Illertissen

Wappen Deutschlandkarte
Wappen von Illertissen
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Illertissen hervorgehoben
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Neu-Ulm
Koordinaten: 48° 13′ N, 10° 5′ O
Höhe: 513 m ü. NN
Fläche: 36,45 km²
Einwohner: 16.455 (30. Juni 2005)
Bevölkerungsdichte: 451 Einwohner je km²
Postleitzahl: 89257 (alt: 7918)
Vorwahl: 07303
Kfz-Kennzeichen: NU (alt: ILL)
Gemeindeschlüssel: 09 7 75 129
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Hauptstraße 4
89257 Illertissen
Webpräsenz:
Bürgermeisterin: Marita Kaiser (Parteilos)

Illertissen ist eine Stadt im schwäbischen Landkreis Neu-Ulm und liegt circa 30 km südlich von Ulm und 30 km nördlich von Memmingen in Mittelschwaben.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Illertissen liegt auf einer Höhe von 513 m über NN, im Südwesten des Bundeslandes Bayern im Regierungsbezirk Schwaben. Die Stadt hat ihren Namen von der unmittelbar an der westlichen Stadtgrenze vorbeifließenden Iller.


Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Illertissen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt:

Bellenberg, Weißenhorn, Buch, Unterroth, Altenstadt (alle Landkreis Neu-Ulm), Dietenheim (Alb-Donau-Kreis).

Stadtgliederung

Die Stadt Illertissen setzt sich zusammen aus der Kernstadt und den Stadtteilen Au (nordwestlich), Betlinshausen (nordöstlich), Tiefenbach (nordöstlich) und Jedesheim (südlich der Kernstadt).


Geschichte

Illertissen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Der älteste bekannte Nachweis der Besiedlung geht bis auf etwa 500 n. Chr. zurück. Die erste urkundliche Erwähnung unter dem Ortsnamen „Tussa“ war im Jahre 954 n. Chr. Der Grund der Erwähnung war die Versöhnung des hl. Ulrich, Bischof von Augsburg, und dem damaligen Bischof von Chur, König Otto I., mit seinem Sohn Herzog Liudolf von Schwaben, um dann anschließend mit einem vereinten Heer auf dem Lechfeld das weitere Vordringen der Ungarn zu verhindern. Die drei P (Pugnamus Pro Pace - „Wir kämpfen für den Frieden“) im Stadtwappen können auf dieses Ereignis bezogen werden. Im 12. bis 13. Jahrhundert entstand unter den Grafen von Kirchberg die Burg Tissen. Jetzt besser bekannt unter dem heutigen Namen „Vöhlinschloss“. Bereits 1430 erlangte die Herrschaft von Kirchberg das Marktrecht und die hohe Gerichtsbarkeit von Kaiser Sigismund für das Dorf „Tissen“. Fortan blühten Handel und Handwerk auf. Neben Bauern und Handwerkern waren in Illertissen auch Bierbrauer und Weber ansässig. Das Handelsgeschlecht der Vöhlin (1520-1757), einer Memminger Patrizierfamilie, bestimmte wesentlich die Geschichte Illertissens. Sie erwarben 1520 das Schloss und die Herrschaft Illertissens. Im 18. Jahrhundert endete die Zeit der Vöhlin mit deren finanziellen Bankrott und dem Verkauf der Herrschaft (1756) an den Bayerischen Kurfürsten Max Josef III. Seit 1803 ist das Schloss im Besitz des Bayerischen Staates. Dort waren Rent- , Bezirks-, Landrats- und Finanzamt sowie das Amtsgericht untergebracht. Seit 1983 sind in den freien Räumen das Bienen- und Heimatmuseum untergebracht.

Einen wichtigen Entwicklungsschub für den argrarisch geprägten Markt brachte der Bau der Eisenbahnlinie Ulm - Oberstdorf 1861/62 (Illertalbahn).

Westlich der Bahn siedelten sich Industriebetriebe an, die Einwohnerzahl entwickelte sich entsprechend von ca. 1.000 um das Jahr 1800 auf ca. 1.800 im Jahre 1905 bis auf 2.500 im Jahre 1930. Erst ab dem Jahre 1926 lebte die Marktgemeinde nach dem Währungsverfall 1923 wieder auf. Dann kamen das „Dritte Reich“ und der Zweite Weltkrieg, eine unselige Zeit des Niedergangs. Nur knapp war im April 1945 der Drohung der Amerikaner zu entgehen, „den Markt in Schutt und Asche zu legen“. Erst nach drei Jahren vielfältiger Not leiteten Währungsreform und Marktwirtschaft einen Aufschwung ein wie nie zuvor. Neue Produktionszweige siedelten sich an. Somit konnte sich Illertissen relativ schnell in die allgemeine Industrialisierung einschalten, ohne dass der natürliche Lebensraum, das soziale Gleichgewicht oder das Stadtbild gestört worden wären. Dazu leisteten auch die Heimatvertriebenen einen bemerkenswerten Beitrag.

