Homophobie (von gr. homo:[1] gleich; phóbos: Angst, Phobie) bezeichnet eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete Aversion bzw. Feindseligkeit.[2] Homophobie wird in den Sozialwissenschaften zusammen mit Phänomenen wie Rassismus, Xenophobie oder Sexismus unter den Begriff gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gefasst.
Der medizinisch anmutende Begriff Homophobie weist auf Angst als Ursache des ablehnenden Verhaltens (siehe dazu unten Ursachen von Homophobie: Angst gilt auch als eine Erklärung für die Neigung von Jugendlichen, Schwulen und Lesben mit Gewalt zu begegnen) und enthält damit gleichzeitig ein Erklärungsmodell. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine phobische Störung im klinisch-psychologischen oder im medizinischen Sinne; der Ausdruck wird vielmehr verwendet, weil er im umgangssprachlichen Sinne auch für Abneigungen aller Art gebraucht wird.
Homophobie bezeichnet somit einerseits eine irrationale Angst vor Homosexualität und anderseits den Hass, Ekel und die Vorurteile, welche wiederum Angst und infolgedessen Aggression und Gewalt produzieren. [3]-[4] [5] Aus tiefenpsychologischer Sicht handelt es sich bei Homophobie – wie bei Sexismus, Rassismus oder Antisemitismus – um eine meist unbewusste Angst, die eigene Identität in Frage zu stellen. [2] Homophobe Menschen beschäftigen sich häufig exzessiv mit Homosexualität und wollen sie bekämpfen.
Die verschiedenen Formen homophober Gewalt (seitens Gesellschaft, Gruppierungen oder Individuen, usw.) müssen als gestörte Verhaltensweisen bezeichnet werden, die ihrerseits Lesben und Schwule in ihrer Entfaltung teilweise massiv beeinträchtigen und unter denen sich sekundär psychische Störungen entwickeln können. [2]
Nach den Erinnerungen des US-amerikanischen Psychotherapeuten George Weinberg dachte er im September 1965 bei der Vorbereitung eines Vortrages auf einer Veranstaltung der East Coast Homophile Organizations (ECHO), über die Tatsache nach, dass viele heterosexuelle Psychoanalytiker starke negative persönliche Reaktionen zeigen, wenn sie außerhalb des klinischen Umfeldes mit Homosexuellen zusammen sind und es kam ihm die Idee, dass man dies als Phobie beschreiben könne[6].
„Ich prägte das Wort „homophobia“ um auszudrücken, dass es eine Furcht vor Homosexuellen war…. Es war eine Furcht vor Homosexuellen, welche mit einer Furcht vor Verseuchung verbunden zu sein schien, einer Furcht davor, die Dinge, für die man kämpfte - Heim und Familie - abzuwerten. Es war eine religiöse Furcht und es hatte zu großer Unmenschlichkeit geführt, wie es die Furcht immer macht.“
– George Weinberg: im Interview mit Gregory M. Herek am 30. Oktober 1998[6]
Nach eigenen Aussagen begann er das Wort etwa ab 1966 oder 1967[6], nach Nichols Aussagen ab 1967[7], in diesem Fall eine Zusammensetzung aus den griechischen Wörtern homós („gleich“) und Phobie („Furcht“), zu verwenden.
Im Jahre 1967 veröffentlichte Wainwright Churchill sein Buch Homosexual Behavior Among Males, wo er das Wort homoerotophobia(dt: „Homoerotophie“), zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern homo („gleich“), eros („Liebe“) und phobie („Furcht“) in sehr ähnlichem Zusammenhang benutzte.
