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Heinz-Herbert Karry

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Heinz-Herbert Karry (* 6. März 1920 in Frankfurt am Main; † 11. Mai 1981 ebenda) war ein deutscher Politiker (FDP).

Inhaltsverzeichnis

Leben und politische Laufbahn

Karry besuchte die Helmholtzschule und absolvierte anschließend eine kaufmännische Lehre. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde er als „Halbjude“ verfolgt und zeitweise als Zwangsarbeiter verpflichtet. 1945 ließ er sich als selbständiger Kaufmann und Vermögensverwalter in Frankfurt am Main nieder. Zunächst Mitglied der Gesellschaft für Bürgerrechte, trat er 1949 in die FDP ein. Er wurde Mitglied des Kreisvorstandes, seit 1958 des Landesvorstandes sowie des Bundesvorstandes, später Landes- und Bundesschatzmeister.

1960 bis 1972 war er ehrenamtlicher Stadtrat für Frankfurt-Bornheim, 1960 bis 1978 Mitglied des hessischen Landtags, dessen stellvertretender Vorsitzender er 1963 bis 1968 war. 1968 bis 1970 Vorsitzender der Landtagsfraktion der FDP.

Karry war ab 1970 hessischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident in der sozialliberalen Koalition unter Ministerpräsident Albert Osswald. In Frankfurt am Main setzte er sich u.a. für den Wiederaufbau der Alten Oper ein.

Heinz Herbert Karry betrieb als erster Wirtschaftsminister eines Bundeslandes – neben seinen Schwerpunkten Verkehrs-, Mittelstands- und Innovationspolitik – aktiv Handelspolitik, etwa bei seinen Besuchen in der Volksrepublik China – welche in dieser Zeit die ersten gemeinsamen deutsch-chinesischen Joint-Ventures zuließ – oder mit den Arabischen Staaten.

Heinz Herbert Karry hatte als Politiker wie auch als Mensch einen wesentlichen Einfluss darauf, die FDP zu einer modernen liberalen Partei zu formen und empfand sich selbst wohl als Wirtschafts- wie auch als Rechtsliberaler. Er hatte einen umfassenden, unteilbaren Freiheitsbegriff.

„Diese ungeteilte Freiheitsidee war ihm besonders wichtig, das hat mich an ihm besonders beeindruckt – bis heute.“

Ruth Wagner als Vizepräsidentin des Hessischen Landtags anlässlich des 25. Todestages von Karry am 11. Mai 2006

Ermordung

Heinz-Herbert Karry wurde am 11. Mai 1981 in seiner Wohnung im Frankfurter Stadtteil Seckbach im Schlaf angeschossen. Dabei wurde er im Bauchraum getroffen und eine Arterie verletzt. Die starken inneren Blutungen führten zum Tod. Später bekannte sich die terroristische Gruppe Revolutionäre Zellen zu dem Attentat. Wie bei anderen Anschlägen auch sei ein „Knieschuss-Attentat“ beabsichtigt gewesen, also nicht der Tod Karrys, sondern eine schwere Verletztung. [1]

Karry war damit der erste Minister der Nachkriegsgeschichte, der einem Attentat zum Opfer fiel. Nach einem Staatsakt in der Frankfurter Paulskirche zog eine Trauergemeinde von mehreren tausend Menschen in einem Schweigemarsch durch die Frankfurter Innenstadt.

Bezüglich der Ermordung Karrys wurde später eine Verbindung zum Grünen-Politiker Joschka Fischer offenbar: Sein Auto sei im Jahre 1973 für den Transport der späteren Tatwaffe verwendet worden. Fischer meinte dazu, er habe dem Terroristen Hans-Joachim Klein den Wagen lediglich gegeben, um von ihm einen neuen Motor einbauen zu lassen. Erst später habe er erfahren, dass mit dem Auto Waffen transportiert wurden, die aus einer amerikanischen Kaserne gestohlen worden waren.

Ehrungen

Karry war Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband (1979), der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt (1970) und der Silbernen Römerplakette (1973). Er erhielt ein Staatsbegräbnis auf dem Hauptfriedhof. In Frankfurt-Seckbach wurde die Rotenburger Straße in Heinz-Herbert-Karry-Straße umbenannt. Die 1982 gegründete Heinz Herbert Karry-Stiftung verleiht den Heinz Herbert Karry-Preis an „Persönlichkeiten, die sich um das Gedeihen und den Ausbau des freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaats verdient gemacht haben“.

Literatur

  • Mays, Manfred: "Heinz Herbert Karry", HörbucHHamburg, Hamburg, 1999

Weblinks

Quellen

  1. Aktion gegen den hessischen Wirtschaftminister Karry (Mai 81), Revolutionäre Zellen, Mai 1981, nach: Die Früchte des Zorns. Texte und Materialien zur Geschichte der Revolutionären Zellen und der Roten Zora., ID- Archiv im IISG (Hg.), ID-Verlag
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