| Hebräisch (עברית) | ||
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| Linguistische Klassifikation |
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| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: | he | |
| ISO 639-2: | (B) heb | (T) |
| ISO 639-3 (SIL): | HBR | |
Hebräisch (עברית) gehört zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachen und damit zur afro-asiatischen Sprachfamilie. Die heilige Schrift der Juden, die Tora, wurde vor Tausenden von Jahren in dieser Sprache kodifiziert und den folgenden Generationen weitergegeben. Nach der Zerstörung des Ersten Tempels zu Jerusalem durch Nebukadnezar II. im Jahre 586 v. Chr. und dem darauffolgenden babylonischen Exil kam die dortige Amtssprache Aramäisch unter den Juden in Umlauf; späte Teile der Bibel enthalten deshalb aramäische Bestandteile. Auch die Muttersprache Jesu von Nazareth war vermutlich Aramäisch. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels zu Jerusalem im Jahre 70 verlagerte sich das Zentrum jüdischen Lebens von Judäa nach Galiläa. Damit verbunden ging auch die Verwendung der hebräischen Sprache zurück. Etwa ab dem Jahre 200 hörte Hebräisch auf, als Alltagssprache zu fungieren. Es blieb indessen eine Sakralsprache, wurde jedoch nie ausschließlich zu liturgischen Zwecken benutzt, sondern auch zur Abfassung von philosophischen, medizinischen, juristischen und poetischen Texten, so dass sich das Vokabular im Laufe der Jahrhunderte erweitern konnte. Es ist ebenfalls bezeugt, dass sich die verstreuten jüdischen Gemeinden zur Verständigung untereinander des Hebräischen bedienten. Die Erneuerung des Hebräischen als Muttersprache begann im späten 19. Jahrhundert unter Eliezer Ben Jehuda. 1889 gründete er in Jerusalem den „Rat der hebräischen Sprache“ mit dem Ziel, die seit etwa 1700 Jahren kaum mehr gesprochene Sprache der Bibel wiederzubeleben. Wenn auf diesem Wege eine neuhebräische Muttersprache (Iwrit) entstand, deren Unterschiede zum Biblischen Hebräisch recht gering sind – etwa im Vergleich mit den Unterschieden zwischen Altgriechisch und Neugriechisch –, so dass in Israel gar nicht zwischen Alt- und Neuhebräisch unterschieden wird, so ist doch zu beachten, dass sich dieser Umstand der Tatsache verdankt, dass das moderne Hebräisch eine Wiederbelebung des Enwicklungsstandes der Sprache ist, den die Masoreten von Tiberias mit ihrer Vokalisation fixiert hatten. Einige althebräische Formen werden zwar in Israel verstanden aber in der Alltagssprache nicht verwendet (z.B. Objektendungen) oder haben heute eine andere Bedeutung (Zeitformen des Verbs).
Inhaltsverzeichnis |
Man unterscheidet drei Entwicklungsstufen: Alt-, Mittel- und Neuhebräisch.
Der Gezer-Kalender stammt aus dem Jahre 925 v. Chr., das heißt aus der Amtszeit des Königs Salomo, und gilt als die bisher älteste bekannte hebräische Inschrift. Es handelt sich um einen landwirtschaftlichen Kalender aus sieben horizontal geschriebenen Zeilen und einer achten vertikalen Zeile, in denen das phönizische Alphabet verwendet wird.
Das berühmteste Werk in hebräischer Sprache ist die jüdische Bibel, der Tanach (im christlichen Sprachgebrauch Altes Testament genannt). Die genauen Daten ihrer Abfassung sind umstritten. Die ältesten Exemplare von biblischen Texten wurden 1947 in Qumran gefunden und stammen aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem späten 1. Jahrhundert n. Chr.