Anlässlich der 1000-Jahr-Feier wurde Illertissen 1954 zur Stadt erhoben. Mit dem 1971 eingegliederten Stadtteil Betlinshausen sowie den 1978 im Rahmen der kommunalen Gebietsreform hinzugekommenen Stadtteilen Au, Jedesheim und Tiefenbach ist Illertissen zu einer Stadt mit ca. 16.500 Einwohnern gewachsen.

Politik

Stadtrat

Der Stadtrat hat 24 Mitglieder zuzüglich des nebenamtlichen Bürgermeisters.

CSU SPD FWG Bürgerliste FDP ödp Gesamt
2002 10 5 6 1 1 1 24 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 3. März 2002)

Wappen

Das im Jahr 1530 von Erhard Vöhlin verliehene Wappen zeigt in Rot einen aufrecht stehenden goldenen Löwen, überdeckt von einem schwarzen Balken mit drei silbernen Großbuchstaben „P“ (Pugnamus pro Pace, lat. Wir kämpfen für den Frieden).

Städtepartnerschaften und Patenschaften

  • Carnac (Bretagne, Frankreich)
  • Elbogen (Tschechien)
  • Im Jahr 1953 wurde vom Markt Illertissen eine Patenschaft über die Stadt Elbogen im Egerland übernommen, begründet aus der Verbundenheit mit den vertriebenen Egerländern, der Erhaltung des Kulturgutes dieser Stadt und den mehrfachen historischen Beziehungen Illertissens mit Elbogen.
  • Anläßlich der Stadterhebung Illertissens im Jahr 1954 wurde von der Stadt Augsburg eine Patenschaft über die junge Stadt Illertissen übernommen. Sie wurde zur 50-Jahr Feier der Erhebung 2004 erneuert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Vöhlinschloss 1923
Vöhlinschloss 1923
Panoramaaufnahme des Vöhlinschlosses aus südostlicher Richtung
Panoramaaufnahme des Vöhlinschlosses aus südostlicher Richtung
  • Vöhlinschloss, entstanden im 12./13. Jahrhundert als Burg Tissen der Grafen von Kirchberg, 1520-1756 im Besitz der Memminger Patrizierfamilie Vöhlin, mit Rokokokapelle und Bienenmuseum
  • Pfarrkirche St. Martin (1590), mit Hochaltar der Hochrenaissance von Christoph Rodt (1604) und Carillon
  • Historische Schranne (1847)
  • Rathaus (1891)


Wirtschaft und Infrastruktur

Auch wenn die ehemalige Kreisstadt Illertissen im Zuge der Kreisreform Einrichtungen an den Landkreis Neu-Ulm abgeben musste, hat die Stadt als regionales Mittelzentrum im südlichen Landkreis nichts von ihrer wirtschaftlichen Bedeutung eingebüßt.

Illertissen konnte sich im Verlauf der letzten 25 Jahre in der Qualität seines Wohnwertes, des Kultur- und Bildungswesens, des Arbeitsplatzangebotes sowie der verkehrstechnischen Erschließung wesentlich steigern. Im produzierenden Gewerbe sind rd. 64 % der Erwerbstätigen beschäftigt. Hierbei sind folgende Industriezweige vertreten: Chemie, Pharmazie, Grundstoffe, Steine und Erden, Holzverarbeitung, Eisen und Metall, Maschinenbau, Elektrotechnik, Kunststoffe, Textil und Bekleidung sowie Nahrungs- und Genussmittel. Der Rest gliedert sich in Handel und Verkehr, Dienstleistungen und Land- und Forstwirtschaft.

Viele der bereits früher ansässigen Betriebe vergrößerten ihr Arbeitsplatzangebot um ein Mehrfaches, so dass derzeit ca. 6.800 Arbeitsplätze eine gute Grundlage für die künftige Fortentwicklung Illertissens abgeben. Durch die Erschließung größerer Wohnbaugebiete und Zunahme der Bevölkerungszahl wurden in der Vergangenheit schulische Einrichtungen in erheblichem Umfang errichtet: Grund- und Hauptschule, Realschule und Gymnasium mit Sporthallen, Berufsschule mit Berufsfachschule, Sonderschule, Berufsgenossenschaftliches Bildungszentrum für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Verbunden mit dem Schulangebot wurde die Verwirklichung einer Sportanlage mit Stadion für den Schul- und Vereinssport notwendig.

Mit mehr als 18,5 Millionen Euro (> 1.100 Euro pro Einwohner) ist die Stadt inzwischen aber überdurchschnittlich verschuldet.

Verkehr

Straßenverkehr
Illertissen hat über die A 7 Anschluss an das überregionale Straßennetz.

Weitere wichtige Teile im Illertisser Straßennetz sind die St. 2031 (ehemals B 19), die das Stadtgebiet in Nord-Süd-Richtung durchquert, sowie die St. 2018 („Autobahnzubringer“), die südlich an Illertissen vorbeiführt und Durchgangsverkehr von und zu der Autobahn aus dem benachbarten Baden-Württemberg verhindert. Im Norden Illertissens wurde vor einigen Jahren der 1. Teil der sog. „Nordtangente“ von der St. 2031 bis zur Heinrich-Mack-Str. gebaut, der Lückenschluss bis zur Auer Straße kann derzeit aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden.

