Ein Industriestandard ist ein technischer Standard, der sich im Laufe der Jahre durch die Praxis vieler Anwender und verschiedener Hersteller als technisch nützlich und richtig erwiesen hat, bei einer gewissen Problemstellung ein bestimmtes pragmatisches Regelwerk einzuhalten. Ein (inter)nationales Normungsverfahren wurde jedoch nicht durchgeführt. Der englische Sprachraum kennt den Industriestandard als de facto standard.
Ein schönes Beispiel ist der erweiterte ASCII-Zeichensatz (Bytes 128 bis 255) des IBM-PC 1981; nachdem sich die Empörung der Fachwelt gelegt hatte, wurde er von allen kompatiblen Herstellern akzeptiert. (Siehe auch: Lochkarte.)
Der Nachteil eines Industriestandards im Vergleich zur offiziellen Norm lässt sich am Beispiel DOS illustrieren: DOS war ein Industriestandard für PC-Betriebssysteme; es gab jedoch zeitgleich verschiedene Ausprägungen des Systems (PC-DOS, MS-DOS, DR-DOS), die untereinander nicht vollständig kompatibel waren.
Oft wird der Begriff Industriestandard auch für IBM-kompatible PCs verwendet.
Ein Industriestandard wird auch durch technische Absprachen mehrerer Unternehmen geschaffen. Beispiel dafür ist Ethernet: Die Ethernet-Spezifikation wurde von drei Firmen (DEC, Intel, Xerox) abgesprochen und später von IEEE und ISO zu internationalen Standards erklärt.
Generell gehen solche Aktivitäten inzwischen aber zurück zugunsten von größeren Foren. Gruppen (meist Herstellerfirmen aus der privaten Industrie), die an einem Thema Interesse haben, und sich in Standardisierungsgremien nicht ausreichend repräsentiert sehen, gründen Foren mit dem Ziel, für eine ganz neue Technik, die erst entwickelt werden muss, einen Industriestandard zu setzen. Damit werden für die beteiligten Firmen die Marktrisiken verkleinert. Die DVD ist beispielsweise auf diese Art standardisiert worden.
Im Gegensatz zu offenen Standards, die den Wettbewerb fördern, da sie problemlos von mehreren Unternehmen unabhängig voneinander implementiert werden können, fördern Industriestandards in der Regel bereits bestehende Monopolstellungen: sie entwickeln sich aus dem sowieso bereits am Markt vorherrschenden Produkt, und der Hersteller hat die Möglichkeit, eine gleichwertige Implementierung durch Konkurrenten über Patente oder unvollständige Dokumentation zu verhindern.