Gedruckt erschien das Wort homophobia erstmals im Screw magazine, einer nicht sonderlich anspruchsvollen Zeitschrift („screw“ kann mit „nageln“ im sexuellen Sinn übersetzt werden), die ein überwiegend heterosexuelles, männliches Publikum ansprach. Dort hatten die Aktivisten und Freunden Weinbergs Jack Nichols und Lige Clarke eine wöchentliche Kolumne, die schwule Themen ansprach. Am 23. Mai 1969 bekam die Kolumne vom Herausgeber Al Goldstein die Überschrift „He-Man Horse Shit“, als sie die übertriebene Meidung heterosexueller Männer von Dingen, die für tuntig gehalten werden könnten, beschrieb. Ein übertriebenes Machoverhalten sei somit das Ergebnis der Ängste heterosexueller Männer für homosexuell gehalten zu werden. Durch diese Angst würden die männlichen Erfahrungen einschränkt, weil dadurch Dinge wie Poesie, Kunst, Bewegung und Berührung als verweiblicht tabuisiert werden.[6]
Zum ersten Mal in einer weit verbreiteten Publikation gedruckt erscheint das Wort am 31. Oktober 1969 im Time Magazine[8]. Weinberg selber brachte das Wort erstmals am 18. Juli 1971 in einer schriftlichen Veröffentlichung mit einem Essay mit dem Titel „Words for the New Culture“ in Nichols Wochenzeitung Gay, wo er es als „die Scheu davor, räumlich eng mit Homosexuellen zusammen zu sein – und im Falle von Homosexuellen selber, ein Selbsthass“ definierte. Dort beschrieb er die Folgen dieser Phobie, die im engen Zusammenhang mit den männlichen Normen der Gesellschaft zu sehen waren, und betrachtete sie als eine Form von Vorurteil einer Gruppe gegenüber einer anderen.[6] Eine nachhaltige Verankerung im englischen Sprachgebrauch bekam das Wort jedoch erst durch Weinbergs Buch Society and the Healthy Homosexual im Jahre 1972.
In einem Interview im Jahre 2002 defininierte Weinberg Homophobie folgendermaßen:
„Homophobie ist genau das: eine Phobie. Eine morbide und irrationale Scheu, welche irrationale Flucht oder den Drang, den Stimulus der Phobie und alles daran Erinnernde zu zerstören, hervorruft.“
– George Weinberg: in: Raj Ayyar: George Weinberg: Love is Conspiratorial, Deviant & Magical, gaytoday.com, 1. November 2002
Andere Psychologen, wie z.B. D.A.F. Haaga ('„Homophobia“?', Journal of Social Behavior and Personality, 6, 171-174), bestreiten, dass Homophobie eine wahre Phobie sei, und betonen, dass eine wahre Phobie durch Angst, Homophobie durch Wut oder Hass geprägt sei. Haaga nennt vier Unterscheidungsmerkmale zwischen Homophobie und klassische Phobien: der Phobiker erkennt seine Ängste als übertrieben, während der Homophob seine Wut als gerechtfertigt betrachtet; das Ergebnis einer Phobie ist Vermeidung, während das Ergebnis der Homophobie Aggression sei; der Begriff Homophobie werde in einem politischen Zusammenhang verwendet, während allgemeine Phobien selten bis nie in einem politischen Zusammenhang auftauchen; diejenigen, die von klassischen Phobien betroffen sind, haben einen Leidensdruck, der den Wunsch nach Veränderung weckt, während homophobe Menschen Leidensdruck in anderen erzeugen und der Wunsch nach Veränderung somit extern geweckt wird.[6]
Die sich in Bürgerrechtsbewegungen organisierenden Lesben und Schwulen haben den Begriff Homophobie bald durch den Begriff Heterosexismus ergänzt, um damit – in Parallele zu Begriffen wir Rassismus und Sexismus – auf eine ausgrenzende soziale und kulturelle Ideologie und auf die institutionelle Unterdrückung nicht-heterosexueller Menschen hinzuweisen.[9] (siehe auch unten: Abgrenzung gegenüber anderen Begriffen)
Je nach Ausprägung reicht Homophobie von Vorurteilen über ausgeprägte Abneigung und Befürwortung von Diskriminierung oder staatlichen Repressionen gegen Homosexuelle bis hin zu äußerstem Hass und körperlicher Gewalt gegen Homosexuelle. Es sind auch Fälle bekannt, in denen Homosexuelle nur wegen ihrer sexuellen Orientierung ermordet wurden (z. B. der Tod von Matthew Shepard). In einigen Staaten ist die Tötung von Homosexuellen sogar staatlich organisiert (in fünf islamischen Ländern sieht die Scharia die Todesstrafe für Schwule vor). Auch in Deutschland (§ 175) trugen Heterosexismus und Homophobie lange zur Homosexuellenverfolgung bei. Heute sind homosexuelle Handlungen in allen westlichen Industrieländern (u.a. in ganz Europa, den USA und Kanada) straffrei. Siehe „Gesetze zur Homosexualität“.
