Hiskija-Tunnel

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Der Hiskija-Tunnel war ein Tunnel, der nach dem Zeugnis der sog. Hiskija- oder Siloah-Inschrift vor 701 v. Chr. im Auftrag des Königs Hiskija (Regierungszeit 725-697) erbaut wurde. Der König Hiskija musste angesichts des in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts stets weiter durch Syrien und Palästina nach Ägypten vordringenden assyrischen Heeres die Stadt Jerusalem militärisch schützen. Angesichts der vielen Flüchtlinge aus dem Nordreich Israel (dessen Hauptstadt Samaria war 722/1 von Assur eingenommen worden) ummauerte er die deutlich nach Westen und Süden gewachsene Stadt neu und sicherte mit dem nach ihm genannten Tunnel die Frischwasserzufuhr der Stadt. Der Angriff auf Jerusalem und deren Belagerung erfolgte im Jahr 701 unter dem Assyrer-König Sanherib.

Der Tunnel geht von der Gihonquelle (auch Gichonquelle) in Jerusalem aus. Sie ist die einzige Ganzjahresquelle in Jerusalem. Es handelt sich um eine intermittierende Quelle, die unterirdisch in einer Grotte am Fuße des Osthangs der Davidsstadt im Kidrontal bei ca. 630 mm NN entspringt. Der Tunnel nutzt zunächst in westlicher Richtung den alten jebusitischen Zulauf zum Vertikalschaft (häufig mit dem 'Sinnor' gleichgesetzt, durch den nach biblischer Aussage Joab im Auftrag Davids in die Stadt eindrang; hier schöpften die kanaanäischen Jebusiter Wasser im durch Mauern geschützen Bereich ihrer Stadt). Dann verläuft der Wassertunnel in großen Schleifen in Richtung SSW durch den Begrrücken der Davidsstadt und mündete in den Siloah-Teich. Dieser ort befindet sich im geschützten inneren Teil der Stadt. Der allgemein bekannte Siloah-Teich stammt allerdings aus byzantinischer Zeit. Neuere Ausgrabungen der letzten Jahre legen derzeit ein älteres, etwas südlicher und tiefer gelegenes Becken des Siloah-Teichs frei. (vgl. 2 Kön 20,20; 2 Chr 32:20; im Johannesevangelium Kap. 9 wird der Teich erwähnt).

In der Eisenzeit II (1000-520 v. Chr.) wurden in Palästina mehrfach aufwendige Anlagen zur sicheren Frischwasserzufuhr in israelitischen und judäischen Städten errichtet, wie z.B. in Megiddo, Hazor, Tell es-Seba und an anderen Orten. Man darf sich daher darüber streiten, ob der Tunnel für die damalige Zeit eine architektonische Meisterleistung war. Bis heute ist (trotz stets neu diskutierter gleicher Theorien) ungeklärt, warum nicht ein (annähernd) direkter Weg zwischen [Gihonquelle]] und Siloah-Teich, sondern ein viel längerer, sich unmotiviert schlängelnder Weg gewählt wurde. Ein Großprojekt mit riesiger Ingenieurs-technischer Herausforderung war der Bau jedoch allemal. Zwei Bautrupps gruben sich durch das Gestein, der eine an der Quelle, der andere an der Mündung beginnend. Die Trupps wurden vielleoicht durch Klopfzeichen geleitet. Kurz vor dem Zusammentreffen (bei ca. 30 m Abstand) konnten die Trupps einander hören und arbeiteten sich, wenn auch mit einigen Richtungskorrekturen, aufeinander zu. Über diese letzte Tunnelbauphase gibt es eine teilweise erhaltene Inschrift, die nahe dem Südende des Tunnels auf eine geglättete Fläche an der Wand geschrieben war.

Die Siloah-Inschrift berichtet von den Arbeiten kurz vor dem Tunneldurchbruch und ist in archäologischer Hinsicht interessant. Sie wurde 1880 unweit des südlichen Tunneleingangs gefunden. Nachdem man noch in osmanischer Zeit versucht hatte, sie zu stehlen und der Dieb gefasst werden konnte, brachte man sie nach Istanbul, wo sie auch heute noch im Antikenmuseum aufbewahrt wird.

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