Helmut Pohl

Helmut Pohl (* 1944) ist ein ehemaliges Mitglied der linksextremistischen Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF). Er wird der zweiten Generation zugerechnet.

Leben

Helmut Pohl studierte von 1964 bis 1971 an der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität Germanistik. Weil er sich nicht zurückmeldete, wurde er im Oktober 1971 ohne Abschluss exmatrikuliert. Von 1967 bis 1971 arbeitete er als freier Mitarbeiter beim Hessischen Rundfunk. Schon ab 1970 war er als Autodieb für die erste Generation der RAF tätig. Ab Mitte 1973 schloss sich Helmut Pohl endgültig der RAF an und ging in den Untergrund. Er war an einem Banküberfall in der Fuhlbütteler Straße in Hamburg beteiligt. Pohl und andere erhielten ab 1973 genaue Anweisungen von den inhaftierten Mitgliedern der ersten Generation der RAF, die über deren Anwälte zu ihnen gelangen. Jedoch blieb dies dem Verfassungsschutz nicht verborgen. Pohl wurde 1973 über mehrere Monate beschattet. Am 4. Februar 1974 wurde Helmut Pohl in Hamburg verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Dort übernahm er eine führende Rolle innerhalb der RAF. 1975 versuchten weitere Mitglieder der zweiten Generation der RAF durch die Geiselnahme von Stockholm vergeblich, Pohl und andere freizupressen. Vom 6. Juli bis 12. August 1977 war Helmut Pohl im Hochsicherheitstrakt der JVA Stuttgart untergebracht. Nach seiner Verlegung begingen die verbliebenen RAF-Mitglieder in der sogenannten Todesnacht von Stammheim Selbstmord. Nach den Selbstmorden wurde in Pohls ehemaliger Zelle, die nach seiner Verlegung ungenutzt blieb, in einem Mauerversteck eine Pistole entdeckt, die von Rechtsanwalt Arndt Müller eingeschmuggelt worden war. Offenbar hatte auch Pohl vor, sich im Fall des Scheiterns der Freipressversuche im Deutschen Herbst, das Leben zu nehmen. Am 25. September 1979 wurde Pohl entlassen und tauchte sofort wieder unter. Am 19. September 1980 reiste Pohl mit anderen RAF-Mitgliedern in die DDR ein und führte Verhandlungen mit dem MfS. Nach 14 Tagen reiste er verdeckt wieder in die Bundesrepublik ein. Am 31. August 1981 war Helmut Pohl an dem Bombenanschlag auf das Hauptquartier der US-Luftstreitkräfte in Europa in Ramstein beteiligt, bei dem 14 Menschen verletzt wurden. Am 2. Juli 1984 wurde Helmut Pohl in Frankfurt erneut verhaftet und wegen des Bombenanschlags, mehrfachen versuchten Mordes, Bankraubes und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis beteiligte er sich an mehreren Hungerstreiks und wurde zu einer Führungsperson der inhaftierten RAF-Mitglieder. So gab er zusammen mit Brigitte Mohnhaupt mehrfach Erklärungen "für die Gefangenen aus der RAF" ab. Im Mai 1998 wurde Helmut Pohl, nachdem er einen Schlaganfall erlitten hatte, von Bundespräsident Roman Herzog begnadigt. Pohl ist halbseitig gelähmt. Er hat sich nie von der RAF distanziert.

Quellen

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