Hebung (Geologie)

Hebung bzw. die entsprechende Senkung bedeutet in den Geowissenschaften eine Vertikalbewegung im Zusammenhang mit endogenen Kräften des Erdkörpers - etwa bei der Gebirgsbildung - und geht auf unterirdische Bewegungen (Mantelkonvektion, Vulkanismus) oder auf Keil-Wirkungen zurück, sowie auf Isostasie, den Kräfteausgleich der Landmassen über den flüssigen Erdmantel. Hebe- und Senkeffekte sind Teil des Bradysismus, der langsamen Erdbewegung.

Ursachen

Die Geodynamik kennt verschiedene Ursachen für Hebung bzw entsprechende Senkungen:

Folgen

Das Wachstum der Alpen, wie auch anderer junger Faltengebirge der alpidischen Bildungsphase etwa setzt sich aus Effekten der Postglazialhebung, der der zugrundeliegenden Faltung und der entgegenwirkenden Erosion zusammen. Insgesamt ergibt sich eine durchschnittliche Hebung von 1–2 cm je Jahrhundert mit lokalen Schwankungen. Die Hänge der Alpen sind dadurch permanent an der Grenze zu einer instabilen Steilheit. In Zusammenhang mit dem Aufsteigen der Permafrostgrenze ist dieser Effekt für Bergsturz in den Alpen verantwortlich und für die Auszeichnung von Gefahrenzonen in der Gefahrenkartierung für Siedlungsbereiche von Bedeutung. In den aktivsten Phasen der Gebirgsbildung liegen die Hebungen vermutlich im Bereich etlicher mm/Jahr.

Die spontanen Hebungen und Senkungen nach schweren Erdbeben führen zu großräumigen Verwerfungen der Gesteinsschichten. Diese Erreichen die weitaus höchsten Geschwindigkeiten, etliche Meter in wenigen Sekunden. Besonders verheerende Wirkungen zeigen diese Erdbewegungen im Tiefseebereichen, wo sie durch die Wasserverdrängung bei großflächigen Hebungen große Energiemengen übertragen und die Ursache für Tsunamis darstellen. Das Ereignis vom 26. Dezember 2004 wurde durch ein Kippen einer Bruchscholle mit Hebungen von bis zu einem Dutzend Metern verursacht.

In den Phlegräischen Feldern am Vesuv senkte sich die Küstenlinie 8 m in den letzen 2000 Jahren, zahlreiche römische Paläste und Villen, wie auch antike Hafenanlagen liegen hier unter dem heutigen Meeresspiegel. Neben bekannten, überlieferten Beispielen wurde das Ausmaß von Hebungsbewegungen in geschichtlicher Zeit erst in den letzten Jahrzehnten erkannt, und hat die Unterwasserarchäologie zu einem wichtigen Forschungsbereich gemacht. Zu ihren bedeutenderen Erfolgen gehört die Entdeckung des antiken Herakleion (Ägypten) inklusive der mutmaßlichen Fundamente des Pharos von Alexandria 2000/2001, die heute knapp zehn Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Diese enormen Senkungen sind nur teilweise eine Folge der seitherigen Klimaerwärmung und der Volumenvergrößerung des Wassers, teils aber eine Ausgleichsbewegung zwischen der Alpenhebung und dem – anschließend erläuterten – Afrikaplume, und lassen noch etliche weitere Funde im östlichen Mittelmeerraum erhoffen.

Die Hebung/Senkung des Meeresspiegels, an der die regionale Relativhebung des Meeresbodens zum Normalwasserstand Anteil hat, spielt über das Entstehen und Verschwinden von Landbrücken entscheidende Rolle sowohl in der Tierwanderung und Pflanzenausbreitung, wie auch der Besiedlungsgeschichte, und sogar in Entwicklungsgeschichte des Menschen: Unter dem südlichen Afrika und dem westlichen Pazifik liegt ein Superplume, der den halben Kontinent in den letzten 100 Millionen Jahren weit über 1000 m gehoben hat. Entsprechend bildet ein versoffenes altes Faltengebirge das heutige Indonesische Archipel. Die frühen Menschenaffen dürften sich also in einer dem heutigen Südostasien ähnelnden Umwelt entwickelt haben.

In Fennoskandien betragen Hebungen 1-2 cm/Jahr, und ähnliche Größenordnungen werden auch andernorts gemessen. Das ist für den Menschen kaum merklich, die höhere Geodäsie muss aber ihr Referenzmodell, den Geoid, den sich verändernden Geoidundulation nachführen (dynamische Topografie)

Quelle:
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