Hypochondrie

Hypochondrie (gr. ὑποχόνδρια: Gegend unter den Rippen) ist eine somatoforme Störung und bezeichnet nach den internationalen Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM-IV eine psychische Störung, bei der die Betroffenen unter ausgeprägten Ängsten leiden, eine ernsthafte Erkrankung zu haben, ohne dass sich dafür ein objektiver Befund finden lässt. Im Alltagssprachgebrauch wird unter Hypochondrie eine von Angst dominierte Beziehung zum eigenen Körper und zu dessen Funktionieren verstanden. Die Betroffenen (Hypochonder) achten vermehrt auf geringe Veränderungen von Körperfunktionen. Der Hauptgegenstand der Befürchtungen ist meist über längere Zeit konstant, beispielsweise Angst vor Krebs (Karzinophobie), vor AIDS oder eine Angst, überhaupt zu erkranken (Nosophobie), wobei alltägliche körperliche Wahrnehmungen als Krankheitszeichen fehlgedeutet werden.

Man spricht laienhaft von einer eingebildeten Krankheit (siehe Molière, Der eingebildete Kranke), als ob Hypochonder „nichts“ hätten. Tatsächlich erleben Hypochonder Missempfindungen, aber die Bedeutung, die sie ihnen überbesorgt beimessen, erscheint der Umgebung nicht nachvollziehbar, und Heilfachkundige können gewöhnlich keine auffälligen Organbefunde feststellen. Typischerweise haben die Betroffenen bereits viele medizinische Untersuchungen hinter sich und wechseln häufig den Arzt („Doctor Hopping“ oder „Doctor Shopping“ genannt).

Definitionsgemäß sollte man die Hypochondrie von Wahnstörungen oder der übermäßigen Beschäftigung mit der eigenen körperlichen Erscheinung (Dysmorphophobie) abgrenzen. Besonders wichtig ist auch die Abgrenzung zu den anderen somatoformen Störungen.

Bei nachhaltiger Ausprägung ist Hypochondrie eine ernst zu nehmende Störung, die quälend sowohl für die Betroffenen als auch – manchmal noch mehr – für ihre Umgebung sein kann. Nach den Ergebnissen einer großen WHO-Studie (Gureje et al., siehe Literatur) zählt Deutschland international zu den Spitzenreitern für hohe Krankheitsangst. Die Krankheit tritt bei Frauen und Männern etwa gleich häufig auf.

Die ursprüngliche Wortschöpfung erfolgte durch Galen: Der Begriff hängt mit dem griechischen „chondros“ (Knorpel) zusammen. Gemeint sind die Rippenknorpel, unter („hypo“) denen man Leber und Galle findet. Das Wort „Melancholie“ enthält die griechischen Begriffe für „schwarz“ und „Galle“.

Zitate

  • „Hypochondrie ist nicht bloß, sich ein Leiden, das man nicht hat, einzubilden, sondern Leiden, die man hat, zu aufmerksam zu beschauen.“ (Ernst von Feuchtersleben)
  • „Eingebildete Übel gehören zu den unheilbaren.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)
  • „Hypochondrie: selbsttätige Gemütsbeklemmung.“ (Ambrose Bierce)
  • „Der Hypochonder ist ein Mensch, der gerade genug Geist und Lust am Geiste besitzt, um seine Leiden, seinen Verlust, seine Fehler gründlich zu nehmen.“ (Friedrich Nietzsche)
  • „Ich bin kein Hypochonder, ich bin ein Alarmist.“ (Woody Allen)

Literatur

  • Susan Baur: Die Welt der Hypochonder. Über die älteste Krankheit der Menschheit, dtv, München 1994, ISBN 3423304294
  • O. Gureje, T.B. Üstün, G.E. Simon: The syndrome of hypochondriasis: A cross-national study in primary care, Psychological Medicine, 27, 1997, 1001–1010
  • John Naish: Hypochondrie kann tödlich sein. Handbuch für eingebildete Kranke (Satirische Betrachtung, kein Sachbuch), Rowohlt Verlag, Reinbek 2005, ISBN 3499619946
  • Autark Magazin: "Hypochondrie" (Monothematisches Magazin mit Beiträgen zum Thema, Bestellung online), 2004
  • Gaby Bleichhardt, Florian Weck: "Kognitive Verhaltenstherapie bei Hypochondrie und Krankheitsangst" Springer, 2007, ISBN 978-3540468547

Weblinks

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