Die Heilige Vorhaut Jesu (lateinisch: „sanctum praeputium“) ist eine Reliquie der Römisch-Katholischen Kirche der angeblichen Vorhaut von Jesus von Nazaret. Da ein zentraler Inhalt des christlichen Glaubens die Himmelfahrt Jesu ist, blieben von seinem Körper nur die Bestandteile übrig, die er zu dem Zeitpunkt nicht mehr gehabt haben soll (siehe Christusreliquien). Ausgehend von dem Gedanken, dass bei der Beschneidung Jesu im Tempel (Brit Mila) dessen Vorhaut auf diese Weise übrig geblieben ist, beanspruchten eine Anzahl von europäischen Kirchen im Mittelalter, im Besitz dieser Reliquie zu sein, der angeblich wunderbare Heilkräfte zugeschrieben wurden.
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Seit dem Spätmittelalter wurde zum Gedenken an die Beschneidung Jesu acht Tage nach seiner Geburt, von der im Lukasevangelium 2,21 berichtet wird („Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz …“), am 1. Januar das Fest der Beschneidung des Herrn (in circumcisione domini) gefeiert. Der Festtag wurde jedoch durch das Zweite Vatikanischen Konzil 1962 abgeschafft.
Eine Anzahl von Orten beanspruchte im Mittelalter, im Besitz der Heiligen Vorhaut zu sein. Dazu gehörten
Die Reliquie der Heiligen Vorhaut soll Papst Leo III. von Karl dem Großen anlässlich seiner Kaiserkrönung am 25. Dezember 800 in Rom geschenkt worden sein. Karl wiederum soll sie von einem Engel oder von der Kaiserin Irene von Byzanz bekommen haben. Die Heilige Vorhaut wurde zusammen mit anderen wichtigten Reliquien in der Kapelle Sancta Sanctorium im Lateran aufbewahrt.
Der Legende nach soll die Reliquie beim Sacco di Roma von einem beteiligten deutschen Söldner gestohlen worden sein, der wiederum auf dem Rückzug nördlich von Rom von Graf Anguillara festgenommen und in der Burg von Calcata festgesetzt wurde. Der Soldat soll das Reliquiar in seiner Zelle versteckt haben, wo sie erst 30 Jahre später wiedergefunden wurde und seither in der Pfarrkirche des Ortes aufbewahrt wurde. 1584 wurde die Heilige Vorhaut von Papst Sixtus V. indirekt anerkannt indem er einen Ablass für das Pilgern nach Calcata gewährte. Sie wurde regelmäßig bis 1983 bei Prozessionen öffentlich gezeigt. In diesem Jahr verschwand sie jedoch unter ungeklärten Umständen. Der Versuch des britischen Fernsehjournalisten Miles Kington im Jahr 1997, die Heilige Vorhaut zu finden, endete erfolglos
Auch die Abteikirche in Charroux führte den Besitz der Reliquie auf Karl den Großen zurück. Papst Innozenz III. weigerte sich jedoch deren Authentizität anzuerkennen.
Eine Heilige Vorhaut tauchte im Jahr 1112 in Antwerpen auf. Nach einem feierlichen Einzug in die Frauenkirche sah der Bischof von Cambrai drei Blutstropfen von ihr fallen. Mit einer eigenen Kapelle geehrt, blieb diese Reliquie in Antwerpen, bis sie beim Bildersturm von 1566 verschwand. Doch im 14. Jahrhundert wurde in Rom die Existenz einer weiteren Heiligen Vorhaut Jesu bekannt, für deren Echtheit sich die heilige Birgitta verbürgte.
Katharina von Valois bat im Jahr 1421 ihren Mann, König Heinrich V. von England, ihr die Heilige Vorhaut zu besorgen, da ihr süßer Duft eine gute Geburt garantieren würde. Diese Reliquie wurde in der Abteikirche von Coulombs niedergelegt.
Die heilige Katharina von Siena soll in einer Vision eine mystische Hochzeit mit Jesus erlebt haben, bei der ihr Jesus seine Vorhaut als Ehering gegeben haben soll. Diese Vision scheint aber eine anti-katholische Parodie des 17. Jahrhunderts gewesen zu sein und ist damit kaum glaubhaft.
Nach Darstellung von G. W. Foote & J. M. Wheeler, Crimes of Christianity (1887), soll der griechische Gelehrte und Kurator der Vatikanischen Bibliothek, Leo Allatius († 1661), in einer Schrift “De Praeputio Domini Nostri Jesu Christi Diatriba” („Vortrag über die Vorhaut unseres Herrn Jesus Christus“) spekuliert haben, dass die Heilige Vorhaut mit Jesus zum Himmel empor stieg und sich in die Saturnringe verwandelte.[1] Diese Ringe waren erst im Jahre 1610 mittels eines der ersten Teleskope entdeckt worden.
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