensstadt in Berlin verantwortlich. Ausgehend von Hugo Härings Theorie des neuen Bauens vertrat Scharoun einen Architekturbegriff, der sich vom Rationalismus und von vorgefertigten Formschemata löst, um das Gebäude jeweils aus einem besonderen Funktionscharakter heraus zu entwickeln. Dabei spielt die Gestaltung des sozialen Lebensraums eine zentrale Rolle.
Während der Zeit des Nationalsozialismus blieb er in Deutschland, während viele seiner Freunde und Kollegen aus der „Gläsernen Kette“ oder dem „Ring“ ins Ausland gingen. In dieser Zeit baute er nur einige Einfamilienhäuser, darunter das bemerkenswerte Haus Schminke im sächsischen Löbau (1933). Die folgenden Häuser musste er nach außen den politisch bestimmten Bauvorschriften anpassen, im Inneren zeigen sie die typisch scharounschen Raumfolgen. Während des Krieges war er mit der Beseitigung von Fliegerschäden beschäftigt. Seine architektonischen Ideen und Visionen hielt er heimlich auf zahlreichen Aquarellen fest. Mit diesen imaginären Architekturen bereitete er sich geistig auf eine Zeit nach dem Nationalsozialismus vor.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er von den Alliierten zum Stadtbaurat und Leiter der Abteilung Bau- und Wohnungswesen des Magistrats ernannt. In einer Ausstellung in der zerstörten Ruine des Berliner Stadtschlosses mit dem Titel „Berlin plant — Erster Bericht“, stellt er seine Vorstellungen des Wiederaufbaus von Berlin vor. Alsbald gerät er zwischen die politischen Stühle der sich abzeichnenden Teilung der Stadt.
1946 wird er ordentlicher Professor an der Fakultät für Architektur an der Technischen Hochschule Berlin, Lehrstuhl und Institut für Städtebau.
Nach dem Krieg konnte er in exemplarischen Bauten sein ebenso anspruchsvolles wie menschenfreundliches Architekturverständnis verwirklichen, z. B. in der Stuttgarter Hochhausgruppe Romeo und Julia (1954–59), im Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lünen (1956–62) und in der berühmten Philharmonie in Berlin (1956–63). Allen Gebäuden ist der neuartige Zugang zu einer überaus phantasievollen und sozial differenzierten Raumorganisation gemeinsam. Die Schule ist wie eine kleine, kind- und jugendgerechte Stadt geplant, die Hochhausgruppe mit ihrer vielgestaltigen Raum- und Funktionsaufteilung. Die Philharmonie schließlich, die international als einer der gelungensten Bauten ihrer Art gilt, ist Scharouns Hauptwerk. Um das Zentrum des Musikpodiums steigen terrassenförmig und unregelmäßig die Ränge der Zuschauer an, die Decke schichtet sich wie ein zeltartiges Firmament über die architektonische Landschaft.
Das Gebäude der Deutschen Botschaft in Brasília (1963–69) bleibt das einzige Gebäude, das er außerhalb Deutschlands baute.
Einige seiner wichtigsten Bauten wurden erst nach seinem Tod fertiggestellt. Dazu gehören das „Deutsche Schiffahrtsmuseum“ in seiner Heimatstadt Bremerhaven, das Stadttheater in Wolfsburg und die „Staatsbibliothek Stiftung Preußischer Kulturbesitz“ in Berlin.
Die Erweiterung der Berliner Philharmonie um den Kammermusiksaal und das „Staatliche Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz mit Musikinstrumentemuseum“ entstanden überwiegend unter der Leitung seines Büropartners Edgar Wisniewski, der das Büro nach Scharouns Tod weiterführte. Die Fassade der Philharmonie wurde in den achtziger Jahren mit einer Verkleidung aus goldeloxierten Aluminiumplatten versehen, ursprünglich war es eine weiß und ocker gestrichene Sichtbetonfassade. Die anfänglichen Planungen Scharouns sahen eine ähnliche Verkleidung vor, die damals aus Kostengründen nicht ausgeführt wurde. Nach der Wiedervereinigung Berlins wurden der östlich des Kulturforums anschließende Potsdamer Platz neu bebaut, womit Scharouns städtebaulichen Planungen des Gebietes endgültig zu den Akten gelegt werden konnten.
Von 1955 bis 1968 war er Präsident der Berliner Akademie der Künste (West), ab 1968 ihr Ehrenpräsident.
Hans Scharoun war ein Gründungsmitglied der Paul-Hindemith-Gesellschaft in Berlin e.V..
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