| Horn |
|---|
| engl.: (french) horn, ital.: corno |
![]() |
| Klassifikation |
| Aerophon Blechblasinstrument |
| Tonumfang: |
| in F: klingt eine Quinte tiefer |
| verwandte Instrumente: |
| Wagnertuba, Kornett, Flügelhorn |
| Musiker |
| Liste von Hornisten Kategorie:Hornist |
Das Horn ist ein Blechblasinstrument mit enger konischer Mensur, das im Orchester seit dem 18. Jahrhundert einen festen Platz hat.
Inhaltsverzeichnis |
Ein Horn ist grundlegend eine etwa kreisrund gewundene Röhre mit tangential herausragendem Mundrohr (zur Aufnahme des Mundstücks) und Schallstück, das bei Verwendung von Ventilen in seiner Länge während des Musizierens verändert werden kann.
Ausführungen gibt es im (die Angabe in Klammern bezeichnet die jeweilige Grundstimmung):
Die Funktionsweise des Instrumentes ist im Artikel Blechblasinstrument beschrieben.
Eines der ursprünglichsten Musikinstrumente, die der Mensch benutzte, dürfte das Horn sein. In seiner Urform bestand es aus einem Tierhorn, genauer einer Hornscheide der Cavicornia genannten Tiergruppen (Rinder, Schafe, Ziegen u. a.). Das Horn wurde dabei an der abgeschlagenen Spitze oder an einer seitlich gebohrten Öffnung angeblasen. Neben Hornscheiden wurden auch Stoßzähne, Schneckengehäuse oder Muscheln in ähnlicher Weise verwendet. Da diese Instrumente allenfalls über einige wenige aber dafür laute Töne verfügten, eigneten sie sich vor allem als Signalhörner.
Diese Hörner sind mehr oder weniger die Vorläufer von Trompete, Posaune, Bügelhorn und eben dem Waldhorn – am letzteren ist allerdings der Name Horn oder Corno hängen geblieben. Die Geschichte des eigentlichen Waldhorns beginnt dagegen erst am Ende des 17. Jahrhunderts.
Am Ende des 17. Jahrhunderts hielt das kreisrunde Horn Einzug in die Kunstmusik. Ludwig XIV. (Frankreich) beschäftigte 14 Parforce-Hornisten für die Gestaltung der Hofmusik. Schon bald brachte Jean-Baptiste Lully auch diese Instrumente in das Orchester. Ähnlich den Trompetern wurden im Barock auch für die Hornisten Partien und Solokonzerte in sehr hoher Clarinlage geschrieben.
Dieses Instrument, das Corno da caccia, war jedoch nach Bauart und Klang eine rund gebaute Trompete, die mit einem Kesselmundstück gespielt wurde. Es wurde vom böhmischen Grafen Franz Anton von Spork 1681 in Deutschland eingeführt. In der Folge wurde das Hornblasen in Böhmen besonders gepflegt und die ersten großen Hornisten auf dem Waldhorn stammten aus Böhmen wie Anton Joseph Hampel, Johann Wenzel Stich, Karl Haudek oder Johann Joseph Rudolph.
Daneben wurden in dieser Zeit weitere kreisrunde Instrumente entwickelt, etwa das Parforcehorn, ein großwindiges Instrument zur reiterlichen Jagd.
Dem Dresdner Hornisten Anton Joseph Hampel kommt das Verdienst zu, durch mehrere entscheidende Veränderungen aus dem Corno da caccia den Typus des heutigen Waldhorns entwickelt zu haben.
Zusammenfassend führten folgende Besonderheiten zu einem veränderten Instrument mit neuen Klangeigenschaften:
In heutiger Zeit gibt es im Rahmen einer möglichst getreuen historischen Aufführungspraxis wieder eine erfreuliche Renaissance des Naturhorns in seinen Formen als barockes Instrument, Parforcehorn oder Inventionshorn. Große Verdienste bei der Wiederbelebung und Interpretation des Naturhorns haben sich der Hornist Hermann Baumann und Die Deutschen Naturhornsolisten erworben.
Immer wieder wurde in dieser Zeit nach anderen Lösungen als Ersatz für die Stopftontechnik gesucht.