Die Juden im Perserreich benutzten Aramäisch, das für die folgenden 700 Jahre zur Umgangssprache wurde und vor allem in der Bibelübersetzung Targum und in Teilen des Talmuds literarisch verwendet wurde. Aramäisch gehört ebenfalls zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachen und ist somit dem Hebräischen sehr nahe verwandt. In der mittelhebräischen Phase wurden zahlreiche aramäische Ausdrücke und Redewendungen ins Hebräische übernommen, vor allem aber die aramäische Schrift, die als Quadratschrift bis heute in Gebrauch ist. Während etwa zwei Jahrtausenden war Hebräisch keine gesprochene Sprache. In der traditionellen jüdischen Ausbildung, beginnend im Cheder und fortgesetzt in den Talmud-Hochschulen, wurde jedoch viel Zeit darauf verwendet, um Tora, Mischna, Gemara und rabbinische Kommentare im Original lesen zu können. Der wichtigste Beitrag zur Erhaltung des traditionellen Hebräisch stammt von den Masoreten, die vom 7. bis zum 10. nachchristlichen Jahrhundert zum ursprünglich rein konsonantischen Text Vokale, Akzente und so genannte Teamim hinzufügten, das heißt Angaben zum liturgischen Gesang im Gottesdienst. Da die entsprechenden Zeichen hauptsächlich aus Punkten bestehen, spricht man von „Punktation“. Die bedeutendsten Masoreten wirkten im 9./10. Jahrhundert n. Chr. in Tiberias am See Genezareth. Vor allem zwei Familien von Masoreten sind hier bedeutsam: die Ben Ascher und die Ben Naftali. Nachdem bereits vorher in Babylonien wie in Palästina Texte punktiert worden waren, schufen die Tiberienser das ausführlichste und gründlichste Punktationssystem, das sich schließlich durchsetzte. Der allgemein anerkannte jüdische hebräische Bibeltext, der seit dem 16. Jahrhundert auch von christlichen Theologen der exegetischen Arbeit am Alten Testament zu Grunde gelegt wird, geht auf die Familie Ben Ascher zurück. In der Biblia Hebraica Stuttgartensia ist der masoretische Text nach der ältesten vollständigen Handschrift dieser Textform, dem Codex Leningradensis abgedruckt. Die Arbeiten von Paul Kahle zu verschiedenen masoretischen Systemen und der Vergleich mit griechischen Umschriften des Hebräischen in der Septuaginta und der Hexapla des Origenes hat gezeigt, dass die Masoreten von Tiberias in ihrer Punktation nicht das wiedergaben, was gängige Volkssprache war, sondern dass sie zum Teil ein ideales philologisches Konstrukt schufen, das den Anspruch erhob, altes, reines Hebräisch zu sein. Dem Satz von David Ben Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten des neuzeitlichen Staates Israel: „Wenn Moses heute zurückkäme und um ein Stück Brot bitten würde, würde man ihn verstehen“, ist demnach mit Sicherheit zu widersprechen. Das Hebräische des Mose hat gewiss noch nicht die Form gehabt, die die tiberiensischen Masoreten zwei Jahrtausende später dem Hebräischen gaben, wobei sie zweifellos von syrischen und arabischen Einflüssen nicht frei waren. Allerdings ist das Hebräisch des modernen Israel identisch mit der Sprache einer jahrhundertelangen jüdischen Tradition.
Siehe auch: Mittelhebräisch
Siehe Hebräisches Alphabet sowie die Einträge unter den einzelnen Buchstaben, von Aleph bis Taw.
Hauptartikel: Hebräische Grammatik
In der hebräischen Grammatik werden zur Unterscheidung von Subjekt und Objekt keine Fälle verwendet, sondern Präpositionen. Flexion spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Bildung und Ableitung von Verben, Substantiven, der Genitivkonstruktion Status constructus, die auf Hebräisch Smichut („Stützung“) genannt wird, und dem Besitzverhältnis.
Beispiele für Smichut:
báyit = Haus; ləchem = Brot; béit lechem = Haus des Brotes (Bethlehem).
In der Smichut steht der Artikel, im Gegensatz zu den Indogermanischen Sprachen, vor dem Objekt:
alijá = Einwanderung; nó`ar = Jugend; aliyát hanó`ar = die Einwanderung von Jugendlichen.