Der Soziologe Dr. Michael Bochow vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung schreibt zu einer Studie aus dem Jahre 1991: In einer vom Bundesministerium für Forschung und Technologie finanzierten Repräsentativbefragung stimmten 1991 42 Prozent der Westdeutschen und 36 Prozent der Ostdeutschen der vorgegebenen Aussage zu: „In der Gegenwart von Homosexuellen kann einem körperlich unwohl werden.“ Unter ArbeiterInnen und RentnerInnen stimmte die Hälfte der Befragten zu (Bochow 1993). Wird ein Gesamtbild der Einzelergebnisse der Befragung von 2222 Deutschen versucht, so kann geschlußfolgert werden, daß noch mindestens ein Drittel der deutschen Bevölkerung als stark schwulenfeindlich eingestuft werden muß; ein weiteres Drittel ist ambivalent, d.h. nicht durchgängig antihomosexuell, aber keinesfalls frei von ablehnenden oder klischeehaften Einstellungen. Die Untersuchung liefert allerdings auch eindeutige Hinweise darauf, daß die Schwulenfeindlichkeit der (west-)deutschen Gesellschaft seit den siebziger Jahren abgenommen hat. [10] [11]
Insgesamt lässt sich unter Erwachsenen in Deutschland im letzten Jahrzehnt feststellen, dass Homophobie in der deutschen Gesellschaft aufgrund der Veränderungen in der Darstellung in Medien und verschiedener Aufklärungskampagnen, der Visualisierung von homosexuellen Politikern und homosexuellen Menschen/Paaren im Alltags- und Berufsleben sowie der geänderten Gesetzeslage (siehe Lebenspartnerschaft) und Rechtsprechung (siehe Urteil des Bundesverfassungsgerichts) zur Verfassungsmäßigkeit der Homo-Ehe zurückgegangen ist.
Inwiefern Homophobie unter Jugendlichen verbreitet ist, liegen unterschiedliche Studien vor, die zu unterschiedlichen Bewertungen der Tendenz zum Rückgang/Ausbreitung von Homophobie unter Jugendlichen gelangen.
In der Jugendsprache findet sich das Wort schwul dagegen immer noch beziehungsweise wieder als Schimpfwort, das als Synonym für langweilig, weichlich beziehungsweise enervierend benutzt wird.
Gesondert zu betrachten ist die Verbreitung von Homophobie unter Jugendlichen, deren Ursachen unterschiedlich begründet werden. Eine repräsentative mündliche Befragung des Marktforschungsinstituts iconkids & youth bei 669 12- bis 17-jährigen Jugendlichen im Jahr 2002 ergab: 61 Prozent der deutschen Jugendlichen haben gegenüber „Schwulen“ und „Lesben“ eine negative Einstellung, finden sie „nicht“ oder „überhaupt nicht gut“. [...] Dabei wurden die Jugendlichen mit einer 5stufigen Skala danach befragt, wie gut sie verschiedene Szenen und gesellschaftliche Gruppierungen finden. Die Befragung zeigte auch: Mädchen sind toleranter als Jungen. Während 71 Prozent der Jungs offen ihre negative Einstellung zu „Schwulen“ bekannten, äußerten lediglich 51 Prozent der Mädchen Vorbehalte gegen Homosexuelle. [12]
Laut der oben erwähnten Studie von iconkids & youth wuchs die Ablehnung von Homosexuellen unter Jugendlichen in den letzten Jahren.