Die letzte einschneidende Veränderung des Horns (wie der übrigen Blechblasinstrumente) war die Erfindung des Ventils, das um 1813 vom Hornisten Friedrich Blühmel erfunden wurde. Der Hornist und Mechaniker Heinrich Stölzel, der unabhängig von diesem ebenfalls ein Ventilhorn entwickelt hatte, einigte sich mit Blühmel über dessen Rechte und hat sich seine Erfindung am 12. April 1818 patentieren lassen. Zunächst mit 2 Ventilen gebaut, wurden sie am Beginn noch wie Naturhörner geblasen, die Ventile ersetzten nur den umständlichen Bogenwechsel. Um 1830 haben verschiedene Instrumentenbauer unabhängig voneinander ein drittes Ventil hinzugefügt. Bedeutend ist der Leipziger Christian Friedrich Sattler, der eines der ersten chromatischen Hörner gebaut und damit zur Ablösung des Naturhorns beigetragen hat.
Während Carl Maria von Weber den Einsatz des Ventilhorns (zu seiner Zeit noch mit zwei Ventilen und damit sehr unvollkommen) im Orchester strikt abgelehnt hat, war um 1850 der Wechsel in fast allen Orchestern vollzogen, wenngleich die Tradition des Naturhorns noch einige Zeit separat weiterlebte. Felix Mendelssohn Bartholdy war einer der ersten, der das Ventilhorn bei seinen Kompositionen im Kopf hatte: in seinem Nocturno aus dem Sommernachtstraum.
War die Stimmung der Ventilhörner zunächst auf F festgelegt, versuchte man doch bald auch kürzere Instrumente in B zu bauen, welche besser und sicherer in der Höhe ansprachen. 1897 konstruierten Eduard Kruspe und Bartholomäus Geisig aus Erfurt dann das erste kompensierte Doppelhorn. Die B-Stimmungen eines Instruments kann durch ein Haupt-Schaltventil um ca. 100cm auf „F“ verlängert werden und bei jedem der 3 doppelstöckigen Spielventile wird eine entsprechende Länge zusätzlich hinzugeschaltet. 1909 gelang der Firma Gebr. Alexander Mainz der Bau des ersten vollausgebauten Doppelhorns. Hierbei wählt man mit dem Haupt-Umschaltventil zwischen der „F“- oder der „B“-Länge. Diese beiden Instrumententypen werden bis zum heutigen Tag geblasen und bilden den Standard moderner Orchesterinstrumente.
Etwa 1970 wurde dann noch versucht, die Hoch-F-Stimmung in das Horn zu integrieren. Das Ergebnis waren Tripelhörner mit dreistöckigen Spielventilen in der Stimmung tief F/B/hoch F.
Eine Ausnahme bildet das Wiener Horn. Es entspricht praktisch einem Inventionshorn mit F-Bogen, das mit Pumpventilen ausgestattet wurde. Bei den Wiener Philharmonikern ist es Pflicht wegen der besonderen Klangqualität des reinen F-Horns und der Pumpventile, dass die Hornisten auf einem Wiener Horn blasen.
In den Hornstimmen klassischer Musik hat sich auch nach Einführung des Ventilhorns bis Anfang des 20. Jahrh. die Tradition erhalten, die Hornstimme so zu notieren, dass sie ohne Haupt-Vorzeichen notiert werden kann. Das leitet sich daraus ab, dass der Komponist gewohnt war, mit dem Naturton-„Vorrat“ der ventillosen Hörner auszukommen. Wenn nicht anders angegeben, ist (für alle F- oder/und B-Hörner) die Notation auch in der modernen Blasorchesterliteratur in F.
Im alten Blasorchestersatz ist die Notation oft in Es, da dort mitunter Es-Althörner in Waldhornform verwendet wurden/werden. Bei Verwendung eines separaten Es-Stimmzuges beim F-Waldhorn ist zu beachten, dass die 3 Ventilzüge zur Intonationskorrektur entsprechend zu korrigieren sind (siehe: Ventilzuglängen und Intonationsprobleme der Ventile (Blasinstrumente).
Die kürzere Rohrlänge des B-Horns erlaubt sichereres Spiel in den höheren Lagen. Darum wird bevorzugt das B-Horn verwendet. Da es in der Tonhöhe des F-Horns geblasen wird, liegen die Naturtöne des B-Horns auf den Tönen F-C-F-A-C usw. (klingend B-F-B-D-F usw.), es wird also eine andere Grifftabelle verwendet als beim F-Horn.
