Herodot von Halikarnassos (griech. Ἡρόδοτος, Hēródotos, * um 484 v. Chr.; † um 424 v. Chr.) war ein griechischer Historiker, Geograph und Völkerkundler. Er wurde von Cicero (De leg. 1,5) zugleich als „Vater der Geschichtsschreibung“ (lat. pater historiae) und als Erzähler „zahlloser Geschichten“ (lat. innumerabiles fabulae) bezeichnet. Sein einziges erhaltenes Werk sind die neun Bücher umfassenden Historien, die die Kriege der Griechen mit den Persern im 6. und 5. Jahrhundert vor Christus schildern.
Inhaltsverzeichnis |
Herodot (lat. Herodotus) wurde in Halikarnassos in Kleinasien, heute Bodrum/Türkei, geboren. Er betätigte sich dort politisch und versuchte den örtlichen Tyrannen Lygdamis zu stürzen. Der Versuch schlug fehl, und Herodot ging ins Exil nach Samos. Aufgrund einer Übereinkunft konnte er einige Zeit später heimkehren, worauf er sich erneut um Lygdamis Sturz bemühte; diesmal erfolgreich. Dennoch verließ Herodot kurze Zeit später Halikarnassos für immer und wanderte in die griechische Kolonie Thurioi in Süditalien aus, an deren Gründung er angeblich sogar beteiligt war. Ca. 447 v.Chr. kam er nach Athen, wo er wohl engen Kontakt zu großen Persönlichkeiten jener Zeit pflegte. Zu ihnen gehörten Sophokles und Perikles. In Athen hielt er auch Vorträge aus seinem Werk, für die er von der Stadt bezahlt wurde. Herodot unternahm ausgedehnte Reisen mit unsicherer Chronologie: nach Ägypten, ins Schwarzmeergebiet, nach Thrakien und Makedonien bis ins Skythenland, in den Vorderen Orient bis nach Babylon; aber wohl nicht ins eigentliche Persien. Seine oben genannten Lebensdaten sind konstruiert; seine Historien erschienen spätestens 424 v.Chr., da zu dieser Zeit bereits in anderen Werken darauf bezug genommen wird; bald darauf starb Herodot wohl. Er ist in Thurii begraben worden.
Herodot schrieb eine Geschichte der Auseinandersetzung zwischen Griechen und Persern in der 1. Hälfte des 5. Jahrhundert v. Chr. (Perserkriege), die unter dem Titel Historien (gleichbedeutend mit: Erkundungen, Forschungen) bekannt ist. Ursprünglich trug Herodot einzelne inhaltlich in sich geschlossene Abschnitte (so genannte lógoi) einem Publikum vor. Seine Schriften wurden schon bald nach ihrer Veröffentlichung als eine neue Form der Literatur anerkannt. Herodots Prosawerk ist zudem auf einem hohen literarischen Niveau verfasst, sodass sein Stil noch nachhaltigen Einfluss auf die zukünftige Geschichtsschreibung ausüben sollte. Der Artikel Historien des Herodot bietet eine umfassende Charakterisierung und Inhaltsübersicht.
In den Historien befindet sich die Verfassungsdebatte, in der die einzelnen Staatsformen gegeneinander abgewogen werden. Sie haben bis heute einen wichtigen Platz in der Demokratieforschung (Herodot 3,80-84 [1]).
In den Historien will Herodot persönlich historische Fakten ordnen, deuten, kausal verbinden und im Zusammenhang darstellen. Dies ist ein Aspekt des Kontrastes zwischen der rationalen Weltsicht Herodots und beispielsweise Homers archaischer Anschauung.
Homer tritt als Erzähler göttlichen Wesen gegenüber zurück und lässt sie berichten. Beispielhafter Vergleich der Einleitungen:
Proömium von Herodots Historien
Von Herodot aus Halikarnass ist dieser Forschungsbericht, damit weder das, was durch Menschen entstanden ist, mit der Zeit ausstirbt, noch große und wunderliche Taten, die von Hellenen und Barbaren ausgeführt wurden, ruhmlos werden, und aus welchem Grund sie gegeneinander kämpften.
Proömium von Homers Ilias
Den Zorn singe, Göttin, des Peleus-Sohns Achilleus, Den verderblichen, der zehntausend Schmerzen über die Achaier brachte Und viele kraftvolle Seelen dem Hades vorwarf Von Helden, sie selbst aber zur Beute schuf den Hunden Und den Vögeln zum Mahl, und es erfüllte sich des Zeus' Ratschluss...
Proömium von Homers Odyssee
Den Mann nenne mir, Muse, den vielgewandten,….
| Wikisource: Griechische Originale – Quellentexte |
| Commons: Herodot – Bilder, Videos und Audiodateien |