In einer globalen Umfrage mit 3050 Jugendlichen, die im Jahr 2006 im Auftrag des BBC World Service durchgeführt wurde, verneinten 47% der 15- bis 17-Jährigen die Frage: „Meinst du, Homosexuelle sollten dieselben Rechte haben wie Heterosexuelle?“ („Do you think homosexuals should have the same rights as heterosexuals?“). 39% bejahten diese Frage, 13% hatten keine Meinung, 1% wollte nicht antworten. Befragt wurden 15- bis 17-jährige Jugendliche in 10 „Schlüsselstädten“ (New York, Nairobi, Kairo, Lagos, Rio, Bagdad, Delhi, Jakarta, Moskau, London; die Frage zur Homosexualität wurde jedoch in Kairo und in Bagdad nicht gestellt). Die Jugendlichen verschiedener Städte unterschieden sich hinsichtlich der Zustimmung zu einer Gleichberechtigung von homosexuellen Bürgern (z. B. sind 74% der Jugendlichen in Rio für eine Gleichberechtigung, 67% in New York, 43% in Moskau, 36% in London, 8% in Nairobi). [13] [14] Sozialwissenschaftler weisen darauf hin, dass Einstellungen zur sexuellen Orientierung in Großstädten liberaler sind als auf dem Land.
In einer anderen Studie des Pew Research Center in Washington, D. C. zeigte sich das Ergebnis, dass heutige Jugendliche in den Vereinigten Staaten im Vergleich zu ihrer Vorgängergeneration im Umgang mit dem Thema Homosexualität toleranter seien.[15]
| Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend durch Quellenangaben belegt. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben nachrecherchierst und gute Belege einfügst. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung. |
Siehe auch:
| 1 | w | m |
Homosexuelle entsprechen dem Stereotyp des Geschlechtes, dem sie nicht angehören. Schwule verhalten sich „weiblich“, und umgekehrt sind Lesben eher „Mannweiber“. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Wenn Schwule sich betont feminin verhalten bzw. Lesben betont maskulin, also gegengeschlechtlich, dann dient dies zuweilen auch als „Hilfsmittel“ bei der Emanzipation von Geschlechterrollen-Klischees. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 5 | m |
Alle Schwulen haben viele und häufig wechselnde Sexualpartner, sind also promisk. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Hier gibt es in der Praxis zwei Strömungen. Viele Schwule leben genauso (seriell-)monogam wie Heterosexuelle. Es gibt aber eine durchaus große Gruppe, die viele Sexualkontakte hat, und es kommt auch nicht so selten vor, dass sogenannte „Offene Partnerschaften“ eingegangen werden. Vor 1982 (AIDS) war die Anzahl der promisk lebenden Männer allerdings höher. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 6 | m |
Schwule wollen mit allen anderen Männern Sex haben. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Dies resultiert aus einer selektiven Wahrnehmung und aus einer Unterschätzung der ganz persönlichen Auswahlkriterien der homosexuellen Männer. Möglicherweise erfolgt hier auch ein Schluss von eigenen niedrigen Standards auf die anderer. Derartiges Verhalten ist bei Schwulen nicht verbreiteter als bei Heterosexuellen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 7 | m |
