Heroldsbild

Das kleine Wappen des Freistaates Bayern: von weiß und blau schrägrechts gerautet (Zulassungsplakette der Stadt München)
Das kleine Wappen des Freistaates Bayern: von weiß und blau schrägrechts gerautet (Zulassungsplakette der Stadt München)

Heroldsbild, auch Heroldsfigur und Heroldsstück genannt, ist in der Heraldik eine Bezeichnung für eine Gestaltung eines Wappenschildes, die auf einfachen geometrischen Strukturen beruht.

Inhaltsverzeichnis

Einteilung der Schildfläche

Prinzipiell ist der Schild in 9 Positionen, die Gevierte, geteilt, mit dem Herz in der Mitte – ein kleiner Schild an dieser Stelle heißt Herzschild − und speziellen Namen für die verschiedenen Bereiche. Die Schildteilung folgt bei einfachen Heroldsbildern diesen Linien.


Feldbezeichnungen eines Wappens
Bezeichnungen der Gevierte:

1 = Rechtes Hauptstück / Rechter Kanton / Rechtes Obereck
2 = Mittleres Hauptstück / Hauptstelle / Das Ort
3 = Linkes Hauptstück / Linker Kanton / Linkes Obereck
4 = Rechte Flankenstelle
5 = Herzstelle
6 = Linke Flankenstelle
7 = Rechter Punkt / rechtes Untereck
8 = Punkt / Fuss
9 = Linker Punkt / linkes Untereck

Feldbezeichnungen eines Wappens Bezeichnungen der Gevierten-Kombinationen:

1, 4, 7 = Rechter Pfahl / Rechte Flanke
2, 5, 8 = Pfahl / Pfahlstelle
3, 6, 9 = Linker Pfahl / Linke Flanke
1, 2, 3 = Schildhaupt
4, 5, 6 = Querbalken / Binde / Balkenstelle
7, 8, 9 = Schildfuss

In älteren Beschreibungen wird der Schild in 5 Reihen mit Hauptreihe, Ehrenreihe, Mittelreihe, Nabelreihe und Fußreihe bezeichnet. Für die Mittelreihe gibt es Synonyme: Gürtelreihe, Bandreihe oder Schildstrasse.


Teilungslinien/Teilungsformen

Typisch dabei ist, dass der Wappenschild durch eine oder mehrere Teilungslinien in Flächen verschiedener Farbe, Plätze genannt, geteilt wird. Dabei verlaufen die Linien in der Regel von Schildrand zu Schildrand, die Farbflächen der Plätze werden ebenfalls durch den Schildrand begrenzt. Bei einfachsten Wappen liegen die Teilungslinien auf den grundlegenden Geviertlinien.

Republik Kroatien:  geschacht von rot und weiß
Republik Kroatien: geschacht von rot und weiß

Die dabei verwendeten Farben und Metalle ("Tinkturen") folgen strikt den heraldischen Farbenregeln, das heißt, es werden nur die Farben schwarz, blau, grün und rot verwendet sowie die Metalle Gold (Gelb) und Silber (Weiß). Soweit geometrisch möglich berühren sich nur Farbe und Metall. So wäre ein in rot und grün gehaltener Wappenschild unheraldisch. Bei Verwendung dreier verschiedener Tinkturen ist möglichst auf eine Trennung der beiden Farben zu achten, die Verwendung von zwei Metallen ist selten.

Für die Gestaltung der Teilungslinien gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei einer einzigen geraden Linie spricht man von einem geteilten (waagerecht oder schräg) bzw. von einem gespaltenen (senkrecht) Schild. Zwei parallel verlaufende Teilungslinien erzeugen einen Balken bzw. den dünneren Faden (waagerecht oder schräg) oder einen Pfahl (senkrecht). Aus der Kombination von sich kreuzenden geraden Linien entstehen das Kreuz oder die Deichsel. Daneben gibt es Wellen, den Sparren (Nach oben deutende V-Form), mit Zinnen gespaltet, Zacken (Zick-Zack-Line mit Spitzen), oder im Schneckenschnitt. Bei durch die Überschneidung gerader Linien entstehenden Farbwechsel spricht man von gerauteten bzw. geschachten Schilden.

Die Teilungslinien müssen aber nicht gerade sein. Sie können auch gewölbt, gewellt oder gezackt sein, was die Gestaltungsmöglichkeiten deutlich erweitert.Diese Art wird dem Wappenschnitt zugerechnet. Ein breiten Rand nennt der Heraldiker Bord. Dieser kann auch nur parallel zum Schildrand im Abstand verlaufen und unterschiedliche Linienformen haben.

Schildbord im Wappen von Kuellstedt
Schildbord im Wappen von Kuellstedt

Unterschied Heroldsbild und Gemeine Figur

Das Heroldsbild stellt einen Gegensatz zur Gemeinen Figur dar, bei der Lebewesen (wie das Wappentier), Gegenstände, Gebäude, Landschaftsbestandteile, astronomische Objekte oder andere visuell wahrnehmbare Erscheinungen der Realwelt zur Wappengestaltung eingesetzt werden. Gemeine Figuren können theoretisch auch in "natürlichen Farben" dargestellt werden, auch wenn dies vermieden werden sollte. Gemeine Figuren unterscheiden sich in der Regel von Heroldsbildern dadurch, dass ihre Farbflächen den Schildrand nicht berühren. Dieses Kriterium kann in schwierigen Grenzfällen bei der Unterscheidung helfen. So zum Beispiel beim heraldischen Motiv des Kreuzes. Ein Kreuz, dessen Arme den Schildrand berühren, gilt als Heroldsbild. Wenn die Arme nicht bis an den Schildrand reichen, das Kreuz also gänzlich innerhalb des Schildes steht, handelt es sich um eine Gemeine Figur.

Beispiele

Besonders einfache Heroldsbilder finden sich zum Beispiel oft bei den Wappen der Schweizer Kantone (Kanton Luzern, Kanton Zürich etc.). Bekannte Wappen mit Heroldsbildern in Deutschland sind der Fränkische Rechen und das Bayerische Rautenwappen der Wittelsbacher.

Einige Schildteilungen Einfache Heroldsbilder mit der Blasonierung
Wappen, gespalten von rot und grün Wappen, geteilt von blau und weiß (silber) Wappen, geviert von rot und blau Wappen, schräglinks geteilt von gelb (gold) und schwarz
gespalten von
rot und grün
geteilt von
blau und weiß (silber)
geviert von
rot und blau
schräglinks geteilt
von gelb (gold)
und schwarz

Literatur

siehe Literatur des Artikels Heraldik
Quelle:
Artikel Heroldsbild aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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