Eine ganze Reihe von Blechblasinstrumenten sind in ihrer Mensur eng mit dem Horn verwandt. Diese Gruppe wird unter der Bezeichnung Horninstrumente zusammengefasst.
Eine besondere Form des Horns ist die Horntube oder Wagnertube, welche Richard Wagner nach seinen Angaben um 1870 für das Orchester des Nibelungenrings bauen ließ. Die Wagnertube ähnelt dem Bariton, ist aber enger mensuriert. Wie das Horn wird sie links gegriffen und mit dem gleichen Hornmundstück geblasen. Die Wagnertube wird immer im Quartett eingesetzt, dabei gibt zwei Tenortuben in B und zwei Basstuben in F. Außer Wagner haben auch andere Komponisten die Wagnertuben in ihren Kompositionen eingesetzt, etwa Anton Bruckner in den Sinfonien Nr. 7, 8 und 9 jeweils als Quartett, Richard Strauss in der Alpensinfonie und der Oper Elektra, je zwei B-Tuben, sowie Igor Strawinsky im „Sacre du Printemps“ zwei B-Tuben.
Durch die konische Mensur gehören auch Kornett und Flügelhorn zu den Horninstrumenten: Obwohl sie der hohen Lage wegen meistens von Trompetern geblasen werden, verraten sie ihre Verwandtschaft durch den ähnlich weichen und runderen Klang.
Ein Großteil der kammermusikalischen Werke mit Horn sind für folgende Besetzungen geschrieben:
Das Horn wurde abhängig von seiner Entwicklungsstufe und der Epoche sehr unterschiedlich eingesetzt. Die Entwicklung reicht von Signalrufen (Jagdmotive) im Barock (meist paarweise auftretend, siehe Concerto Grosso, G. P. Telemann, J. S. Bach, G. F. Händel) bis hin zum „klangfüllenden“ romantischen Stilmittel in der Sinfonie, wobei die Signaleigenschaft in den Hintergrund tritt, die Assoziation mit der Natur jedoch geblieben ist.
Im Sinfonieorchester sitzen die Hornisten gewöhnlich in einer Viererformation links (vom Publikum aus gesehen) von den Holzbläsern, die sie somit vom „schweren Blech“ (Trompeten, Posaunen, Tuba) trennen. Dies ist so, weil das Horn klanglich gesehen auch, für manche vor allem, zu den Holzblasinstrumenten gehört. Grob gesehen ist die Anzahl der Hörner im Orchester auch im Laufe der Zeit angestiegen: in der Klassik normalerweise zwei (Beethoven verwendete in seiner letzten Sinfonie auch vier), in der Romantik drei bis vier. Die Verwendung von dreien ist nicht so häufig, z. B. in Beethovens dritter Sinfonie oder im Cellokonzert von Antonin Dvorak. In der Spätromantik brachten deren Vertreter, z. B. A. Bruckner, R. Wagner, G. Mahler und R. Strauss bis zu zwölf Hörner unter.
Adelung-1793: Horn-Pomeranze, die · Martins-Horn, das · Ammons-Horn, das · Horn, das
Brockhaus-1809: Horn-Musik · Russische Horn- oder Jagd-Musik · Das Englische Horn · Die Jagd- oder Horn-Musik
Brockhaus-1837: Horn [2] · Horn [1]
Brockhaus-1911: Horn [6] · Horn [5] · Horn [4] · Horn [9] · Horn [8] · Horn [7] · Horn [3] · Goldenes Horn · Englisch-Horn · Big Horn River · Horn [2] · Horn [10] · Horn
Heiligenlexikon-1858: Guilielmus Horn (80)
Herder-1854: Horn [4] · Horn [5] · Horn [6] · Horn [3] · Englisches Horn · Horn [1] · Horn [2]
Lueger-1904: Hörn · Horn · Daboll-Horn
Meyers-1905: Horn [6] · Horn [5] · Horn [4] · Horn [7] · Kap Horn-Strömung · Horn. · Horn-Afvan · Englisch Horn · Big Horn River · Big Horn Mountains · Goldenes Horn · Horn [3] · Horn [2] · Horn [1]