Schwule wollen vor allem Sex mit Kindern oder männlichen Jugendlichen. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| In der schwulen Szene gibt es einen gewissen Jugendkult (es geht das Bonmot um: „Der durchschnittliche Schwule ist 35, sieht aus wie 30 und macht mit allen Mitteln auf 25“). Zwar bevorzugen viele Schwule jüngere Partner; darin unterscheiden sie sich jedoch in keiner Weise von heterosexuellen Männern. Es kann angenommen werden, dass der „Jugendwahn“ eine Grundlage in der Biologie hat, da jugendliches Aussehen Potenz (sexuelle Vitalität) signalisiert. Ein weiterer Grund ist die „natürliche Vermehrung“. Frauen sind ab einem bestimmten Alter nicht mehr zeugungsfähig, Männer sind dies jedoch bis ins hohe Alter; somit wurde früher zur Erhaltung und Vermehrung der „Art“ beigetragen. Eine statistische Häufung des spezifisch homosexuellen Missbrauchs Minderjähriger gilt hier als weder nachgewiesen noch widerlegt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 8 | m |
Schwule sind heterosexuellen Männern an Körperkraft und Geschicklichkeit unterlegen. Typisches Klischee: Schwule können nicht Fußball spielen. So sagte es Lothar Matthäus.[16] 1996. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Es sind keine Unterschiede nachweisbar. Eine filmische Behandlung dieses Themas findet in Männer wie wir statt. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 9 | w | m |
Schwule und Lesben sind problemlos an Äußerlichkeiten erkennbar. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Die selektive Wahrnehmung sorgt dafür, dass von jenen Homosexuellen, die ihre Erscheinung bewusst einem der gängigen Klischees entsprechend gestalten, auf die Gesamtheit aller Homosexuellen verallgemeinert wird. In der Praxis sind jedoch die meisten Homosexuellen vollkommen „heterolike“ und nicht als homosexuell erkennbar – es sei denn, sie verwenden bestimmte Zeichen, z. B. einen Regenbogenfahnen-Aufkleber auf dem Auto. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 10 | w | m |
Der Anteil homo- und bisexueller Menschen an der Gesamtbevölkerung ist verschwindend gering, und diese Gruppe hat daher keine gesellschaftliche Relevanz. |
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Verlässliche Schätzungen geben den Anteil Homosexueller mit 5% an. Dazu kommen noch viele Bisexuelle, die eine mehr oder weniger stark ausgeprägte homosexuelle „Ader“ haben. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Von Postmoderne bis Gegenwart:
Beim Heterosexismus allgemein – anders als beim Sexismus – sind Männer oft in stärkerem Maße negativ betroffen als Frauen. Weibliche Homosexualität bleibt öfter unbeachtet.[18] „Subtilere“ Formen von Diskriminierung werden immer noch (z. B.) in Wörterbüchern dokumentiert und zementiert, z. B. „Medizinisches Wörterbuch“:[19] Homosexualität: „Sexuelle Beziehungen zwischen Männern. (Entsprechende Beziehungen zwischen Frauen: Lesbische Liebe).“ Bemerkenswert daran ist,
Beispielsweise der § 175 des deutschen Strafgesetzbuchs stellte bis 1994 sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe.
Siehe auch: Abschnitt „Wissenschaftliche Untersuchung“.
Aus Sicht der Sozialpsychologie ist das soziale Erlernen von Vorurteilen und Stereotypen Ursache für Homophobie. Sie werden bereits in der Sozialisation vermittelt. Dabei werden Vorurteile und Erwartungshaltungen der sozialen Umwelt (auch z. B. religiöse Überzeugungen) oft gedanken- und kritiklos übernommen. Sind Vorurteile und Stereotype einmal vorhanden, verstärken sie sich laufend selbst, indem man an Homosexuellen genau das wahrnimmt, was dem Stereotyp entspricht.
