Holodomor (Ukrainisch Голодомор), früher teilweise auch „Hungerholocaust“ genannt, ist der Name einer großen, absichtlich herbeigeführten – nach anderen Meinungen durch schlechte Ernten und administrative Unfähigkeit ausgelösten – Hungersnot der Jahre 1932/33 in der Ukraine. Als ihre Hauptursache gilt die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft unter Stalin. Über die Opferzahlen des Holodomor gibt es unterschiedliche Schätzungen. In der Regel wird von etwa fünf bis sieben Millionen Toten allein in der Ukraine ausgegangen, davon drei Millionen Kinder.
Der Holodomor war Teil einer noch größeren Hungersnot, die auch andere Gebiete der damaligen Sowjetunion betraf.
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1932 erhielt der Schwager Stalins S.F. Redens, der seit Juli 1931 Leiter der ukrainischen GPU war, zusammen mit dem dortigen Ersten Sekretär der KPdSU, S.W. Kossior, die Aufgabe, als Bestandteil der Kollektivierung einen Plan zu entwickeln, um die „Kulaken und die petljurschen Konterrevolutionäre“ zu liquidieren. Zweitausend Kolchos-Vorsitzende wurden daraufhin verhaftet. Als im Januar 1933 das Getreidesoll nicht erreicht war, löste man Redens in der Ukraine ab [1]
Das Wort Holodomor setzt sich aus den beiden ukrainischen Wörtern Holod und Mor zusammen. Holod kann mit Hunger übersetzt werden. Mor ist ein altes ostslawisches Wort. Es kann unter anderem als Seuche übersetzt werden.
Über die Ursachen des Holodomor gibt es höchst unterschiedliche Auffassungen. Insbesondere ukrainische Geschichtswissenschaftler betonen, dass es sich um eine systematische und vom Regime Stalins organisierte Hungersnot handelte. Der ungarische Historiker Miklos Kun meint: „Es war eine bewusst und systematisch durchgeführte Ermordung von Millionen Menschen. (...) Während in ukrainischen Dörfern die verzweifelten, vor Hunger irre gewordenen Menschen die grünen Zweige der Bäume aßen, wurden ukrainische Lebensmittel auf Stalins Befehl in anderen sowjetischen Republiken im Rahmen des sogenannten „sowjetischen Dumpings“ zum günstigen Preis verkauft ...“
Demgegenüber argumentieren vor allem russische Historiker, dass die Hungersnot die Folge einer schlechten Ernte gewesen sei, welche durch die Kollektivierung der Landwirtschaft und den damit verbundenen Widerstand der ukrainischen Bauern verschlimmert wurde. Dies allerdings hat die UdSSR nicht davon abgehalten, sogar größere Mengen Getreide zu exportieren. Gunnar Heinsohn stellt fest, dass in der Ukraine, in Kasachstan und einigen Kaukasusgebieten, in denen starker Widerstand gegen die durch Zwangskollektivierung durchgeführten Enteignungen vorhanden war, dieser mit dem Mittel der absichtlich herbeigeführten und durch Zwangsrequirierungen verschlimmerten Hungersnot gebrochen werden sollte. Auch die Unabhängigkeitsbewegungen dieser Völker sollten auf diese Weise getroffen werden. So unterband die kommunistische Partei auch die Versorgung der Hungernden und die Ausreise von Ukrainern aus den Hungergebieten. Dieses gesamte Vorgehen wird von Heinsohn als Mischung von Politizid und Genozid bezeichnet, dessen wahrheitsgemäße Darstellung oft aus politischen Gründen als „böswilliger Antikommunismus diffamiert wurde“. [2] Andere kritisieren den Begriff Holodomor. In ihren Augen wird er von einigen Ukrainern verwendet, um die tragischen Folgen der über die Ukraine hinaus gehenden Kollektivierung für nationalistische Zwecke politisch zu missbrauchen.
Argentinien [1], Australien [2], Aserbaidschan, Estland, Georgien[3], Kanada [4], Lettland, Litauen [5], Moldawien, Polen[6], Ungarn [7], die Ukraine, die USA [8] und der Vatikan[9] haben den Holodomor offiziell als Genozid anerkannt.
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