Das Besitzverhältnis kann auf hebräisch durch eine Kurzform und eine längere Form wiedergegeben werden. Die Kurzform besteht in der Anhängung einer persönlichen Nachsilbe, die längere Form durch Ableitungen der Präposition schel („von“). Die Präposition שׂל schel wiederum ist selbst zusammengesetzt aus zwei Bestandteilen: Dem Reflexium שׂ schə und der Präposition ל lə, was soviel bedeutet wie bei. Beispiel:
Sohn = בן ben
mein Sohn = בני bni bzw. הבן שׂלי habén schelí (wörtlich „der Sohn, der bei mir (ist)“).
Dass die Hebräische Schrift eine Konsonantenschrift ist, kommt nicht von ungefähr: in der hebräischen Sprache besteht ein Wortstamm nur aus Konsonanten. Die verschiedenen abgeleiteten Formen entstehen durch Hinzufügung unterschiedlicher Vokale sowie mit Hilfe von Vor- und Nachsilben.
Zum Thema Wortstamm siehe außerdem den Abschnitt „Grammar“ im englischen Artikel über die semitischen Sprachen, en:Semitic languages.
Die hebräische Sprache kennt zwei grammatikalische Geschlechter bzw. Genera: männlich und weiblich. Weibliche Substantive und Namen enden meistens mit a oder th, das entspricht jeweils den hebräischen Buchstaben ה „He“ bzw. תּ „Taw“. Beispiel: Judith, `Ivrith. Es gibt jedoch auch einige Ausnahmen, beispielsweise endet das Wort „lájla“ (Nacht) mit dem Buchstaben „He“ und ist trotzdem männlich.
Betont wird meistens die letzte Silbe, in einigen Fällen auch die vorletzte Silbe, bei Fremdwörtern auch andere Silben (univérsita „Universität“). Die Betonung ist (im Neuhebräischen) schwach phonemisch, es gibt also gelegentlich Wortpaare, die sich nur durch die Betonung unterscheiden (birá „Hauptstadt“, bíra „Bier“). Manche Personennamen können auf zweierlei Weise betont werden und erhalten dadurch einen jeweils unterschiedlichen emotionalen Beiklang.
Hebräische Substantive und Adjektive können mit dem bestimmten Artikel „ha“ definiert werden. Unbestimmte Substantive bzw. Adjektive tragen gar keinen Artikel. Der bestimmte Artikel wird zusammen mit dem zugehörigen Wort geschrieben. Beispiel: no`ar = Jugend, hano`ar = die Jugend.
Hebräische Verben verfügen heute über drei Zeitformen, Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Für die Gegenwart hat jedes Verb vier Formen, wobei zwischen männlicher Einzahl, weiblicher Einzahl, männlicher Mehrzahl und weiblicher Mehrzahl unterschieden wird. Beispiel:
| (aní, atá, hu) kotéw | (ich, du, er) [m.] schreibe, schreibst, schreibt |
| (aní, at, hi) kotéwet | (ich, du, sie) [f.] schreibe, schreibst, schreibt |
| (anáchnu, atém, hem) kotwím | (wir, ihr, sie) [m.] schreiben, schreibt, schreiben |
| (anáchnu, atén, hen) kotwót | (wir, ihr, sie) [f.] schreiben, schreibt, schreiben |
Die Grundform zur Ableitung sämtlicher Konjugationsformen ist im Hebräischen die 3. Person Singular maskulin der Vergangenheit, Beispiel katáw: er schrieb. Des weiteren verfügen die meisten Verben, mit Ausnahme von einigen Passivformen und Modalverben, über Infinitiv- sowie Imperativformen.