Die Anfälligkeit für diesen sozialpsychologischen Mechanismus ist nicht bei allen Menschen gleich stark ausgeprägt. Denn, so die Sicht der Tiefenpsychologie, Homophobie dient der Abwehr von Ängsten, und das umso stärker, je geringer das Selbstwertgefühl eines Menschen ist, je geringer seine soziale Integration und je schlechter seine soziale Lage ist. Die Ängste der diskriminierenden Menschen werden allerdings nicht direkt spürbar, weshalb die These, dass Angst die Hauptursache für Diskriminierungen sei, für viele zunächst schwer nachvollziehbar ist. Die Tiefenpsychologie benennt folgende unbewussten Ängste und Bedürfnisse, die mithilfe von Homophobie aus dem Bewusstsein ferngehalten würden:
Die These, dass Homophobie auch durch Abwehr eigener schwuler oder lesbischer Anteile verursacht werde, wird durch eine Untersuchung gestützt, die Professor Henry E. Adams im Jahr 1996 an der University of Georgia durchgeführt hat.[24] Dabei wurde festgestellt, dass 54,3% der 35 homophoben Probanden (zum Vergleich: 24,1% der 29 nicht homophoben Probanden), sexuell eindeutig erregt wurden beim Betrachten von Videos, die sexuelle Handlungen zwischen Männern zeigten. An der Untersuchung nahmen insgesamt 64 Männer teil, die sich alle selbst als ausschließlich heterosexuell bezeichnet hatten.[25]
|
Die Frage nach vergleichbaren Untersuchungen mit weiblichen Homosexuellen ist hier noch ungeklärt,[27] obwohl bei Frauen alle anatomischen Voraussetzungen gegeben sind.[28] |
Diese Untersuchungsergebnisse werden in der Psychologie so interpretiert, dass homophobe Einstellungen mancher Männer auch dadurch entstehen, dass sie sich mit eigener sexueller Erregung durch Männer nicht auseinandersetzen wollen.[29]
Manche Beobachter führen homophobes Verhalten auf eine fehlende wirtschaftliche, technische, kulturelle, bzw. intellektuelle Prosperität zurück.[30]
Gesellschaftskritische Analysen von Homophobie entstanden und entstehen in jüngerer Zeit vor allem im Umkreis der Queer Theory. Insbesondere Eve Kosofsky Sedgwicks Arbeiten sind diesbezüglich von Bedeutung.
Folgt man Statistitiken zum Vorkommen von Homosexualität in der männlichen Bevölkerung, müssten in den Bundesligen mehrere schwule Spieler spielen,[31] die Fußballzeitschrift Rund ging im Rahmen einer Themenwoche sogar davon aus, dass mindestens drei schwule Teams in den Bundesligen spielen müssten.[32] Im Jahr 2005 berichtete die Financial Times, ein Spieler der Bundesliga und zwei weitere aus unteren Ligen seien bereit, sich zu outen, wenn sich acht weitere Spieler finden, die bereit sind, sich der Öffentlichkeit zu stellen.[33] Die englische Football Association (FA) veranstaltete im November 2005 einen Gipfel zum Thema Homophobie im Fußball.[33] Im Frühjahr 2006 sorgte in Großbritannien die Ankündigung der Boulevardzeitungen The News of the World und The Sun mehrere homosexuelle Profis zu outen für eine große öffentliche Diskussion.[34] Im Jahr 2005 kündigte die Football Association an, zukünftig Fans, die gegnerische Fans, Spieler oder Schiedsrichter als „Poofs“ (Schwuchteln) beleidigen, aus dem Stadion zu entfernen. Schließlich wurden Anfang August 2006 zwei englische Fans wegen schwulenfeindlicher Beschimpfungen verurteilt.[35][36]
Im nicht so stark im Fokus der Öffentlichkeit stehenden deutschen Frauen-Fußball leben einige Spielerinnen offen lesbisch; sie werden jedoch nicht auf ihre Homosexualität angesprochen. Die Äußerungen und Reaktionen von Spielern, Trainern und Offiziellen zeigt für den von Männern betriebenen Ballsport in dieser Hinsicht ein ganz anderes Bild. Während sich in anderen Sportarten lesbische, schwule und bisexuelle Spitzensportler wie Martina Navratilova (Tennis), Mark Tewksbury (Schwimmen), Greg Louganis (Turmspringen) oder Judith Arndt (Radsport) geoutet haben, hat sich bisher kein einziger männlicher deutscher Fußball-Profi geoutet.