Eisenbahn
Illertissen liegt an der Bahnlinie Ulm - Memmingen (Illertalbahn) und ist Teil des Donau-Iller-Nahverkehrsverbundes. Am vor wenigen Jahren komplett renovierten Bahnhof hält dabei stündlich eine Regionalbahn, vor und nach den üblichen Bürozeiten verdichtet sich der Takt auf etwa 30 Minuten.

Öffentlicher Nahverkehr
Der zur Einweihung des Freizeitbades Nautilla eingeführte „City-Nauti-Bus“ (Linien 701 und 702) verkehrt stündlich und verbindet die Stadtteile Au, Betlinshausen, Tiefenbach und Jedesheim mit der Kernstadt. Daneben bestehen Busverbindungen nach Altenstadt (Iller), Babenhausen, Vöhringen (Schwaben) und Weißenhorn.

Flugverkehr
Im Osten Illertissens befindet sich ein Sportflugplatz, der vom Luftsportverein Illertissen e.V. genutzt wird und für Motorsegler, Segelflugzeuge und Helikopter geeignet ist. Der nächstgelegene internationale Flughafen befindet sich in Stuttgart und ist mit dem Kfz in etwa 60 min. zu erreichen. Weitere für Illertissen wichtige Flughäfen sind die Flughäfen Memmingen (30 min.), Friedrichshafen (60 min.), besonders aber München - Franz Josef Strauß, der in ca. 90 min. erreichbar ist.

Ansässige Unternehmen

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Nachfolgend eine (unvollständige) Liste der Unternehmen in alphabetischer Reihenfolge:

  • Cognis (Chemieindustrie)
  • Illerplastic (Fensterbau, Kunststofftechnik)
  • Josef Kränzle GmbH (Reinigungsgeräte)
  • Lanwehr (Süßwaren)
  • Pfizer (Pharmaindustrie)
  • RUKU (Holz- und Metallverarbeitung)
  • Siramed (Medizintechnik)
  • Weinig Gruppe (Holzverarbeitung)

Ehemaliges Unternehmen

  • Die Sportartikelfabrik Jakob Kriener fertigte zwischen 1925 und 1998 Sportbälle an. Ihre Fußbälle kamen auch bei Weltmeisterschaften, so 1970 im Mexiko, zum Einsatz. In den 1960er Jahren waren 27 so genannte Ballsattler zum Nähen der Leder eingesetzt. Am Ende des Tages musste jeder drei neue Bälle fertiggestellt haben.


Öffentliche Einrichtungen

Freizeitbad Nautilla
Das 1992 eröffnete Nautilla ist ein Freizeitbad mit mehreren Becken (Schwimmer, Nichtschwimmer, Erlebnisbecken, Außenbecken), 52 m langer Wasserrutsche, Gastronomie und Wellnessbereich (Dampfbad, Saunalandschaft, Massagen). Seit der Eröffnung wurde das Bad mehrmals erweitert und optisch verschönert, um gegen Konkurrenzbäder in der Umgebung (z.B. Atlantis in Neu-Ulm, Jordanbad in Biberach) bestehen zu können.

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  • Illertalklinik
  • Vöhlinhalle (Dreifachsporthalle, eröffnet Anfang 2006)


Bildung

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Kolleg der Schulbrüder
Illertissen verfügt mit dem Kolleg der Schulbrüder über ein allgemeines Gymnasium (naturwissenschaftlich-technologischer und sprachlicher Zweig). Schulträger ist das Schulwerk der Diözese Augsburg. Das Kolleg hat seinen Namen von den „Schulbrüdern vom Orden des Heiligen Johannes von La Salle“, die 1925 den Schulbetrieb (damals noch als Ordensschule) aufgenommen haben. Seit August 2005 wird das Kolleg mit Manfred Schöpplein erstmals nicht von einem Schulbruder geleitet. Ende 2004 hatte das Kolleg 975 Schüler und 67 Lehrkräfte (Quelle: Amtsblatt der Bayerischen Kultusministeriums vom 30.12.2004).

Weitere allgemeine Schulen

  • Johannes-De-La-Salle-Schule (Realschule)
  • Erhard-Vöhlin-Schule (Hauptschule)
  • Bischof-Ulrich-Schule (Grundschule)
  • Karl-August-Forster-Schule, Au (Grund- und Teilhauptschule)
  • Schule am Sonnenhang, Jedesheim (Grundschule)
  • Volksschule am Lichtacker, Tiefenbach (Grundschule)

Förderschulen

  • Förderzentrum Illertissen-Weißenhorn

Berufsschulen

  • Berufsschule für Hauswirtschaft, gewerblichen und kaufmännischen Zweig
  • Berufsgenossenschaftl. Bildungsstätte
  • Berufsfachschule für Krankenpflege

Volkshochschulen

  • Volkshochschule im Landkreis Neu-Ulm e. V.


Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt


Weblinks


Quelle:
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