Hebräische Verben kennen weder eine Vorvergangenheit noch ein Futur II. Dieser Mangel an zeitlichen Ausdrucksformen wird jedoch dadurch ausgeglichen, dass die jahrtausendealten Wortstämme (siehe oben) durch die Ableitung von kausativen und reflexiven Formen neu belebt werden können. Beispiele:
In den Jahrhunderten der Diaspora verwendeten die Juden zahlreiche Sprachen wie Jiddisch, Jenisch, Ladino bzw. Judezmo, Karaimisch, Judäo-Arabisch und andere, die zwar nicht direkt vom Hebräischen abstammen, jedoch zahlreiche hebräische Lehnwörter aufweisen und fast stets mit dem hebräischen Alphabet notiert wurden.
Bis zum heutigen Tag werden biblische Zitate und Anspielungen in der Alltagssprache verwendet. Die Verse des Hoheliedes sind in unzähligen Varianten vertont worden; beim Eintritt des Frühlings wird beispielsweise Kapitel 2, Vers 11 zitiert: „Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist vorbei, die Blumen zeigen sich im Lande.“
Durch die Bibelübersetzung von Martin Luther sind zahlreiche Ausdrücke und Redewendungen mit biblischem Hintergrund in die deutsche Sprache aufgenommen worden. Beispiele: sicher wie in Abrahams Schoß, Jubeljahr, Kainsmal.
Vornamen hebräischen Ursprungs sind weit verbreitet: Benjamin, Daniel, David, Jakob, Joseph, Joachim, Joel, Johanna, Jonas, Jonathan, Judith, Maria, Miriam, Michael, Johann, Rebekka, Samuel, Achim und viele andere.
Einige hebräische Worte sind über das Jiddische in die deutsche Sprache gelangt, z. B. Tachles aus hebr. tachlit = Zweck, Sinnvolles, meschugge aus meshugá = verrückt/übergeschnappt, malochen aus melacha = Arbeit, koscher aus kascher = rein, tauglich, dufte aus tov = gut, betucht aus batuach = sicher, Stuss aus schtut = Unsinn (aus: [alt]). Auch zahlreiche Redewendungen haben möglicherweise einen hebräischen Ursprung. Zum Beispiel gilt der Gruß zum Jahreswechsel Einen guten Rutsch als eine Verballhornung des hebräischen Rosch ha-Schana = Anfang des Jahres. Damit bedeutet der Gruß einfach Einen guten Jahresanfang. Auch der Begriff Es zieht wie Hechtsuppe kann auf einen hebräischen Ursprung (hech suppa = starker Wind) zurückgeführt werden.
Aus historischen Gründen befinden sich viele Begriffe des Geschäftslebens darunter. Da den Juden im christlichen Europa jahrhundertelang kaum andere Erwerbsquellen erlaubt wurden als Handel oder Geldwesen, entwickelte sich die Sprache entsprechend. Hierher gehören die Ausdrücke Kies im Sinne von (Taschen)geld aus kis = Tasche; Pleite aus peleta = Flucht, Entkommen; Reibach aus rewach = Gewinn, oder Ausdrücke der Kriminalität z. B. Ganove (von hebräisch ganav = Dieb). Siehe dazu auch Hebraismus.
Bei der Schaffung von Ivrith zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden aus den meisten europäischen Sprachen verschiedene Ausdrücke übernommen. Die modernen Monatsnamen in Israel entsprechen den deutschen Bezeichnungen: Januar, Februar, März usw. Die einzige Abwandlung ergibt sich beim Monat August, der Ogust ausgesprochen wird, da die Vokalverbindung au im Hebräischen ungewöhnlich ist. Die neuhebräische Bezeichnung iton (Zeitung) von et = Zeit, ist nach dem Vorbild des deutschen Wortes gebildet.
Das umgangssprachliche Hebräisch hat etliche deutsche bzw. jiddische Ausdrücke aufgenommen, z. B. „spritz“, „Schluck“, „Schnitzel“.
Auch im handwerklichen Sektor finden sich einige deutsche Ausdrücke, wie bspw. „Isolierband“ oder „Dübel“, welcher allerdings – aufgrund des im Hebräischen fehlenden Ü-Lautes – „Diebel“ ausgesprochen wird.
Grammatiken:
Wörterbücher:
Lehrbücher:
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