Das Thema Homosexualität wird im Profifußball sowohl stark emotionalisiert als auch tabuisiert. Hierbei handelt es sich um kein spezifisch deutsches sondern um ein generelles Phänomen innerhalb der Sportart. Eine schriftliche Anfrage des Senders BBC Radio Five Live bei 20 Vereinen der britischen Premier League mit drei Fragen zum Thema „Homophobie im Fußball“ blieb 20 Mal unbeantwortet. [37] Während Fansprechchöre die Beleidigungen gegnerischer Mannschaften häufig extrem homophob aufladen, zeigen die Reaktionen der Offiziellen sehr deutlich, wie hoch das Konfliktpotential bei diesem Thema ist. Jürgen Rollmann, Ex-Profi von Werder Bremen, äußerte zu dieser Frage einmal „Schwule Spieler muss es geben, aber ich weiß nicht, wo“. Bei über 800 aktiven Spielern gibt es im deutschen Profifußball keinen Einzigen, der offen geoutet lebt. Heinz Bonn, Spieler des HSV, hielt in den siebziger Jahren seine Homosexualität aus Furcht vor Karriereschäden geheim. Er wurde Alkoholiker und 1991 von einem Strichjungen ermordet.[38] Die Geschichte des englischen Profis Justin Fashanu, des bislang einzigen Fußballprofis, der sich zu seiner Homosexualität bekannte, beweist, wie heikel das Thema Homosexuallität in diesem Bereich noch immer ist. Fashanu erhängte sich 1998, acht Jahre nach seinem Coming-out, weil er in den USA wegen sexueller Nötigung angeklagt wurde, nachdem er sexuellen Verkehr mit einem 17-jährigen Fußballschüler hatte, der ihn nach eigenen Angaben erpressen wollte. Zur Situation in Deutschland äußerte sich Henning Bürger, Profi von Rot-Weiß Erfurt: „Wenn sich ein Spieler outen würde, wäre der Rummel groß. Gerade bei Auswärtsspielen müsste ein bekennender Homosexueller einen riesigen Druck aushalten. Irgendwann passiert es, aber noch ist die Angst zu groß“. Auch Yves Eigenrauch, Ex-Profi von Schalke 04, vertritt eine Auffassung, die dies unterstreicht: „Es muss homosexuelle Spieler im Profifußball geben. So konservativ, wie sich der Sport darstellt, erführe die betreffende Person aber sicherlich eine große Ablehnung.“
„Ich habe in der Liga noch nie einen homosexuellen Spieler gesehen. Und bisher hat sich auch noch keiner bei mir geoutet. Aber es gibt bestimmt welche, auch wenn ich es mir nicht vorstellen kann. Wenn sich einer outen will, soll er das ruhig tun. Das ist doch jedem selbst überlassen.“
– Rudi Assauer, Manager von Schalke 04: zit. nach Bödeker 2004[39]
St.-Pauli-Präsident Corny Littmann hat sich wiederholt mit der Aussage geoutet, er hätte bereits intime Kontakte zu mehreren Spielern gehabt. Dennoch kommt er im Gegensatz zu Assauer zu dem Schluss:
„Ich würde keinem Profi raten, sich zu outen. Der soziale Druck wäre nicht auszuhalten. In einem heterosexuellen Mannschaftsgefüge ist man direkt der Außenseiter, wird angreifbar für Mitspieler, Gegenspieler und Medien.“
– Corny Littmann, Präsident des FC St. Pauli: zit. nach Bödeker 2004[39]
Günter Netzer bestätigte 2004 in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ ein Outing wäre für prominente Spieler durchaus fatal.[40] In der Mannschaft des deutschen Frauennationalteams gibt es mehrere bekennende Lesben. Martina Voss, eine der Ausnahmespielerinnen im deutschen Fußball der vergangenen zehn Jahre, wurde kurz vor den Olympischen Spielen 2000 nach 125 Länderspielen aus dem Nationalteam geworfen, weil sie wegen privater Probleme mit ihrer damaligen Freundin und Mannschaftskameradin Inka Grings die Teilnahme an einem Länderspiel absagen musste. In Mainz, Stuttgart, Dortmund, St. Pauli und Dresden gibt es schwul-lesbische Fanclubs. Ein typisches Beispiel für offene Homophobie im Profifußball gab der frühere Trainer der österreichischen Fußballnationalmannschaft, Otto Barić. In einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Blick“ äußerte er 2004 „Meine Spieler müssen echte Kerle sein. Also können Homosexuelle bei mir nicht spielen, höchstens gegen mich.“ In einem anderem Gespräch äußerte er sich gegenüber der kroatischen Zeitung „Jutarnji List“ ähnlich: „Ich weiß, dass es in meiner Mannschaft keine Homosexuellen gibt. Ich erkenne einen Schwulen innerhalb von zehn Minuten, und ich möchte sie nicht in meinem Team haben.“ Offizielle Reaktionen von Vereins- und Verbandsseite auf die Aussagen von Baric erfolgten nicht.[41]
1981 verkündete die FIFA, das in einigen Ländern verbreitete Küssen der Spieler während des Spiels sei „unmännlich, übertrieben gefühlsbetont und deshalb unangebracht“.
Einige Spieler äußern sich ebenfalls homophob oder wollen sich zu dieser Frage generell nicht äußern. Der frühere Spieler von Fortuna Düsseldorf Michael Schütz äußerte sich in einem Interview wie folgt: „Man würde gegen so einen nicht richtig rangehen, weil die gewisse Furcht vor Aids da wäre.“ Der ehemaliger Verteidiger des 1. FC Köln Paul Steiner erklärte bei einer Fernsehdiskussion zum Thema Homosexualität im Fußball. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schwule Fußball spielen können.“ 2004 produzierte die US-Amerikanerin Sherry Horman die Komödie Männer wie wir in der sie diese in dieser Sportart verbreitete homophobe Auffassung in den Mittelpunkt der Handlung stellte.
Das österreichische Wettbüro Gamebookers gab im Juni 2005 bekannt, es sei bei 800 Fußballprofis statistisch unmöglich, dass es keine schwulen Fußballer gibt. Das Unternehmen bot daher an, darauf zu wetten, ob sich homosexuelle Spieler der höchsten europäischen Ligen outen werden. Beim Outing eines schwulen Profi-Fußballerpaares betrug die angebotene Quote 51, beim Outing eines Einzelspielers 1,5, für das Outing mehrer Fußballprofis schließlich bei 2,25.[42]
Das Europäische Parlament hat am 18. Januar 2006 eine Entschließung zu Homophobie in Europa verabschiedet. Es „verurteilt schärfstens jede Diskriminierung auf der Grundlage der sexuellen Ausrichtung“.[43]
ist eine Abwehrform, die jede nicht heterosexuelle Form von Identität, Verhalten, Beziehung oder Gemeinschaft verleugnet, verunglimpft und stigmatisiert. [44] Er ist zu verstehen als eine auf Heteronormativität gründende und nicht hinterfragte gesellschaftliche Setzung heterosexueller Lebensentwürfe und -weisen, als die sexuelle „Normalität“, die z. B. die schwule und lesbische Existenz als Randerscheinung oder weniger „natürliches“ Phänomen, als bloße „sexuelle Vorliebe“ abhandelt. [3] Heterosexismus richtet sich gegen homosexuelle, bisexuelle, transgender, aber auch androgyne Menschen. Der Begriff Heterosexismus verweist eher auf Arroganz oder Chauvinismus als Ursache des ablehnenden Verhaltens.
|
Übersicht geschlechtsbezogener Begriffe |
||||||
| Ideologie Weltanschauung |
Abwehrform | Aversion bis Feindseligkeit gegen |
Identitätsform | |||
| Heteronormativität | Heterosexismus | nicht Heteronormative | Hetero Normal | |||
| Biphobie (en) Homophobie | Bi- & Homosexuelle | Sexuelle Identität | ||||
| Transphobie (en) | Transgender | Geschlechtsidentität | ||||
| Feminismus Maskulismus | Sexismus: Misogynie / Misandrie | Frauen / Männer | Geschlechterrolle | |||
| Queer Theory | Heterophobie (en) | Heteronormativität | Mensch | |||
| Wiktionary: Homophobie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |